Warum japanische Buchläden mich zum Verzweifeln bringen.

Buchläden sind mein Lieblingsort. Was kann es schöneres geben als endlose Reihen von Regalen mit Büchern? Oder diesen tollen Geruch neuer Bücher? Nichts. Absolut nichts.

Ich habe schon immer gern gelesen – also seitdem ich lesen konnte. Weil ich auch viel gelesen habe, konnte ich schon relativ früh ziemlich fix lesen. Auf Englisch ist das ein wenig langsamer und auf Japanisch… nun ja. Es geht.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass Japanisch eine ziemlich kompakte Sprache ist. Erst einmal ergeben die meisten Schriftzeichen mindestens zwei Buchstaben unseres Alphabets und dann gibt es im Japanischen auch keine Leerzeichen. Auf eine Seite Papier passt auf Japanisch also mehr Inhalt als z.B. auf Deutsch. Wenn ich also das Gefühl habe, auf Japanisch nur sehr langsam voranzukommen, hat das vermutlich nicht nur etwas damit zu tun, dass mir Japanisch schwerer fällt als meine Muttersprache (Überraschung!), sondern auch einfach mit der Dichtheit japanischer Texte.

Leider machen es mir japanische Buchläden aber auch nicht einfach dabei, neue Bücher zu kaufen um zu üben. Wo in deutschen Buchläden Romane nach Autoren sortiert sind, geht man in Japan nach – natürlich, total logisch, warum auch nicht? – dem Verlag.

Das heißt, dass ich jedes Mal erst einmal herausfinden muss, bei welchem Verlag ein Werk erschienen ist, bevor ich es dann suchen gehen kann. Als ich vor einigen Monaten nach verschiedenen Büchern der Autorin Kawakami Mieko suchte, bedeutete das, dass ich an mehreren verschiedenen Regalen nach ihr suchen musste, weil sie sich bei ihren Veröffentlichungen nicht auf einen Verlag beschränkt hat. Wie rücksichtslos von ihr.

Noch schlimmer ist es bei Manga. Ich lese erst seit letztem Jahr wieder vermehrt Manga, weil es eine kurzweilige Beschäftigung ist, für die ich nicht allzu viel investieren muss. Manga kann ich auch mal zur Seite legen, wenn das Kind schreit, ohne direkt den gesamten Faden zu verlieren.

Mehr: Direkt ins Herz: Ojisama to Neko.

Manga werden nicht nur nach dem Verlag sortiert. Nein, das wäre zu einfach. Manga werden außerdem danach sortiert, in welchem Mangamagazin die einzelnen Kapitel ursprünglich veröffentlicht wurden, bevor sie in einem Manga-Band zusammengefasst wurden. Woher soll ich das denn wissen?

Wenn ich dann mal einen Manga kaufen möchte, was zugegebenermaßen sehr selten vorkommt, greife ich oftmals auf digitale Versionen zurück. Einfach, weil ich da nicht ewig in einem Buchladen herumirren muss.

Derzeit lese ich übrigens „Ein verheißenes Land“ von Barack Obama. Ist leider sehr viel schwieriger wegzulesen als die Biographie von Michelle Obama, aber ich habe vor Jahren „Infinite Jest“ (David Foster Wallace) gelesen, dagegen ist so eine Biographie gar nichts.

Habt ihr eigentlich Leseziele im Bezug auf die Anzahl oder Art der Bücher, die ihr in einem Jahr lesen wollt?

5 Gedanken zu „Warum japanische Buchläden mich zum Verzweifeln bringen.

  1. Holger Drechsler sagt:

    Aslo wenn man nach Verlag sortiert wäre es auf jeden Fall logisch, eine Untersortierung nach Lektorin bzw. Lektor vorzunehmen….

  2. Katrin sagt:

    In einem japanischen Buchladen könnte ich erstmals verstehen, wie Analphabeten sich fühlen.
    Für 2021 habe ich mir vorgenommen, „mehr“ zu lesen, weil das bei mir lange vernachlässigt wurde. 30 Bücher sollten es mindestens sein, früher habe ich deutlich mehr geschafft. (Damals, ohne Kind und noch früher, ohne Haushalt)

    Zumindest sollte der Stapel in 2021 nicht größer werden. Mehr lesen als kaufen ist die Devise!

  3. Jasmine T. sagt:

    Also ich hab bei Manga selten ein Problem was zu finden, aber ich schau vorher auch immer, bei welchem Verlag was ist und dann muss man sich halt nach der Lautsortierung vorarbeiten.
    Allerdings kauf ich immer nur gebraucht, also meist bei Book Off. Ich finde, da kommt man ganz gut zurecht. 🙂

    Nachdem mir aber langsam der Lesestoff ausgeht und ich keinen Schimmer habe, wann ich wieder nach Japan komme, werde ich mir dieses Mal wohl ein paar Sachen online kaufen müssen…. :/

  4. Julia sagt:

    Kein wunder, dass ich im japanischen Buchladen verzweifelt bin. Ich war damals echt froh, als du mit mir gegangen bist.
    Es gab nur einem Buchladen in dem ich hablwegs zurecht kam. Es wurde dort viel auf englisch ausgewiesen… irgendwo in Shinjuku xD

  5. frb sagt:

    @Katrin „In einem japanischen Buchladen könnte ich erstmals verstehen, wie Analphabeten sich fühlen.“

    Dieses Gefühl hatte ich auch in China, wo ich Leute bitten musste, mir das Straßenschild vorzulesen, weil ich es nicht lesen konnte und im Lexikon nicht fand.

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