Kennt einer von euch die Präfektur Shiga (滋賀県 Shiga-ken)?
Die meisten, die schon einmal in Japan waren, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Shiga gefahren, ohne es zu bemerken. Die Präfektur liegt direkt östlich von Kyoto und das ist auch ihr größtes Problem: Kyoto überschattet sie einfach.
Umso besser für uns, so konnten wir ganz entspannt und ohne Menschenmassen reisen.
Wir fuhren von Tokyo mit dem Shinkansen bis nach Maibara (米原), der einzigen Shinkasen-Station in der Präfektur. Außer der gibt es in der Stadt aber nicht viel zu sehen. Für unsere weitere Reise hatten wir uns ein Auto gemietet – Shiga ist aber auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ganz gut erkundbar.
Während Shiga heutzutage keine besondere Bekanntheit genießt, stellte sie im alten Japan einen wichtigen Knotenpunkt dar. Wer nach Kyoto – damals das Zentrum der Macht – will, muss durch Shiga. Außerdem verfügt Shiga über große natürliche Resourcen, die ihm Reichtum brachten. Viele der bekanntesten Figuren der japanischen Geschichte verbrachten viel Zeit in Shiga.
Unser erster Halt führte uns dann auch zu einer echten Berühmtheit. In Japan hat so ziemlich alles ein Maskottchen: Städte, Sehenswürdigkeiten, öffentliche Gebäude. Eines der ersten richtig bekannten gehört zur Burg Hikone (彦根城 Hikone-jō) und ist (natürlich) eine Katze. Ihr Name ist Hikonyan und sie wurde anlässlich des 400-jährigen Bestehens der Burg 2006 vorgestellt.

Der dritte Daimyō der Burg, Ii Naotaka (井伊直孝) wurde einer Legende zufolge von einer weißen Katze vor einem Regensturm bewahrt (übrigens beim Gōtoku-Tempel in Tokyo, in dem heute viele Katzenfiguren ausgestellt sind). Hikonyan trägt im Gegenzug den Helm Iis.
Derzeit bemüht sich die Stadt Hikone darum, die Burg Hikone als UNESCO-Weltkulturerbe registrieren zu lassen. Sie ist eine von nur zwölf Burgen im ganzen Land, deren Tenshu, das Hauptburggebäude, noch erhalten ist. Andere bekannte Burgen, bei denen das der Fall ist, sind z.B. die Burg Himeji und die Burg Matsumoto.





Die Burg liegt strategisch ideal auf einem Berg, hat in ihrer jetzigen Form aber nie Krieg gesehen. Nachdem sie 1622 fertiggestellt worden war, diente sie hauptsächlich repräsentativen Zwecken. Während der Meiji-Restauration wurde der Abriss aller Burgen beschlossen, um die Macht unter dem Kaiser zu konzentrieren. Genau dieser verschonte aber die Burg Hikone, nachdem er sie besichtigt hatte. Dass der Burgherr den Kaiserhof während des Bürgerkriegs unterstützt hatte, spielte sicher auch eine Rolle.
Als Besucher kann man den Hauptturm der Burg besichtigen. Vorsicht: Die Stufen sind wirklich steil. Ich frage mich immer wieder, wie die relativ kleinen alten Japaner da hochgekommen sind.
Die späteren Daimyō nutzten dann auch lieber die Gebäude am Fuße des Bergs, statt jedes Mal beschwerlich bis zum Hauptgebäude zu laufen. Ein Gebäude des Rakurakuen (楽々園) und den Garten Genkyūen (玄宮園) kann und sollte man besichtigen. Beide fand ich einfach nur unglaublich entspannend.




Den wahren Burgherren, Hikonyan, haben wir dann in einer kleinen herausgeputzten Einkaufsstraße getroffen. Dort hat er sogar ein eigenes kleines Museum und natürlich auch einen Laden, in dem man alle möglichen Fanartikel kaufen kann. Die Stadt Hikone steht auf jeden Fall mit voller Kraft hinter ihrem Maskottchen.



Wir aßen noch schnell einen Burger mit regionalem Rindfleisch (Prädikat: Kann man machen) und schon ging es für uns weiter. Zwei Tage ohne Kind wollen schließlich genutzt werden. 🙂

