Sichere Geburt dank der Götter.

Wenn man in Japan im fünften Monat schwanger ist, spricht man von der Anteiki (安定期) oder „stabilen Phase“. Langsam hat sich im Körper hoffentlich alles eingependelt, der Bauch ist schon merklich größer geworden und das Risiko für eine Fehlgeburt hat stark abgenommen.

In diesem fünften Monat gehen so gut wie alle Frauen in Japan an einem Tag des Hundes in einen Schrein, um für eine sichere Geburt zu beten und beten zu lassen.

In jedem Monat gibt es zwei bis drei Tage des Hundes (戌の日 Inu no Hi). Wenn man nach dem Begriff googlet findet man sofort Listen mit sämtlichen Daten, sie sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Im Januar 2020 waren der 8. und der 20. Tage des Hundes.

Aber warum ausgerechnet der Tag des Hundes? Hunden wird nachgesagt, sehr unkomplizierte Geburten zu haben. Deswegen gelten sie als Schutzgötter für eine sichere Geburt.

Am Tag der Zeremonie wird oft das erste Mal ein Stützgürtel um den Bauch gelegt, der von dort an den schwerer werdenden Bauch unterstützen und warmhalten soll. Früher war das einfach ein langes Stück Stoff, das um den Bauch gewickelt wurde. Laut meiner Schwiegermutter war das aber oft viel zu fest und tat eher weh – Sie trug ihres lediglich am Tag der Zeremonie und dann noch ein paar Male, um den recht hohen Preis zu rechfertigen. Heutzutage gibt es die stützende Unterwäsche in verschiedenen Ausführungen, die leichter zu händeln sind.

Am wichtigsten ist natürlich die Zeremonie im Schrein. Zwar gibt es Schreine, die besonders für sichere Geburten bekannt sind, wir waren aber einfach bei dem Schrein, in dem wir vor neun Jahren geheiratet haben. 🙂 Der ist klein, in der Nähe, die Leute kennen uns und statt wie am Fließband abgefertigt zu werden, wurde die Zeremonie nur für uns abgehalten.

Die Zeremonie selbst heißt auf Japanisch übrigens einfach „Gebet für eine sichere Geburt“ oder Anzan-Kigan (安産祈願).

So sieht eine shintoistische Reinigung in etwa aus. 😉

Diese Gebets-Zeremonien verlaufen meist nach ähnlichem Muster. Der Priester oder die Priesterin kommuniziert für einen mit den Göttern und betet für einen. Man wird von bösen Geistern gereinigt, wendet sich mit einer Opfergabe (einem Zweig) selbst an die Götter und zum Ende hin wird man dann noch gesegnet. Das ganze dauert höchstens 30 Minuten. Während der Zeremonie gibt es ein wenig Sake zu trinken, aber keine Angst: Das ist rein symbolisch und es reicht, die Schale an die Lippen zu führen. 🙂

Bei solchen Zeremonien erwartet übrigens niemand, dass man weiß, was man tun soll. Es reicht sich zu verbeugen wenn die Priesterin sich verbeugt, und ansonsten einfach zu tun, was sie sagt.

Den kleinen Hund hatten wir schon vorher

Zum Schluss erhält man verschiedene Gegenstände, die Glück bringen sollen. In unserem Fall war das großer hölzener Talisman (Ofuda 神札), ein Glücksbringer (Omamori お守り) und eine Art Harke (Kumade 熊手), die auch beschützen soll . Außerdem hatten meine Schwiegermutter und ich darum gebeten, einen Schreinstempel oder Goshuin (御朱印) zu erhalten. Die Kosten für die Zeremonie sind überall anders, bei uns bat man um mindestens 8000 ¥ (etwa 65 €) aber man kann natürlich mehr geben.

Wir sind keine Shintoisten. Für uns sind solche Zeremonien weniger religiös und mehr kulturell und bieten eine schöne Möglichkeit, uns einfach einmal auch gedanklich richtig Zeit für etwas zu nehmen. Ob das nun das normale Beten im Schrein ist um sich seine aktuellen Prioritäten festzuhalten, oder eben eine solche Zeremonie um sich wirklich auf ein großes Abenteuer vorbereitet zu fühlen.

Wir waren uns auf jeden Fall einig, dass es ein wenig wie unsere Hochzeit war: Vorher waren wir uns nicht sicher, ob es nötig ist, aber im Nachhinein waren wir ganz froh, es gemacht zu haben. 🙂

3 Gedanken zu „Sichere Geburt dank der Götter.

  1. Anika sagt:

    In letzter Zeit habe ich so viele Beiträge gelesen, dass sie für die Zeremonie im Suitengu waren (so heiß der doch oder? ).
    Ich fand unseren kleinen Schrein am Popo der Welt auch viel angenehmer 🙂
    Der war nicht überfüllt und man hat sich gut aufgehoben gefühlt 🙂

    Den Iwataobi habe ich immer selbst angelegt (nicht täglich), daher war er nie zu fest 😉

    • Claudia sagt:

      Ja, der bekannte ist der Suitengu. Ich weiß nicht, wie voll es da am Inu no Hi ist, aber ich fand meinen kleinen Schrein auch schön. 🙂
      Ich habe erst keinen Iwataobi gekauft, weil ich um ehrlich zu sein zu faul bin um ihn dann auch zu verwenden. 😀

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