War ja klar.

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Nachdem ich den Eintrag darüber schrieb, dass jetzt endlich der Stress vorbei ist, wurde ich direkt krank.

Eigentlich ging es mir schon länger nicht unglaublich gut, aber wenn man wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen würde, käme man ja gar nicht mehr zum Arbeiten. Für uns ist natürlich das Ende des Jahres super wichtig, wir versuchen so viel Geld wie möglich aus dem Budget dieses Jahres zu pressen. Nebenbei kommen Besucher aus dem Ausland und unsere Jahresendfeier ist auch bald. Es ist also tatsächlich was los, und so schrecklich ging es mir nun auch nicht.

Am Donnerstag bekam ich plötzlich nach dem Essen übelste Bauchschmerzen. Nach Absprache mit meinem Chef ging ich früher nach Hause, an dem Tag wäre eh nichts Gescheites mehr zustande gekommen. Der Arzt zu dem ich eigentlich wollte hatte zu, die Krankenhäuser nehmen sich dem einfachen Volk nur am Vormittag an. Also saß ich im Wartezimmer des wahrscheinlich ältesten Arztes aller Zeiten, der eine Röntgenaufnahme anordnete* und alles auf meinen Blinddarm schob. Mein Blinddarm ist eine nie endende Geschichte, um ihn mache ich mir deswegen eigentlich keine Gedanken. Was mir Sorgen bereitete war mein Magen. Der ist normalerweise ziemlich fit.

Der Diagnose vom Methusalix-Arzt gegenüber war ich also etwas skeptisch, und da ich auch am Freitag nur gebeugt laufen konnte, nahm ich mir den Tag kurzerhand frei und ging ins Krankenhaus. Auf Japanisch nennt man übrigens auch kleine Arztpraxen 病院 (byôin; Krankenhaus), das, was wir unter „Krankenhaus“ verstehen ist ein 総合病院 (Sôgôbyôin; Allgemeinkrankenhaus). Im Allgemeinkrankenhaus wird man man direkt erst einmal dafür bestraft, dass man ohne Überweisung gekommen ist – etwa 3,000Yen (ca. 22,40€) musste ich blechen. 🙁 Dafür ist im Krankenhaus gleich alles da, und die Ärzte sind auch jünger. Nicht, dass in der Medizin Erfahrung nicht wichtig wäre, aber oft wissen ältere Ärzte sofort ganz genau was das Problem ist und schauen nicht weiter.

Bei einer Ultraschall-Untersuchung stellte sich heraus, dass mein Blinddarm absolut nicht vergrößert ist, eigentlich sah man gar nichts, was für den Schmerz verantwortlich sein könnte. Sehr beruhigend ist das auch nicht. Dank Medikation tut mein Magen zwar weniger weh, aber die Unsicherheit ist da. Letztendlich ist es sicher absolut nichts Ernsthaftes, aber das werden wir am Donnerstag erst einmal mit einer Magenspiegelung ausschließen…

Bis zum Neujahrsurlaub bin ich aber hoffentlich wieder fit!

Ein CT am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

IMG_4066 (2) (Copy)Seit Mittwoch Morgen habe ich Kopfschmerzen. Ich wache mit Kopfschmerzen auf, arbeite mit Kopfschmerzen, gehe mit Kopfschmerzen schlafen. Es sind keine besonders schrecklichen Kopfschmerzen – als Migränepatient hat man da vielleicht auch eine etwas andere Perspektive – aber wenn mir vier Tage lang der Kopf wehtut, mache ich mir Sorgen.

Also ging ich heute Morgen nach dem Frühstück zum 脳神経外科 (Nôshinkeigeka; Neurochirurgen), der erst seine Checkliste durchging (Wie lange schlafen Sie? Wie ist ihre Sehstärke? Haben Sie Taubheitsgefühle in Händen und Füßen?) und mich dann zum CT schickte. Für solch eine Arztpraxis lohnt es sich natürlich einenen Computertomographen direkt da zu haben, aber angesichts der Kosten, die so ein Gerät verursacht, war ich trotzdem etwas überrascht. Aber mit den 7,000Yen (52,70€), die mich der Besuch gekostet hat, habe ich wahrscheinlich mitfinanziert…

Auf jeden Fall: Der Scan ergab keine Auffälligkeiten, ich bin wahrscheinlich einfach zu viel vor Bildschirmen, was mit meinen Hang zu Migränen und chronischen Verspannungen im Rücken- und Nackenbereich, nicht gerade ideal ist. Ich gelobe natürlich Besserung, es wird also auch weiterhin weniger Beiträge geben, als ihr es eventuell gewohnt seid. Auf Facebook poste ich aber etwa jeden Tag etwas Kleines. 🙂

Das Foto oben ist übrigens tatsächlich von meinem Schädel. Wirkt vielleicht etwas verzerrt, aber ich habe den Bildschirm meines Arztes schräg abfotografiert. Bin aber auch so nicht besonders symmetrisch. 😉

Alle Jahre wieder: Gesundheitsuntersuchung.

