Versprechen.

Während am Samstag der Frühling kurz in Tokyo vorbeischaute, war für heute Schnee angesagt. Man versprach uns mehrere Zentimeter!

Schnee ist in Tokyo etwas besonders: Bahnen fahren plötzlich nicht mehr planmäßig (aber das kennen ja alle berliner Leser auch), der Schulbus wird nicht herausgeholt und einige Kinder bleiben zuhause – denn Schnee ist gefährlich!

Mein Mann machte sich auch Sorgen, denn am Mittwoch habe ich Koreanischunterricht. Koreanischunterricht, von dem ich des Schnees wegen vielleicht nie wieder nach Hause kommen zurückkehren würde. Sehr dramatisch das alles.

Und dann schneite es hier gar nicht. Auf Arbeit hatten wir vielleicht zehn popelige Minuten Schneefall, bei dessen Anblick die Kinder schon vom Schneemannbauen träumten, aber die Schneeflocken schmolzen sofort dahin. Ekliger Regen, eklige Kälte, und eisiger Wind. Super.

Weitere Neuigkeiten: Meinen Mann hat das Umzugsfieber gepackt und die Hälfte des Haushalts ist schon in Boxen. Ich musste ihn davon abhalten nicht alles einzupacken, denn bis zum Umzug sind es noch eineinhalb Wochen.

Bahn- und Busfahren in Tokyo.

Im Frühjahr zieht es viele Touristen nach Tokyo, deswegen eine kurze Anleitung zum Thema “Wie fahre ich in Tokyo mit der Bahn” mit Extra-Kapitel “Busfahren”. Alle, die’s schon wissen, einfach den Artikel auslassen.

Linienplan

Hier wird netterweise wenigstens leicht erkennbar angezeigt wo ich mich überhaupt befinde…

Anders als in Berlin, wo das Ticket je nach Zeit gilt, zahlt man in Tokyo je nach Distanz. Außerdem kann man nicht einfach auf den Bahnsteig, sondern nur, wenn man ein Ticket hat. Dafür gibt es auch keine Fahrscheinkontrollen. Im Bahnhof gibt es Schranken (改札, Kaisatsu). Daneben sollten Fahrkartenautomaten, über denen Linienpläne hängen, anzufinden sein. Auf diesen riesigen Linienplänen kann man ablesen, wie viel man für eine Fahrt zahlen muss. Das ist sehr nervig, zumal oftmals die Stationsnamen nur in Kanji dran stehen.

Deswegen will ich mich gar nicht mit diesem vollkommen antiquitierten System auseinandersetzen, sondern rate: Kauft eine Suica! Oder ein Pasmo! Mir egal! Beides sind Karten, die man mit Geld auflädt und dann bei den oben erwähnten Schranken über einen Kartenleser hält (nicht langsam drübergleiten lassen, einmal rauf mit dem Ding und weiter), mit der Bahn fährt, und beim Verlassen des Zielbahnhofs wieder über einen Kartenleser hält, wobei der Betrag abgebucht wird. Sollte nicht genug Geld auf der Karte sein, gibt es eine rote Fehlermeldung und Maschinen, mit denen man entweder nur den fehlenden Betrag begleichen* oder gleich die Karte aufladen kann.

* In dem Fall kommt aus dem Automaten ein Einzelticket, das anstelle der Karte an der Schranke abgegeben wird.

SchrankenIn Tokyo gibt es verschiedene Bahnanbieter, die größten sind Metro und JR (Japan Railways). Vereinfacht gesagt gehört Suica (die grünen Karten mit dem Pinguin) zu JR, Pasmo (die pinken Karten mit dem… Roboter? Ich weiß gar nicht genau) zu Metro. Ist aber vollkommen egal**! Man kann mit der Suica alle Bahnen*** in Tokyo verwenden, mit der Pasmo auch. Man kann auch in Läden oder den allgegenwärtigen Getränkeautomaten mit den Karten bezahlen, sie sind also super praktisch. Im weiteren Text werde ich nur von der “Suica” reden, obwohl ich beides meine.

** Außer ihr wollt ein Monatsticket kaufen, aber das ist eh nochmal was anderes.

*** Außer Superspezialbahnen z.B. zum Flughafen.

Auch wenn man mit der Suica den ganzen nervigen Part des Bahnfahrens umgeht, ist es trotzdem unglaublich teuer, in Tokyo mit der Bahn unterwegs zu sein. Generell gibt es verschiedene Seiten (und Apps), die einem die schnellste oder günstigste Route heraussucht. Ein Englischer Service ist Hyperdia, die gleichnamige App gibt es zumindest im Android Store kostenlos. Es lohnt sich wirklich sämtliche Routen nachzuschauen, wenn man sich mit dem Streckennetz nicht auskennt.

