Schwanger in Japan: Administratives und Kosten.

Wenn man, wie wir, lange versucht hat schwanger zu werden, ist ein positiver Schwangerschaftstest ein sehr freudiges Erlebnis. Wenn man sich dann wieder gefangen hat steht man aber plötzlich vor der Frage „Und was jetzt?“ – Als Deutscher im Ausland wahrscheinlich besonders.

Hier also eine kleine Liste von Dingen, um die man sich wirklich kümmern sollte, wenn man in Japan schwanger geworden ist.

Auf zum Frauenarzt

Ein positiver Schwangerschaftstest allein reicht nicht, die Schwangerschaft sollte auch noch einmal von einem Spezialisten überprüft werden. Dabei gibt es in Japan grob zwei verschiedene Arten von gynäkologischen Kliniken:

Frauenarzt – 婦人科 Fujinka

Frauenarzt mit Schwangerschaftsbegleitung – 産婦人科 Sanfujinka

Falls eure bisherige Frauenärztin keine Schwangerschaftsbegleitung anbietet, ist jetzt ein guter Zeitpunkt um nach einer Empfehlung zu fragen.

Wir waren in einer Kinderwunschklinik, dort wurden die Untersuchungen nur bis zur 9. Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführt. Danach wechselte ich direkt an ein großes Krankenhaus, in dem ich auch entbinden werde.

Es gibt also entweder die Möglichkeit, die Schwangerschaftsuntersuchungen bei einer Frauenarztpraxis (mit Schwangerschaftsbegleitung) oder in einem Krankenhaus durchführen zu lassen. Zu der Krankenhauswahl steht weiter unten noch ein wenig mehr.

Die Schwangerschaft anmelden

In Japan muss jede Schwangerschaft beim zuständigen Rathaus angemeldet werden. Hierbei wird empfohlen darauf zu warten, dass man den Herzschlag des Babys um die 6. SSW herum das erste Mal hört.

Beim Rathaus erhält man das Mutter-Kind-Heft (母子手帳 Boshitechō), das für alle Vorsorgeuntersuchungen bis zum 6. Lebensjahr verwendet wird, und vor allem ein weiteres kleines Heft mit den Coupons für die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Wir bekamen außerdem noch allerlei Literatur zur Schwangerschaft und verschiedene Proben von Baby-Produkten.

Schnell ein Krankenhaus aussuchen

Während in Deutschland die Wahl des Krankenhauses scheinbar nicht so drängend ist, muss man sich in Japan schon früh darum kümmern. Besonders beliebte Krankenhäuser in den Ballungsregionen erwarten, dass man sich bereits in der 8. SSW anmeldet!

Es gibt verschiedene Arten von Kliniken, die Entbindungen anbieten.

Krankenhaus – 総合病院 Sōgōbyōin

Ein ganz gewöhnliches Krankenhaus, das auch Entbindungen anbietet. Einerseits gibt es hier verschiedene Abteilungen, die sich um alles kümmern können, andererseits ist es eben ein Krankenhaus, mit vielen kranken Menschen.

Universitätskrankenhaus – 大学病院 Daigakubyōin

Universitätskrankenhäuser haben oft Neugeborenenintensivstationen und können auch eine sehr risikoreiche Schwangerschaft und Geburt händeln.

Geburtskrankenhaus – 産婦人科病院 Sanfujinkabyōin

Da in einem Geburtskrankenhaus hauptsächlich Geburten stattfinden, findet man hier eine große Ansammlung von spezialisierten Ärzten und Hebammen. Es ist eben nicht einfach die Geburtstation eines großen Krankenhauses, sondern eine riesige Geburtsstation. In vielen Geburtskrankenhäusern gibt es auch eine Krankenstation für Kinder.

Kleinere Kliniken und Geburtshäuser

Außerhalb der Krankenhäuser gibt es auch verschiedene kleinere Kliniken, die auf Geburten spezialisiert sind. Dort geht es oft etwas familiärer zu und es gibt mehr Möglichkeiten, die Geburt zu personalisieren. Allerdings nehmen diese Kliniken oft nur Frauen mit sehr unkomplizierten Schwangerschaften auf.

