Schwanger in Japan: Japanische vs. deutsche Kinderwagen.

Der Geburtstermin rückt näher und langsam aber sicher decken wir uns mit allem ein, von dem wir denken, dass es sich lohnt.

Nun habe ich natürlich das Glück, mich immer in verschiedenen Quellen informieren zu können: Auf englischsprachigen, deutschen und japanischen Webseiten z.B. Oft gehen die Empfehlungen ein wenig auseinander, manchmal sind die Unterschiede aber sehr deutlich. In Japan gibt es kaum Wickelkommoden, wahrscheinlich weil der Platz fehlt. Die Kinder werden auf einer Matte auf dem Boden oder dem Bett gewickelt, eine Praxis bei der der Bund der deutschen Orthopäden verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.

Eine andere Kategorie, in der die Unterschiede ziemlich groß sind, sind Kinderwagen.

Deutsche Kinderwagen: Robust wie kleine Panzer

Nachdem wir uns in einigen japanischen Läden Kinderwagen angesehen hatten, wollte ich natürlich wissen, was in Deutschland so angesagt ist. Der Moov von Kinderkraft scheint ein sehr beliebtes Modell zu sein, und an ihm erkennt man meiner Meinung nach die grundsätzlichen Eigenschaften von deutschen Kinderwagen.

Auf dem Foto abgebildet ist der Lieferumfang des 3-in-1-Kinderwagens. Für die ganz Kleinen gibt es eine Babywanne, für die etwas Größeren dann einen Buggy-Sitz und der Kindersitz fürs Auto kann auch aufs Gestell montiert werden. Klingt natürlich super praktisch, nur stellt sich mir als Besitzerin einer für japanische Großstadt-Verhältnisse nicht einmal kleinen Wohnung die Frage: Wo zur Hölle soll ich das lagern?!

Nachdem die Babywanne ihren Dienst verrichtet hätte, hätte ich einfach keinen Platz um sie zu verstauen, bis ich den gesamten Kinderwagen nicht mehr benötige und abgeben kann.

Außerdem ist ein Kinderwagen mit montierter Babywanne natürlich nicht faltbar, und müsste aufgeklappt irgendwo herumstehen. Hausflure sind in Japan oft nicht nur nach draußen hin offen, sondern auch schmal.

Nebenbei sind deutsche Kinderwagen auch unglaublich schwer. Der Moov wiegt fast 14 kg! Klar, mit seinen riesigen Reifen und dem mit Sicherheit sehr robusten Rahmen kann man ihn bestimmt auch im postapokalyptischen Ödland oder alternativ über die unebenen Pflastersteine meines Heimatortes in Berlin schieben, ohne das Kind zu wecken, aber um 14 kg plus Gepäck plus Kind zu tragen, bin ich einfach nicht fit genug.

Insgesamt also sicher ein toller Kinderwagen, nur für Japan absolut ungeeignet.

Japanische Kinderwagen: Schmale Fliegengewichte

Um es vorweg zu nehmen: Das ist unser Kinderwagen und das ist auch der komplette Lieferumfang. Dafür, dass der weder eine Babyschale oder einen Kindersitz enthielt kostete er aber natürlich mehr als doppelt so viel. Die absolut unverschämten Preise ziehen sich übrigens wie ein roter Faden durch sämtliche Kategorien des Babybedarfs.

Dieser Kinderwagen ist für Kinder von einem bis 36 Monaten geeignet. Für die ganz Kleinen wird die Liegefläche so eingestellt, dass sie fast ganz gerade ist. Die Blickrichtung des Kindes (zum Elternteil oder nach vorne) kann super schnell geändert werden und der Kinderwagen ist einhändig zusammenfaltbar. Der Knaller ist eigentlich das Gewicht: 5,5 kg.

