Plötzlich wuselt alles.

Ich habe immer Wochen des Ewiggleichen. Dann passiert auf Arbeit nichts, privat ist auch nichts los und ich will mich nicht zu oft wiederholen.

Dann geht’s aber wieder richtig los und ich wünsche mir eigentlich nur Zeit, um mich einzurollen und zu schlafen. Oder auch Fernsehserien zu gucken. Dabei habe ich natürlich keinen mit anderen Leuten vergleichbaren Stress, nur mehr, als sonst in meiner rosaroten Wolke der Fünf-Stunden-Arbeitstage.

① Am Samstag war Sportfest aller Schulen. 390 Kinder, 1000 Angehörige, plus natürlich uns Mitarbeiter. Neun Stundenlang aufbauen, abbauen und Kinder bespaßen. Danach zu den Schwiegereltern, wo ich beim Abendessen aber beinahe vom Stuhl rutschte.

② Weil wir gern eine größere Wohnung hätten, waren wir am Sonntag auf Wohnungssuche. Leider nicht ganz erfolgreich, wenn wir auch die perfekte Wohnung gefunden haben – ich hätte mir sogar eine Katze anschaffen können. Warum’s damit nicht klappt in einem getrennten Eintrag.

③ Die Zukunft, die Zukunft, wir sind im Moment viel am Herumüberlegen, wo wir in fünf Jahren was machen wollen.

④ Und außerdem habe ich erfahren, dass ich auf der Hochzeitsfeier eines Freundes meines Mannes im März tanzen soll, mit meinem Mann und all seinen Freunden. Ojee. Ich kann doch nur den Chicken Dance

Hinzu kommen natürlich diverse Wehwehchen, manche neu, manche alt, und ich werde erstmal versuchen wieder in einen vernünftigen Rhythmus zu kommen. Bis dahin.

“Goodbye Deutschland!” oder “Ich bin ein schrecklicher Mensch”

Wir haben zuhause keinen Fernseher, weswegen der Mann von der NHK uns immer wieder ungläubig anstarrt. Das heißt natürlich nicht, dass wir kein Fernsehen sehen. Wofür gibt es das Internet?

An deutschen Sendungen gucke ich Zapp, Die Story, Menschen hautnah und… Goodbye Deutschland! An letzterem habe ich ein beinahe morbides Interesse, auch wenn sich vor kurzem das Sendungskonzept scheinbar etwas geändert hat. Während normalerweise hauptsächlich Familien bei ihren ersten ersten Schritten im Ausland begleitet wurden, liegt der Fokus jetzt auf Familien, die schon länger im Ausland leben – das macht nicht mehr so viel Spaß. Erfolgreichen Menschen zuzusehen ist langweilig.

Goodbye Deutschland war für mich sonst immer perfekt: Wenn jemand auswandern wollte, könnte man ihm einfach zwei Folgen der Sendung vorspielen und sagen “So machst du das bitte nicht”. Ob das am “guten” Casting oder am Schnitt lag, weiß ich nicht, aber der stereotypische Auswanderer in der Sendung spricht kein Wort der Sprache des Landes in das er ziehen will, hat keine Ahnung von behördlichen Angelegenheiten, keinen Job und keine Ersparnisse. Das sind natürlich nicht die typischen Auswanderer, sondern die, die geeignet für’s Fernsehen sind, auf dass sich der Zuschauer überlegen fühlen kann. So schwer kann Auswandern gar nicht sein, wenn man es sich nicht selbst schwer macht.

Ist es auch nicht. Man sollte sich nur darüber klar sein, dass man wirklich in ein anderes Land zieht, in dem einiges anders ist, und das “anders” kein anderes Wort für “perfekt” ist. Kein reales Land ist ohne Probleme. In keinem realen Land stößt man nicht manchmal auf unerwartete Mauern, wenn eben nicht alles so einfach ist wie gedacht. Und: Nur weil man umzieht lösen sich nicht alle Probleme in Luft auf, denn die schleppt man mit.

In Japan habe ich viele getroffen, die herkamen mit hohen Erwartungen ans Land, und inzwischen total frustriert sind. Viele Leute, die in ihrem Heimatland nicht richtig reingepasst haben, die meinen, in Japan könnten sie endlich so sein, wie sie sind. Das klappt meist nicht, denn Japan ist nicht das Land der Freigeister. Die japanische Mentalität unterstützt dich auch nicht, wenn du unten bist – denn an allem wird die Schuld dir zugeschoben.

Trotzdem mag ich es, hier zu leben. Auch mit weniger Geld auf dem Konto als in Deutschland, weil hier zu leben teuer ist. Auch wenn jeden Tag auf Arbeit 18 Kinder um mich herum hüpfen und schreien. Auch wenn es natürlich manchmal noch Verständigungsprobleme habe. Vielleicht ist Japan nicht das perfekte Land für mich sondern, was weiß ich, Malaysia, aber zurück nach Deutschland will ich erstmal nicht. Heimweh habe ich auch nicht, denn ich weiß ja, dass in Deutschland alles gut läuft.

Ich weiß auch, dass hier in Japan alles gut läuft. Es geht uns gut, ich integriere mich, und die Tage, an denen ich mich über etwas ärgere, nehmen ab.

Bei Goodbye Deutschland wandern sie derweil wieder zurück.

Seoul, Tag 3: Flucht aus Eisland.

Unser dritter Tag war eigentlich nur von einer Überlegung geprägt: Wie bekommen wir die Zeit bis wir ins warme Japan zurückfliegen einigermaßen schön herum?

AngukAm Morgen besuchten wir erneut Anguk (안국), um uns alte Häuser und den Gyeongbokgung (경복궁) anzusehen.