Apropos personalisierte Geburt: Guckt euch vorher ganz genau an, was welche Klinik anbietet! Ich habe am Anfang meiner Schwangerschaft in einer Woche unglaublich viel herumtelefoniert, nur um zu erfahren, dass viele Krankenhäuser absolut nicht flexibel sind. Da gibt es dann eine Form der Geburt und nur diese Form der Geburt und nichts anderes. Wenn man also eine besondere Vorstellung davon hat, wie die Geburt aussehen soll, ist man gut damit beraten, genau das vorher abzufragen. Außerdem ist jetzt die beste Zeit, um all eure Kontakte, die selber in Japan ein Kind zur Welt gebracht haben, nach ihren Erfahrungen zu fragen.

Eine gute Liste mit Krankenhäusern im Raum Tokyo, die ein wenig mehr Individualität erlauben, findet ihr hier. Hausgeburten sind generell sehr selten und es ist wohl schwer, eine Hebamme zu finden, die das begleitet.

Schwangerschaft ist keine Krankheit: Die Kosten

Die Kosten, die während einer Schwangerschaft entstehen, werden nicht von der Krankenkasse getragen. Weil Vorsorgeuntersuchungen natürlich trotzdem wichtig sind und niemandem die Möglichkeit dazu genommen werden soll, werden die meisten Kosten mit dem Coupon-Heft, das man zusammen mit dem Mutter-Kind-Heft erhält, abgedeckt.

Für die ersten sechs Monate (bis zur 24. SSW) ist jeden Monat eine Vorsorgeuntersuchung vorgesehen, von der 24. SSW bis zur 35. SSW alle zwei Wochen und danach jede Woche. Der Untersuchungsumfang ändert sich im Verlauf der Zeit, ist aber dem in Deutschland sehr ähnlich: Wiegen, Blutdruck messen, Urin untersuchen, gucken wie’s dem Baby geht ist immer dabei.

Was eigentlich bei jeder Vorsorgeuntersuchung gemacht, aber nicht von den Coupons abgedeckt wird, ist die Ultraschalluntersuchung. Die kostet mich jedes Mal etwa 2500¥ (ca. 21€). Sonstige Sondertests, bei Katzenbesitzern wäre das z.B. der Test auf Toxoplasmose, müssen auch aus eigener Tasche bezahlt werden.

Der größte Knaller ist aber, dass es für Geburten eine Geburtspauschale (出産育児一時金 Shussan-ikuji Ichijikin) gibt. Die ist vollkommen unabhängig von den tatsächlichen Kosten der Geburt und beträgt bei Einlingsgeburten 420 000¥ (ca. 3530€). Wir müssen in meinem Krankenhaus neben einer Einwilligung, dass diese Pauschale direkt an das Krankenhaus gezahlt wird, auch 150 000¥ (ca. 1260€) hinterlegen. Falls die Geburt nicht so viel Geld kosten sollte, bekommen wir es natürlich zurück, aber damit rechnen wir nicht.

Wie viel eine Geburt in einem bestimmten Krankenhaus oder einer bestimmten Klinik kostet, kann man oft über eine schnelle Google-Suche herausfinden. Manche Krankenhäuser geben auch direkt auf ihrer Webseite an, wie viel eine Entbindung bei ihnen im Durchschnitt kostet. In diesen Kosten ist im Normalfall auch der einwöchige Krankenhausaufenthalt nach der Geburt enthalten.

Kaiserschnitte sind auch in Japan medizinische Eingriffe und werden zu 70% von der Krankenkasse übernommen.


Insgesamt geht es in Japan also durchaus etwas anders zu als in Deutschland, insgesamt kommt es mir unflexibler vor, und dass die Finanzen der Familie einen so großen Einfluss auf die Möglichkeiten bei der Entbindung haben stößt mir auch sauer auf. Auf die medizinischen Ergebnisse hat das aber keinen negativen Einfluss, in Japan sterben sogar weniger Babys als in Deutschland.

