Breite Nudeln und heiße Quellen in Saitama.

Wir hatten noch ein paar Urlaubstage übrig und konnten deswegen am Montag ausschlafen – bis 6:30, denn länger wird es bei uns irgendwie nicht mehr.

Damit wir nicht den ganzen Tag zuhause abhängen würden, hatten wir uns auch etwas überlegt: Erst heiße Quellen und dann Nudeln. 🙂 In Tokyo wird es noch immer nicht so richtig warm, da kommt einem jede Planscherei im heißen Nass entgegen. (Vorsicht: Planschen ist im Onsen unerwünscht. Genau wie auch Schwimmen. 😉 )

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Wir fuhren zu einer dieser neuen Onsen-Anlagen, dem Hanayu Spa Resort (花湯スパリゾート). Während viele der älteren Onsen wirklich nur die heißen Quellen bieten, kann man in solchen großen Anlage den ganzen Tag verbringen.

Zuerst gingen wir in die Bäder, natürlich nach Geschlechtern getrennt, um uns aufzuwärmen. Innen gibt es vier verschiedene Bäder, draußen gleich fünf – Man kann sich also ein wenig durchprobieren. Ich liebe die Bäder draußen vor allem, wenn es ein wenig kühler ist. Da klappert man zwar immer ein wenig mit den Zähnen, wenn man von Bad zu Bad hüpft, aber wenn man einmal im Wasser ist, ist es himmlisch.

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Nachdem wir uns so aufgewärmt hatten, zogen wir uns in die designierte Raumkleidung an und erforschten den Rest des Gebäudes. Es gibt einen riesigen Bereich, in dem man sich einfach entspannen kann. Dort kann man Manga oder Zeitschriften lesen, Fernsehen, etwas trinken, usw. Wir haben uns ein wenig die olympischen Spiele angesehen. 😀 Direkt daneben liegen die Ganban’yoku (岩盤浴), das sind beheizte Steinplatten, auf die man sich legt. Ein wenig wie eine Sauna, nur mit niedrigeren Temperaturen und man sitzt nicht. Weil wir von der Aktion ziemlich schwitzen mussten, ging es noch ein letztes Mal in die heißen Quellen, bevor wir weiterzogen.

Tatsächlich kann man im Hanayu noch mehr machen: Essen, Mittagschlaf machen, sich die Haare schneiden lassen, Schönheitsbehandlungen durchführen lassen, und viel mehr. Leider ist die Anlage nicht sonderlich gut zu erreichen, aber wer ein Auto und einen Wochentag zur Verfügung hat, dem würde ich einen Besuch empfehlen. Am Wochenende ist es wahrscheinlich sehr voll.

Eigentlich hatte es aber einen ganz anderen Grund, warum wir bis nach Saitama gefahren waren: Kawahaba Udon (川幅うどん)!

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Der breiteste Fluss des Landes fließt durch Saitama, an der Stadt Kōnosu (鴻巣市) vorbei. Diese dachte sich vor etwa zehn Jahren, dass man daraus etwas machen könnte, und geboren waren die Kawahaba Udon. Kawahaba heißt einfach „Flussbreite“, und es sind sehr sehr breite Udon-Nudeln.

Wir waren in Restaurant Nagakiya (長木屋), welches neben diesen breiten Udon auch ganz normale anbietet. Ich war aber überrascht, wie leicht diese sehr breiten Nudeln zu essen waren. Es gab kein großes Drama, weil die gewaltige Nudel mir wieder zurück in die Suppe gefallen wäre. 🙂 Im Nachhinein betrachtet wäre es aber eine gute Idee gewesen, nach einer kleineren Portion zu fragen.

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Dieses „mit den Stäbchen das Essen anheben“ ist im japanischen Fernsehen so verbreitet, dass es einen Begriff dafür gibt: Hashiage (箸上げ).

Auf dem Weg zurück nach Hause war ich so müde, dass ich recht schnell auf dem Beifahrersitz eingeschlafen bin. Für Abendessen war mein Magen an dem Tag dann auch zu voll.

So einen Montag lasse ich mir doch gerne gefallen. 🙂

Das Wochenende in Bildern.

Es ist zwar schon wieder Donnerstag, aber dieses Wochenende war ein langes und wir waren viel unterwegs. Das beste Mittel gegen dieses übermäßige Nachdenken ist eben doch, einfach etwas zu unternehmen.

So fuhren wir am Samstag Vormittag nach Nihonbashi um beim Obstspezialitätenhändler Sembikiya (千疋屋) Parfaits zu essen. Die sind zwar nicht ganz günstig, aber immer unglaublich gut.

