Juni ist Pride Month, in dem in vielen Bereichen Sichtbarkeit für die LGBTQIA+-Gemeinschaft geschaffen wird. So natürlich auch in Japan.
Jedes Jahr findet Tokyo Pride im Yoyogi-Park und seiner Umgebung Harajuku statt, und dieses Jahr habe ich es endlich immerhin zum Festival geschafft.
Tokyo Pride ist vergleichsweise klein. Dieses Jahr waren über 274.000 Besucher auf dem Festival, auf dem Umzug liefen etwa 15.000 Personen mit. Zum Vergleich: An der Parade in Taipei nahmen letztes Jahr zehnmal so viele Menschen teil.
Aber man soll sich ja nicht mit anderen vergleichen, und im Vergleich zu vor zehn Jahren hat sich die Größe des Events rasant entwickelt: 2016 waren nur etwa 70.500 Besucher anwesend.


Die Situation für Mitglieder der LGBT-Community in Japan ist nicht immer einfach. Zwar muss man keine Gewalt fürchten, aber gesetzlichen Schutz genießt man auch nicht. Japan ist die einzige G-7-Nation, in der homosexuelle Paare nicht heiraten können. LGBT wird oft als lästiges Thema gesehen, das man am besten für sich behält. Wirkliche Akzeptanz sieht anders aus.

Viele der Stände auf dem Festival gehörten zu Firmen. Die informierten dort entweder über ihre Aktivitäten oder zeigten einfach ihren Support. Mich hat besonders gefreut, dass viele Firmen mit Hauptsitz in Japan anwesend waren. Es kann sich manchmal anfühlen, als würde Japan nur auf Druck aus dem Ausland reagieren, aber offenbar tut sich auch in Japan selbst etwas. 🙂 Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Pride nicht von vielen Firmen instrumentalisiert wird, um zu punkten. Aber immerhin bedeutet es, dass man mit dem Thema überhaupt punkten kann. Es spiegelt das Gesamtklima im Land wider.


Ein anderes Areal war hauptsächlich für Stände von Organisationen reserviert. Einige Botschaften hatten Stände aufgebaut – die deutsche übrigens nicht – und auch einige Universitäten und Kommunalverwaltungen waren anwesend.

Beim Stand von Marriage for All Japan habe ich natürlich direkt eine Nachricht an den obersten Gerichtshof verfasst. Es wird erwartet, dass ebendieser dieses Jahr noch eine Entscheidung dazu fällt, ob das Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen verfassungskonform ist. Das ganze Thema ist komplex, wer möchte kann auf der Website von Marriage for All Japan nachlesen (oben rechts kann man die Sprache auf Englisch stellen).

Außerdem traten auf einer Bühne verschiedenste Künstler auf und es gab natürlich haufenweise Essens- und Getränkestände. Auch für Kinder gab es einige Aktivitäten, aber für meinen Sohn wäre es wahrscheinlich zu überwältigend gewesen.
Ich selbst bin nicht Teil der LGBT-Community, aber ich hoffe hier niemandem erklären zu müssen, warum ich grundlegende Menschenrechte trotzdem unterstütze. 😉
Wäre ich selbst lesbisch und mein Mann wäre eine Frau, hätten wir in Japan nicht so einfach zusammensein können. Unsere Ehe wäre in Japan nicht anerkannt, dementsprechend hätte ich nicht mit einem Ehepartner-Visum nach Japan ziehen können. Selbst wenn ich es irgendwie nach Japan geschafft hätte, wäre es mir während der ersten Zeit in Japan nicht möglich gewesen, über meine Frau kranken- und rentenversichert zu sein. Künstliche Befruchtung wäre für uns auch viel schwieriger gewesen, weil viele Kliniken voraussetzen, dass das Paar verheiratet ist, und wir natürlich keine Unterstützung vom Staat bekommen hätten. Ob unser Kind japanische Staatsbürgerschaft bekommen hätte, wäre auch ein Thema, das ich ersteinmal recherchieren müsste.
Letztendlich möchte ich lediglich, dass alle Menschen die rechtlichen Möglichkeiten wie ich haben, glücklich zu werden. Ich hoffe natürlich, dass dieses Jahr endlich das Jahr ist, in dem sich viel nach vorne bewegt.
Für mehr Gesamtglück. 🙂
