Auf die Katze gekommen.

Wer mich kennt weiß, dass ich Katzen mag. Hunde mag ich auch, aber Katzen sind für mich als Haustier einfach besser geeignet. Nun haben wir seit einiger Zeit ein eigenes Haus, sind also nicht mehr an die Gunst eines Vermieters gebunden, um ein Haustier zu halten. Wenn wir wollten, könnnten wir hier eine Katzenzucht aufmachen.

Mein Mann und ich hatten schon längere Zeit darüber geredet, uns irgendwann ein Haustier anzuschaffen. Vor einigen Wochen kamen wir irgendwie auf das Thema und entschlossen uns, das endlich durchzuziehen. Aber: Es ist gar nicht so einfach, an eine Katze zu kommen.

Es gibt im Großen und Ganzen vier Möglichkeiten um in Japan an Katzen zu kommen.

Streunende Katzen gibt es in Japan viele

Vierbeiner aus dem Tierhandel

In den Zoohandlungen (ペットショップ Pet Shop) in Japan gibt es kleine Schaukästen in denen noch viel kleinere Kätzchen und Hündchen meist allein ihr Dasein fristen. Das ist in den meisten Fällen nicht tiergerecht und allein deswegen nicht so wirklich unterstützenswert. Abgesehen davon kostet ein Tier in so einem Laden schnell mal über umgerechnet 1000€.

Vom Züchter

Wenn man eine bestimmte Katzen- oder Hunderasse sucht, bietet es sich an, direkt zu einem Züchter (ブリーダー Breeder) zu gehen. Dort geht es den Tieren meist besser als in einer Zoohandlung, wovon man sich aber auf jeden Fall auch selbst überzeugen sollte. Auch hier sind die Preise aber natürlich hoch, und wir wollen eben keine Rassekatze. Einen Züchter für „Ich habe drei verschiedene Väter und meine Mutter war Piratin“-Katzen haben wir in Japan aber aus verständlichen Gründen nicht finden können. 😉

In einem Tempel bei uns

Aus dem Tierheim

Natürlich gibt es auch in Japan Tierheime (保健所 Hokenjo oder 動物愛護センター Dōbutsu Aigo Center oder ähnlich), die von den Städten und Präfekturen betrieben werden. Dort bekommt man ausgesetzte oder eingefangene Tiere für lau oder einen sehr kleinen Obolus. Da es meines Wissens nach keine Tierheime gibt, die absolut keine Tiere töten, lohnt es sich besonders ein Tier von hier zu adoptieren.

Das Problem ist, dass es in den meisten Städten kaum Tiere gibt. Die Tierheime bringen vor allem deswegen immer weniger Tiere um, weil sie alle davor bei Tierschutzorganisationen untergebracht werden. Und nun zu meinem Beef mit Tierschutzorganisationen in Japan…

Von einer Tierschutzorganisation

Wenn man auf Jimoti (eBay-Kleinanzeigen auf Japanisch) oder Seiten für Tieradoption (z.B. Pet Home) nach Katzen sucht, stößt man größtenteils nicht auf Privatpersonen sondern auf Tierschutzorganisationen (動物愛護団体 Dōbutsu Aigo Dantai). Von denen gibt es wahrscheinlich vor allem im Großraum Tokyo viele. An sich haben sie eine sehr ehrenswerte Mission: Tiere vor dem Tod retten und an Familien vermitteln. Zu diesem Zweck werden jedes Wochenende an verschiedenen Orten Events abgehalten, in denen Hund und Katz zu einer neuen Familie finden sollen.

Das Problem ist der Rattenschwanz an Anforderungen die ich auf meiner Suche alle so gesehen habe: Keine alleinstehenden Personen, keine unverheirateten Paare, keine Familien mit Kindern unter 7 Jahren, keine Menschen die in näherer Zeit Kinder haben wollen, keine Menschen über 65 Jahren, nur Leute, die ihr Haus einer Inspektion durch die Organisation unterziehen lassen, nur Leute mit aufgeräumten Wohnungen, nur Leute, die während der Testphase (meist zwei Wochen) jeden Tag eine E-Mail mit Statusbericht und Foto und auch nach der Testphase einmal die Woche bis einmal im Monat Auskunft darüber geben, wie es dem Tier geht, nur Leute mit Festanstellung, nur Leute, die besagte Festanstellung auch nachweisen können, nur Leute, die nicht zu viel außer Haus sind, nur Leute, denen es recht ist, wenn ihr Heim unangekündigt auf Tierfreundlichkeit überprüft wird, usw. usw.

