In die Welt der besten Animationsfilme aller Zeiten* eintauchen im Ghibli Park in Aichi.

* subjektive Meinung, aber ich habe natürlich recht.

Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Ich bin Ghibli-Fan. Das wohl bekannteste japanische Animationsstudio produziert einfach Klassiker, die vor allem in Japan omnipräsent sind. Jedes kleine Kind kann das Lied “Sanpo” von “Mein Nachbar Totoro” singen.

Es gab lange Anfragen, ob das Studio nicht einen Vergnügungspark bauen wolle. Vor einigen Jahren war es dann soweit, und die Bauarbeiten begannen. Letzten Herbst wurden die ersten drei Areale des Parks eröffnet, diesen Herbst dann das vierte und im Frühjahr wird der Ghibli Park mit dem fünften Areal komplett sein.

Wir hatten bereits im September Tickets für alle vier eröffneten Bereiche reserviert, und fuhren vorletzte Woche los. Eigentlich war geplant, zwei Tage im Ghibli Park und einen woanders in Nagoya zu verbringen, aber das war letztendlich gesundheitlich schwierig. Wir haben also wirklich nur den Ghibli Park gesehen. Hat sich aber trotzdem gelohnt. 😀

Der Park

Die fünf Areale liegen in einem öffentlichen Park, dem Ai・Chikyuhaku Kinen Koen (愛・地球博記念公園). Dieser war der Schauplatz der Expo 2005, für die das Haus von Satsuki und Mei aus dem Film “Mein Nachbar Totoro” nachgebaut wurde.

Die einzelnen Areale liegen verteilt im Park, es gibt also viele Grünflächen zum Toben und Ausruhen. Außerdem gibt es verschiedene Ghibli-Dinge, für die man kein Ticket braucht: Der Aufzug vom Bahnhof zum Park erinnert an “Chihiros Reise ins Zauberland” und auf Tischen und Bänken stolpert man über “vergessene Gegenstände” aus verschiedenen Filmen. Eine kleine von “Chihiros Reise ins Zauberland” inspirierte Raststätte gibt es auch.

Außerdem gibt es einen großen, an Wochentagen kostenlos nutzbaren, Spielplatz, der an das Katzenschloss aus dem Film “Königreich der Katzen” angelehnt ist. Da dies derzeit der Lieblingsfilm unseres Sohnes ist, haben wir dort sicher zweieinhalb Stunden verbracht.

Zwischen den verschiedenen Arealen verkehren zwar auch kostenlose Busse, aber die fahren eher selten und eigentlich sind die Entfernungen auch nicht so groß, dass man sie nicht zu Fuß zurücklegen könnte.

Dondoko Mori (どんどこ森) – Dondoko Forest

Der Dondoko-Wald besteht aus zwei Bereichen: Dem Haus von Satsuki und Mei und einem großen Totoro aus Lehm, in dem Kinder (bis 12 Jahre) spielen können.

Das Haus von Satsuki und Mei wurde bereits 2005 errichtet. Es ist komplett funktionstüchtig, im Notfall könnte man in ihm wohnen. Nur müsste man dann all die Unannehmlichkeiten, die so ein altes Haus mit sich bringt, auf sich nehmen: Das Badewasser wird über einem Holzofen in der Küche erhitzt und dann über ein Bambusrohr in die Badewannen geleitet.

Alle Schränke und Schubladen sind mit historisch akkuraten Dingen gefüllt und ich habe nicht nur meinen Mann “Das riecht wie bei Oma zuhause” sagen gehört. Das allerbeste: Man darf, bis auf drei abgesperrte Bereiche, alles anfassen und ausprobieren. Vor allem für Kinder ist das natürlich genial, unser Sohn hatte riesigen Spaß und wir waren nicht gestresst.

Auf den Hügel, auf dem der Lehm-Totoro steht, führt sowohl eine Treppe als auch eine kleine Einspurenbahn. Die Knöpfe für letztere dürfen natürlich die Kinder drücken. 🙂

Oben auf dem Hügel steht neben dem Lehm-Totoro ein kleiner Laden, in dem man Mitbringsel kaufen kann.

