Wir haben fertig. Fast.

Der Umzug ist überstanden, ich bin nicht die Treppe heruntergefallen, dafür habe ich aber einen schrecklichen Muskelkater. Treppensteigen ist schrecklich schmerzhaft.

Am Samstag ging es um halb zehn los, bis um drei haben mein Schwiegervater und ich Kisten geschleppt, während meine Schwiegermutter auf die verschiedensten Zustelldienste wartete. Zwischendurch hatten wir ein kleines Drama: Unser Sofa kam, aber die Kiste wollte partout nicht in den Treppenaufgang passen. Nach einigem hin und her wurde die Kiste aufgeschnitten und der (nicht auseinandernehmbare) Rahmen des Sofas wurde langsam und vorsichtig ins Wohnzimmer manövriert. Zwei Zentimeter größer, und wir hätten es zurückschicken müssen.

Wir haben nun also ein Sofa, einen Beistelltisch und noch einige andere schöne Dinge. Wenn der Müll, der durch den Umzug entstanden ist, weggeräumt ist, sieht unsere Wohnung aus wie aus einem Möbelkatalog 😉 Mit dem Mehr an Platz können wir tatsächlich auch Leute in unsere Wohnung lassen. Großartig.

Das Internet anzuschließen war auch ein kleines Abenteuer, aber egal. Alles egal. Wir sind umgezogen. Alles ist gut.

Nächsten Sonntag ist Übergabe der alten Wohnung, wir müssen vorher nochmal durchfegen und hoffentlich macht uns niemand wegen dem riesigen erdbebenbedingten Riss im Fenster Ärger. In der Zwischenzeit muss ich mir noch überlegen, worüber ich schreibe, denn im Moment ist mal wieder tote Hose. (Falls ihr irgendwelche Fragen zu Japan habt, immer her damit!)

Kistenschlepperei.

Das Leben in Scherben Umzugskisten, werden meine Schwiegereltern und ich uns morgen daran machen, umzuziehen. Der Mann muss arbeiten.

Eigentlich sind wir beide keine großen Jäger und Sammler, wir haben auch keine Probleme, Dinge auszusortieren, aber es kommt einiges an Gepäck zusammen. Noch ein wenig mehr, und ich hätte einem Umzugsunternehmen Geld in den Schlund geworfen um den Stress von meinen Schultern zu nehmen. So laden wir die Schwiegereltern zum Essen ein.

Noch immer Sorgen bereitet mir diese schmale, steile Treppe in der neuen Wohnung, hoffentlich knalle ich die nicht herunter. Das wäre sehr ärgerlich, zumal wir noch nicht wissen, wie das mit dem Internet wird*. Sollte ich also aufgrund eines Sturzes bewegungseingeschränkt sein, hätte ich nicht mal ein großformatiges Internet um mich zu unterhalten, nur das auf dem Handy. (First World Problems.)

Nachher muss ich dann noch anderweitig produktiv sein. Lieber nicht! Also werde ich aufpassen, dass ich den Umzug heil überstehe, und ihr hört wieder von mir, wenn das Internet angeschlossen ist. Wahrscheinlich geht das total schnell und problemlos und ihr habt mich bald wieder an der Backe.

Bis dann!

* Das hat nämlich der Göttergatte abgeklärt. Auf die Frage, was genau denn abgemacht ist, kam nur ein “Ich weiß nicht mehr”.

Das Hochzeitsvideo.

Am Sonntag hatte ich das große Vergnüngen den Tag großteils eingeklemmt auf der Rückbank eines Autos zu erleben.

Ein Freund meines Mannes heiratet und hat seine Studienfreunde beauftragt irgendetwas für die Hochzeitsfeier zu machen. Also traf sich mein Mann mit seinen Studienfreunden zum Trinken und Ideen wurden ausgetauscht. Irgendwann klingelte mein Handy.

Er: Sag mal, kannst du Videos schneiden?

Ich: Ich hab’s noch nie gemacht.

Er: Aber könntest du?

Ich: Warte kurz, ich ruf dich gleich zurück.