Mit dem Bus zu fahren ist noch mal etwas komplizierter, weil man den oftmals im Internet schlecht recherchieren kann. Sollte man aber dringend mit dem Bus fahren müssen, gibt es (zumindest in Tokyo) drei verschiedene Arten, zu bezahlen.

1. Wenn in einem Bus vorn ein- und aus der mittleren Tür ausgestiegen wird, zahlt man meist einen festgelegten Betrag beim Einsteigen. Danach ist es egal, bis wohin man fährt. Flatrate-Bus.

2. Wenn man in der Tür in der Mitte einsteigt gibt es ein Piepsgerät für die Suica, wenn man einsteigt auf der rechten Seite. Dort die Karte drüberhalten, beim Aussteigen vorne nochmal die Karte auf den Kartenleser legen. Wenn man ohne Suica mit dem Bus fahren möchte, kommen (zumindest bei Keisei Bussen) aus einer Box unter dem Kartenlesegerät beim Einsteigen Schnipsel mit Zahlen drauf. Davon einen nehmen, an der Anzeige im Bus schauen, wie viel man zahlen muss (wenn auf dem Schnipsel “2” steht auf der Anzeigentafel auch auf “2” schauen).

3. Kostenlose Busse! Einige Unternehmen haben kostenlose Busse, um Besucher vom Bahnhof zur Lokalität zu bringen. An diesen Bussen steht meist irgendwo 無料 (muryô, kostenlos).

Ansonsten gilt natürlich immer: Es einfach den Japanern nachmachen und hoffen, dass die wissen, was sie tun.

Pro-Tipp: Die Suica muss den Kartenleser nicht berühren um ausgelesen zu werden. Die meisten stecken sie einfach ins Portmonee (natürlich möglichst weit außen, damit es wirklich keine Probleme gibt) oder ins Handy-Case, das erspart einem die Herumfummelei mit der Karte. Außerdem sollte man aufpassen, dass man nicht zwei Karten im Portmonee hat, das kann zu Fehlermeldungen führen.

Japanisch kochen: Oyakodon.

Nach langer Zeit mal wieder ein Rezept! Oyakodon (親子丼) heißt “Eltern-Kind-Reisschale”, was ich ein bisschen gemein finde – die Eltern sind das Hühnchenfleisch, das Kind ist das Ei. Arme kleine Hühnchen!

親子丼 Oyakodon für zwei Personen

1 Hähnchenschenkel
1 Esslöffel Sake (Kochalkohol)
1/4 Zwiebel
4 Eier

☆ 160ml Wasser
☆ 3 Esslöffel Sojasauce
☆ 3 Esslöffel Mirin
☆ 3 Esslöffel Sake
☆ 3 Teelöffel Zucker
☆ 2 Teelöffel Dashi-Pulver

(zwei Portionen Reis)

① Mama- oder Papa-Hähnchen in mundgerechte Stücke mit ca. einem Zentimeter Dicke schneiden. Danach mit dem Esslöffel Sake in eine Plastiktüte geben. Die betrunkenen Eltern dann ca. 15 Minuten in den Kühlschrank packen.

② Zwiebeln in Scheiben schneiden.

③ Die Eier in ein Gefäß schlagen und leicht (!) verquirlen.

④ Das Hähnchen wieder aus dem Kühlschrank nehmen und das ausgetretene Wasser mit Küchentuch oder ähnlichem wegwischen.

⑤ Alle mit ☆ gekennzeichneten Zutaten und die Zwiebeln in eine Pfanne geben und wenn es anfängt zu kochen das Hähnchen hinzugeben und auf niedriger bis mittlerer Flamme vier bis fünf Minuten köcheln lassen.

⑥ Wenn die Farbe der “Soße” etwas dunkler geworden ist, 2/3 des Eis kreisförmig (ergibt das Sinn?) herübergeben.

⑦ Auf großer Flamme kurz kochen lassen, dabei die Pfanne schwenken, damit das Ei nicht festbackt. Wenn es etwas härter geworden ist, das verbliebene Drittel hinzugeben und den Herd ausschalten.

⑧ Auf den Reis rutschen lassen. Ende!

(photo credit: M.Murakami DSCF1401 via photopin (license))

Auf Wohnungssuche.

Wohnungsgrundriss

Grundriss der jetzigen Wohnung

Wir wohnen in einer (sehr) kleinen Wohnung.

Ansonsten ist alles wunderbar, die Lage stimmt, wir haben eine Bushaltestelle vor der Tür und die Sonne scheint uns im Winter die Wohnung warm.

Ein weiteres Zimmer wäre aber wirklich gut.

In Japan ist das Frühjahr die Zeit, in der die meisten Leute umziehen. Die meisten größeren Veränderungen finden hier vor und um den April statt: Schul- und Uniabschluss, Arbeitsantritt, Arbeitsplatzveränderungen. Also keine schlechte Zeit um nach einer Wohnung zu suchen.

