Schwanger in Japan: Sushi in der Schwangerschaft?

Sobald man schwanger ist, muss man sich essenstechnisch einschränken. Kein leckerer Camembert, kein roher Schinken, und schon gar kein Sushi. Von all diesen Lebensmitteln geht eine Gefahr aus, sie könnten dem ungeborenen Kind schaden oder sogar den Tod des Fötus auslösen.

Wie sieht das ganze aber im Herkunftsland des Sushis aus? Können Japaner wirklich neun bis zehn Monate auf leckeren rohen Fisch verzichten?

Japan ist meiner Erfahrung nach strenger als Deutschland, wenn es um die erlaubten und verbotenen Lebensmittel während der Schwangerschaft geht. Die Höchstgrenze für Kaffee und Tee wird in der japanischen Literatur z.B. als niedriger angegeben, als in der Deutschen.

Sushi ist prinzipiell nicht komplett verboten! Es gibt aber einige Einschränkungen, die einem den Spaß an der Sache verderben.

Gute Qualität

Damit roher Fisch großteils unbedenklich ist, muss er sehr frisch sein. Das heißt, dass man auch in Japan die günstigen Sushi-Ketten und das Fertig-Sushi aus dem Supermarkt meiden sollte.

Am besten geht man zu einem guten Sushi-Restaurant des Vertrauens und lässt sich alles frisch machen. Vor allem beim Kaitenzushi (回転寿司), das ist das mit dem Essen auf dem Fließband, sollte man, wenn es sich denn nicht vermeiden lässt, zumindest ein höherpreisiges Geschäft aufsuchen und dann auch nichts vom Fließband nehmen, sondern immer extra bestellen. Ihr wisst nicht, wie lange der Fisch schon auf dem Fließband seine Runden dreht und wer da schon draufgehustet hat. Am sichersten ist es natürlich auch in Japan, auf rohen Fisch zu verzichten.

Der richtige Belag

Große Fische, wie z.B. der beim Sushi beliebte Thunfisch nehmen im Laufe ihres Lebens vergleichsweise große Mengen an Quecksilber auf. Das kann der erwachsene Körper zwar wunderbar abbauen, der Körper des ungeborenen Kindes aber nicht. Hier sollte man also aufpassen, dass man nicht zu viel davon isst. Einen allgemeinen Richtwert gibt es nicht, online habe ich aber mehrmals von 80 g pro Woche gelesen.

In Japan gern gegessene Fischsorten, die viel Quecksilber enthalten:

  • Glänzender Schleimkopf (Kinmedai キンメダイ)
  • Schwertfisch (Mekajiki メカジキ)
  • Nordpazifischer Blauflossen-Thunfisch (Kuromaguro クロマグロ)
  • Großaugen-Thun (Mebachimaguro メバチマグロ)
  • Gelbrückige Meerbrasse (Kidai キダイ)
  • Gestreifter Marlin (Makajiki マカジキ)
  • Südlicher Blauflossen-Thunfisch (Minamimaguro ミナミマグロ)
  • Wolfsbarsch (Kuromutsu クロムツ)

Außerdem gilt es, nicht zu viel Fisch mit hohem Vitamin A-Gehalt zu verspeisen. Vitamin A ist zwar wichtig, kann in zu großen Mengen aber zu Schädigungen des Kindkörpers führen.

Gern gegessene Fisch- und Meerestiersorten, die viel Vitamin A enthalten:

  • Frischwasseraal (Unagi うなぎ)
  • Leuchtkalmar (Hotaruika ホタルイカ)
  • Kohlenfisch (Kindara 銀ダラ)
  • Aal (Anago 穴子)
  • Pazifischer Makrelenhecht (Sanma サンマ)

Noch weiter eingeschränkt wird es, weil es auch Meeresgetier gibt, das oft mit Parasiten, die Anisakiasis auslösen, befallen ist und deswegen möglichst gemieden werden sollte. Das da wäre:

  • Makrele (Saba サバ)
  • Caranginae (Aji アジ)
  • Echter Bonito (Katsuo カツオ)
  • Sardine (Iwashi イワシ)
  • Lachs (Sake サケ)
  • Tintenfisch (Ika イカ)

Letztendlich ist es am unkompliziertesten und sichersten, wenn man seinen Sushi-Hunger hauptsächlich mit unbedenklichen Belägen wie Ei, gedünsteten Garnelen oder Gurke stillt und nur zwischendurch mal ein klein wenig Fisch hineinschmuggelt.

Ich muss auch zugeben, dass sich mein Sushi-Heißhunger eigentlich weniger auf den Fisch, sondern mehr auf den mit essig zubereiteten Sushi-Reis bezieht. Gute Nachrichten: Reis mit Essig ist vollkommen unbedenklich! 😉

6 Gedanken zu „Schwanger in Japan: Sushi in der Schwangerschaft?

  1. Evelyn sagt:

    Danke für den Beitrag. Habe mich seit meiner Schwangerschaft schon oft gefragt, wie es in Japan gehandhabt wird.

    Was ist aber mit den Noriblättern? Von zu viel Jod wird in Deutschland auch abgeraten.

    Und was mich brennend interessiert: trinken die schwangeren Japanerinnen noch grünen Tee? Bei unserem Japanurlaub haben wir Unmengen getrunken, während der Schwangerschaft sollte man Koffein aber nur in Maßen genießen. Wie ist also da die Empfehlung?

    • Claudia sagt:

      Die Empfehlung für Nori (bzw. Kombu) ist, dass man es nicht jeden Tag essen soll, aber das macht wohl eh kaum jemand.

      Bei grünem Tee ist neben dem Koffein ein Problem, dass das enthaltene Tannin die Aufnahme von Eisen behindert. Ist in der Schwangerschaft also extra blöd. Am besten unterwegs ist da echt… Wasser. Langweiliges, langweiliges Wasser.

  2. Anika sagt:

    Ich freue mich jedes Mal wenn sich jemand ordentlich mit den Themen auseinandersetzt 😉

    Meine geliebte Makrele.. das war echt schwer! Aber ich habe es einfach wie du gehalten, leckerer Sushireis mit unbedenklichem 😉

  3. Andrea sagt:

    Mein Frauenarzt hat mir gesagt ich müsse lediglich auf rohes Rindfleisch, z.B. Tatar, auf Alkohol und auf das Rauchen verzichten (letztere 2 konsumiere ich sowieso nicht, daher werde ich kaum eingeschränkt). Auch nach dem Katzen streicheln immer die Hände waschen – sonst nix.. Also Sushi könne man bedenkenlos essen.

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