Natürlich ist er nicht ganz so robust wie der kleine deutsche Babypanzer, und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich der eher minimal gehaltenen Federung bei Kopfsteinpflaster trauen würde, aber dafür erfüllt er die wichtigsten Punkte für den Alltag in Tokyo und Umgebung: Er ist schmal genug um durch so gut wie alle Fahrkartenschranken am Bahnhof zu kommen, leicht genug um ihn notfalls zu tragen und vor allem kompakt genug, um ihn in unserem kleinen Flur zu verstauen.

Außerdem fand ich die Farbe einfach sehr süß… 😉

Unser Kinderwagen ist recht typisch, aber günstigere Modelle haben meist noch weniger Federung und kleinere Räder. Außerdem gibt es noch abgespecktere Versionen, die dann noch einmal leichter und kompakter sind, für Kinder ab etwa sieben Monaten. Bei denen kann man dann die Blickrichtung nicht mehr verändern und der die Rückenfläche des Sitzes ist auch nicht so weit absenkbar.


Insgesamt gibt es hier kein besser oder schlechter. Die Hersteller in Japan und Deutschland haben sich natürlich den Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucher angepasst. Deutsche Kinderwagen sind zwar groß und schwer, dafür halten sie aber auch ein bisschen etwas aus. Japanische Kinderwagen sind nicht ganz so robust, dafür aber kompakt.

Wir recherchieren dann mal nach Autokindersitzen…

18 Gedanken zu „Schwanger in Japan: Japanische vs. deutsche Kinderwagen.

  1. Anika sagt:

    Viel Spaß beim Recherchieren

    Wir haben bei beidem, KiWa und Autositz ja Joie gekauft. Beides einzeln unschlagbar günstig.

    Eine Freundin hatte bei Toys’r us ein super komplett Paket abgestaubt: Kindersitz, Kinderwagen, elektrische, automatische Babywiege (diese riesen Dinger fürs Wohnzimmer).

    Berichte später mal ob der KiWa dann im Einsatz auch alles mitmacht. Interessiert mich immer sehr 🙂

    • Claudia sagt:

      Wir werden sehen, wie’s läuft. 😀 Nachher findet das Kind Kinderwagen generell doof und will die ganze Zeit getragen werden…

      • Anika sagt:

        Kann passieren.. 😉
        Aber meistens haben sie ja kein Problem mit Wagen 🙂

        Ich muss jetzt übrigens nochmal nachlesen warum wickeln auf dem Boden oder dem Bett schlecht ist.. Davon hab ich noch nichts gehört.. Für den Rücken des Wickelnden schlecht? Sonst kann ich nicht wirklich verstehen was an einer Kommode anders ist..
        Da gibts dann die schöne simple bei Ikea. Auch in Japan.

        • Claudia sagt:

          Ja, wird von abgeraten, weil es auf den Rücken geht. Mit Ikea hast du auch fast den einzigen Laden genannt, der Wickelkommoden in Japan verkauft. 😉

          • Saheeda sagt:

            Wir wickeln seit ca. 6 Monaten auf dem Boden. Mit 4 Monaten fing Krümel an, sich zu drehen und ich hatte Angst, dass sie vom Wickeltisch fällt. Ich habe bisher keine vermehrten Rückenprobleme o.ä. festgestellt.

  2. Kerstin Yamane sagt:

    Hachja das leidige Thema Kinderwagen. Das fand ich in Japan auch echt schwierig. Ich habe allerdings festgestellt, dass man sich erstmal die Frage stellen sollte wofür man ihn verwenden will. Ist man wirklich nur in Tokio unterwegs und nicht wirklich viel in Parks, dann sind die super leichten jap. Kinderwagen natürlich perfekt.

