Kurz raus: Hakone.

Jeden Samstag Morgen spielen wir ein Spiel namens „Was machen wir heute?“. Leider kommt meist nichts dabei raus, und irgendwann sind wir nur noch voneinander genervt. Ich bin nämlich überzeugt, dass ich öfter entscheide, und deswegen öfter mal aus der Verantwortung entlassen werden könnte. Mein Mann sieht das leider anders.

Diesmal war ich es aber wirklich, die entschieden hat, dass wir den Samstag an einem der beliebtesten Ausflugsziele der Tokyoter verbringen würden: In Hakone (箱根).

Hakone liegt nur eineinhalb bis zwei Stunden von Shinjuku entfernt und bietet neben spannender Natur auch Museen und heiße Quellen. Für die vielen Besucher aus Tokyo gibt es sogar ein Spezialticket: Für 5,140¥ (ca. 38€) kann man mit dem Hakone Free Pass (箱根フリーパス) mit der Bahn von Shinjuku bis Hakone fahren, in Hakone selbst die Busse, Seilbahnen und sogar ein Schiff verwenden, und kommt vergünstigt oder sogar kostenlos in Attraktionen.

Wir fuhren mit dem Express nach Odawara und stiegen dort in einen Bus um, weil wir unseren Ausflug nicht direkt am Bahnhof Hakone beginnen wollten. Unser erstes Ziel war stattdessen das „Der kleine Prinz“-Museum.

kleinerprinz

derkleineprinz

Das Museum besteht aus einem europäischen Garten, Ende Januar teils unter einer Schneedecke versteckt, und einer französischen Straße.

In einem der Häuser befindet sich ein Museum, in dem vor allem viel über den Authoren des kleinen Prinzen, Antoine de Saint-Exupéry, erzählt wird. Es gibt Nachbildungen seines Kinderzimmers in Lyon, eines Büros in Südafrika und eines Hotelzimmers in Amerika, viele Fotos und zahlreiche Zeichnungen. Erst im letzten Teil geht es wieder vordergründig um sein bekanntestes Werk, mit 3D-Nachbildungen einiger Planetenbewohner, des Fuchses, der Rose und natürlich des kleinen Prinzen.

Insgesamt war das Museum unglaublich liebevoll aufgemacht, sehr gepflegt und mein Mann hatte danach tatsächlich Lust, den kleinen Prinzen mal selbst zu lesen. 🙂

Eigentlich kostet der Eintritt 1,600¥, was ich ziemlich happig finde. Man kann stattdessen auch einfach ein Ticket für zwei Museen für 2,000¥ (ca. 15€) kaufen, und sich noch eines der anderen nahegelegenen Museen ansehen. Für uns war die Auswahl schon von Vornherein klar: Wir wollten ins POLA Kunstmuseum (ポーラ美術館).

POLA ist eine Kosmetikmarke, die vor allem in Hotels häufig ausliegt. Scheinbar ist das sehr lukrativ, denn die Sammlung des Museums umfasst einige weltweit bekannte Werke, unter anderem 19 Gemälde von Claude Monet und 17 von Picasso.

Die derzeitige Hauptausstellung heißt „Eine Reise durch 100 Jahre mit 100 Meisterwerken“ (100点の名画でめぐる100年の旅). Dabei sind 100 Gemälde in Jahrzehnte aufgeteilt und jedes Jahrzehnt hat ein eigenes Thema.

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Einen Überblick gibt es sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch, um nähere Informationen auf Englisch zu erhalten, muss man aber einen Audio Guide ausleihen.

Große Teile der Ausstellung kann man fotografieren, was ich oben genutzt habe. Warum jemand Ausstellungsstücke fotografiert ist mir nicht ganz klar, denn die meisten findet man in hervorragender Auflösung online, aber das hält in Museen bekanntermaßen niemanden von irgendetwas ab.

Am besten haben mir auch dieses Mal die Werke japanischer Künstler im westlichen Stil gefallen. Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts lehrten viele Westler in Japan Kunst, und viele Japaner zog es nach Frankreich. In dieser Zeit entstanden wunderschöne Gemälde, die nicht zuletzt dank ihrer Farbigkeit die damalige Zeit viel wahrheitsgetreuer darzustellen scheinen, als Fotos es können. Besonders angetan hat es mir dabei Chū Asai (浅井忠).

