Kagawa, Teil 3: Wo das Meer war und wo es ist.

Direkt nachdem wir uns den Ritsurin-Garten angesehen hatten, liefen wir zum nächsten Bahnhof. Dort mussten wir feststellen, dass wir gerade die Bahn verpasst hatten, was dieser Gegend dann dazu führt, dass man erst einmal 30 Minuten warten muss. Tja.

Mehr:   Kagawa, Teil 2: Der Ritsurin-Garten in Takamatsu.

Die Bahnen der lokalen Bahnfirma sind so alt, dass ich selbst im tiefsten Chiba noch nie so eine Bahn gesehen habe. Tatsächlich konnten wir an einem der im Innenraum befestigten Schilder erkennen, dass die Bahnen um einiges älter sind als wir. Irgendwie aber auch ganz charmant, dass die alten Bahnen hier noch im Einsatz sind. 🙂

Wir tuckerten eine Stunde durch die Präfektur und kamen letztendlich am Bahnhof Kotoden-Kotohira (琴電琴平駅) an. Dort in der Nähe befindet sich ein bekannter Schrein, der Kotohira-Gū (金刀比羅宮), im Volksmund Konpirasan (こんぴらさん) genannt. Da er auf einem Berg liegt, muss man, um ihn zu erreichen, 785 Stufen hochlaufen. Abkürzungen oder barrierefreie Wege gibt es hier nicht.

Zum Glück geht es aber nicht ständig steil bergauf, zwischen den Treppen befinden sich flache Wege an denen Essen und Trinken verkauft und Gehstöcke ausgeliehen werden.

Im Konpirasan wird die shintoistische Gottheit Ōmononushi-no-kami (大物主神), im Buddhismus als Konpirasan bekannt, verehrt. Er ist der Gott des Wassers und des Donners, und war somit für die Seefahrer wichtig. Aber was macht ein Seefahrergott im Inland? Angeblich kam damals das Wasser bis zu den unterstesten Stufen des Schreins.

Auch heute noch werden im Konpirasan Schiffe gesegnet, ob nun Kreuzfahrtschiffe oder die Schiffe der japanischen Marine. Nicht erschrecken, wenn ihr dort die ein oder andere Flagge sehen solltet, die euch an Japan im zweiten Weltkrieg erinnert: Die Flagge der maritimen Selbstverteidungsstreitkräfte sieht genau so aus, wie damals die der kaiserlichen Marine.

Als wir ankamen hörten wir plötzlich die traditionelle Hochzeitsmusik, und siehe da: Eine Hochzeit! 🙂 Das sieht man ja auch nicht alle Tage. Da der Schrein auch für Glück steht ist er für eine Hochzeit natürlich eine gute Wahl. Ich habe mich auch extra angestellt um einen der gelben Glücksbringer zu kaufen.

Man kann auch tatsächlich noch weitere 583 Stufen nach oben laufen um den Izutama-Schrein (厳魂神社) zu besuchen, aber darauf haben wir verzichtet, weil unsere Beine schon ziemlich wehtaten.

Recht schnell machten wir uns wieder für den Abstieg bereit, weil es inzwischen ziemlich voll geworden war und wir nicht unbedingt in eine der vielen geführten Touristengruppen geraten wollten. Japanische Rentner sind erstaunlich rüstig und liefen die Treppen nicht viel langsamer als wir hoch und hinunter.

Auf dem Weg nach unten merkte ich mit meinen 28 Jahren schon, dass meine Beine langsam nicht mehr mitmachten. Ich hatte dann auch die nächsten Tage Muskelkater, aber wie gesagt: Es gibt zumindest für Besucher keine Abkürzungen.

Am Fuße des Berges kaufte ich noch eine Flasche Yuzu-shu (ゆず酒), Alkohol mit einer japanischen Zitrusfrucht, und dann fuhren wir schon wieder zurück nach Takamatsu. Insgesamt hat der Ausflug sehr viel weniger Zeit in Anspruch genommen, als ich es erwartet hatte.

So schafften wir es tatsächlich noch auf die kleine Insel Megijima (女木島), die nur etwa 20 Minuten vor Takamatsu liegt. Leider fanden wir die Insel nicht sonderlich spannend. Zwar gibt es auch hier Kunst, die man sich ansehen kann, aber an dem Tag, an dem wir dort waren, war kein einziges Restaurant oder auch nur ein Laden geöffnet.

„Möwenparkplatz“ (カモメの駐車場) im Hintergrund, „Erinnerungen an das 20. Jahrhundert“ (20世紀の回想) im Vordergrund

„Island Theatre Megi“

„Mekon“ (女根)

Es ist eine kleine Insel, auf der man hauptsächlich ältere Menschen sieht. Die Grundschule dort hat geschlossen. Für die erzwungene Entschleunigung vielleicht kein schlechter Ort, aber nachdem wir eine Fähre verpasst hatten, warteten wir sehnsüchtig auf die nächste. Dass wir seit einigen Süßigkeiten am Konpirasan seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatten, spielte da sicher auch hinein.

Andere Inseln lohnen sich mehr als Megijima, außer man möchte unbedingt die Installation „The Presence of Absence“ (不在の存在) von Leandro Ehrlich sehen oder hat die anderen Inseln schon durch.

Wir fuhren am späten Nachmittag wieder mit der Fähre zurück nach Takamatsu und ärgerten uns ein wenig, das gute Wetter auf Megijima verplempert zu haben. Am Sonntag war nämlich Regen angesagt.

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