Ich verstehe die Sorge irgendwo, aber um ehrlich zu sein schrecken mich solche Anforderungen unglaublich ab. Eine Katze von einer solchen Gruppe zu adoptieren, würde bedeuten, dass diese Person(en) unglaublich weit und möglicherweise zeitlich unbegrenzt in unsere Privatsphäre eindringen könnte(n). Ich brauche auf jeden Fall keinen Anruf einer crazy Cat Lady auf meiner Arbeit. Mein Mann hat in Sachen Privatsphäre noch viel mehr Bedenken als ich und meinte irgendwann entnervt:

Das ist mir zu doof, dann kaufen halt wir eine Katze im Handel.

Das ist nämlich die Gefahr, wenn man die Regeln zu streng gestaltet: Einige Leute geben entnervt auf und tun genau das, was solche Organisationen eigentlich nicht wollen.

Katze in einem Katzencafé

Zum Glück eilte mir das Umweltamt zur Hilfe. Auf deren Seite gibt es eine Liste von Tierheimen im gesamten Land mitsamt der Angabe, wer die Tiere von dort adoptieren kann. Im Großraum Tokyo gibt es vier Tierheime, die Tiere auch nach außerhalb ihres Verwaltungsgebiets abgeben, man muss also z.B. nicht in Yokohama wohnen um ein Tier vom Tierheim Yokohama zu adoptieren. Auf der Seite eines Tierheims in der Nähe gibt es ein Foto einer Katze, in die wir uns direkt verliebt haben. 🙂

Leider konnten wir nicht direkt nach dem Entdecken dorthin rasen, denn um auf Nummer sicher zu gehen, hat mein Mann einen Katzenhaarallergietest machen lassen. Sobald wir das Ergebnis dafür haben, ich gehe davon aus, dass er nicht allergisch ist, hol ich mir die Mauz. Schade, dass man zumindest bei uns wirklich Glück haben muss, um eine Katze aus dem Tierheim zu bekommen.

Falls sie schon ein anderes Zuhause gefunden haben sollte, werden wir geduldig warten, bis wir eine andere Tierheimskatze finden, die uns gefällt.

Habt ihr Haustiere? Was für welche? 🙂

21 Gedanken zu „Auf die Katze gekommen.

  1. Maike sagt:

    Wir haben Meerschweinchen
    Die hat mein Sohn sich gewünscht , als er im Krankenhaus lag. Und als Mutter sagt man in so einer Situation leider zu schnell ja
    Katze geht nicht weil der andere Sohn ne Allergie dagegen hat.

  2. Anika sagt:

    Hatte hier nicht irgendjemand grade Fotos von Babykatzen gepostet und gemeint dass die bald ein neues Zuhause suchen?

    Ich hatte in Deutschland zwei Mainecoon, die ich mir nach den Ratten angeschafft habe, weil Ratten zu schnell sterben. Rattem sind immer noch meine Nr. 1.

    In den paar Jahren die ich die Katzen hatte habe ich eine grässliche Katzenhaarallergie entwickelt, die mich jegliche Wohnungen von Katzenhaltern meiden lässt.
    Aber auch wegen des Katzenklos würden mich keine zehn Pferde mehr zur Katzenhalterin machen. Für mich gibt es keinen wiederlicheren Geruch als Katzenscheiße xD
    Katzen an sich mag ich aber sehr gern!

    • Anika sagt:

      Ganz vergessen.. In Osaka gibt es eine Deutsche, die ausgesetzte Katzenbabys aufnimmt und kranke Katzen pflegt. Sie ist fast komplett auf Spenden angewiesen. Vielleicht wäre einer ihrer Katzen auch was für euch?

      • Sheila sagt:

        Ich habe im E-Bay den Post einer Bäuerin gefunden die Plätzchen für die Katzenbabys sucht. Ganz gratis natürlich. Sie wollten nur mich gern mal kennenlernen und mit mir in Kontakt bleiben dürfen, da sie sie doch sehr gerne hatten und wissen wollten wie es ihnen so ergeht.
        Habe von ihnen 2 kleine Kätzchen ausgesuchtnd hab meine Liebsten nun schon seit 6Jahren. Sie dürfen natürlich durch ein Katzenfenster hinaus,wodurch sich das Problem mit Katzenklo/Geruch erledigt hat.
        Meine 2Katzen sind allerdings Geschwister aus dem selben Wurf und waren noch nie getrennt, und trotzdem mögen sie sich nicht rieche und gehen sich aus dem Weg. Von wegen Artgenosse brauchts und so…

