Filmzeit: Der Detektiv trinkt weiter.

Nachdem mein Mann und ich in letzter Zeit nur wenige Filme, und wenn dann westliche, gesehen hatten, ging es am Samstag mal wieder in einen japanischen Film. Die Fortsetzung von 探偵はBarにいる (Tantei ha Bar ni iru) lief nämlich an, und das konnten wir uns nicht entgehen lassen.

© 2013「探偵はBARにいる2」製作委員会

© 2013「探偵はBARにいる2」製作委員会

探偵はBarにいる2 ススキノ大交差点 Tantei ha Bar ni iru 2 Susukino Daikôsaten (2013) (Trailer)

Regisseur: Hashimoto Hajime

Darsteller: Ôizumi Yô, Matsuda Ryûhei, Ono Machiko

Zwei Tage nachdem ein mit dem Detektiv befreundeter Transvestit einen landesweiten Magier-Contest gewinnt, wird er tot aufgefunden. Als der Detektiv auf eigene Faust nach dem Mörder sucht, findet er heraus, dass ein Politiker in den Fall verwickelt ist. Daraufhin nehmen gleich mehrere Gruppen die Verfolgung auf und wollen dem Detektiv an den Kragen. Und dann ist da auch noch die undurchsichtige Auftraggeberin, eine Violinistin, deren größter Fan der Tote war.

Persönliche Meinung: Der Film hält einen durchaus in Atem und ist lustiger als der Vorgänger, was aber manchmal etwas überzeichnet ist. So schwankt der Film zwischen gewalttätigen und lustigen Szenen, was durchaus interessant ist, aber manchmal nicht ganz zusammenpasst. Das Zusammenspiel zwischen dem Detektiv und seinem Partner ist durchaus in seiner Rollenverteilung ganz witzig und auch einige (wenige) Charaktere, die im ersten Film schon am Rande vorkamen, bekommen endlich eine etwas größere Rolle. Ansonsten hätte ich langsam mal gern mehr über den noch immer namenlosen Detektiv erfahren. Aber ich wette der dritte Film ist schon geplant.

Isumi: Tuut-Tuut! Mumins auf Zugfahrt.

Auf unserem Rückweg von Tateyama fuhr der Schwiegervater einen klitzekleinen riesigen Umweg, damit ich die Mumin-Bahn sehen konnte.

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Die Bahngesellschaft Isumi (いすみ鉄道株式会社) betreibt ein kleines Bahnnetz auf dem Lande. So klein und so sehr auf dem Lande, dass die Firma 2006 vor dem Aus stand. Nach einem Wechsel in der Führungsetage wurde beschlossen Bahnen im Mumin-Design fahren zu lassen. Japaner lieben nämlich sämtliche Spezialversionen von allem, wenn es mit beliebten Charakteren ist umso besser. Außerdem lieben alle japanischen Jungs Bahnen und es gibt an jeder Station Stempel zum Sammeln. Perfekt!

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Wir waren am Bahnhof Kuniyoshi (国吉駅), der an einem kleinen Ort mit Reisfeldern und viel grün liegt. Die Atmosphäre stimmt auf jeden Fall. Auf den zwei Bahnsteigen finden sich geschnitzte Charaktere und man kann auch Mumin-Produkte kaufen. Am Wochenende waren recht viele Leute dort, auch zwei Kinder von meiner Arbeit, aber es war nicht störend. Die Angestellten wirkten auch recht entspannt, und der Bahnhofsvorsteher fuhr mit seinem VW-Bus (mit Lenkrad auf der linken Seite!) über den Bahnhofsvorplatz. Insgesamt war es ein wenig, als wäre dort die Zeit stehengeblieben.

