Ein Anime mit Nachhall: “Lookback”.

Pro Jahr schaffen es in Japan über 100 Anime-Filme in die Kinos. Einige laufen nur in in unabhängigen Kinos, andere auf hunderten von Leinwänden im ganzen Land. Im letzten Jahr waren die drei Filme mit den höchsten Einspielergebnissen Anime-Filme. Insgesamt setzten Animationsfilme in Japan letztes Jahr umgerechnet 1,2 Milliarden Euro um – mehr als der gesamte Umsatz aller Kinos in Deutschland.

Einige dieser Filme sehe ich mir an, einige im Kino, mehr auf Streaming-Seiten wie Netflix. Einige Filme bleiben mir stark in Erinnerung, andere sind quasi sofort wieder vergessen. Bitte fragt mich nicht, was im “Spy Family”-Film geschehen ist.

An “Look Back” (ルックバック Rukkubakku) werde ich mich wahrscheinlich noch lange erinnern. Ich bin mir unsicher, ob mich irgendein japanischer Animationsfilm jemals dermaßen emotional bewegt hat.

ルックバック Look Back (2024) (Trailer mit aktivierbaren englischen Untertiteln)

Basierend auf dem gleichnamigen Manga von Fujimoto Tatsuki

Regisseur: Oshiyama Kiyotaka

Synchronsprecher: Kawai Yūmi, Yoshida Mizuki

Die Viertklässlerin Fujino wird von ihren Klassenkameraden für die Comicstrips, die sie für die Schülerzeitung zeichnet, gelobt. Eines Tages beginnt ihre Mitschülerin Kyōmoto, die aus Angst vor Menschen nicht den Unterricht besucht, ihre Zeichnungen in der Schülerzeitung zu veröffentlichen. Ihr Talent spornt Fujino dazu an, ihre eigenen Zeichnungen zu verbessern. Als die beiden sich schließlich treffen, beginnt Kyōmoto sich, der Außenwelt zu öffnen. Die beiden ungleichen Mädchen beginnen eine Freundschaft und Zusammenarbeit – doch dann wird alles aus der Bahn geworfen.

Den meisten Mangalesern ist Fujimoto Tatsuki, der Autor des Originalmanga, wahrscheinlich wenn, dann wegen “Chainsawman” ein Begriff. Auch in “Look Back” schafft er es, seine Charaktere wahrhaftig erscheinen zu lassen. Wenn Fujino vor ihren Mitschülern angibt oder vor ihrem Lehrer gegenüber ein wenig zu überheblich auftritt, macht sie das nicht sympatisch – Aber es lässt sie wie eine echte Viertklässlerin wirken. Dieses Gefühl von Authentizität lässt einen wirklich mit Fujino und Kyōmoto mitfiebern und mitleiden.

Ich habe “Look Back” nach meinem Kinobesuch noch einmal gelesen. Der Manga ist natürlich fantastisch, aber der Film hatte die Möglichkeit in seinen kurzen 58 Minuten Szenen mehr Raum zu geben und vor allem die Möglichkeiten von Animation auszunutzen. Während Fujinos Comicstrips im Manga lediglich abgebildet sind, werden sie im Film zum Leben erweckt und auch die Emotionen der beiden Mädchen werden deutlicher herausgearbeitet. Die zwei Hauptcharaktere von Schauspielerinnen statt von Anime-Synchronsprechern sprechen zu lassen, war auch eine fantastische Entscheidung, um die Geschichte näher an die Realität zu bringen.

Auch, die Originalzeichnungen der Animatoren statt von Unregelmäßigkeiten bereinigte Nachzeichnungen zu verwenden, verleiht dem Film eine besondere Menschlichkeit und Wärme.

Der Manga allein hätte mich wahrscheinlich nicht zum Weinen gebracht, aber der Film hat mich zerstört zurückgelassen. Dabei war ich nicht alleine, aus dem ganzen Kinosaal hörte ich das Schnüffeln der anderen Zuschauer.

Ich hoffe natürlich, dass ihr alle in den Genuss des Films kommen werdet. Englische Untertitel für den Trailer und eine Vorführung auf dem Festival d’Animation Annecy in Frankreich schüren auf jeden Fall Erwartungen!

5 Gedanken zu „Ein Anime mit Nachhall: “Lookback”.

  1. Nina sagt:

    Ich bin ja froh, dass immer mehr Animes in Deutschland im Kino laufen und gehe ab und an auch gerne rein (wie Haikyu!!) aber emotional wird es immer Grave of the Fireflies bleiben. Ich glaube nicht, dass ich einen anderen Anime gesehen habe, der trauriger war. Aber der aktuelle sieht auch gut aus und ich hoffe, dass er, wenn ich im Oktober in Japan bin, zumindest online zur Verfügung steht. Danke für den Tipp!

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