Willkommen zurück, Madame!

Endlich habe ich es geschafft.

Drei Freundinnen (eine mit Blog 😉 ) und ich waren im Maid Café! Maid Cafés habe ich in meinem Mini-Eintrag über Akihabara schon einmal erwähnt, allerdings auch, dass ich noch nie in einem guten war. Eigentlich wollte ich schon im Sommer mit Anna zum @Home Cafe, wir haben es dann aber sein gelassen, wahrscheinlich um stattdessen ins Disney Land zu fahren. 😉

Weil das @Home Cafe scheinbar das Maid Café in Akihabara ist und wir nicht lange warten wollten, sind wir am Freitag Nachmittag um vier hingegangen. Dort bekam ich erstmal eine Erklärung des Systems auf Englisch in die Hand gedrückt, unter anderem, dass man im Laden nur die Speisen fotografieren und die Maids nicht anfassen darf. Weil ich ein guter Mensch bin, habe ich mich natürlich daran gehalten.

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Beim Maid Café ist schon die Terminologie anders: Während in einem normalen Café oder Restaurant “4名様ご来店です” (“Yon-mei-sama, go-raiten desu”; “4 Leute betreten den Laden”) gerufen wird, war es hier “お嬢様4名様ご帰宅です”  (“Ojō-sama yon-mei-sama go-kitaku desu”; “4 Ojō-sama* sind nach Hause gekommen”). Begrüßt wird man mit “お帰りなさいませ、お嬢様!” (“Okaerinasaimase, Ojō-sama”, “Willkommen zuhause, Ojō-sama”).

* Ojō-sama ist eine höhergeborene Tochter. Das männliche Equivalent in Maid Cafés ist ご主人様 (Goshujin-sama), der Herr des Hauses.

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Bei dem Café, in dem wir waren, kann man zwei verschiedene Sets buchen oder Getränke und Essen einzeln bestellen. Wir haben uns alle für’s A-Set entschieden, mit einem Getränk, einem Polaroid-Foto mit einer Maid unserer Wahl und einer Souvenir-Keksbox. Allein dafür zahlt man bereits 1,600yen, zuzüglich 600yen “Sitzgebühr”*. Drei von uns haben dann noch ein Dessert dazubestellt, was noch einmal jeweils 400yen mehr gekostet hat.

* Das gibt es auch in anderen Läden, vor allem wenn man trinken geht.

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Mein Moe-Parfait.

Zuerst kamen unsere Getränke, und alle mit Schaumgetränken (Kaffee Mocha) wurden gefragt, was sie gern mit Sirup draufgemalt hätten. Bekannterweise mag ich Katzen, also hat mir unsere Maid eine gemalt. Danach mussten wir noch Liebe in unsere Getränke zaubern, indem wir mit unseren Händen ein Herz formten und “Moe, Moe, Kyun!” sagten. Das klingt und ist auch total lächerlich, macht aber Spaß. Beim Dessert wieder dasselbe Spiel.

Ich hätte übrigens gedacht, dass es schlechter schmeckt. Irgendwie war es in meinem Kopf eingebrannt, dass man in Maid Cafés eher drittklassige Ware für teures Geld vorgesetzt bekommt, aber mein Parfait war wirklich gut und sah auch wirklich unglaublich niedlich aus.

Die Maids waren auch alle echt niedlich, wenn auch natürlich mit einer fetten Schicht Make-Up. Bei anderen Maid Cafés habe ich gehört und auch selbst erlebt, dass die Mädels im Laden nicht halb so süß sind wie die, die auf der Straße Flyer verteilen. Bei Maid Cafés zahlt man nun aber eigentlich dafür, dass man von hübschen oder niedlichen Mädchen bedient wird…

IMGP6097Für das im Set inbegriffene Polaroid-Foto wurden wir getrennt nach vorn gerufen, um mit einer Maid, die wir uns vorher ausgesucht hatten, fotografieren zu lassen. Überhaupt nicht peinlich als ausländische Frau vor all den Leuten zu posieren… Ich bin natürlich hochrot geworden, zumal ich die erste von uns Vieren war. Zehn Minuten später bekam ich es dekoriert wieder und habe jetzt eine schöne Erinnerung – denn ganz im Ernst:

So schnell werde ich nicht wieder in ein Maid Café gehen. Es macht Spaß und ist mal ganz witzig, aber es ist auch schweineteuer und die anderen Besucher sind teilweise etwas unangenehm. Viele Leute, vor allem Männer, die in ein Maid Café kommen, suchen eigentlich nur jemanden, der ihnen Aufmerksamkeit schenkt, oder sind irgendwo etwas kaputt. Wie der ältere Herr, der mit sich selbst sprach und mindestens fünf Mal Spiele mit einer der Maids gespielt hat: Vier gewinnt, für 600Yen pro Spiel.