Der Lehm-Totoro ist ein kleines Meisterwerk. Hier wurde kein Lehm angemalt, sondern verschiedenfarbiger Lehm verwendet und in einer Großaktion aufgebracht. Kinder bis 12 Jahren dürfen über zwei Treppen in den Totoro hineinklettern. Und nun, Pro Tip: Eltern dürfen auch rein, wenn sich die Kinder konsequent weigern, wieder runterzukommen. Ratet mal, woher ich das weiß. 😉

Seishun no Oka (青春の丘) – Hill of Youth

Auf dem Hügel der Jugend geht es um zwei Filme, die nicht so populär sind: “Stimme des Herzens” und “Königreich der Katzen”.

Die Sackgasse, in der sich der Antiquitätenladen “Chikyūya” (地球屋) und die Geigenwerkstadt im Film “Stimme des Herzens” befinden, wurde nachgebaut. Neben dem “Chikyūya” steht das Katzenbüro aus dem Film “Das Königreich der Katzen”.

Durch die Fenster kann man hineinspähen. Als wir dort waren, war alles für Weihnachten dekoriert. Wer den Film kennt, erkennt viele kleine Details wieder, es ist wirklich schön gemacht. An Tagen mit gutem Wetter, kann man eine Zeitung aus dem Briefkasten fischen und ein kleines Kind wie Muta im Film auf dem Stuhl Zeitung lesen lassen.

Im Chikyūya darf man leider keine Fotos machen, aber es ist einfach wunderschön. Bis auf die Standuhr, die auch im Film eine kleine Rolle hat, und die Figur des Barons, der im Film eine große Rolle hat, darf man auch hier wieder alles anfassen. Unser Sohn hat in der Küche angefangen “zu kochen”. Auch Bereiche, die im Film nicht gezeigt werden, sind nachgebildet. Zum Beispiel wird in der Küche Katzenfutter gelagert (wahrscheinlich für einen gewissen übergewichtigen Kater) und im Wohnzimmer liefen im Plattenspieler deutsche Weihnachtslieder (Nishi-san, der Besitzer des Ladens, war als junger Mann in Deutschland).

Im Untergeschoss ist Seijis Geigenwerkstadt nachgebaut worden. Dazu gibt es eine wunderschöne Geschichte: Der junge Fujii Oki spielte Geige (sein Vater war und ist Geigenlehrer) und sah eines Tages den Film “Stimme des Herzens”, der ihm die Augen für den Beruf des Geigenbauers öffnete. Genau wie Seiji im Film, ging er nach Cremona in Italien um das Geigenbauen zu lernen und betreibt jetzt in der Nähe des Schauplatzes des Films eine Geigenwerkstatt. Und er half dabei, Seijis Geigenwerkstatt realistischer zu gestalten und fertigte die Geigen, die nun dort hängen. Der Kreis hat sich geschlossen.

Ein großer Teil der Geigenwerkstatt darf nicht betreten werden, aber für Kinder gibt es trotzdem sehr viel zu entdecken: Unter anderem eine Geige und ein Klavier, die nach Lust und Laune bespielt werden dürfen. Unser Sohn wollte am liebsten gleich selbst etwas bauen, aber die Werkzeuge sind befestigt, um Verletzungen zu vermeiden.

Auf dem Weg zum Ausgang kommt man noch an einer Bushaltestelle mit spannenden Kritzeleien und einer Telefonzelle vorbei. Aber was man in letzterer hört, wenn man den Hörer abnimmt, verrate ich euch nicht.

Letztendlich geht man noch durch eine Höhle, wie sie auch im Film vorkommt.

In diesen beiden Bereichen spürt man wirklich, dass der Ghibli Park für Kinder gemacht wurde. Der Wunsch des Hauptverantwortlichen, Miyazaki Hayaos Sohn Goro, dass es ein Ort ist, an dem Kinder echte Erfahrungen machen dürfen, hat sich auf jeden Fall erfüllt.