Falls ihr noch irgendwelche Fragen oder Themenvorschläge rund um das Thema haben solltet, immer her damit. 🙂

12 Gedanken zu „Schwanger in Japan: Administratives und Kosten.

  1. Angelina sagt:

    Huhu,
    Ich muss echt sagen das die Kosten für die Geburt im Krankenhaus echt übertrieben sind.
    Was ist wenn sich das jemand nicht leisten kann? Wo entbinden sie den?

    Bei uns sind die Untersuchungen alle 4 Wochen bis zu 30 Ssw, danach sind alle 2 Wochen und etwas später muss man alle 2 Tage hin.
    Da ich eine Risiko Schwangerschaft habe musste ich schon vorher alle 2 Wochen zum FA zur Kontrolle,wegen Schwangerschaftsvergiftung. Bin jetzt in der 31Ssw und ist meine 2 Schwangerschaft

    3 Ultraschall Untersuchungen bekommt man von der Krankenkasse bezahlt. Wenn du aber mehr möchtest musst du 90€ bezahlen pro ultraschall.

    Ich bin zum Beispiel gegen Toxoplasmose nicht imun. Die Krankenkassen bezahlen die Untersuchungen auch nicht. Hab jetzt 2 mal testen müssen. Sprich hab für die beide male insgesamt 70€ bezahlen müssen. Kamen noch 10€ Gebühr dazu.

    Da ich auf dem Land Wohne ist es mit Krankenhaus schwer. 20 min brauche ich mit dem Auto bis zur Klinik. Die nehmen aber erst ab der 36ssw Geburten auf. Sprich ich muss über 1 Stunde Auto fahren bis zur nächsten Klinik wenn irgendwas mit meinem Würmchen ist. Bzw wenn es zu früh auf die Welt kommen sollte. Was ich nicht hoffe Bleibt man in Japan auch 3 Tage im Krankenhaus nach der Geburt? Bzw bei einem Kaiserschnitt sind es sogar 5 Tage!?

    Hier in Deutschland ist es auch schwer eine Hebamme zu bekommen. Man muss da sehr früh dran sein. Am besten wenn man weiß das man Schwanger ist. Besonders bei der Nachsorge. Gibt es in Japan auch so was? Also das sie nach der Geburt noch 12 Wochen nach Hause zu einem kommt und nach dem Rechten schaut. Das Mutter und Kind gut geht?

    Ich wünsche dir aber trotzdem eine schöne Kugelzeit. Genieße es, die Zeit geht so schnell vorbei.
    Glg Angie

    • Claudia sagt:

      Es gibt Krankenhäuser, die dafür bekannt sind unter den 420,000¥, für die der Staat aufkommt, zu entbinden. Wer nicht genug Geld hat, muss sich so ein Krankenhaus suchen. Finde ich auch absolut nicht okay, weil es am Anfang des Lebens meiner Meinung nach eine gewisse Gleichheit geben sollte, aber das ist hier wirklich eine Frage des Habens oder Nicht Habens.
      Toxoplasmose hat bei uns umgerechnet nicht einmal 10€ gekostet, das war also recht schmerzlos. Über die Kosten von zusätzlichen Ultraschalls (3 sind auch bei uns dabei, wenn ich mich recht entsinne) habe ich ja schon geschrieben.
      In Japan bleibt man generell recht lange im Krankenhaus, bei einer natürlichen Geburt für vier bis fünf Tage, bei einem Kaiserschnitt für 6 (Tag der Geburt nicht miteingerechnet). Das Hebammen zu einem nach Hause kommen ist glaube ich nicht verbreitet, wir haben in der Hinsicht keinerlei Informationen erhalten und ich kann auch in meiner schlauen Schwangerschaftsliteratur dazu finden. Man kann sich aber immer im Krankenhaus an sie wenden, da ist es dann aber wahrscheinlich nicht immer dieselbe.

      Ich bin seit heute in der 25. SSW, mir reicht’s jetzt schon. Die Kugel muss auch gar nicht mehr größer werden, das ist jetzt bereits vollkommen ausreichend. Zum Glück konnte ich es mir so legen, dass ich ab der 32. SSW zuhause bleiben kann und derzeit mit Corona arbeite ich eh von zuhause. Für den Rest deiner Schwangerschaft auch dir alles Gute!

