Abseits der goldenen Route: Meine Lieblingsorte in Japan.

Für viele Japanreisende besteht der erste Japanurlaub aus der goldenen Route: Von Tokyo geht es über Kyoto und Osaka nach Hiroshima und wieder zurück. Das hat den Vorteil, dass die gesamte Strecke mit dem Shinkansen, dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, abgefahren werden kann, die Städte wirklich etwas bieten und man überall viele Informationen auch auf Deutsch oder Englisch findet.

Auch ich fand Kyoto unglaublich beeindruckend und unsere Hiroshima-Reise vor einigen Jahren war wunderschön. Es gibt aber auch andere tolle Orte, die man in einem Japanurlaub fantastisch unterbringen kann – Zwei Gegenden stelle ich euch diesmal vor. 🙂

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Shikoku: Auf der kleinsten Insel Japans entschleunigen

Diese Inselform ist unglaublich typisch in Setouchi, der Region ums Seto-Binnenmeer

Japan besteht aus vier Hauptinseln: Hokkaidō im Norden, Honshū in der Mitte, Kyūshū im Süden und dann noch Shikoku, die sich an Honshū und Kyūshū schmiegt, auf der einen Seite der Pazifik auf er anderen das Seto-Binnenmeer.

Shikoku besteht aus lediglich vier Präfekturen, Ehime, Kōchi, Tokushima und Kagawa und beherbergt lediglich 3% der japanischen Bevölkerung. Es ist also alles ein wenig ländlicher, ein wenig ruhiger, ein wenig gemächlicher. Das heißt aber noch lange nicht, dass es nichts zu sehen gäbe!

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Der Dogo-Onsen in Ehime war eines der Vorbilder des Badehauses im Anime „Chihiros Reise ins Zauberland“

Am meisten haben es mir die beiden Präfekturen am Seto-Binnenmeer, Ehime und Kagawa, angetan. Ob man auf der Shimanami Kaidō von Insel zu Insel hüpfen, historische Gebäude sehen oder einfach mal lecker essen möchte, in Ehime und Kagawa kann man all das und noch viel mehr. Obwohl es natürlich viel einfacher ist, wenn man mit dem Auto unterwegs sein kann – An alle wichtigen Orte kommt man auch mit der Bahn oder mit Bussen. Die sind natürlich nie so proppevoll wie in Tokyo, fahren aber auch nicht ganz so häufig.

Blick von den Stufen zum Konpirasan

Wenn man dann wirklich mal wieder ausländische Gesichter sehen will, kann man auf die Kunst-Insel Naoshima fahren, die ist nämlich auch unter Nichtjapanern längst kein Geheimtipp mehr. Wenn man am Meer sitzt und einem die Sonne ins Gesicht scheint, kann man mal so richtig die Seele baumeln lassen.

Und wer Udon-Nudeln liebt, aber noch nie in Kagawa war, der hat eindeutig etwas verpasst!

Aomori: Im hohen Norden durch den Schnee stapfen

Das typische Rot bildet im Schlossgarten Hirosakis einen schönen Kontrast zum weißen Schnee

Man muss Aomori, am obersten Zipfel der Hauptinsel Honshū gelegen, nicht im Winter besuchen, aber es lohnt sich. Während Tokyo jedes Jahr etwa einen Schneetag abbekommt, türmt sich der Schnee in Aomori. Es ist die schneereichste Präfektur Japans.

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Beluchtete Figuren zeigen in Aomori Stadt den Weg

Von Tokyo aus kann man Aomori mit dem Shinkansen innerhalb weniger Stunden erreichen und auch innerhalb der Präfektur ist man mit Bahn und Bus gut unterwegs. Weil Aomori nicht auf der Reiseliste vieler Touristen steht, wird es auch außerhalb der großen Feste im Sommer, den Nebuta/Neputa Matsuri, nie so richtig voll. Vielleicht bemerkt ihr ja einen Trend in meinen Lieblingsorten… 😉

Im Winter ist die Landschaft einfach wunderschön und die heißen Quellen sind natürlich nie so willkommen, wie wenn man komplett durchgefroren ist. Es gibt aber auch in den wärmeren Jahreszeiten schöne Gegenden zu erkunden. Allein für den Oirase-Bach würde ich gern noch einmal im Sommer hinfahren. Denkt übrigens bitte nicht, dass es im Sommer kühl wäre, weil der Winter so kalt ist: Das stimmt in Japan leider so gut wie nie.

Eine der gigantischen Neputa-Figuren von Goshogawara

Egal zu welcher Jahreszeit man dort ist: Allein die westlichen Gebäude, die von Missionaren in Hirosaki erbaut wurden, die riesigen beleuchteten Nebuta-Figuren in Aomori Stadt oder Goshogawara, der leckere Fisch und die Herzlichkeit der Leute sind eine Reise wert.