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Bei einem Bahnhof darf natürlich eins nicht fehlen: Bahnen! Die fahren dort zwar nicht allzu häufig und man muss ein wenig warten, aber die Bahnen sind niedlich! Total kurz im Vergleich zu tokyoter Bahnen, aber echt neu. An der Seite sind Mumin-Illustrationen, wobei es verschiedene Versionen gibt. Auch haben nicht alle Bahnen Illustrationen, die Express-Bahn, die wir gesehen haben, war ganz gewöhnlich. Um damit durch die Gegend zu fahren hatten wir nicht genug Zeit, aber wenn man Entspannung sucht, ist das sicher ganz schön.

Isumi ist schon ein kleines Mumintal. 🙂

Tateyama: Ans Meer, ans Meer!

Auch wenn man es im Blog wahrscheinlich nicht so mitbekommen hat war letzte Woche Golden Week. Damit ist eine Aneinanderreihung von Feiertagen gemeint, die, wenn man die paar Nicht-Feiertage auch freinehmen kann, einen schönen langen Urlaub bilden. Dieses Jahr wären es insgesamt zehn Tage gewesen, weil ich aber nur an Feiertagen freibekomme, hatte ich einmal ein Drei-Tage-Wochenende, dann drei Tage Arbeit und zum Schluss ein Vier-Tage-Wochenende. Also nichts mit langem Urlaub, zumal alle Preise zur Golden Week meilenweit in die Höhe schießen.

Ein wenig Urlaub war dann aber doch drin, mit den Schwiegereltern sind wir zum ersten Mal seit zwei Jahren ans Meer gefahren!

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Tokyo liegt natürlich am Meer und man sieht es immermal, aber städtisches Meer ist eher dreckig als schön. Baden würde ich darin nicht.

Wir sind bis zum untersten Zipfel der Präfektur Chiba nach Tateyama (館山) gefahren. Eigentlich zum Sushi-Essen, aber wir waren eh zu früh da, so dass wir an den Strand gefahren sind. Weißer Strand! Blaues Meer! Sonne! Blauer Himmel! So nahe war ich Sommerurlaub schon länger nicht mehr 😉 Um ehrlich zu sein hätte ich gar nicht gedacht, dass es nicht nur im fernen Okinawa sondern auch in Chiba, quasi direkt vor der Haustür, so schöne Orte gibt.

Und so verbrachten wir über eine Stunde am Pazifischen Ozean, suchten nach Krebsen und Krabben, kletterten auf den Felsen herum und haben Sonne getankt. 😀 Zum Glück haben meine Schwiegereltern immer Klappstühle dabei.

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Nach diesem kleinen Ausflug ging’s dann auch zum Sushi-Restaurant. Über Sushi kann ich nicht viel schreiben, weil ich kein großer Fisch-Fan bin. Das weiß meine japanische Familie natürlich auch und nimmt auf mich Rücksicht, aber ein bisschen Bekehrungswille ist immer dabei. Und so aß ich zwei Stücken mit Fisch, sorgfältig ausgesucht von Ehemann und Schwiegervater. Schrecklich war es nicht, aber ich habe einfach keinen Gaumen dafür. Für mich gab es als Alternative Sushi mit Ei und mit Krebs und Salat. Wenn das Fisch-Sushi qualitativ gleichwertig war, war es sicher himmlisch. Würde ich Fisch mögen.

Und auf dem Rückweg ging’s dann noch zur Mumin-Bahn nach Isumi (いすみ市), aber das ist ein anderer Eintrag. 🙂

Über das Heimweh.

Ich habe kein Heimweh. Zumindest nichts, was man normalerweise darunter verbuchen würde. Während ich meine Berliner Heimat schätze, verspüre ich kein großes Bedürfnis, dort zu sein. Nicht einmal mehr zu Weihnachten. Wahrscheinlich würde es mich nicht einmal groß stören ein Jahrzehnt nicht nach Deutschland einzureisen. Wirklich.