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農夫帰路 / Bauern auf dem Weg nach Hause

Einige seiner Gemälde, Skizzen und Karikaturen hatte ich bereits in einem anderen Museum gesehen, und sie faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Ganz ehrlich: Monets Seerosenteich ist wirklich schön, aber er erzählt mir nicht viel über die Menschen zu dieser Zeit. Diese Bilder des alten Japans können da mit mehr Informationen aufwarten. Leider sind die Werke Asais übers ganze Land verteilt, wenn also keine Spezialausstellung stattfindet, ist es schwer, mehrere von ihnen an einem Ort zu sehen.

Insgesamt fand ich die ausgestellten Werke sehr interessant, und auch am Wochenende waren nicht allzu viele Leute dort. Man konnte sich also beim Ansehen Zeit lassen und sich generell frei bewegen. Bei Ausstellungen in Tokyo ist dem leider oft nicht so.

Nachdem wir dem Museum unsere Rücken gekehrt hatten, fuhren wir mit dem Bus nach Gōra (強羅), und von dort aus mit einer Bahn und einem weiteren Bus nach oben auf den Berg.

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Von dort, dem Ōwakudani (大涌谷), aus hat man nicht nur einen fantastischen Ausblick auf den Mt. Fuji, sondern kann auch vulkanische Aktivität von ganz Nahem sehen. Was auf dem Foto oben so dampft kommt mit dem appetitanregenden Geruch von Schwefel einher. 😉 Apropos Appetit: Eine Spezialität sind in den heißen Quellen dort gekochte Eier, deren Schale sich wegen des Schwefels schwarz gefärbt hat. Angeblick soll der Verzehr eines solchen Eis das Leben verlängern, ich habe dankbar verzichtet.

Mit einer weiteren Seilbahn fuhren wir auf der anderen Seite wieder hinunter, zum See.

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piratenschiff

Der See Ashinoko (芦ノ湖) entstand, wie so viele Seen in Japan, durch einen Vulkanausbruch vor etwa 3000 Jahren. Der See hat einen Umfang von etwa 19km, und wird von zwei Piratenschiffen befahren, die einen gegen ein Entgeld befördern. Wenn man den Hakone Free Pass hat, ist die Fahrt mitinbegriffen.

Es ist zwar ganz nett, 25 Minuten über den See zu tuckern, aber um ehrlich zu sein auch ein wenig langweilig. Vielleicht lag es am kalten Wetter, vielleicht bin ich einfach nicht für Schifffahrten gemacht, aber ich war ganz froh, als wir ankamen. Vom Hafen aus setzten wir uns in einen Bus zum Bahnhof Hakones (Hakone Yumoto 箱根湯本), wo uns der eigentliche Grund für unsere Reise erwartete: Heiße Quellen.

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Diesmal entschieden wir uns für die heißen Quellen des Hotels Yoshiike (吉池). Nach einem ganzen Tag in der Kälte war das heiße Wasser hervorragend. Zum Glück war es nicht so heiß, dass man nach nur wenigen Minuten das Wasser hätte verlassen müssen. Es gibt wenig besseres als die kalte Luft im Gesicht zu spüren, während der Rest des Körpers angenehm warm ist. Wenn einem dann aber zu heiß oder gar schwindelig wird, macht das weniger Spaß.

Ein großer Nachteil dieses Onsens ist, dass die Innen- und Außenbäder für Männer getrennt sind. Sie müssen sich also zweimal an- und ausziehen, wenn sie beide Bäder genießen wollen.

Zum Glück gibt es noch viele andere schöne Onsen in der Nähe: Ich mag z.B. das Yu no Sato Okada (湯の里おかだ) und den Tenseien (天成園) sehr gern. Wenn man vom Bahnhof nicht weit weg möchte und ein privates Bad braucht, ist das Hakone Yuryo (箱根湯寮) zu empfehlen.

Die meisten heißen Quellen in Hakone lassen niemanden mit Tattoos in die öffentlichen Bäder. Da heißt es entweder Tattoos abkleben oder ein privates Bad buchen. Private Bäder sind auch nett, wenn man mit jemandem des anderen Geschlechts dort ist, denn die öffentlichen Bäder sind nach Geschlechtern getrennt (junge Kinder dürfen in beide Bäder).

So aufgewärmt fuhren wir mit dem Romancecar, einer Spezialbahn die schneller und komfortabler ist als die normale Bahn, zurück nach Tokyo. Letztendlich ist die Frage eigentlich: Warum haben wir das jetzt erst gemacht?

Ein Gedanke zu „Kurz raus: Hakone.

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