20 Jahre durch die Zeit springen: Die “The Creative Origins of Mamoru Hosoda”-Ausstellung

Es gibt einige Anime-Regisseure, die Haushaltsnamen sind. Dazu zählen neben dem im Ausland sicher bekanntesten Miyazaki Hayao vom Studio Ghibli, auch der zu früh verstorbene Kon Satoshi (“Perfect Blue”, “Paprika”), der seit Jahren Hits produzierende Shinkai Makoto (“5 Centimeters per Second”, “Your Name”) und Hosoda Mamoru (“Das Mädchen, das durch die Zeit sprang”, “Belle”).

Letzterem widmete das 2024 eröffnete Creative Museum Tokyo anlässlich des 20. Jubiläums der Veröffentlichung seines Films “Das Mädchen, das durch die Zeit sprang” eine Ausstellung.

Hosoda wurde 1967 in der bergigen Präfektur Toyama geboren. Im letzten Jahr der Mittelschule produzierte er seinen ersten einminütigen Animationsfilm “one sided war”, der in der Ausstellung auch zu sehen war. Nachdem er die Kunsthochschule in Kanazawa besucht hatte, zog es ihn nach Tokyo, um Animateur zu werden. Studio Ghibli lehnte ihn mit den Worten ab, dass jemand wie er eher dazu geeignet sei, seine eigenen Filme zu produzieren. Er fand dann beim Studio Toei Animation Anstellung und wirkte an Kindheitserinnerungen einiger meiner Leser mit: Unter anderem arbeitete er an Digimon-Filmen und Folgen von “Magical DoReMi”.

Und vielleicht erinnert sich der ein oder andere an Louis Vuittons Super Flat Monogram und den Panda? Das Video dazu stammt auch von ihm.

Der Titel der Ausstelung lautete “The Creative Origins of Mamoru Hosoda” (細田守の原点展 Hosoda Mamoru no Genten-ten) und beleuchtete sein Schaffen vor allem anhand von drei Werken: “Das Mädchen, das durch die Zeit sprang”, “Summer Wars” und “Ame & Yuki – Die Wolfskinder”. Zu allen Werken konnte man Skizzen, Storyboards und Layouts sehen, außerdem wurde jeweils noch ein weiteres Thema beleuchtet.

“Das Mädchen, das durch die Zeit sprang” handelt von Makoto, die durch mysteriöse Umstände die Fähigkeit entwickelt, durch die Zeit zurückzureisen. Was würdet ihr tun, wenn ihr so eine Fähigkeit erlangen würdet? Makoto nutzt ihre neue Gabe nicht sonderlich achtsam bei auch kleinen Problemen – wenn ihre Schwester ihr z.B. ihren Pudding wegisst – was ihr später zum Verhängnis wird.

In dem ersten Teil der Ausstellung wurden nicht nur die Bedeutung der verschiedenen Ausstellungsstückarten näher erläutert, sondern es gab auch ein Panel über die Bildsprache in Hosodas Filmen. Was mir vorher nicht bewusst war: Immer, wenn seine Charaktere sich in einer Welt außerhalb der Realität befinden, werden die schwarzen Umrandungslinien rot. Das ist eine Technik, die auch in alten Darstellungen von Buddhas und anderen Gottheiten angewandt wird, um ihre Andersweltlichkeit zu verdeutlichen.

Auch für die Geschehnisse in der virtuellen Welt von OZ in “Summer Wars” werden diese roten Linien genutzt. In diesem Film von 2009 wird der junger Elite-Videospieler Kenji von seiner Mitschülerin zu einer Familienfeier eingeladen. Dort trifft er auf ihre eigenwilligen Familienmitglieder, doch die Geschehnisse in der virtuellen Welt haben plötzlich Einfluss auf die reale Welt und Kenji muss von einem alten Haus auf Japans Land die ganze Nation retten.

“Summer Wars” habe ich nach meinem Working Holiday in Japan in einem kleinen Kino in Berlin gesehen und konnte mich noch sehr gut an die Optik und das Feeling der Geschichte erinnern. Das Feeling wurde in dem Ausstellungsraum hervorragend aufgefangen. Generell bin ich ein großer Fan davon, wie die neuen Gallerien in Tokyo ihre Räumlichkeiten nutzen um die Menschen davor zu bewahren, vor den Ausstellungsstücken Schlange zu stehen.

Nach einem Bereich über die Anfänge Hosodas, in dem man nicht fotografieren durfte, ging es im vorletzten Raum um den Film “Ame & Yuki – Die Wolfskinder”. Dort verliebt sich Hana in einen Wolfsmann und bekommt mit ihm Kinder. Als diese Wolfskinder größer werden und es schwieriger wird, ihre Existenz zu verheimlichen, zieht sie nach dem Tod ihres Mannes mit ihnen aufs Land. Doch als sie älter werden, stellt sich für sie die Frage: Sollen sie als Mensch oder als Wolf weiterleben?

Hosoda produzierte diesen Anime nach dem Tod seiner eigenen Mutter, die sich in der Figur Hana widerspiegelt. Seine eigene Mutter war alleinerziehend und stellte für ihren etwas wunderlichen Sohn immer einen großen Anker dar. Auch die Landschaften seiner Kindheit sind im Film wiederzufinden.

Die “The Creative Origins of Mamoru Hosoda”-Ausstellung war hervorragend aufgebaut und bietet einen guten Über- und Einblick in sein kreatives Schaffen. Bis Ende August 2026 findet sie noch im Creative Museum Tokyo statt, danach zieht sie nach Osaka, Fukuoka und Toyama weiter. Die Webseite findet ihr hier.

Achtung: Die Ausstellung ist komplett auf Japanisch. Zwar kann man in einem Großteil eine Übersetzungs-App benutzen, aber es gibt wirklich null Beschriftung auf Englisch.

Wenn ihr keine Lust auf eine Ausstellung ohne Englisch habt, aber trotzdem gern etwas mitnehmen wollt, empfehle ich das angeschlossene Café. Dort gibt es verschiedene Nudelgerichte und Desserts zu den drei vorgestellten Filmen.

Unter dem Schaum befindet sich Pasta 🙂

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