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In meinem war neben den Früchten, die ihr seht, Mango-, Bananen und Vanilleeis. Als Kind habe ich in den Sommerferien immer sehr viel Bananeneis gegessen, danach aber kaum noch – vor allem nicht in Japan. Der Geschmack hat mich direkt in den Berliner Sommer zurückversetzt. Schnell ein Eis (zwei Kugeln: Banane und Kokosnuss) kaufen, bevor es zum See geht. Wenn alles klappt, werden wir es dieses Jahr endlich mal wieder im Sommer nach Deutschland schaffen. Ich hoffe, dass wir dort auch die richtigen Temperaturen für einen Eisessmarathon haben werden. Es ist schon eigenartig, wie sehr sich der Geschmack oder Geruch von etwas mit den Erinnerungen verbunden ist.

Wir waren aber nicht nur für Parfaits in Nihonbashi, in den unterirdischen Passagen fand auch ein kleiner Kimono-Markt statt.

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Leider ist bei Kimonos meine Größe ein echtes Problem: Die schönen sind entweder zu klein oder zu teuer. Dementsprechend habe ich nur kleine Accessoires gekauft, zumal ich einen Aufpasser (meinen Mann) dabei hatte. Ich neige dazu, mich in ein Thema zu verlieben und dann viel zu viel Geld dafür auszugeben. 😀

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Viel zu viel Geld ausgegeben haben wir dann abends bei Costco. Wir waren schon einige Moante nicht mehr dort gewesen, und deckten uns mit Bagels, Fertig-Misosuppe, Bier und Ravioli ein. Bei frischen Sachen sind uns die Portionsgrößen bei Costco immer etwas zu viel, schließlich beherbergen wir keine siebenköpfigen Raupen, bei Dingen, die man lang lagern kann, ist es aber unschlagbar günstig.

Für den Sonntag hatten wir uns vorgenommen, nach Yokohama zu fahren, um leckeres chinesisches Essen zu verspachteln. Leider war in der China Town zur Mittagszeit alles dermaßen voll, dass wir erst einmal eine Runde durch die Gegend gelaufen sind. Dabei kamen wir nicht nur bei einem Amway-Café vorbei, sondern entdeckten auch einen recht neuen Kimono-Laden.

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Die teureren Kimonos werden auf Maß geschneidert, im Laden liegt nur der Stoff. Es ist aber möglich, den Stoff so zu drapieren, dass es einem richtigen Kimono sehr nahekommt. Genau das ist hier geschehen. Der Stoff war viel schöner, als er auf dem Foto erscheint, aber auch unglaublich teuer. Für Obi, Kimono und Kleinkrams hätte ich etwa 7750€ bezahlen müssen. Für ein Kleidungsstück. Mir ist klar, dass die Handarbeit, die dahintersteckt, absolut beeindruckend ist, aber wer hat bitte genug Geld um sich so etwas zu leisten? Wir auf jeden Fall nicht.

In naher Zukunft können wir uns das wahrscheinlich auch nicht leisten, denn das chinesische Restaurant, in das wir immer gehen, hat nicht nur den Innenraum sondern auch die Speisekarte „renoviert“ – Die Preise sind stark gestiegen. 🙁 Es war natürlich trotzdem unglaublich lecker, aber 60€ für zwei Personen finde ich ziemlich heftig.

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Den Montag, ein japanischer Feiertag, verbrachten wir zuhause. Alles ganz entspannt. 🙂

Der Sumpf, von dem ich letzten Sprach, wird langsam flacher. Wenn ich es dann endlich geschafft habe, lasse ich es euch natürlich wissen, aber allein, dass es langsam besser wird, steigert meine Laune und Motivation gewaltig. 🙂

Das letzte Wochenende ist schon ein wenig her, was habt ihr für’s nächste vor?

Von blauen Flecken, Veränderungen und dem Stillstand.

Auf Arbeit esse ich entweder Bento (aus dem Conbini, weil wir das mit dem Bento-Machen irgendwie in letzter Zeit aufgegeben haben) oder ich esse mit einer meiner Mitarbeiterinnen in einem der doch recht zahlreichen Restaurants in Laufentfernung vom Büro.

So lief ich auch letztens mit meiner Lieblingskollegin den Weg entlang, wir redeten über irgendetwas, ich sah meiner Kollegin ins Gesicht und lief direkt gegen einen Poller. Während ich in meinen Schuhen aber etwa 1,80m groß war, war dieser Poller winzig, was dazu führte, dass ich mich gehörig auf die Schnauze legte. Zur Mittagszeit. In einer Gegend mit vielen Büros. Super peinlich.

Die Rolltreppen zum Bahnhof lief ich dann nicht mehr herunter, sondern stand lieber.

Zurück im Büro entfernte sich übrigens beim Ausführen des Reperatur-Tools von Microsoft Office ebenjenes eingeständig von meinem System, was unglaublich viel Spaß macht, wenn man eigentlich nur mit Excel und Outlook arbeitet.