Mononoke no Sato (もののけの里) – Mononoke Village

Das neuste Areal ist das Mononoke-Dorf, in dem man die Welt von “Prinzessin Mononoke” erleben kann. Leider war dieser Bereich nicht so spannend wie die anderen beiden.

Zwei wichtige Figuren, Okotonushi, ein riesiger Keiler, und der Tatarigami, eine Art besessene Gottheit, sind als große mit Fliesen verziehrte Objekte zu bestaunen. Okotonushi kann man sogar den Buckel runterrutschen, er ist eine Rutsche. Für unseren Sohn war er leider noch ein wenig zu gruselig.

Im Tatara-ba, dem Gebäude, das im Film die großen Blasebälge für die Metallproduktion beherbergt, finden verschiedene lehrreiche Veranstaltungen statt. Als wir dort waren, konnte man Gohei-Mochi (五平餅, eine Reisspezialität aus Aichi, selbst herstellen. Diese Aktivitäten sind nicht im Eintrittspreis enthalten und müssen getrennt bezahlt werden.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass das Mononoke-Dorf in Zukunft vor allem eine Raststätte für erschöpfte Besucher sein wird. Alleinstehend ist es einen Besuch wahrscheinlich nur für große “Prinzessin Mononoke”-Fans wert.

Ghibli no Daisōko (ジブリの大倉庫) – Ghibli’s Grand Warehouse

Das Herzstück des Ghibli Parks ist das große Lagerhaus. In dem Gebäude befand sich vorher ein Schwimmbad und viele bauliche Elemente sind erhalten geblieben. Insgesamt erinnern die Gebäude innerhalb des Lagerhauses an “Chihiros Reise ins Zauberland”, ein wenig eigenartig aber sehr farbenfroh.

Wir waren leider am Wochenende im Lagerhaus und es war ziemlich voll. Mit einem kleinen übermüdeten Kind konnten wir keine der drei Ausstellungen ansehen, und an den Foto-Spots standen die Leute Schlange. Meinen nächsten Besuch werde ich auf jeden Fall für einen Wochentag planen.

Das Kino Orion-za ist der einzige Ort außerhalb des Ghibli Museums in Mitaka, in dem man die Ghibli-Kurzfilme sehen kann. Es ist dem Vorführraum im Studio Ghibli selbst nachempfunden, man kann die Kurzfilme also genau so gucken, wie die Mitarbeiter des Studios sie gesehen und bearbeitet haben.

Neben dem Kino ist ein Spielbereich für Kinder, den wirklich nur Kinder und ihre Eltern betreten dürfen. Dort darf man nicht fotografieren, aber eine kleine Retro-Stadt in Kindergröße lädt zum Entdecken ein. Es ist wirklich liebevoll gemacht, und so, dass die Kinder selbst viel entdecken können.

Neben der Kinderstadt gibt es einen Totoro-Spielbereich, den alle besuchen können. Dort stehen u.a. ein Spielbus, eine kleine Version vom Haus von Satsuki und Mei, ein Baum, in dem Totoro schläft und ein ganz besonderer Katzenbus. Der Katzenbus kann, genau wie der im Museum in Tokyo, nur von Kindern bis 12 Jahren bespielt werden. Er hat aber ein ganz besonderes Design: Was, wenn jemand ein Katzenbusspielzeug gebastelt hätte? Die Augen sind große Knöpfe, der Rest Patchwork.

Im Erdgeschoss gibt es einen Bereich, in dem man sich selbst wie die kleine Arietty aus “Arietty – die wundersame Welt der Borger” fühlen kann. Neben überdimensionierten Blumen und Käfern kann man sich auch die Behausung der Familie aus dem Film ansehen. Eine wunderschöne Kulisse für Fotos, nur leider dachten das auch alle anderen.

