Kistenschlepperei.

Das Leben in Scherben Umzugskisten, werden meine Schwiegereltern und ich uns morgen daran machen, umzuziehen. Der Mann muss arbeiten.

Eigentlich sind wir beide keine großen Jäger und Sammler, wir haben auch keine Probleme, Dinge auszusortieren, aber es kommt einiges an Gepäck zusammen. Noch ein wenig mehr, und ich hätte einem Umzugsunternehmen Geld in den Schlund geworfen um den Stress von meinen Schultern zu nehmen. So laden wir die Schwiegereltern zum Essen ein.

Noch immer Sorgen bereitet mir diese schmale, steile Treppe in der neuen Wohnung, hoffentlich knalle ich die nicht herunter. Das wäre sehr ärgerlich, zumal wir noch nicht wissen, wie das mit dem Internet wird*. Sollte ich also aufgrund eines Sturzes bewegungseingeschränkt sein, hätte ich nicht mal ein großformatiges Internet um mich zu unterhalten, nur das auf dem Handy. (First World Problems.)

Nachher muss ich dann noch anderweitig produktiv sein. Lieber nicht! Also werde ich aufpassen, dass ich den Umzug heil überstehe, und ihr hört wieder von mir, wenn das Internet angeschlossen ist. Wahrscheinlich geht das total schnell und problemlos und ihr habt mich bald wieder an der Backe.

Bis dann!

* Das hat nämlich der Göttergatte abgeklärt. Auf die Frage, was genau denn abgemacht ist, kam nur ein “Ich weiß nicht mehr”.

Das Hochzeitsvideo.

Am Sonntag hatte ich das große Vergnüngen den Tag großteils eingeklemmt auf der Rückbank eines Autos zu erleben.

Ein Freund meines Mannes heiratet und hat seine Studienfreunde beauftragt irgendetwas für die Hochzeitsfeier zu machen. Also traf sich mein Mann mit seinen Studienfreunden zum Trinken und Ideen wurden ausgetauscht. Irgendwann klingelte mein Handy.

Er: Sag mal, kannst du Videos schneiden?

Ich: Ich hab’s noch nie gemacht.

Er: Aber könntest du?

Ich: Warte kurz, ich ruf dich gleich zurück.

Schnell das Internet nach Schnittprogrammen durchforstet und zurückgerufen.

Ich: Also ich könnte es wahrscheinlich…

Er: Gut!

Und so, liebe Kinder, handelt man sich Ärger ein.

Es wird ein Video erstellt werden (von mir, natürlich, mit einem Programm (Adobe Premiere Pro), dass ich noch nie verwendet habe), in dem hauptsächlich mein Mann und seine Freunde zu diesem Lied tanzen. Wer darf den ersten Part mit dem weinenden Typen und dem genervten Mädel spielen? Mein Mann und ich, natürlich.

Fünf HerrenZum Drehen der Szenen sind wir am Sonntag zu verschiedenen Orten, die irgendwie Erinnerungen mit dem Bräutigam wecken, gefahren und die Herren haben getanzt. Erst nach Saitama, um vor der Grund- und der Mittelschule, und vor (und im Haus) des Bräutigams zu tanzen, dann nach Tokyo, um in der Umgebung der Uni (日本大学, Nihon Daigaku) zu filmen. Auf dem Weg dorthin wurde auch mehrmals ausgestiegen und getanzt, unter anderem in einem vollen Tempel. Man gönnt sich ja sonst nichts.

An der Uni kamen dann noch andere Freunde des Bräutigams dazu, und zur letzten Station ging es nach Chiba, wo ein weiterer Unicampus steht. Inzwischen war es dunkel und verdammt kalt. Kurz nach acht waren wir endlich fertig, nach zwölf Stunden.

Und nun darf ich schneiden. Wie gesagt, etwas, was ich noch niemals nie gemacht habe. Erst hatte ich überlegt, ob ich iMovie, dass beim Mac dabei ist, verwende, aber die ersten Versuche waren so frustrierend, dass ich mir die 30-Tage-Testversion von Adobe Premiere geladen habe – die ist zwar komplett auf Japanisch (yay…), aber immerhin nervt sie mich nicht nur an. Zumindest derzeit nicht. Wir reden in ein paar Wochen nochmal.

Frühstück bei Jonathan’s.

Seit über einem Jahr haben mein Mann und ich am Wochenende ein Ritual. Obwohl, eigentlich ist es mehr eine Routine: Wir gehen am Samstag oder Sonntag in einem Family Restaurant frühstücken.

“Family Restaurant” ist eine Sammelbezeichnung für Restaurants, die rund um die Uhr geöffnet haben und verschiedenste Gerichte anbieten. Es ist relativ günstig, aber dafür ist die Qualität natürlich nur so lala und außerdem ist es, wenn man Pech hat, recht laut. Am Morgen am Wochenende ist es meist bei uns sehr leer, manchmal sind aber auch haufenweise Frauen in Gruppen dort – und wir wissen nicht warum.

Jonathan'sWir gehen zu “Jonathan’s“. Das Frühstück dort ist günstiger als bei unserer Alternative “Denny’s“, und außerdem kann man soviel trinken, wie man will. Jedes Wochenende bestellen wir das gleiche Frühstück. Wenn es recht leer ist, ist es das Beste überhaupt, auch wenn natürlich nichts deutsches Frühstück toppt. Danach ist es auch viel leichter, irgendwo hinzugehen, denn man ist ja schon draußen.

Auf jeden Fall ziehen wir auf die andere Seite des Bahnhofs, weswegen wir am Sonntag vorerst zum letzten Mal dort waren. 🙁 In der Nähe der neuen Wohnung gibt es keine Family Restaurants*, wir werden also entweder in Cafés frühstücken oder vielleicht sogar zuhause. Und dann sehne ich mich bestimmt nach meinem Brioche…

* Dafür aber auch keine Oberschule in der Nähe der Wohnung. Mein Gott, Oberschülerinnen sind so ziemlich die nervigsten Personen überhaupt. Bürgersteig breit genug für zwei Personen, sie laufen zu dritt in einem Schneckentempo in Richtung Bahnhof… Das Problem habe ich demnächst also nicht mehr.

Kinderlogik.

Die Kinder fragten bei jeder Person "Ist das ein Ei?"

Die Kinder fragten bei jeder Person “Ist das ein Ei?” Ich kann nicht zeichnen.

Auf Arbeit versuchte ich den Kindern zu erklären, was ich mit “Grandma” und “Grandpa” meine, ohne dabei auf’s Japanische zurückzugreifen. Ich spreche mit den Kindern so wenig wie möglich Japanisch, das wäre zu einfach. Wie erklärt man aber 3-Jährigen mit einem winzigen englischen Vokabular “Großeltern”? Also wurde gemalt. Ich bin nicht gut im Malen.

Ich (auf Englisch): Also ist das Minami, und das sind Minamis Mama und Papa. Dann sind da noch Oma und Opa und Oma und Opa. Also Mamas Mama und Mamas Papa und Papas Mama und Papas Papa.

Minami: Aber das ist zu nah, Oma und Opa wohnen ganz weit weg.

Na wenn das so ist, dass ich das bei meinem Schaubild aber auch gar nicht berücksichtigt habe… Schrecklich! 😉