Natürlich heißt das Abweichen von wohlbekannten Pfaden auch, dass es manchmal etwas schwieriger sein kann, wenn man kein Japanisch spricht. In Aomori z.B. gab es einen Busfahrplan, auf dem die Zeiten in Schriftzeichen angezeigt wurden. Aber Japan ist kein gefährliches Land und so kann man seine Verständigungskünste mit Händen und Füßen trainieren. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre einen Bus zu verpassen oder etwas zu Essen, das man nicht unbedingt essen wollte. Mit anderen Worten: Es kommt ein wenig Abenteuer in die Reise. 😉

Habt ihr Lieblingsorte in Japan, die nicht jeder besucht? Schreibt sie mir doch in die Kommentare. 🙂

13 Gedanken zu „Abseits der goldenen Route: Meine Lieblingsorte in Japan.

  1. Maren sagt:

    Mein persönliches Highlight auf der letzten Reise waren definitiv die Stadt Takayama und die umliegenden japanischen Alpen. Das dort regionale Essen (es dreht sich alles um Hida-beef) war unglaublich lecker und die Natur mit den vielen Flüssen, Zypressenwäldern und schneebedeckten Bergen wunderschön (Die Besteigung des Berges Norikura kann ich nur empfehlen).
    Auch sonst dreht sich in Takayama viel um Holz und Wasser.

    • Claudia sagt:

      In Takayama war ich leider noch nicht, hört sich aber wie ein sehr entspannter Ort an. 🙂 Gifu wollte ich sowieso mal wieder besuchen, bisher war ich nämlich dort wirklich nur in Shirakawago.

    • lennart sagt:

      Danke für den TIpp! Den Norikura werde ich mir merken – Takayama steht bei uns auch auf der Liste (japanische Alpen). Die schönsten Geheimtipps haben wir also vermutlich auch noch nicht gesehen…
      – Daher wäre mein Tipp auch die Besteigung der drei Berge in der Yamagata-Präfektur bei Tsuruoka: Gassan, Yudonosan und Hagurosan. Gepaart mit einem ruhigen Ryôkan geht es dort sehr entspannt zu.
      – Sendai und Fukuoka sind zwei Städte mit der „richtigen Größe“, die tolle Atmosphäre und Kultur zu bieten haben ohne wie Tokyo aus allen Nähten zu platzen scheinen. Mit Matsushima hat Sendai auch eine wunderschöne Küstenregion zu bieten.

      Die goldene Route ist voll mit Touristen (auch ich habe einen duetlichen Anstieg der Chinesen zw. 2008 und 2014 bemerkt) und beherbergt die einzige Gefahr in Japan, übers Ohr gehauen zu werden. Allerdings muss man auch sagen, dass die Infrastruktur hervorragend ist und sich Japan von seiner besten Seite zeigt.

  2. zoomingjapan sagt:

    Hatte gehofft, dass da vielleicht was dabei ist, was ich noch nicht besucht habe. ^^;

    Hm. Einer meiner Lieblingsorte in Japan ist Gujo Hachiman, v.a. der Gujo Odori im August macht sehr viel Spaß. 🙂

  3. Caro sagt:

    Hallihallo,
    wir fanden Hokkaido (rund um Sapporo) im Winter sehr faszinierend.
    In Kansai hat uns Nara am besten gefallen. Da gibt es auch tolle Tempel etc. zu sehen, aber weil alles in dem großen Park verteilt ist, ist es nicht so überlaufen und viel entspannter. Und mit den süßen zahmen Rehen überall macht es gleich noch mehr Spaß.
    Ansonsten waren wir auch von Nagasaki sehr begeistert. Einfach eine hübsche Stadt so zwischen den Bergen und gleichzeitig auch am Meer.
    Liebe Grüße,
    Caro

    • Claudia sagt:

      In Nara war ich schon lange nicht mehr, aber ich hörte, dass aufgrund des heftigen Tourismus in Kyoto und Osaka Nara inzwischen auch recht voll sei. Schade, dabei ist es dort wirklich schön.

      • Kiichigo sagt:

        Ich war jetzt am Woc hende in Nara und vor etwa 6 Jahren. Vor 6 Jahren hat es mir deutlich besser gefallen. Während es vor 6 Jahren vielleicht gefühlt 20 Touristen waren, hatte ich diesmal das Gefühl, dass Unmengen, insbesondere chinesischer Touristen, dort waren. Es war zugegeben nicht ganz so schlimm, wie in Kyoto, aber es hat sich doch ziemlich verändert im Vergleich zum letzten Mal. Trotzdem ist es natürlich ein Erlebnis die Rehe zu füttern und den riesigen Buddha zu sehen. Im Tempel selbst war es zwar auch gut besucht, aber es hat sich ein bisschen auseinander gezogen.

  4. Rainer Stobbe sagt:

    Am liebsten würde ich eine ganze Reihe von Lieblingsorten ergänzen, aber nur stichwortartig vier davon, zwei in Tohoku, zwei in Kyushu:
    – Minami Sanriku: Wer Meeresfrüchte mag und nebenbei die vom Tsunami am 3/11 gebeutelten Leute unterstützen will, ist hier absolut richtig
    – Omagari (Akita): Die japanische Feuerwerkstadt
    – Beppu: Onsenort in Kyushu mit langer Tradition und besonderem Charme
    – Sakurajima (Kagoshima): der Nervenkitzel, am Fusse eines aktiven Vulkans zu sein und zu sehen, was diese aktive Natur so alles hervorbringt
    Beste Grüße!

    • rumiko sagt:

      Beppu und Sakurajima mag ich auch 🙂
      Zum Jahresende haben wir Shirahama Adventure World besucht.
      Dad steht In Wakayama Präfektur. Man kann nicht so leicht erreichen.
      Also fanden wir dort nur selten ausländische Touristen.
      Wir könnten Panda Familie mit einem Baby Panda und Baby Kaiserpinguine sehen.
      Außerdem gab es viel zu sehen 🙂

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