Irgendwie sind meine Tage in letzer Zeit so. Manchmal passiert etwas Gutes, aber es geht auch vieles schief. Das ist nichts, womit ich mich im Blog großartig befassen möchte („Was bringt es mir, mich noch mehr damit zu beschäftigen?“), aber es nagt an mir. Außerdem verbringe ich viel zu viel Zeit vor dem Bildschirm, und wie wir alle wissen, geschehen die meisten Dinge in der realen Welt. Das ist eindeutig etwas, woran ich arbeiten möchte.

Heute hatte ich frei, denn bis Ende Februar muss ich noch einiges an Urlaub aufbrauchen, und floh vor den Bildschirmen bis nach Harajuku (原宿). Leider musste ich feststellen, warum ich Harajuku selten besuche: Zu viele Touristen, zu viele Mainstream-Läden, und leider sagt mir die Mode dort auch nichts mehr. Ich bin eindeutig zu langweilig für Harajuku. Immerhin habe ich das schöne Wetter etwas genossen  und bin mit geöffnetem Mantel und der Sonne im Gesicht recht viel gelaufen.

Alles wird neu, viele der Läden, die ich vor inzwischen fast zehn Jahren bei meinem ersten Besuch, betreten habe, gibt es nicht mehr. Natürlich ist das der Lauf der Dinge, aber es macht mich auch immer etwas traurig. Ich habe viele Erinnerungen aus meinem ersten Jahr in Japan, und viele davon spielen in Harajuku.

„Bahnbrecher der Originalität“ vorm McDonald’s-Zeichen. 😉

 

Vielleicht ist das mein Problem: Alles bewegt sich weiter, und ich habe das Gefühl, dass ich stillstehe. Nicht einmal, weil ich mich nicht weiterbewegen möchte, sondern von äußeren Umständen zum Stillstehen verdammt. Stecke in einem Sumpf und kann mich nicht bewegen, weil ich sonst im Schlamm untergehe.

Ich melde mich wieder, sobald ich mich etwas aus diesem Sumpf befreit habe.

Japanisch kochen: Tōnyūnabe.

Ich hatte schon einmal geschrieben, dass es in Tokyo derzeit ziemlich frisch ist. Natürlich nicht zu vergleichen mit wirklich kalten Orten, aber ich bin dennoch sehr glücklich darüber, mir letztes Jahr endlich einen vernünftigen Mantel gekauft zu haben. Heute Morgen schneite es sogar! Das zweite Mal in diesem Jahr,  damit ist die KPI* bereits zu 200% erfüllt.

* KPI ist Firmenlingo für „Key Performance Indicator“ und beschreibt ein Leistungsziel.

Im Winter gibt es bei uns viel Nabe (鍋) oder Eintopf. Diesen hier machen wir derzeit etwa einmal die Woche, und er ist nicht nur super lecker, sondern auch noch gesund. 🙂 Mit der geballten Kraft von Sojamilch, Tofu und Hühnchen geht es warm durch die kalte Jahreszeit.

Tōnyūnabe (Sojamilcheintopf) für zwei Personen

500g Hühnchen
1/4 Kopf Chinakohl
Nudeln (Konjaknudeln oder Maroni, das sind Nudeln aus Kartoffelstärke)
1 Standardstück Tofu
☆ 400ml Wasser
☆ 50ml Kochsake
☆ 1 EL Hühnerbrühe
☆ 3 EL Tsuyu (wenn kein Tsuyu im Haus ist, dann 1:1 Sojasauce und Mirin und ein wenig Dashi. Geht notfalls auch ohne Dashi und mit 1 EL Sake und 1 TL Zucker statt Mirin.)
☆ 500ml Sojamilch*
☆ 1 TL Salz
☆ 1 TL Zucker

* Bei Sojamilch diesmal nicht zu der aus nur Bohnen und Milch greifen, sondern zu der mit Stabilisatoren usw., denn sonst trennen sich die Bestandteile beim Erhitzen recht leicht.

  1. Alle Zutaten mit ☆ in einen Topf und vermischen.
  2. Chinakohl, Hühnchen und Tofu in mundgerechte Stücke schneiden und in die Suppe werfen.
  3. Den Herd anschmeißen, den Deckel auf den Topf packen und warten. Dabei bitte die Temperatur im Blick behalten, denn es soll nicht blubbernd kochen. Wenn Sojamilch kocht trennen sich Bohne und Wasser voneinander, und das wollen wir nicht.
  4. Sobald das Hühnchen durch ist, ist es fertig! 🙂

Ich liebe diesen Eintopf so sehr, dass ich beim Schreiben hungrig werde.