Apropos Fotos: Am Roboter-Soldaten aus dem Film “Das Schloss im Himmel”, auf den sich mein Sohn am meisten gefreut hatte, war eine ewig lange Schlange. Genau so auch am Büro von Yubaba von “Chihiros Reise ins Zauberland” und dem “Zimmer” des Philosophie-Clubs aus “Der Mohnblumenberg”. Schade, aber erwartbar.

Die Schlange am Restaurant “Ōdanhikō” (横断飛行), in dem man Pizza und belegte Brote kaufen kann, hielt uns dann leider davon ab, es zu besuchen. Wir waren aber auch einfach alle angeschlagen und übermüdet, wenn wir ausgeschlafen und nur mit Erwachsenen unterwegs gewesen wären, hätten wir sicher nicht abgebrochen. Schließlich sind wir da ganz andere Themenparks gewohnt.

Zurück zum Ausgang geht es natürlich durch den Souvenir-Laden, in dem wir aber viel weniger Geld als erwartet ließen. Es war schlicht zu voll, um in Ruhe etwas auszusuchen, und bei mir greift dann der Fluchtreflex. 😉


Im Vorfeld unseres Besuches hatten wir uns die sechsstündige Dokumentation zur Entstehung der ersten drei Areale (Dondoko Forest, Hill of Youth und Ghibli’s Grand Warehouse) mehrmals angesehen, weswegen ich unglaublich viel Hintergrundwissen vor allem zum großen Lagerhaus habe. Dass ich mir das nicht selbst in Ruhe ansehen konnte, wurmt mich ein wenig. Vielleicht sogar ziemlich viel. Vielleicht sogar so sehr, dass ich wahrscheinlich in der ersten Hälfte des nächsten Jahres noch einmal hinfahren werde. Diesmal mit einer Freundin oder so.

Insgesamt ist der Ghibli-Park für mich wahrscheinlich der beste Themenpark in Japan, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Vor allem der Dondoko Forest und Hill of Youth waren einfach nur hervorragend, und es hat mir unglaublich viel Freude bereitet zu sehen, wie mein Sohn ganz für sich verschiedene Sachen entdeckt hat. Dass der Ghibli Park sich in einem richtigen Park befindet, ist das Sahnehäubchen oben drauf. Wenn ich aus dem Disneyland in Tokyo komme, muss ich meist ersteinmal tief durchatmen, weil die ständige Musik, die vielen Menschen und die wenigen Möglichkeiten, einfach mal zu verschnaufen, mich ausgelaugt haben.

Im Ghibli Park läuft nirgends nervige Hintergrundmusik und überall gibt es genug Plätze, um einfach mal für ein paar Minuten sitzen zu bleiben und alles auf sich wirken zu lassen. Auch wenn mein Besuch diesmal nicht perfekt war: Riesige Empfehlung. Mehr Infos und wie man an Tickets kommt, könnt ihr auf der offiziellen Seite nachlesen.

Filme, die man im Vorfeld (noch einmal) gucken sollte: “Mein Nachbar Totoro”, “Stimme des Herzens”, “Das Königreich der Katzen”, “Das Schloss im Himmel”, “Arietty – Die wundersame Welt der Borger”, “Chihiros Reise ins Zauberland”, “Der Mohnblumenberg”, “Prinzessin Monoke” und nach März “Das wandelnde Schloss”, “Kikis kleiner Lieferservice” und “Aya und die Hexe”.

Hier noch weitere Tipps für alle, die in ihrem Japanurlaub ein wenig Ghibli erleben wollen:

Mehr: Ghibli-Museum in Mitaka.
Mehr: Wohin für Ghibli?
(Merchandise)
Mehr: Kurz eingeschoben: Die Miyazaki-Uhr.
Mehr: Totoro-Windbeutel bei Shirohige.
(Es gibt inzwischen auch einen Laden in Kichijōji)
Mehr: Das Edo-Tokyo Open Air Architectural Museum.
Mehr: Shikoku, Teil 2: Dogo Onsen.

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