Wer in den letzten Jahren in den Touristenorten Japans unterwegs ist, weiß: Es ist voll. Vor allem Kyoto ist ein Symbol für Übertourismus, wenn die Massen auf den Straßen zwischen Tempeln und Schreinen dicht an dicht stehen.
Jeder, der schon einmal abseits der touristischen Pfade gereist ist, weiß aber auch, dass das Problem räumlich stark eingegrenzt ist. Tokyo sieht die meisten Reisenden, darauf folgen Osaka und Kyoto. Das weiß ich so genau, weil die japanische Tourismusbehörde einen Bericht dazu veröffentlicht hat. In diesem werden u.a. die Zahlen der Übernachtungen pro Präfektur veröffentlicht.
Wenn bekannt ist, wo die meisten Menschen übernachten, weiß man natürlich auch das Gegenteil: Wo übernachten denn die wenigsten Leute? Wo sind die Straßen nicht überfüllt?
Top 5: Akita
Akita liegt am japanischen Meer, direkt unter Aomori. In Akita gibt es hübsche Altstädte, hübsche Natur und die knuddeligsten Hunde. Von Tokyo aus kommt man bequem per Shinkansen dorthin. Leider habe ich es noch nicht nach Akita geschafft, aber ich nehme es mir seit längerem vor. Wirklich!

Top 4: Kōchi
Die Präfektur Kōchi liegt auf der Insel Shikoku, die der japanischen Hauptinsel vorgelagert ist. Sie ist vor allem als Geburtsort von Sakamoto Ryōma (坂本龍馬), einem historisch bedeutenden Samurai, bekannt. Ansonsten bietet sie schöne Natur und leckeres Essen – aber das kann man über fast jede Präfektur sagen.

Wir waren vor fast zehn Jahren einmal dort und hatten durchaus eine gute Zeit. Allerdings muss ich auch zugeben, dass die Verkehrsanbindung nicht gut ist und die Präfekturen auf der Innenseite von Shikoku – Ehime und Kagawa – mehr zu bieten haben. Sorry, Kōchi!
- Shikoku, Teil 5: Kôchi. (4/8/2017)
- Shikoku, Teil 4: Katsurahama und Burg Kôchi. (4/6/2017)
Top 3: Tokushima
Die am wenigsten besuchte Präfektur ist Tokushima. Genau wie Kōchi liegt sie auf der Insel Shikoku, und genau wie Kōchi ist sie vor allem für eine Berühmtheit bekannt: Der Musiker Yonezu Kenshi ist der bekannteste Sohn Tokushimas.

Ansonsten ist die Präfektur für ihre Meeresstrudel und für den traditionellen Awa-Odori (阿波踊り) bekannt, der dort im Sommer getanzt wird. Die Präfektur vermarktet sich inzwischen damit, dass man sich in ihr hervorragend erholen kann, weil eben nicht so viel los ist. Auch eine Strategie!
Top 2: Tottori
Tottori liegt am japanischen Meer und hat ausufernde Dünen. Das war’s auch schon ungefähr damit, was ich so über die Präfektur weiß. Sie ist schwer zu erreichen, bietet nicht viele Attraktionen und ist deswegen verständlicherweise auf Platz 2 der Negativliste.
Top 1: Saga
Durch Saga bin ich selbst bisher nur gefahren. Die kleine Präfektur wird von Nagasaki und Fukuoka, zwischen denen sie liegt, überschattet. Den meisten Japanern ist Saga vor allem wegen dem Porzellan aus Arita bekannt.
Ich würde gern einmal die Ausgrabungsstätte Yoshinogari besuchen, wo eine historische Ringrabensiedlung zu sehen ist. Vielleicht nächstes Mal, wenn ich in Nagasaki oder Fukuoka bin.
Ihr seht, es hat meist schon einen Grund, warum nicht so viele Leute in eine Präfektur fahren: Entweder ist sie schlicht schlecht erreichbar, oder sie hat für Touristen nicht so viel zu bieten.
Aber: Erstens bin ich absolut davon überzeugt, dass jede Präfektur Japans es wert ist, besucht zu werden. Und zweitens würden sich die meisten Präfekturen Japans über mehr Touristen freuen: Aomori verzeichnet fast doppelt so viele Übernachtungen wie Tokushima, ist aber außerhalb der Sommerfestivals wirklich leer und von Tokyo aus kommt man mit dem Shinkansen bequem hin.
Wir besuchen gezielt unbekanntere Präfekturen. Der größte Grund dafür ist, dass wir in Tokyo dermaßen vielen Menschen ausgesetzt sind, dass wir im Urlaub keine Menschenmassen mehr ertragen. Aber es entschleunigt auch. Ich sitze gerne mit meinem Mann und meinem Sohn im Auto oder in der Bahn und sehe, wie die Landschaft an uns vorbeizieht. 🙂
Ich empfehle auf jeden Fall jedem Japanreisenden, so eine geplante Entschleunigung einzuplanen. Sonst braucht ihr Urlaub vom Urlaub.

Endlich ein Beitrag wie für mich gemacht. Was braucht man noch zum Glücklichsein, wenn man Dinosaurier hat?
Die Dünen von Tottori sagen mir was, weil ich vor Jahren den Film “Die Frau in den Dünen” gesehen habe.
Sehr spannend! Shikoku habe ich natürlich erwartet – auch den hohen Norden (Iwate und Yamagata haben wohl schlicht mehr zu bieten). Auch Tottori, das ich jedes Mal erneut auf der Karte suchen muss. Aber Saga hat mich sehr überrascht. Die Präfektur kann ich für Kulinarisches, Weltoffenheit und die genannte Porzellan-Kultur nur empfehlen. Zudem liegt sie genau zwischen Nagasaki und Fukuoka. Vielmehr hatte ich Miyazaki dort erwartet. Außer gutem Klima habe ich dort nichts vorgefunden. Nichtmal zerstörte Bahnstrecken werden wieder aufgebaut. Und Kagoshima hat wohl das Glück, dass die Insel Yakushima zu ihr gehört.