Corona-Update: Es geht voran.

Direkt vorweg: Ich habe die erste Impfdosis erhalten!

Erstaunlich, wo ich bei dem Tempo, dass Japan bisher vorlegte, dachte, vielleicht mit viel Glück Ende des Jahres dran zu sein.

Tatsächlich verzögerte sich der Impfstart in Japan immer wieder.

Impfungen sind eine der größten Errungenschaften der Neuzeit. Wenn ihr über den Sinn oder Unsinn von Impfungen an sich diskutieren wollt, sucht euch bitte ein anderes Forum. 🙂

Es dauerte schier ewig, bis der erste Impfstoff zugelassen wurde, weil er in Japan dringend noch mal an Japanern getestet werden musste. Schließlich wissen wir alle, dass japanische Körper ganz besonders sind und deswegen die Studienergebnisse an anderen Asiaten keine Aussagekraft haben.

Dann war zwar Impfstoff da, aber kein wirklicher Plan, ihn in die Oberarme der Bevölkerung zu bekommen. Erst seit letztem Monat wird in Japan wirklich einigermaßen großflächig geimpft – die Bevölkerung über 65. Die konnte zwar auch über Line (das japanische WhatsApp) einen Impftermin ausmachen, aber weil ältere Menschen nicht dafür bekannt sind, sich mit neuen Technologien auszukennen, riefen die meisten natürlich an – Was einen Zusammenbruch des Telefonnetzes nach sich zog.

In Tokyo und Osaka eröffnete man große Impfzentren. Das Problem: Das in Tokyo ist unglaublich unpraktisch gelegen und vor allem für Menschen, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, nur schlecht erreichbar. Das zog nach sich, dass es in diesem Impfzentrum freie Termine satt gab, aber da bisher nur die Über-65-Jährigen die Coupons zum Impfen erhalten hatten, blieben sie ungenutzt.

Generell wurde die gesamte Logistik den Städten überlassen, weswegen es noch immer große Unterschiede gibt. In einigen Gegenden werden bestimmte Berufsgruppen bevorzugt, in anderen bestimmte Altersgruppen, … In unserer Stadt sollen Mitte Juli alle unter 65 einen Coupon bekommen. Alle. Auf einmal.

Eine gute Idee hatten die Japaner aber: Impfungen am Arbeitsplatz. Dank derer soll es jetzt endlich wirklich vorangehen.

Die Idee ist einfach: Arbeitsplätze mit über 1000 Mitarbeitern (es können sich verschiedene Firmen zusammenschließen) können sich als Impfort registrieren lassen und bekommen den Impfstoff gestellt. Die Mitarbeiter (und oft deren Familien) können sich dann direkt am Arbeitsplatz impfen lassen, auch wenn sie den Impf-Coupon noch nicht erhalten haben.

Meine Impfung findet über die Immobilienmanagementfirma des Gebäudes, in dem meine Firma sitzt, statt. Am Donnerstag bekamen wir alle einen Link zugesendet um uns zu registrieren. Am Dienstag saß ich schon in einem großen Ausstellungsraum der japanischen Außenhandelsorganisation (JETRO), der in ein Impfzentrum umgewandelt worden war. Der ganze Prozess war äußerst simpel, ich musste lediglich meinen Namen und Adresse angeben und ein paar Fragen beantworten und schon wurde ich gepiekst. Nach 15 Minuten Überwachung durfte ich wieder gehen. Der Termin für die zweite Impfung ist automatisch 28 Tage nach der ersten zur gleichen Uhrzeit, ich muss mich also um nichts kümmern. Bequemer hätte man es mir nur machen können, wenn man mir jemanden nach Hause geschickt hätte.

Heute tut mein Arm weh, aber ansonsten geht es mir gut.

Inzwischen haben 17% der japanischen Bevölkerung (inkl. Kinder) zumindest die erste Impfdosis erhalten. Das ist zwar weniger als in Deutschland, aber wenn man den verzögerte Start bedenkt, keine schlechte Zahl.