      • Claudia sagt:

        Wir bleiben erst einmal bei dem Tierheim in unserer Nähe, aber wenn sich in Zukunft eine zweite Katze dazugesellen sollte, gerne. 🙂

  3. Lio sagt:

    Sehr interessant!!!
    Ich lebe bisher mein gesamtes Leben zusammen mit Katzen, da meine Mutter für den Tierschutz arbeitet und meine Eltern seit über 30 Jahren Pflegestelle für Katzen sind.
    Hier gibt es auch gewisse Bedingungen bei der Adoption, aber das ist bei Weitem nicht so streng wie bei euch. Vorallem wird sehr individuell entschieden und geschaut, welche Katze zu welchem Menschen / Familie paßt. Man muß einen Schutzvertrag unterschreiben und meist werden nur zwei Tiere zusammen vermittelt, wenn es sich um Jungkatzen handelt.
    Ich habe vor der Geburt unseres ersten Kindes zwei kleine Kater adoptiert, weil meine alte Katze verstorben war. So wachsen die Kinder und die Katzen nun zusammen auf, was wirklich wunderbar ist. Die Katzen werden sehr viel beschäftigt und die Kinder lernen Respekt und den richtigen Umgang mit „schwächeren“ Lebewesen.
    Ich kann dir als „Katzenprofi“ übrigens nur empfehlen, zwei Katzen zu nehmen, vorallem, wenn die Katzen noch jung sind (das Rüpelalter geht meist bis ca. 5 Jahre, danach werden sie etwas ruhiger). Als Mensch kann man einen Artgenossen einfach nicht ersetzen. Katzen sind auch generell keine Einzelgänger, das ist eine überholte Vorstellung. Zwei machen weniger Unsinn, richten weniger Zerstörung an, als eine, weil ihnen nicht so schnell langweilig wird (zumindest bei reinen Wohungskatzen).

    LG und viel Glück bei der Suche!

    • Claudia sagt:

      Die Katze, die wir im Sinn haben, wird allein vermittelt und sie ist von der Sorte „Angst vor allem“, weswegen wir erst einmal warten werden, bis sie sich eingelebt hat, um über eine weitere Katze nachzudenken.

      • E sagt:

        Das klingt doch super, und ich hoffe, alles klappt 🙂

        Bei unserem „Angst vor eh allem“-Kandidaten (ziemlich sicher misshandelt, dann bei Umzug zurückgelassen und nach sieben Jahren halbwildem Dasein draußen nicht nur uralt, sondern auch gesundheitlich ein Wrack und Panik vor fast allem… stehende oder Hilfe, gehende Menschen waren eine Katastrophe für ihn) hat der zweite Kater (Marke „Oh, ein Schlagbohrer, das ist aber spannend, das muss ich mir aus der Nähe ansehen!“) irrsinnig geholfen. Die beiden haben sich nach ersten (normalen) Reibereien sehr gut verstanden und Mr Panik sich von seinem entspannteren Kumpel abgucken konnte, dass nicht alles, was da in der Wohnung lauert, ein katzenfressendes Monster ist.

  4. Anika sagt:

    In D hatte ich direkt vor meiner Terrasse eine Sandkiste für Kinder.
    Kinderspielplätze ohne Katzenkot sind mir immer noch wichtiger als Gestank zu Hause 😉
    Und in Tokyos bedtowns mag man seine Katzen nicht unbedingt raus lassen, auch weil es schwer wird in Fenster oder Türen Klappen einzubauen.
    Diese Probleme hat Claudia ja aber meines Wissens nicht 😉

  5. zoomingjapan sagt:

    Ich bin ja sooooooooo neidisch! 🙂
    Ich wollte ja schon während meiner Zeit in Japan eine Katze …. durfte aber leider nicht laut Vermieter.

    Und meine jetzige Wohnung (bestehend aus 1 Zimmer) ist viel zu klein.
    Außerdem habe ich hier noch nie eine Wohnung zur Vermietung gesehen, die Haustiere erlauben würde. Naja, mal abgesehen davon, dass man für viele 1-Zimmer-Wohnungen hier schon über 1000€ zahlen muss und bei einer Katze doch mehr als 1 Zimmer bräuchte …. das kann man sich als alleinstehende Frau, die kein Spitzengehalt hat, nicht leisten. T_T

    • Claudia sagt:

      Wo wohnst du, dass das so teuer ist?! Ich kenne um ehrlich zu sein natürlich nur die Preise in Berlin, aber das ist bei dir ja irgendwie super heftig.

