Anime sind eines der wichtigsten Exportgüter Japans und wahrscheinlich auch das Medium, das die meisten Herzen in Übersee erobert. Wie viele Nachmittage verbrachte ich auf dem Wohnzimmerfußboden meiner besten Grundschulfreundin Marie damit, Pokémon und Digimon auf RTL II zu gucken? Ich glaube, meine ist die erste Generation, die mit Anime überflutet wurde: Kamikaze Kaito Jeanne, Dragon Ball, Sailor Moon – Mondstein, flieg und sieg!
Hinter allen Anime steckt letztendlich ein Animations-Studio, das sie produziert. Hinter einigen der größten Erfolge der letzten Jahre steckt ein Studio: MAPPA. Zum 15-jährigen Bestehen des Studios findet derzeit die “MAPPA EXPO 15th Anniversary” im Yurakucho Museum statt.
Ursprünglich gegründet, um “In this Corner of the World” zu animieren, steht MAPPA inzwischen vor allem für Mega-Hits wie “Jujutsu Kaisen”, “Attack on Titan” und “Chainsaw Man”, in denen sie Action-Szenen einfach unglaublich gut umsetzen.
Diesen drei Hauptwerken war dann auch der Großteil der Ausstellung gewidmet, während die anderen – durchaus auch unglaublich beliebten – Werke eher minimal abgehandelt wurden. Eine Freundin von mir liebt “Yuri on Ice” und war enttäuscht, nicht mehr als ein Panel davon zu sehen.

Nun sind Anime-Ausstellungen eigentlich nur richtig interessant, wenn man den Anime auch gesehen hat. Die Storyboards, Skizzen und Kommentare der Menschen, die an ihnen gearbeitet haben, werden erst spannend, wenn man das Endprodukt kennt. Ohne dieses sind es technisch herausragende Zeichnungen mit nur geringem emotionalen Gewicht.
Dementsprechend eher langweilig war die “Attack on Titan”-Sektion der Ausstellung für mich. Natürlich kenne ich die Figuren irgendwie – sie sind mir im Alltag in Japan einfach schon tausendfach begegnet – aber über die Geschichte weiß ich so gut wie nichts.

Der “Jujutsu Kaisen” gewidmete Teil der Ausstellung war für mich natürlich sehr viel interessanter. Die vielen Details sowohl in den Storyboards als auch in den Character Sheets, auf denen genau festgelegt wird, wie ein Charakter aussieht und sich bewegt, hätte ich mir stundenlang ansehen können. Auch die Key Animation-Zeichnungen verraten viel über den Denkprozess.




Als jemand, der nicht selbst animiert und nur das Endprodukt konsumiert, muss ich mir immer wieder ins Gewissen rufen, wie unglaublich viel Arbeit und Liebe hinter einem animierten Film steckt. Ohne akribische Planung ist es absolut unmöglich, einen Anime zu produzieren. Anders als in einem Realfilm, bei dem man eine Szene meist mehrmals in verschiedenen Variationen drehen kann, ist der Ausgangspunkt eines Animes das weiße Blatt Papier. Jede Linie, die der Zuschauer sieht, wurde mit Bedacht gezogen. Es gibt keine “glücklichen Zufälle”.
Dafür haben die Animatoren aber auch Freiheiten, die im Realfilm schwer umsetzbar sind. Im letzten Teil der Ausstellung, in dem es um den “Chainsaw Man”-Film ging, gab es z.B. auf einem Character Sheet die Anweisung, die Länge des Hemds des Protagonisten pro Schnitt anzupassen – mit Schwerpunkt darauf, dass es einfach cool aussieht.

“Chainsaw Man” ist für MAPPA ein unglaublich wichtiger Anime. Normalerweise steht hinter einer Anime-Produktion ein Produktionskomitee, das die Produktion finanziert und den Gewinn einfährt. Das Produktionsstudio bekommt einmalig Geld: Wenn es den Anime produziert. “Chainsaw Man” wurde vollständig von MAPPA finanziert, was sich für das Animationsstudio absolut ausgezahlt hat.
Wie zentral “Chainsaw Man” für das Studio ist, hat man auch an der Promotion für den Film gesehen: Eine neu geschnittene und teils sogar neu vertonte Fassung des Anime wurde vor der Veröffentlichung des Films auf sämtlichen Streaming-Plattformen veröffentlicht. Ein enormer Aufwand, den man für “Jujutsu Kaisen” wahrscheinlich nicht betreiben würde. Der “Chainsaw Man”-Teil der Ausstellung war dann auch der umfangreichste.



Zu jeder Ausstellung gehört natürlich auch ein Ausstellungsladen. Obwohl auch hier die drei großen Anime am stärksten vertreten waren, gab es tatsächlich für jeden Anime – egal wie klein – Merchandise. Vor allem für die Fans von Nischen-Anime ist das natürlich etwas Besonderes. Als Fan von “Jujutsu Kaisen” kann ich mich an Merchandise totkaufen, Fans von “Oblivion Battery” teilen dieses zweifelhafte Glück nicht.
Ein Mitbringsel hat man als Ausstellungsbesucher schon einmal sicher: Am Eingang bekommt man eine kleine Kopie eines Animation Keyframes. 🙂

Natürlich ist die Ausstellung nur für Leute gedacht, die MAPPA sowieso schon mögen. Für die ist sie aber eine Schatztruhe. Leider gab es bei meinem Besuch noch keinen Ausstellungskatalog, ich würde nämlich gerne einen Nachmittag damit verbringen, die Handschrift der Animatoren zu entziffern, um mein Hirn mit noch mehr kleinen Details zu meinen Lieblingsserien zu füllen. 😀