Berlin ist lockerer als Tokyo, grüner und schöner. Auch wenn meine Eltern mit mir im Alter von acht Jahren in die grüne Vorstadt gezogen sind, ist Berlin doch die einzige Stadt, in der ich in Deutschland je gewohnt habe. Berliner Sommer ist für mich der schönste Sommer und ich verbinde unglaublich viel mit der Stadt. Natürlich. Wenn man bis im Alter von 18 Jahren dort lebt, ist Berlin der Standard, positiv und negativ. Die Stadt hat mich geprägt, und war vor allem als ich alle möglichen Stilrichtungen mal ausprobiert habe, ein großartiger Spielplatz. Berlin ist meine Heimat. Die Frage, ob es mich nach Berlin zieht, muss ich aber verneinen.

Nach dem ersten Jahr in Japan hat es mich aber auch nicht zurück nach Tokyo gezogen, als ich wieder in Deutschland war. Sondern zurück zu meinem Mann. Es ist also kein Berlin versus Tokyo-Problem, sondern einfach etwas, das mir komplett abgeht. Ich habe eher Fernweh, nach Orten an denen ich noch nie war. Aber zurück zum Heimweh:

Ich bin auch niemand, der seine Eltern einmal die Woche anruft, wahrscheinlich sehr zum Leidwesen ebendieser. Mit meinem Vater schreibe ich manchmal E-Mails, mit meiner Mutter kommuniziere ich eher selten. So schwer es mir tut das zuzugeben, mir reicht das so, wie es ist. Natürlich denke ich manchmal, dass ich keine besonders gute Tochter bin. Dann versuche ich es scherzhaft abzutun: Wer seine Tochter im Kleinstkindalter für eine Woche an die Großeltern abschiebt um nach Paris zu fahren* braucht sich nicht wundern, wenn sie unabhängig wird. Komplett selbst eingebrockt. Aber in Wirklichkeit fühle ich mich natürlich trotzdem zumindest ein wenig schlecht.

* Wo war ich eigentlich, als meine Eltern in Marokko waren? Oder gab es mich da noch gar nicht? Ich erinnere mich nur an dieses große Glas mit Wüstensand im Büro meines Vaters.

Letztens kam ich irgendwie bei YouTube beim Herumklicken auf Tomte. Um genau zu sein auf “Die Schönheit der Chance” vom Album “Hinter all diesen Fenstern”. Das Lied zwar keinen genauen Bezug zu der Entdeckung, die ich machte, aber es ist ein gutes Lied und ihr solltet es euch anhören.

Nach ein wenig Herumklicken sah ich, dass das Album 2003 veröffentlicht wurde. Zehn Jahre ist das her. Für jemanden wie mich ist das fast ein halbes Leben her. An die Zeit, als ich Tomte viel gehört habe, erinnere ich mich gut. An die Leute mit denen ich unterwegs war, an die (wenigen) Festivals und Konzerte auf denen ich war, an so viel, so genau.

Und dann trat es mich plötzlich in die Magengrube: Ich vermisse Deutschland nicht. Ich vermisse auch die Deutschen nicht. Aber es macht mich unglaublich traurig zu wissen, dass ich hier allein mit all diesen Erinnerungen bin. Allein mit meinen Erinnerungen an Pittiplatsch-Kasetten und Astérix-Comics. Allein mit meinen Erinnerungen an die Bravo und an das erste Ärzte-Konzert. Allein mit all meiner deutschen Popkultur und all diesen Erinnerungen und all diesem Wissen, das tief in mir verankert ist. All diese Erinnerungen sind wenig wert ohne jemanden, der sie teilt.

Egal ungern ich wieder nach Deutschland ziehen würde, meine Nostalgie ist deutsch.

Mein Mann wird nie dieselben nostalgischen Erinnerungen haben, wie ich. Wenn ich vom Radiosender Fritz erzähle muss das auf ihn so wirken, wie wenn er mir von Sazae-san erzählt: Schön zu wissen, aber ich habe keinen Bezug dazu. Irgendwie ein ziemlich trauriger Gedanke.

Ob das wirklich Heimweh ist, ist eine andere Frage. Denn wirklich im Sommer nach Deutschland fliegen möchte ich noch immer nicht. Auch wenn ich es mir, angesichts des bereits bezahlten Flugtickets, versuche schönzureden. 😉