    Wie du aber schon schreibst sind sie leider nicht wirklich gut was die Abfederung angeht. Für mich war es daher eher wichtig einen stabilen Panzer für Parks und vorallem auch Outdoor zu haben, da ich innerhalb Tokios eh kaum unterwegs bin und wenn nötig hält auch eine Trage dann her. Ich habe mich daher für eine Kombivariante entschieden allerdings vom englischen Hersteller Joie, der auch in Japan sehr beliebt ist. Mein Kinderwagen kommt ähnlich wie dein abgebildeter mit Babywanne (allerdings eine die Mann super flach zusammen falten kann, Sportwagen (auch der kann super flach gefaltet werden) und Autositz. Für mich war das perfekt, da wir vorallem Anfangs die Babywanne oft auch als Bett zum schlafen überall benutzt haben. Mitlerweile nutzen wir nur noch den Sportwagen, da der kleine aus der Wanne rausgewachsen ist, da man sie aber super flach falten kann, war das verstauen gar kein Problem.

    Noch ein weiterer Grund wieso ich mich für keinen jap. Kinderwagen entschieden hatte, war das die meisten Kinderwagen recht niedrig und schmal sind. Klar perfekt für kleine Japanerinnen, aber nicht für 1,80 m Große Deutsche und dazu noch die extrem hohen Preise, wofür man echt nicht viel bekommt.

    Letztendlich ist es aber wirklich einfach eine Frage wofür man den Kinderwagen verwendet. Vielleicht will dein Kind nachher letztendlich nur getragen werden, dass weiß man ja leider nie vorher.

    Bin auf jeden Fall scho gespannt, wenn von deinen ersten Ausflügen mit dem o.g. Model berichtest 😉

    • Claudia sagt:

      Bei der Größe habe ich natürlich den Vorteil, dass ich „nur“ 1,70 groß bin. 🙂 Aber wir werden sehen, wie es dann letztendlich läuft, vielleicht war es ein totaler Fehlkauf, vielleicht wird es super… Im Voraus weiß man das eh nie so genau.

  3. Saheeda sagt:

    Hi, ich lese schon sehr lange still mit. Besonders seit deiner Schwangerschaftsankündigung. Bei viele Punkte fühle ich mich an meine Schwangerschaft erinnert, meine Tochter kam letztes Jahr im Juni zur Welt. Dein errechnete Termin müsste doch auch ca im Juni sein, oder?

    Mir ist der japanische Kinderwagen sehr sympathisch, ich mag die deutschen „Schlachtschiffe“ eigentlich nicht. Unser Hauptkriterium beim Kauf war, den Wagen ins Auto zu bekommen (haben nur ein kleines Auto), wir sind dann bei ebay fündig geworden.
    Wie viel kam dein Kinderwagen?

    In Deutschland gibt’s Seiten wie Mamikreisel (eBay für Eltern). Gibt’s sowas in Japan auch?

    • Claudia sagt:

      Genau, der errechnete Termin ist der 18.6. 🙂 Zwei Tage nach meinem Mann und einen Tag nach meiner Mama.
      In Japan gibt es auch Seiten, in denen man Sachen weitergeben kann, aber mein Mann hat irgendwie eine Aversion dagegen, Dinge von Fremden zu benutzen (bei Freunden und Bekannten ist es gar kein Problem). Also haben wir ihn neu gekauft, er hat etwas über 500€ gekostet.

      • Saheeda sagt:

        Hi, ich hatte da auch zuerst Hemmungen, aber mehrfach Kleidung kaufen, die nur kurze Zeit passt, gefiel mir auch nicht. Meine Tochter trug bei Geburt die 56, jetzt mit 10 Monaten die 80. Sind 5 Kleidergrößen in nicht mal einem Jahr. Wobei ich bei besonders süßen Sachen auch manchmal schwach werde.

  4. Holger Drechsler sagt:

    Gestern beim Spazieren an der Spree kamen uns auf unebenem Waldweg gleich zwei dieser Panzer entgegen. Die Frauen verzweifelten fast an der Aufgabe, die Geräte samt Kind durch die Bodenunebenheiten zu manövrieren. Da finde ich den japanischen Wagen durchdachter, weil er die großen und demzufolge geländegängigeren Räder vorn hat. Ich glaube, dass bei deutschen Designern leider oft die Verbindung zur Praxis verlorengegangen ist.