Ich bin auf jeden Fall positiv gestimmt, dass wir das dieses Jahr noch hinkriegen. 🙂

8 Gedanken zu „Corona-Update: Es geht voran.

  1. Anika sagt:

    Der Arbeitsplatz meines Mannes bietet es zwar an (juchuu er hat sich registriert) aber leider nicht für Familienmitglieder
    Aber ich kriege meinen Pieks noch. Ganz sicher!
    Und dann kann ich endlich wieder (endlich mal!) mit Babys und ihren Eltern arbeiten ohne Angst haben zu müssen sie trotz Maske anzustecken.
    Ich hoffe mal das Risiko ist mit Impfung und Maske extrem gering..

    • Rumpelstilzchen sagt:

      Hallo Nina, Pfizer/Biontech ist auch zugelassen. Und Daiichi-Sankyo wollte AstraZeneca in Japan herstellen, aber zugelassen ist der Impfstoff in Japan noch nicht. Ich bin mit AstraZeneca geimpft und meine Kolleg*innen auch, wir sind alle begeistert davon, kaum Nebenwirkungen. LG Rumpelstilzchen (ich bin kein/e AstraZeneca Pharmavertreter*in)

  2. Rumpelstilzchen sagt:

    Hallo Claudia, herzlichen Glückwunsch. Wie Du oben geschrieben hast, sind Impfungen eine der größten Errungenschaften der Neuzeit, ja genau, finde ich auch und der Ursprung der Impfung ist eine deutsch-japanische Koproduktion. 1890 veröffentlichte Emil von Behring und der japanische Gastdozent Shibasaburo Kitasato gemeinsam den Artikel “Ueber das Zustandekommen der Diphtherie-Immunität und der Tetanus-Immunität bei Thieren”. Dadurch bekam 1901 leider nur Behring den ersten Medizin-Nobelpreis und Kitasato nicht. Es gibt natürlich dazu verschiedene Theorien, warum hat nur Behring den Nobelpreis bekommen und warum nicht mit Kitasato zusammen. Die Theorien möchte ich aber hier nicht erwähnen (mein Kommentar wird dann viel zu lang). Wir wünschen uns aber sehr, dass das Impftempo in Japan beschleunigt wird, denn wir (Gaijin ohne Wohnsitz in Japan) müssen auch dringend wieder nach Tokyo. LG Rumpelstilzchen aus good old Germany

  3. Sheila sagt:

    Betreffend der Langsamkeit, und warum die Japaner noch einmal an Japanern testen müssen hat meine Sensei mir interessante Infos erzählt. Anscheinend war es vor 10-15Jahren so, dass sehr stark für ein Impfung geworben wurde für junge Frauen. Sogar in der Schule hiengen massenhaft Plakate und Lehrer sagten zwar nicht “tu es!” Aber sie “empfohlen es allen. Leider kam der Impfstoff aus Übersee und war wohl nicht genug geprüft worden. Viele junge Frauen die sich nicht in bester Verfassung befanden, entwickelten Handycaps. Zittern der Hände, zucken des Kopfes etc. manche so schlimm dass sie nicht mehr selbständig essen konnten.
    Deswege würden die Japaner, ob Regierung oder Befölkerung, nun sehr zögerlich auf Impfungen reagieren, und sich zuerst sicher sein wollen. Ich versuchte Artikel dazu zu finden, aber da ich die richtige Zeit, und die Impfung nicht kenne fand ich nichts. Vieleicht hast du Claudia eine Bekannte die du fragen könntest?

    • Claudia sagt:

      Darüber habe ich tatsächlich schon einmal geschrieben, klickst du hier. Es ging um die HPV-Impfung und dass deine Lehrerin glaubt, dass es am Testen lag, zeigt, wie viel Missinformation da noch immer herumfliegt obwohl nie ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und den aufgetretenen Problemen bewiesen werden konnte.

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