Wir waren am Wochenende, für mich zum ersten Mal*, beim Makler. Unsere Bedingungen waren wie folgt: 2LDK** oder größer, in der Gegend***, höchstens zwölf Minuten Fußweg zum Bahnhof, möglichst neu und Miete bei höchstens 130,000Yen (ca. 1100€). Und wenn möglich, gern mit der Möglichkeit, Haustiere zu halten.

* Die Wohnung, in der wir jetzt wohnen, hat mein Mann allein gesucht und in Deutschland habe ich nie allein gewohnt.

** Zwei Zimmer, Wohnzimmer mit Ess- und Kochbereich

*** Eine der teuersten Gegenden in Chiba, unserer Präfektur

Wir also auf zum Immobilienmakler (die gibt es hier nämlich wie Sand am Meer), und ließen uns beraten.

Zum Glück ist unser Ansprechpartner, Herr Apaman*, sehr entspannt und versucht uns nichts schönzureden. Sehr angenehm. Wir bekommen also mehrere Wohnungen herausgesucht und entscheiden uns für fünf, die wir sehen wollen.

* “Apaman Shop” ist der Name der Immobilienmaklerkette.

Also geht es mit Herrn Apaman im Firmenwagen los, und leider reißt uns nichts vom Hocker: Zu alt, komischer Grundriss oder das größte Problem: Keine Möglichkeit in allen Zimmern eine Klimaanlage anzubringen. Da es hier für gewöhnlich keine Heizungen gibt und die Isolierung der Häuser aber fragwürdig ist braucht man eine Klimaanlage um im Winter nicht zu erfrieren und im Sommer nicht zu schmelzen. Wenn wir aber nur im Wohnzimmer eine Klimaanlage haben, wird das Schlafzimmer nie warm bzw. kühl. Damit fallen schon einmal vier Wohnungen weg. Die fünfte hat einen Raum, der so komisch geschnitten ist, dass man ihn nicht anständig nutzen kann.

Herr Apaman erzählt uns von einer weiteren Wohnung, etwas weiter entfernt vom Bahnhof, in der man sogar Haustiere halten könnte. Als wir ankommen ist die Wohnung toll! Sehr neu, mit begehbarem Kleiderschrank und natürlich mit der Möglichkeit sich endlich eine Katze anzuschaffen. Wir sind also ganz aus dem Häuschen und freuen uns, bis dann, zurück im Büro, berechnet wird, wieviel Geld wir zahlen müssten um einziehen zu dürfen: Fast 700,000Yen (fast 6000€). Dafür ist die Lage nicht gut genug.

Mein Mann blieb aber mit Herrn Apaman in Kontakt und so bekamen wir am Dienstag mit, dass gerade eine Wohnung in sechs Minuten Entfernung zum Bahnhof freigeworden war. Euphorie beim Ehemann. Die Wohnung kann ab Mitte Februar, nach einer Grundreinigung, bezogen werden.

Gestern haben wir uns die Wohnung zeigen lassen und mein Mann hat gleich alle Dokumente ausgefüllt, die nötig sind, um sie zu mieten, damit uns keiner die Wohnung wegschnappen kann. Wir ziehen also um! Nicht weit weg, nur auf die andere Seite vom Bahnhof. Inklusive der ersten beiden Mieten (also 1.5 Mieten, wenn wir ab Mitte Februar einziehen), Kaution, Schlüsselgeld (das wir nie wieder sehen), Schlosswechselgebühr und einigen anderen Geldbeträgen bezahlen wir 600,000Yen (ca. 5000€).  Das ist noch immer viel Geld, aber die Wohnung war es meinem Mann (und er ist hier der, der spart) wert.

Grundriss der neuen Wohnung

Grundriss der neuen Wohnung

Kurz zum Grundriss: Der Eingang ist im Erdgeschoss, dann geht es eine Treppe hoch in den zweiten Stock. “CL” sind Wandschränke und バルコニー ist der Balkon. Das kleine Dings vorm Zimmer rechts ist ein Platz um den Außenteil der Klimaanlage zu lagern.

Die Wohnung ist mit 55qm Größe ca. 21qm größer als unsere jetzige Wohnung.

Wir können uns also endlich ein Sofa kaufen! Wenn wir unterwegs sind schleichen wir in Läden immer um Sofas herum, derzeit haben wir aber keinen Platz um eins in die Wohnung zu stellen. Ab demnächst kann ich meinen Mann also aufs Sofa verbannen, wenn er mich ärgert! Woohoo! 😉

Der Umzug wird mit Sicherheit nochmal viel Stress bedeuten, ich habe schon Alpträume von schweren Dingen, die diese schmale Treppe herunterpurzeln.