An sich bin ich der ganzen Otaku-Kultur in Japan sogar recht verbunden, denn ich habe meine halbe Jugend* vorm PC verbracht, Animes geguckt, Manga gelesen, mich nach Japan geträumt, etc., aber manche steigern sich in ihre Maid-Träume ziemlich hinein. Das finde ich traurig und tragisch, und will es aus einem vermutlich ganz gewöhnlichen Abwehrreflex heraus nicht sehen. Aber es ist eben ein Geschäft, und ich glaube die verdienen nicht schlecht daran.

* Mit 23 ist man nicht mehr jugendlich. Jung schon noch.

Aber immer dran denken: 萌え萌えきゅん! (Moe, Moe, Kyun!)

東京都千代田区外神田1-11-4ミツワビル4F~7F
Tokyo, Chiyoda, Sotokanda 1-11-4 Mitsuwa Building 4. – 7. Etage

Die neue Wohnung: Esszimmer und Küche

Letzte Woche habe ich euch unser Wohnzimmer gezeigt, diesmal sind Esszimmer und Küche dran.

IMGP5867 Das Esszimmer ist farblich relativ identisch mit dem Wohnzimmer. Wieder ein grüner Teppich, diesmal aber ohne Heizelemente und zwecks einfacherer Reinigung kürzer. Wieder dunkelblaue Vorhänge und wieder dunkles Holz.

Die beiden Zimmer sind schließlich verbunden, wäre plötzlich das ganze Farbthema anders sähe es etwas unorganisiert aus. Das Metallregal neben unseren Bücherschränken ist Taschenabstellplatz, manchmal schaffe ich es sogar, meine Tasche nicht einfach irgendwo im Raum liegen zu lassen. 😉

IMGP5866Das Metallregal neben dem Kühlschrank haben wir in Meguro bei einem Gebrauchtmöbelhandel bekommen, es stand wahrscheinlich mal in einer Restaurantküche. Im Vergleich zum IKEA-Taschenregal ist es deswegen natürlich viel massiver und gefällt mir persönlich auch besser. Darauf und darin stapeln wir Wasser und Mineralwasser, damit wir die Kisten nicht im Raum herumstehen haben.

Unser pinker Kühlschrank gehörte einem Kumpel meines Mannes, der wieder in seine Heimatstadt zurückzog und hat für uns eigentlich genau die richtige Größe. Das braune Ding oben drauf ist ein Brotkasten, wir machen fast jeden Tag Brot, und wollten es nicht mehr total ungeschützt auf den Kühlschrank stellen. Die Box ist groß genug um darin auch Obst oder Medizin unterzubringen und sieht dazu noch ganz hübsch aus. 🙂

IMGP5869An der Wand sieht man auch unser Alarmanlagenpanel, und am Pfeiler zwischen Esszimmer und Küche befindet sich die Gegensprechanlage (mit Video!) und Piepsgedings um den Boiler anzuwerfen. Ohne das Piepsgedings gibt es hier kein warmes Wasser.

Die Küche ist farblich ganz anders, die Schränke waren schon eingebaut, bevor wir hier einzogen sind und lachsfarben. Wer sich das wieder ausgedacht hat… Weil die oberen Schränke zu hoch für mich sind haben wir uns eine hübsche Trittleiter gekauft. Wenn man schon zu kurz* ist, dann wenigstens mit der Trittleiter nicht die Küche total verschandeln.

* Ich bin nicht klein, 1,70m, aber an die oberen Regale kommt nicht einmal mein Mann gut.

IMGP5872Neu sind die Mülleimer, blau für brennbaren Müll und weiß für Plastik, endlich in der Küche! In der alten Wohnung hatten wir nicht genug Platz für Mülleimer und sie standen deswegen im Flur. Auch unser altes Schuhregal hat einen neuen Platz in der Küche bekommen. Wie zu sehen stehen darauf nicht nur Waage, Gewürze und Pfannen und Töpfe, sondern auch ein dritter Mülleimer, den wir für Dosen verwenden. Ohne Dosenpfand gibt es davon nämlich verdammt viele.

Das Mikrowellen- und Reiskocherregal gehört in japanischen Wohnungen glaube ich dazu, immerhin haben wir es diesmal etwas mehr verstecken können. So richtig hübsche gibt es da leider nicht, wir werden also erstmal beim jetzigen bleiben. Gefühlt haben wir in der neuen Küche weniger Platz, auch deswegen ist mehr auf die beiden Regale ausgelagert – es würde einfach nirgendwo reinpassen.