    • Claudia sagt:

      Die großen Räder sind aber hier nur so lange vorn, wie das Kind den Schieber anguckt. Sobald das Kind nach vorne rausschaut, sind auch hier die großen Räder hinten. An die Geländegängigkeit denken die da glaube ich in Deutschland eher als in Japan. 🙂

  5. Maja sagt:

    Die Probleme sind seid Jahrzehnten immer die Gleichen und Zweite Hand ist eigentlich am sinnvollsten, da eben das Kind wächst, damit die Bedürfnisse sich ändern und die Kosten teils unverschämt hoch sind für die kurze Zeit der Benutzung. Ich hatte das Glück, für die erste Zeit eines der letzten Zekiwamodelle von meiner Schwester zu übernehmen, große Räder, und super Federung für Berliner Pflaster (Mein Kind hat fast nur geschlafen). Aber der war eben sehr schwer. Bei unseren ersten Wohnungen hatten wir aber einen Aufzug und konnten somit bis in die Wohnung fahren, was auch für den Einkauf unschlagbar war. Mit steigender Aktivität meines Kindes nach Ihrer ausgeprägten Schlafphase war dann aber eher ein leichteres Kombimodell sinnvoll. Leider gab es damals unsinniger Weise kaum noch praktische große Räder und die gute Federung hab ich dann auch sehr vermisst. Das ist heute augenscheinlich wieder besser geworden. Für sehr aktive Kinder ist ein ausreichend standsicheres Modell wichtig, dabei hat leider das Eigengewicht, und die Höhe des Lastpunktes seinen Anteil. Letztendlich hatten wir Glück mit einem sehr lauffreudigem Kind, was natürlich auch seine Grenzen und die eines Sportwagens getestet hat. Das ist der eigentliche Rat, den ich geben kann. Findet eure Grenzen, die ihr gemeinsam als Familie auslotet und genießt die Zeit der Nähe. Jedes Kind ist zum Glück anders und braucht seine Zeit. Ein Schema F gibt es nicht, aber Liebe, gemeinsam Spaß und Spiel sowie Kommunikation sind immer Schlüsselelemente, die über jedem Wohlstand stehen und euch auch durch Krisenzeiten bringen können.

  6. Erik Sieven sagt:

    Ich habe den Sinn von Wickelkommoden noch nie verstanden, allerdings hatte ich auch noch nie Rückenbeschwerden. Wenn man die hat ist so etwas wohl sinnvoll. Ansonsten spricht eigentlich alles gegen die Kommode, vor allem natürlich die Sturzgefahr.

  7. Midori sagt:

    Du solltest nicht alles glauben, was Webseiten schreiben.
    Als ich vor zehn Jahren Japan besucht habe, hatte im Kinderwagenbereich McLaren das Monopol. Zumindest was ich an Kinderwagen gesehen habe.
    Ein deutscher (Made in China) Kinderwagen mit 14 kg Gewicht mag Luxus sein; es bleibt die Frage, ob das noch toll ist in einer Stadt wie Berlin, in der regelmäßig an den Haltestellen die Aufzüge ausfallen und man, wenn man Pech hat und allein unterwegs ist, das Gewicht die Treppen rauf- und runtertragen möchte.
    Was die Wickelkommoden betrifft: Man kann auch einen Schreibtisch umfunktionieren. Mache viele mit kleinen Wohnungen.
    Alles Gute für die Geburt!

    • Claudia sagt:

      McLaren hatte möglicherweise vor 10 Jahren as Monopol, damals habe ich darauf wirklich nicht geachtet, aber inzwischen ganz sicher nicht mehr. Die meisten Kinderwagen, die ich im Alltag sehe, sind von Aprica und anderen japanischen Marken. 🙂 Solche Sachen sind ja auch immer Moden unterlegen.

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