IMG_2502Dank Artikel 66 des japanischen Arbeitsschutzgesetzes (労働安全衛生法 Rôdô Anzen Eisei-Hô) muss sich jeder Arbeitnehmer in Japan einmal im Jahr einer Gesundheitsuntersuchung (健康診断 Kenkô-Shindan) unterziehen.

Die Kosten trägt zwar die Firma, aber wenn man auf Stundenbasis arbeitet wird einem oft die Zeit nicht angerechnet. Außerdem bekommt die Firma sämtliche Ergebnisse – aus deutscher Sicht etwas fragwürdig.

Als Begründung für die Untersuchung wird angegeben, dass durch sie vorbeugend gehandelt werden kann – Probleme werden nicht erst ersichtlich, wenn es so schlimm ist, dass man ins Krankenhaus muss. An sich natürlich lobenswert, aber das gleich gesetzlich zu verankern… Nun ja.

Ich habe die Untersuchung bis jetzt bei zwei Firmen und drei Ärzten mitgemacht, es war immer etwas anders. Ab 35 Jahren ändert sich der Inhalt noch einmal.

Zuerst bekommt man, wie auch bei so gut wie jedem anderen Arzt, ein Blatt auf dem man seinen Lebensstil beschreiben soll, und angibt welche Krankheiten man schon einmal hatte. „Ich esse schneller als andere Menschen“, „Im letzten Jahr hat sich mein Gewicht um mehr als 3kg verändert“, „Ich esse mit jeder Mahlzeit Gemüse“, usw. Die wichtigste Frage ist natürlich „Wenn Sie Hinweise zum gesünderen Leben bekämen, würden Sie sie annehmen?“ 😉

IMG_2501Meine bisher umfangreichste Untersuchung hatte ich gestern: Urinprobe, Körpergröße und Gewicht, Blutprobe, Blutdruck, Sehstärke, Hörvermögen, Elektrokardiogramm, Bauchumfang und natürlich Röntgen. Egal wie rudimentär die Untersuchung ist, ob Blut abgenommen wird oder nicht, die Lunge wird immer geröntgt.

Im Jahr 2013 wurden in Japan etwa 20.500 Tuberkulose-Neuerkrankungen registriert, das sind 16,1 pro 100.000 Einwohner. In Deutschland waren es im selben Jahr 5,3 pro 100.000 Einwohner. Die Zahlen in Japan scheinen Grund genug zu sein, obwohl der Doktor-Schwiegeronkel sagt, dass die Röntgengeräte die in diesen Kliniken benutzt werden so schwach sind, dass es oft erst dann diagnostiziert wird, wenn die Löcher in der Lunge recht groß sind. Die Bleiweste um seine Fortpflanzungsorgane vor der Strahlung zu schützen bekommt man übrigens nur auf Nachfrage.

Einige Wochen nach der Untersuchung bekommt man einen Bogen mit den Testergebnissen, mal mehr und mal weniger aufschlussreich. Ich persönlich finde die Untersuchung eher zeitverschwendend, auch weil ich immer gute Ergebnisse habe. Vielleicht hilft es Leuten, die  einen ungesunden Lebensstil haben, das mal etwas kritischer zu betrachten.

Ich bin auf jeden Fall froh, es hinter mir zu haben. Bis nächstes Jahr.

Wartezimmer.

Dank meines neuen Jobs kann ich unter der Woche nicht mehr zu meiner angestammten Frauenärztin gehen. Als plötzlich akut etwas war, suchte ich also dringend nach einer Frauenärztin mit besseren Öffnungszeiten.

Allein, dass ich nach einer Ärztin suche schränkte mich natürlich ein, letztendlich fand ich aber eine Klinik in 浦安 (Urayasu). Etwas doof zu erreichen, aber nicht unmöglich. Was komplett unmöglich ist, sind die Wartezeiten. Zwei Mal war ich dort, beide Male habe ich trotz Termin fast eine Stunde gewartet.

Leider kann man in Japan auch nicht einfach nach der Untersuchung abhauen – wir (Erwachsenen) zahlen für jeden Arztbesuch. Bei mir und den meisten Leuten sind das 30% des Gesamtbetrages. Also darf man sich nach der Untersuchung noch einmal hinsetzen und warten, bis man zum Zahlen aufgerufen wird. Das allein hat gestern wieder über 40 Minuten gedauert…

Letztendlich habe ich gestern also für zwei Minuten Gespräch etwa 100 Minuten im Wartezimmer verbracht. Das sind Zeiten wie im Disneyland! 🙁

In der Zeit habe ich mir übrigens japanisches Fernsehen reingezogen. Wir haben zuhause keinen Fernseher und ich habe mal wieder gemerkt, warum. Was ein Scheiß. Da verplemper ich lieber meine Zeit mit Katzenvideos. Bei meiner alten Frauenärztin. So lang nichts akut anliegt, werde ich ihr treu bleiben. Und mich nie wieder ärgern, wenn es mit dem Bezahlen mal länger als zehn Minuten dauert.

🙁 🙁 🙁

(Ab demnächst wieder Einträge mit Qualität und Informationswert. 😉 )