      • zoomingjapan sagt:

        Also ich spreche hier von Warmmiete. Die Kaltmiete liegt bei 700-850 € für 1 Zimmer (12 qm – 50 qm). Macht die Sache aber auch nicht besser. Kann ich mir nicht leisten, weil die Warmmiete meist um die 1000€ beträgt. Und jährlich steigen die Mietpreise noch mehr. 🙁

        Ich lebe außerhalb (!) der teuersten Stadt Deutschlands. *seufz*
        Da ist Berlin definitiv kein Vergleich. 🙂

        In Japan habe ich für meine erste, sehr kleine Wohnung 44.000 yen bezahlt, wobei mein Arbeitgeber die Hälfte (also 22.000 yen) bezahlt hat. Meine zweite Wohnung war riesig. 2 Zimmer davon standen immer leer. Und einen Parkplatz gab es auch dazu. Habe dafür 55.000 yen bezahlt. 5 Min. zum nächsten Bahnhof und zwischen 2 Shinkansenstationen.
        Aber Haustiere waren halt nie erlaubt. :/

  6. Nina Sorth sagt:

    Ich bin mit Katzen aufgewachsen und nachdem mein Freund und ich vor 5 Jahren zusammen gezogen sind, sind 2 orangene Kater mit uns eingezogen. Ohne Katzen kann ich mir das gar nicht vorstellen. Hab schon bei Yoko lost in Japan gelesen -die hat eine Katze in Japan adoptier- das die Regeln streng sind mit Probe wohnen, mails mit berichten etc. pp.

    Ich hoffe, ihr findet eine passende 🙂
    Bleibt es bei einer?

    • Claudia sagt:

      Die Katze, die wir im Auge haben, wird allein vermittelt. Da sie vom Charakter her wohl sehr nervös ist, werden wir sie erst einmal allein halten und dann, wenn sie sich etwas beruhigt hat und wir wissen, was ihr Charakter jenseits von „die Welt macht mir Angst“ ist, über eine weitere Katze nachdenken.

  7. tabibito sagt:

    Interessant! Wir spielen nämlich auch mit dem Gedanken.

    Die meisten der sogenannten Tierschutzorganisationen sind mir seit langem suspekt – wenn die mit ihren in Minikäfigen eingesperrten Katzen den ganzen Tag lang in der prallen Sonne vor dem Bahnhof stehen, frage ich mich vorsichtig, ob das alles so richtig ist…

  8. Bernd sagt:

    Hiho,

    ich habe mir damals auch eine Katze aus dem Tierheim geholt. Na dem aussehen bin ich nicht gegangen. Ich habe mich zwischen die Katzen gesetzt und gewartet welche denn zu mir kommt. Ein schwarzes Katzenweibchen hatte sich nach wenigen Minuten entschieden zu mir zu ziehen. Ich habe mit Absicht die Katze(n) entscheiden lassen, denn die suchen sich ihren Mitbewohner aus. Noch heute – nach 13 Jahren – schmust, schläft und schnurrt die Dame des Hauses um uns herum. Kommt zu gerne – meist im Winter – auch mit zu uns ins Bett. Darf fast alles und wird von hinten bis vorne verwöhnt. (Sie hat uns gut erzogen)

    Das Tierheim wollte lediglich die schriftliche Einverständniserklärung vom Vermieter haben. Wissen wie groß die Wohnung ist, ob die Katze raus kann und auch soll. Die Kosten waren minimal. Wenn ich das noch richtig zusammen bekomme haben wir für die Sterilisation um die 70 € bezahlt, Dazu kam noch einmal 35 € für die Impfungen und ein Ausweis. Ein Chip war damals noch nicht in Mode und auch für unseren reinen Stubentiger nicht notwendig.

    Viele Grüße aus NRW (D)

  9. Nordetrotter // Heike sagt:

    Leider haben wir keine Haustiere. Mein Freund hätte so gerne eine Katze. Mittlerweile habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet, aber da ich spürbar allergisch bin, fällt das raus. Ich selbst bin eher ein Hundemensch und hätte gerne wieder einen Hund, aber das Problem ist, dass es hier fußläufig überhaupt keine schönen Gassiwege gibt… Außerdem hat der Allergietest letzens sogar auch beim Hund leicht ausgeschlagen. Ich hoffe, das war ein Fehlalarm…

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