Dōjinshi: Manga von Fans für Fans.

Wie die leider noch immer andauernde Pandemie sich auf meinen Alltag ausgewirkt hat, habt ihr auf dem Blog in den letzten Monaten merken können. Primär bin ich wieder komplett auf die Manga-Schiene gerutscht. 😀 Nachdem ich jahrelang von mir behaupten konnte, überhaupt keine Manga zu lesen, hat es mich einfach mal wieder richtig erwischt.

Außerdem richtig erwischt hat mich die Serie Jujutsu Kaisen (呪術廻戦). Daran sind meine Follower bei Instagram schuld, die fragte ich nämlich, ob sich die Serie lohnen würde. Mehrere sagten ja, und jetzt haben wir nicht nur den Salat, sondern auch einen Anlass, um über Dōjinshi (同人誌), oder Fancomics, zu reden.

So ziemlich alles, was Fans hat, hat auch Fans, die sich künstlerisch betätigen und z.B. Zeichnungen zu ihrer Lieblingsserie anfertigen. In Japan bleibt es oft nicht bei Illustrationen, sondern es werden ganze Manga mit neuen Geschichten gezeichnet – Oft in einer Qualität, die sich vor kommerziellen Werken nicht verstecken muss.

Das Wort Dōjinshi (同人誌) bezeichnet einfach ein Magazin (誌) von Menschen (人) mit gleichen (同) Vorlieben. Ich weiß nicht, ob es einer Erwähnung wert ist, dass viele dieser Magazine einen nicht-jugendfreien Inhalt haben. Bei den Dōjinshi für Frauen handelt es sich zumeist um Boys Love und die am meisten verarbeiteten Serien sind die für Jungs und Männer, wie eben z.B. Jujutsu Kaisen. Manga für Frauen werden eher selten als Ausgangsmaterial verwendet, möglicherweise weil die männlichen Charaktere in diesen bereits in Beziehungen sind oder es einfach nicht genug männliche Charaktere gibt.

Mehr: Drei Mangas mit Boys’ Love drin.

Mehr: Batallion F-2, bereitmachen zum Stürmen! (Artikel zur Comiket, Vorsicht: Alt)

Das größte Dōjinshi-Event in Japan dürfte die Comiket sein, die mehrmals im Jahr in Tokyo stattfindet. Dort werden alle möglichen Arten von Manga in mehreren riesigen Messehallen verkauft, bei den beliebtesten Zeichner-Gruppen bilden sich ewig lange Schlangen. Aber Moment: Verkaufen? Hat Japan denn kein Urheberrecht?!

Doch, natürlich. Auch in Japan darf man nicht einfach die urheberrechtlich geschützten Charaktere eines anderen Künstlers verwenden um Profit daraus zu schlagen. Und hier liegt der Knackpunkt: Die Manga sind preislich so angelegt, dass für die Zeichner kein großer Gewinn zu erwarten ist. Je nach Seitenzahl sind es bei einem Event meist zwischen 200¥ (ca. 1,50€) und 900¥ (ca. 6,90€). Das ist so wenig, dass die Verlage beide Augen zudrücken. Im Gegenteil sind auf einigen Dōjinshi-Events sogar Redakteure von Verlagen, denen man seine Werke vorlegen kann.

Ich war letztes Wochenende auf einem relativ großen Event für Dōjinshi für Frauen. Wie zu erwarten handelte es sich bei den meisten Manga um solche zu Jujutsu Kaisen, denn die Serie ist generell unglaublich beliebt – Um ehrlich zu sein war sie auch der Grund, warum ich mich überhaupt an einem Samstagmorgen auf den Weg gemacht hatte. Der Autor von Jujutsu Kaisen macht derzeit Pause und ich leide unter Entzug, Dōjinshi sind meine Ersatzdroge. 😉

Es war das erste Event seit längerem, genau zwischen zwei Ausnahmezuständen in Tokyo. Entsprechend viele Besucher waren da. Regeln zur Senkung der Ansteckungsgefahr waren, dass man sich via Website registriert und eincheckt (wie die Luca App), dass jeder eine Maske trägt und es gab Plastik-Abgrenzungen zwischen den Verkäufern und den Käufern. Leider durfte man auf dem Gelände nicht fotografieren, deswegen kann ich euch nicht zeigen, wie das aussah.

Das lange Anstehen brachte mir nicht nur einen Sonnenbrand ein (die längste Schlange führte nach draußen und dann wieder nach drinnen), sondern auch nette Gespräche mit anderen Besuchern und natürlich letztendlich einen ordentlich gefüllten Rucksack voller Manga. Für Jugendschutz war übrigens auch gesorgt, für alles mit einer Altersfreigabe ab 18 musste ich meinen Ausweis vorzeigen.

Natürlich kann man Dōjinshi auch kaufen, wenn keine Events stattfinden. Es gibt verschiedene Ketten, die sie anbieten, aber weil diese Läden natürlich auch von etwas leben müssen, sind die Preise dort höher als auf Events – Und die richtig beliebten Sachen sind meist schon online ausverkauft, bevor sie überhaupt in den Läden stehen. Wegen der geringen Gewinnspannen lassen die meisten Künstlerinnen nur so viel drucken, wie sie relativ sicher verkaufen können. Jeder nicht verkaufte Manga hinterlässt ein Loch im Portmonee.

Apropos Portmonee: Meins blutet auch ziemlich, weswegen ich mich ein wenig zügeln muss. 😀 Zum Glück ist online immer alles sofort ausverkauft.

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