IMGP5870An Herd und Spüle hat sich eigentlich nicht viel verändert, nur dass wir jetzt auf oft verwendete Kochutensilien leichter zugreifen können und die Gläser mit unserem Besteck anders stehen. In dem Gestell gibt es zwar eine Halterung für ein drittes Glas, aber in dem haben wir weiteres Kochzeugs, das uns mit seinem Gewicht und seinen Ausmaßen den Ständer umfallen ließ. Sobald wir mal wieder in der Nähe des Landes sind, bei dem wir die anderen Gläser gekauft haben, haben wir aber auch wieder genug Gläser. Ansonsten haben wir Spülmittlel (Frosch!) und Seife umgefüllt damit es ein wenig hübscher aussieht.

Das wär’s mit den beiden Räumen.

Demnächst: Bad.

Geschichten von damals.

Mein Mann und ich waren am Sonntag, alkoholbedingt etwas angeheitert und befreit, auf dem Weg nach Hause, als sich folgendes Gespräch ereignete:

Er: Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, hätte ich nie gedacht, dass ich dich heiraten könnte.

Ich: Warum?

Er: Weil du so hübsch bist und ich so normal bin.

Ich: Für mich bist du der Beste.

Er: Aber im Ernst, am Anfang hatte ich große Zweifel! Ich habe ernsthaft überlegt ob du ein Spion bist.

Ich: Aha.

Er: Oder ein umoperierter Mann…

Wie macht man eigentlich Purikura?

(Aus unserer Reihe “Alle, die schon mal in Japan waren, wissen’s schon.”)

Am Donnerstag sind Freunde von mir in Japan angekommen, zwei sind zum ersten Mal hier. Was muss also gemacht werden? Karaoke und Purikura!

プリクラ (Purikura) ist eine Abkürzung für “Print Club” und bezeichnet einen Fotoautomaten. Einen speziellen Fotoautomaten!

In einer Fotokabine zahlt man meist 400yen, um dann auf einem Touchscreen Augengröße, Hauthelligkeit und Hintergrund zu bestimmen, bevor man sich vor einem Greenscreen fotografieren lässt. Das Auswählen muss schnell gehen, denn es zählt immer ein Counter mit, und wenn man nicht schnell genug ist, wird einfach irgendetwas festgelegt. Dann werden in rabiater Geschwindigkeit sechs Fotos geschossen. Mit vier Leuten vor der Kamera ist das gar nicht so einfach zu koordinieren, wer sich in diesen wenigen Sekunden wohin bewegen soll.

IMGP5916Weiter geht es an eine angeschlossene Ecke, in der man die Fotos mit Stempeln und verschiedenen Effekten bearbeiten kann. Je nach Purikura-Maschine gibt es verschiedene Stempel und Funktionen. Auch beim Dekorieren muss man sich beeilen, denn es gibt wieder einen Countdown – der aber aufhört zu zählen, wenn nach einem keine andere Gruppe die Maschine verwendet. Wenn man dann fertig ist, kann man sich noch für ein Layout entscheiden, und wartet an der Seite der Maschine darauf, dass die Fotos ausgedruckt werden.

Auch an der Seite gibt es wieder einen Touchscreen, über den man sich zwei Fotos an eine Handy-Mail-Adresse schicken lassen kann*. Wenn man alle Fotos haben möchte, muss man sich kostenpflichtig registrieren.

* Jedes Handy in Japan hat eine Mail-Adresse. Meines Wissens nach, kann man beim Purikura nur solche Adressen eingeben.

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Eure werte Autorin ist unten links.

Und so sieht ein solches Foto dann aus. Komplett weichgezeichnet, mit vergrößerten Augen (wobei das bei diesem Foto nicht so schlimm ist wie sonst immer) und viel Gebimmsel.

Ausgedruckt werden einem je nach Wunsch alle Fotos, die man geschossen hat, und dann kann man sie ausschneiden und überall hinkleben, wie Sticker.

Mit japanischen Freunden mache ich eher keine Purikura, mit meinem Mann war ich auch noch nie in einem. Aber ich musste eh in den letzten Tagen feststellen, dass Japan immer langweiliger wird, je länger man hier lebt. 😉 Wenn man etwas immer hat, ist es eben nicht mehr besonders.

Deswegen ist es für mich immer ganz spannend mit Besuch durch die Straßen zu ziehen. Tokyo ist eben doch ganz anders als Berlin.

Apropos Berlin, im August werde ich (alleine) für eine Woche oder 10 Tage nach Berlin fliegen. 50. bzw. 25. Hochzeitstag der Großeltern und Eltern, die perfekte Möglichkeit um die im Ausland lebende Tochter moralisch zu verpflichten nach Deutschland zu fliegen.