Der erste Schreinbesuch.

In der Schwangerschaft besucht man einen Schrein, um für eine sichere Geburt zu beten. Wenn das Kind dann da ist, besucht man nach einem Monat noch einmal einen Schrein (oft denselben), um sich erstens bei den Göttern zu bedanken und zweitens für ein gesundes Aufwachsen des Kindes zu beten. Das Ganze nennt sich Omiya-Mairi (お宮参り) oder Hatsu-Mairi (初参り).

Mehr: Sichere Geburt dank der Götter.

Wir waren natürlich wieder bei „unserem“ Schrein, bei dem wir auch schon geheiratet haben. Das ist kein besonders pompöses oder bekanntes Gebäude, aber wir fühlen uns dort immer sehr wohl. 🙂

Wir wurden erst in einen Tatami-Raum gebeten, in dem wir unser Gepäck ablegen und Fotos machen konnten. Beim ersten Schreinbesuch wird ein Kinderkimono um Baby und Träger des Babys gebunden. Zwar kann man diese Kimonos auch kaufen, wir entschieden uns aber lediglich einen auszuleihen. Ganz ehrlich – Was sollen wir mit einem Kimono, den wir eh nur zweimal, einmal beim ersten Schreinbesuch und dann bei der 7-5-3 (Shichi-go-san)-Zeremonie im Alter von fünf Jahren, verwenden würden?

Im Inneren des Kimonos sind zwei Bänder befestigt, an denen man den Kimono um sich binden kann. Ganz 100% perfekt haben wir es trotzdem nicht hinbekommen, der Kimono sollte eigentlich auf einer Seite meine Schulter bedecken. Nun ja.

Die Zeremonie dauerte vielleicht zehn, höchstens 15, Minuten und lief recht typisch ab: Schlechtes Glück vertreiben, den Göttern etwas darbieten, gutes Glück erhalten. Bocchan war währenddessen sehr ruhig und schlief auf dem Arm meiner Schwiegermutter ein.

Eigentlich wollten wir noch draußen auf dem Schreingelände Fotos machen, aber es regnete die ganze Zeit in Strömen. Dieses Jahr hatten wir im Juli wohl rekordverdächtig viele Regentage in Folge.

Zum Schluss erhielten wir wieder einige Gegenstände, die für ein gesundes Aufwachsen von Bocchan sorgen sollen: Den Omamori-Glücksbringer, den ihr im Titelbild sehen könnt, haben wir direkt am Kinderwagen befestigt.

Die anderen Gegenstände, einen Pfeil und eine Plakette, haben wir im Wandschrank aufgestellt. Was wir bei der Zeremonie für eine sichere Geburt erhalten haben, haben wir übrigens zurückgegeben. Amulette und Konsorten verlieren ihre Kraft nach einer gewissen Zeit und die Geburt hatten wir schließlich auch überstanden.

Mehr: Glücksbringer mit Haltbarkeitsdatum.

Wie immer lässt sich aus unserer Teilnahme an solchen Ritualen übrigens nicht ableiten, dass meine Familie shintoistisch sei. Diese Zeremonien sind ein wichtiger Bestandteil der japanischen Kultur und nicht rein religiös – in etwa wie Weihnachten in vielen deutschen Familien nicht unbedingt etwas mit der Geburt von Jesus Christus zu tun hat.

Bocchan ist jetzt also nicht shintoistisch getauft (so etwas gibt es meines Wissens nach gar nicht) oder so. Aber wenn man schon Unterstützung von den Göttern bekommen kann, sollte man sie annehmen. 😉

4 Gedanken zu „Der erste Schreinbesuch.

  1. Sabine sagt:

    Das ist sehr spannend … all das so „nah“ miterleben zu dürfen. Danke dafür … und euer Foto zu Dritt strahlt so viel Glück und Zufriedenheit aus ;o) Habt ihr richtig gut gemacht!

    Liebe Grüße aus Deutschland,

    Sabine

  2. Gaby sagt:

    Liebe Claudia, es freut mich, dass es dir wieder gut geht und ihr diesen Ausflug zum Schrein unternehmen konntet. Ihr seht zufrieden und glücklich aus. Auf jeden Fall wünsche ich dir und deiner Familie alles erdenklich Gute und immer viel Freude mit Bocchan. 🙂

  3. Lennart sagt:

    Ich liebe die Atmosphäre in Schreinen. Ich denke, gerade nach einer Geburt und den ersten stressigen Tagen ist so etwas genau das Richtige. Für Familien, die derzeit keinen Besuch von ihren Eltern/Schwiegereltern bekommen können, ist so ein Besuch bestimmt noch einmal wichtiger.
    Und wenn es draußen noch regnet, fühlt man sich in der Atmosphäre eines ruhigen Tatami-Raumes doch gleich noch besser aufgehoben! 😀
    Was hat das denn gekostet?

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