Schwanger in Japan: Die Suche nach dem perfekten Namen.

Manchmal steht er schon fest, bevor das neue Familienmitglied das Licht der Welt erblickt, manchmal muss man erst einmal ins Gesicht des Neugeborenen schauen um dann sagen zu können „Jo, das ist eindeutig eine Marianne“: Der Vorname.

Namen sind wichtig, weswegen (hoffentlich) kein Elternteil die Wahl auf die leichte Schulter nimmt. Doch wo man in Deutschland teils bereits an der richtigen Kombination von 26 Buchstaben verzweifelt („Sarah mit oder ohne H?“), kommt im Japanischen eine ganze weitere Dimension hinzu: Die Kanji.

Diesmal möchte ich euch in meine ganz persönliche Hölle die Namenssuche auf Japanisch entführen.

Wie funktionieren japanische Namen?

Fangen wir ganz grundsätzlich an: Japanisch verwendet drei Schriften, davon zwei Silbenschriften (Hiragana und Katakana) und eine Schrift mit Piktogrammen (Kanji). Kanji haben eine Bedeutung und anders als im Chinesischen meist verschiedene Leseweisen, je nachdem wo im Satz sie mit welchem anderen Kanji oder Silbenschriftzeichen in Verbindung stehen.

Bei Namen wird die ganze Sache noch ein wenig komplizierter: Man kann in Namen jedes Kanji so lesen lassen, wie man lustig und es mit der japanischen Orthographie vereinbar ist.

Letztendlich bedeutet das, dass zwar viele Namen auf Anhieb lesbar sind, viele aber auch nicht. Der Vorname meines Mannes beeinhaltet z.B. eine sehr ungewöhnliche (aber korrekte) Lesung eines Kanji. Übrigens hat ihm das scheinbar nicht sehr geschadet, sein absolut favorisierter Name für ein Mädchen wäre auch eine ungewöhnliche Lesung gewesen. 🙂

Aber wie sucht man sich nun den Namen aus?

Erst der Name, dann die Kanji

Wenn man bereits einen Namen hat, dessen Aussprache einem gefällt, kann man gucken, welche Kanji dafür für gewöhnlich in Frage kommen. Das geht einerseits natürlich hervorragend online oder man kauft sich einen Namensratgeber.

Sagen wir, ich fände „Nobuyuki“ schön. Dann könnte ich gucken, welche Kanji in Namen „Nobu“ und „Yuki“ gelesen werden und mir zwei aussuchen, die mir gefallen.

Erst die Kanji, dann der Name

Manchmal gibt es auch Kanji, die man einfach toll findet. Bei Mädchen finde ich persönlich 咲 (blühen) wunderschön und hätte es auf jeden Fall verwendet. Da stellt sich dann die Frage, wie man das Kanji standardmäßig lesen lassen kann und welche Namen es mit dem Kanji gibt.

Wenn es keinen Namen und keine Lesung gibt, die einem gefällt, man aber auf Teufel komm raus ein bestimmtes Kanji verwenden möchte, kann man natürlich auch einfach die Lesung selbst festlegen. 🙂

Thematisch passend

Es gibt auch die Möglichkeit, ein Kanji weiterzugeben. Wenn der Vater Kazuhiro (宏) heißt, heißt die Tochter dann Miwako (美子) oder der Sohn Hidekazu (秀). Sowohl meine Schwiegermutter als auch ihr Bruder haben ein Kanji des Namens ihres Vaters.

Auch wir werden ein Kanji meines Mannes (in einer anderen Lesung) weitergeben, aber das war eigentlich nicht geplant gewesen und hat sich eher zufällig ergeben.

Eine bekannte Familie von mir hat das Schriftzeichen für Wasser im Nachnamen und in den Vornamen beider Kinder gibt es Kanji mit Bezug zu dem Element: Regen und Meer.

Mit Wahrsagerei

Wenn wir mit anderen Eltern und werdenden Eltern über Kindernamen reden, kommt über kurz oder lang die Frage nach der Strichzahl auf. Anhand derer soll man das Glück, das so ein Name einem Kind beschert, berechnen können.

