Kagawa, Teil 2: Der Ritsurin-Garten in Takamatsu.

Am Morgen unseres zweiten Tages liefen wir von unserem Hotel zum Ritsurin-Garten (栗林公園 Ritsurin-Kōen). Hierbei handelt es sich um den größte Garten Japans, der als Kulturschatz gewertet wird. Er wurde im 17. Jahrhundert vom Feudalfürsten (大名 Daimyō) in Auftrag gegeben.

Direkt hinter dem eigentlichen Garten befindet sich der Shiunzan-Berg, der den Garten noch größer und grüner erscheinen lässt. Ursprünglich wurde der Berg von beiden Seiten von zwei Flüssen eingeschlossen, doch der eine Fluss wurde vom Ritsurin-Garten verdrängt. Das hat den Vorteil, dass das Wasser  durch den Garten fließt und viel klarer ist, als es in vielen Gärten Tokyos der Fall ist.

Normalerweise nehmen wir nicht an den kostenlosen Führungen teil, aber diesmal wurden wir angesprochen, und Herr Matsuo erzählte uns viel über die Geschichte und die einzelnen Elemente des Gartens, das wir alleine nie herausgefunden hätten.

Während im Namen des Ritsurin-Gartens Kastanien erwähnt werden, wird man dort keinen einzigen Kastanienbaum finden. Dafür stehen dort viele Kiefern, etwa 1400. Dass man bei Kiefern zwischen Frauen-Kiefern (女松 Onna-Matsu) und Männer-Kiefern (男松 Otoko-Matsu) unterscheidet, hörte ich dort das erste Mal. Frauen-Kiefern, oder eigentlich Rotkiefern (赤松 Akamatsu), haben eine relativ glatte Rinde und weiche Nadeln. Männerkiefern, oder eigentlich Schwarzkiefern (黒松 Kuromatsu), haben eine grobere Rinde und stechende Nadeln.

Im Garten werden hauptsächlich schwarze Kiefern eingesetzt, aber an strategisch wichtigen Punkten stehen vereinzelt rote Kiefern. Außerdem gibt es eine Ehepaar-Kiefer (夫婦松 Meotomatsu), die aussieht, als käme eine schwarze und eine rote Kiefer aus demselben Stamm.

Eine Schwarzkiefer (黒松) oder Männer-Kiefer (男松)

An einem der sechs Teiche des Parks, die alle miteinander verbunden sind, steht ein Teehaus. An allen Seiten geöffnet bietet noch einmal eine andere Perspektive und kann sogar für Hochzeiten verwendet werden. Leider waren wir etwas zu früh dort um Tee genießen zu können.

Der Garten wurde nach dem Prinzip „ein Schritt, ein Ausblick“ (一歩一景) angelegt, und tatsächlich ist der Garten wirklich unglaublich fotogen. Das fanden auch die Damen und Herren des Michelin Travel Green Guides und gaben dem Garten drei Sterne. Das heißt, in ihren Augen lohnt es sich Takamatsu allein für den Garten zu besuchen. Ich stimme zu. 🙂

Generell würde ich jedem, vor allem denen unter uns, die keine große Ahnung von Gärten haben, eine Führung empfehlen. Am einfachsten geht das sicher, wenn man Japanisch spricht, aber es gibt auch Touren auf Englisch. Wenn man auf Deutsch besteht, gibt es auch Audioguides, die man für 200¥ ausleihen kann. Aber natürlich ist der Garten auch ohne großartige Hintergrundinformationen eine große Freude. Weil wir noch große Pläne hatten, sahen wir uns nur den Südteil des Gartens an, aber der Nordteil ist sicherlich genauso schön.

Das beliebteste Fotomotiv des Gartens ist die Vollmondbrücke (円月橋 Engetsukyō). Wenn man den Mond vom Teehaus aus nicht sehen kann, soll sie ebendiesen ersetzen.

Außer zu Fuß kann man den Garten auch vom Boot aus erkunden. Die Tickets kosten für Erwachsene 610¥ und die Fahrt dauert 30 Minuten. Leider mussten wir diesmal darauf verzichten, aber Herr Matsuo versicherte uns, dass man von dort noch einmal eine ganz andere Sicht auf den Garten hat. Jetzt haben wir aber einen guten Grund, um noch einmal nach Takamatsu zu fahren.

Nach etwa eineinhalb Stunden verabschiedeten wir uns von Herrn Matsuo und machten uns auf den Weg zum nähsten Bahnhof.

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