Schnell das Internet nach Schnittprogrammen durchforstet und zurückgerufen.

Ich: Also ich könnte es wahrscheinlich…

Er: Gut!

Und so, liebe Kinder, handelt man sich Ärger ein.

Es wird ein Video erstellt werden (von mir, natürlich, mit einem Programm (Adobe Premiere Pro), dass ich noch nie verwendet habe), in dem hauptsächlich mein Mann und seine Freunde zu diesem Lied tanzen. Wer darf den ersten Part mit dem weinenden Typen und dem genervten Mädel spielen? Mein Mann und ich, natürlich.

Fünf HerrenZum Drehen der Szenen sind wir am Sonntag zu verschiedenen Orten, die irgendwie Erinnerungen mit dem Bräutigam wecken, gefahren und die Herren haben getanzt. Erst nach Saitama, um vor der Grund- und der Mittelschule, und vor (und im Haus) des Bräutigams zu tanzen, dann nach Tokyo, um in der Umgebung der Uni (日本大学, Nihon Daigaku) zu filmen. Auf dem Weg dorthin wurde auch mehrmals ausgestiegen und getanzt, unter anderem in einem vollen Tempel. Man gönnt sich ja sonst nichts.

An der Uni kamen dann noch andere Freunde des Bräutigams dazu, und zur letzten Station ging es nach Chiba, wo ein weiterer Unicampus steht. Inzwischen war es dunkel und verdammt kalt. Kurz nach acht waren wir endlich fertig, nach zwölf Stunden.

Und nun darf ich schneiden. Wie gesagt, etwas, was ich noch niemals nie gemacht habe. Erst hatte ich überlegt, ob ich iMovie, dass beim Mac dabei ist, verwende, aber die ersten Versuche waren so frustrierend, dass ich mir die 30-Tage-Testversion von Adobe Premiere geladen habe – die ist zwar komplett auf Japanisch (yay…), aber immerhin nervt sie mich nicht nur an. Zumindest derzeit nicht. Wir reden in ein paar Wochen nochmal.

Frühstück bei Jonathan’s.

Seit über einem Jahr haben mein Mann und ich am Wochenende ein Ritual. Obwohl, eigentlich ist es mehr eine Routine: Wir gehen am Samstag oder Sonntag in einem Family Restaurant frühstücken.

“Family Restaurant” ist eine Sammelbezeichnung für Restaurants, die rund um die Uhr geöffnet haben und verschiedenste Gerichte anbieten. Es ist relativ günstig, aber dafür ist die Qualität natürlich nur so lala und außerdem ist es, wenn man Pech hat, recht laut. Am Morgen am Wochenende ist es meist bei uns sehr leer, manchmal sind aber auch haufenweise Frauen in Gruppen dort – und wir wissen nicht warum.

Jonathan'sWir gehen zu “Jonathan’s“. Das Frühstück dort ist günstiger als bei unserer Alternative “Denny’s“, und außerdem kann man soviel trinken, wie man will. Jedes Wochenende bestellen wir das gleiche Frühstück. Wenn es recht leer ist, ist es das Beste überhaupt, auch wenn natürlich nichts deutsches Frühstück toppt. Danach ist es auch viel leichter, irgendwo hinzugehen, denn man ist ja schon draußen.

Auf jeden Fall ziehen wir auf die andere Seite des Bahnhofs, weswegen wir am Sonntag vorerst zum letzten Mal dort waren. 🙁 In der Nähe der neuen Wohnung gibt es keine Family Restaurants*, wir werden also entweder in Cafés frühstücken oder vielleicht sogar zuhause. Und dann sehne ich mich bestimmt nach meinem Brioche…

* Dafür aber auch keine Oberschule in der Nähe der Wohnung. Mein Gott, Oberschülerinnen sind so ziemlich die nervigsten Personen überhaupt. Bürgersteig breit genug für zwei Personen, sie laufen zu dritt in einem Schneckentempo in Richtung Bahnhof… Das Problem habe ich demnächst also nicht mehr.