Ganz ehrlich, ich glaube an so etwas in etwa so sehr wie an den Osterhasen, weswegen ich mich nicht einmal näher mit der Thematik beschäftigt habe. Online gibt es verschiedene Seiten, die einem das ausrechnen, aber bei einem kurzlebigen Versuch gab es überall leicht andere Auswertungen desselben Namens (und demzufolge derselben Strichzahl). Unser Kind wird also damit leben müssen, eine Mutter zu haben, die nicht an Wahrsagerei glaubt. Tja.

Wie wir den Namen ausgesucht haben

Bei halbjapanischen Kindern stellen sich natürlich noch weitere Fragen: Gibt man dem Kind einen ausländischen Namen, einen japanischen Namen oder beides? Registriert man den Zweitnamen dann auch in Japan, oder nur in Deutschland?

Für uns gab es ein paar Knackpunkte in der Namenswahl: Einerseits wollten wir Namen, die in beiden Sprachen möglichst gleich ausgesprochen werden. Natürlich kann man seinen Sohn „Kensuke“ nennen, aber dann muss man auch damit rechnen, dass das in Deutschland nicht korrekt ausgesprochen wird. Auf der anderen Seite haben deutsche Namen oft viele Konsonanten, was auf Japanisch ein Krampf werden kann. „Alexandra“ wird dann zu „Arekkusandora“.

Außerdem wollte ich unbedingt Kanji. Wenn schon, denn schon! Die meisten derzeit beliebten Mädchennamen in Deutschland kann man hervorragend mit Kanji schreiben: Sarah, Lina, Emilia, Amelie, Lea, Emma, Mia, Marie, Mara, … Der Grund ist, dass sie kurz sind, viele Vokale enthalten und auch auf Vokale enden (der einzige End-Konsonant im Japanischen ist „n“). Wisst ihr, welche Namen nicht so oft auf Vokale enden? Jungsnamen. Während wir also gleich drei Mädchennamen hatten, die wir wirklich toll fanden, hatten wir wirkliche Probleme einen für uns passenden Jungennamen zu finden. Derzeit sind wir uns relativ sicher, dass wir einen europäischen Jungennamen mit Kanji wollen, aber für den Notfall haben wir auch noch einen komplett japanischen Namen auf Lager. 😉

Bei den Kanji selbst sind wir nach Bedeutung und Balance gegangen. Unser Nachname besteht aus zwei sehr einfachen Schriftzeichen, dem einen übermäßig komplexen Vornamen zuzusetzen sähe doof aus.

In japanischen Namensratgebern gibt es übrigens oft ein paar Seiten mit „vom Ausland inspirierten Namen“ bei denen man als Ausländer hofft, dass sie niemand ernst nimmt. Für deutsch inspirierte Namen gibt es da z.B. das schöne „Mahato“ (Macht), „Rita“ (Ritter) und „Danku“ (Dank). Zum Glück habe ich noch nie ein Kind mit so einem Namen getroffen. 😀

9 Gedanken zu „Schwanger in Japan: Die Suche nach dem perfekten Namen.

  1. Saloei sagt:

    Meine japanische Freundin hat ihren Töchtern Namen gegeben, die nur in Katakana geschrieben.
    In der heutigen Zeit nicht mehr ganz so modisch, es soll aber in Japan mal eine „Katakana“-Welle gegeben haben. Und dann gibt es ja noch die Option, einen Namen aus Hiragana und Kanji zusammenzusetzen. Wer es mag…
    Egal ob Japan oder Deutschland, die Eltern sollten daran denken, dass ihr Kind ein Leben lang den Namen trägt und er im besten Fall das Kind nicht dem Gespött seiner Mitmenschen aussetzt.

    • Claudia sagt:

      Es gab sogar mal eine Zeit, in der Namen aus Katakana und Kanji zusammengesetzt wurden (zumindest bei Mädchen), aber das ist schon ein bisschen her. Namen unterliegen immer einer gewissen Mode und spiegeln auch immer ein wenig die Wünsche einer Gesellschaft wieder. Bei Katakana-Namen war es vielleicht der Wunsch nach Internationalität, in den letzten Jahren sehe ich viel 結 (verbinden). 🙂

  2. Karen sagt:

    Oh Gott – und ich dachte schon, es wäre das Schlimmste, einen Namen zu finden, der sowohl von Finnen als auch von Deutschen korrekt ausgesprochen werden kann…! 😉

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