In Anguk, bzw. Bukchon (북촌) stehen viele alte Häuser, und es gibt viele niedliche kleine Läden, die einen Spaziergang in einer angenehmeren Jahreszeit sicher sehr schön machen. Auch so war es schön anzusehen, vor allem der aufsteigende Rauch/Dampf aus den Häusern.

Durch einen Seiteneingang gelangten wir in den Bereich des Gyeongbokgung der wohl auch zum National Folk Museum (국립민속박물관, Gukrimminbakmulgwan) gehört. Nachdem wir uns das Gelände ein wenig angesehen hatten, verzogen wir uns in den Kindermuseumsbereich, um wieder etwas Wärme in unsere Körper zu lassen.

GyeongbokgungJe näher wir dem Palastgelände kamen, auf umso mehr Touristen stießen wir. Für mich natürlich etwas nervig, weil ich Leute in Fotos meist eher störend finde, aber was will man machen? 😉 Das Areal ist wirklich groß, weswegen es nicht vollkommen überrannt wirkte (vielleicht lag’s auch am Wetter…). Der Eintritt war recht günstig, 3000Won (ca. 2,10€) und vor allem mit dem Blick auf die umliegenden Berge war es das absolut wert. Mit den beiden Gebäuden, die wir am zweiten Tag gesehen hatten, wiederholte es sich natürlich aber auch etwas.

Kulturbahnhof Seoul 284Darauf ging es erstmal wieder nach Myeongdong (명동), um Mitbringsel für meine Mitarbeiterinnen zu kaufen. Im Moment sind Gesichtsmasken total angesagt, die bekommt man zwar auch in Shinôkubo, aber wenn ich damit beauftragt werde, sie in Korea zu kaufen – meinetwegen.

Als weiterer Punkt abgehakt wurde der Seoul Kulturbahnhof 284 (문화역서울284, Munhakyeok Seoul 284), direkt beim Bahnhof Seoul. Ein kurzer Besuch, bei dem wir auch nach dem N-Seoul Tower suchten. Weil der aber von mehreren höheren Gebäuden umgeben und generell eher mickerig ist, brauchten wir eine ziemliche Weile dafür. Rauf wollten wir dann aber nicht auch noch und fuhren weiter. Wieder eine alte Anlage:

DeoksugungDen Deoksugung (덕수궁). Dort findet mehrmals am Tag ein nachgespielter Wachwechsel statt, so auch, als wir ankamen. Deswegen wussten wir nicht, ob wir ihn überhaupt besuchen könnten. Nach einem Besuch bei einem Café* wagten wir uns wieder in die Kälte, und alle Wachen befanden sich in der richtigen Position, weswegen wir uns trauten, Tickets zu kaufen.

Was kann ich sagen? Wieder ein sehr schöner Palast. Wieder sehr kalt. Im Deoksugung befindet sich auch das Nationale Kunstmuseum.

* Wir haben generell so viele Cafés besucht, es ist unglaublich.

Um 16 Uhr wurden wir beim Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht – dummerweise gelangten wir direkt in einen Stau und mal wieder war der Fahrer absolut verrückt, so dass wir ewig im Auto saßen aber trotzdem nicht so richtig schlafen konnten. Am Flughafen gab es nach dem Check-In keine spannenden Läden, wir aßen also vollkommen überteuertes Flughafenessen und warteten. Als es dann endlich Zeit war sich anzustellen bekam ich Nasenbluten. Das ständige Naseputzen rächte sich im perfekten Moment… Leider ist Nasenbluten aber kein Grund um das Flugzeug früher betreten zu dürfen, weswegen ich auf einen alten und äußerst eleganten japanischen Trick zurückgriff: Taschentuch rein und durch! 😉

Zurück zuhause waren wir um kurz vor zwölf und schliefen erstmal zehn Stunden. Korea gern nochmal. Nur nicht im Winter.

初雪 in Tokyo.

Schnee!Gestern war Feiertag, weswegen wir den ganzen Tag zuhause waren. Kurz nach Mittag fing es plötzlich an wie verrückt zu schneien.

In Tokyo schneit es ungefähr zwei Mal in einem Winter, gestern war es das erste Mal, also 初雪 (Hatsuyuki, “Erster Schnee”).  Sobald es in Tokyo schneit geht alles drüber und drunter, denn die Japaner sind einfach nicht drauf vorbereitet und für ein paar Tage im Jahr legt sich kaum jemand Winterreifen zu.

Weil es absolut nicht aufhören wollte zu schneien, war unser Plan, Pizza zu bestellen. Das ist in Japan zwar ein sehr teures Unterfangen (wir zahlen pro Pizza bei uns mindestens 16,50€), aber unsere Bequemlichkeit und Abneigung gegen Schneestürme hätte uns darüber hinwegsehen lassen. Dummerweise hatten aber alle Lieferdienste schneebedingt geschlossen.

Wir hatten aber so gut wie nichts mehr zuhause, und so machten wir uns auf den langen Weg zum nächsten Conbini. Mein Mann hatte Spaß und wollte eine Schneeballschlacht starten, was mich aber nur zum Kreischen animierte. Ohne Handschuhe hätte ich mich schlecht anders wehren können. 😉

Heute Morgen war der Weg zur Bahn die reinste Rutschpartie. In Tokyo hat noch nie jemand von Streusalz gehört, deswegen bildet sich immer neues Eis auf den Gehwegen. Letztendlich habe ich es ohne größere Verletzungen zur Arbeit geschafft und damit war’s das auch wieder bis zum nächsten Jahr – hoffentlich.