    • Anika sagt:

      Huhu 🙂

      Ein Besuch einer Hebamme ist nach der Geburt zu Hause vorgesehen. Das ist ein kostenloses Angebot (zumindest in Tokyo, Claudia wohnt ja aber ausserhalb) und ist keine Pflicht.

      Wenn du noch mehr wissen moechtest, ich habe einige der Angebote bei mir aufgelistet 😉

      • Claudia sagt:

        Das ist auch in Tokyo nicht unbedingt eine Hebamme, der Neugeborenenbesuch wird auch von Krankenschwestern durchgeführt. Eine Freundin von mir macht das.

    • Claudia sagt:

      Ja, die Liste war wirklich super praktisch! 🙂 Das hat meine Wahl auf jeden Fall bekräftigt, dass das Krankenhaus auf der Liste ist.

  2. Nana sagt:

    Wowser… Das sind Gebühren da fällt man fast um. Ein kleines Hoch auf das deutsche Gesundheitssystem…

    Nachdem die Beiträge hier immer super liebevoll gestaltet und sehr mühsam verfasst wurden, und auch fleissigst frequentiert werden, hoffe ich, gibt es denn keine Möglichkeit euch einen kleinen freiwilligen Obolus zukommen zu lassen? Für die Mühen und die Zukunft und als Dank?
    Vielleicht über patreon oder dergleichen?…

    Ich folge schon so lange und freue mich auf die Beiträge und die hübschen Bilder, und würde gerne etwas zurück geben…
    Nur ein Gedanke natürlich.

  3. Nana sagt:

    Huhu, vielen lieben Dank für den unheimlich informativen Eintrag. Es ist schon sehr spannend zu sehen wie sehr sich das japanische Gesundheitssystem, besonders im Hinblick auf Schwangerschaft, vom Deutschen unterscheidet.
    Vielen Dank für die erneute Mühe und Zeit die du da investiert hast!
    Das bringt mich auch direkt zu einer Frage, Die ich mir schon öfter gestellt habe, so als Stille Leserin die sich immer unheimlich über andere Sichtweisen im japanischen Alltag freut… Frage: Gibt es vielleicht schon oder ist in Planung oder in Überlegung, eine Möglichkeit einzurichten, euch/dich für die Arbeit und Mühe, und als Wertschätzung, einen kleinen Obolus zukommen zu lassen? Oder anders gefragt: hast du einen patreon Account oder dergleichen mit dem man euch und dem kleinen Wuzel etwas zukommen lassen kann?
    Es steckt so viel Liebe in diesem Blog, dass ich einfach fragen muss.

    Beste Grüße

    Nana

    • Claudia sagt:

      Hallo Nana,
      Vielen Dank für die Blumen! 🙂 Einen Patreon oder so gibt es nicht, aber der Blog ist auch mehr ein Hobby als irgendetwas anderes. Ich glaube, sobald da Geld ins Spiel kommen würde, würde ich mir selbst Druck machen, und das will ich vermeiden. 🙂

  4. Steph sagt:

    Hallo Claudia,

    Ich sehe gerade, dass dein Beitrag sehr aktuell ist.
    Zu aller Erst natürlich meinen Glückwunsch für euer kleines Wunder! Ich drücke euch die Daumen, dass weiterhin alles gut verläuft.

    Ich selbst bin erst in der 8. Woche, aber (und da komme ich direkt zu meiner Frage) auch für ein paar Wochen in Tokio.
    Ich bin in Deutschland abgereist, als ich gerade erst erfahren habe, dass ich schwanger bin (da war es noch viel zu früh für Ultraschalluntersuchungen).
    Jetzt mache ich mir natürlich die ganze Zeit Gedanken, ob alles in Ordnung ist.
    Würde da gerne mal einen Arzt drauf schauen lassen.
    Kannst du mir eine Anlaufstelle in Tokio empfehlen. Kennst du einen Arzt, der englisch (oder sogar deutsch im besten Fall) spricht?

    Du würdest mir sehr helfen!
    Vielen Dank!

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