Immer wieder in den Medien: Der Yasukuni Schrein.

Wenn man einen Japaner nach wichtigen Schreinen fragt, bekommt man vielleicht den Izumo-Schrein, in dem sich jeden Oktober alle Götter versammeln, genannt. Andere nennen vielleicht den Ise-Schrein, der regelmäßig neugebaut wird. Oder den Fushimi-Inari-Schrein, mit seinen vielen roten Toren.

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In den ausländischen Medien ist aber vor allem ein Schrein jedes Jahr erneut präsent: Der Yasukuni-Schrein (靖国神社 Yasukuni-Jinja) in Tokyo.

In über zehn Jahren in Japan hatte ich den Schrein noch nie besucht. Dabei liegt er nah am Bahnhof Tokyo und dem Kaiserpalast. Aber irgendwie hat es mich einfach nie dorthin gezogen.

Als meine Eltern letztens da waren, wollten sie ihn aber einmal sehen.

Falls ihr nicht wisst, warum genau über diesen Schrein immer wieder berichtet wird: In diesem Schrein wird unter anderem allen im Krieg gefallenen japanischen Soldaten zwischen 1887 und 1951 gedacht. Allen. Inklusive Kriegsverbrechern. Von über zwei Millionen, denen im Yasukuni-Schrein gedacht wird, sind das zwar “nur” Vierzehn, dass regelmäßig Politiker diesen Schrein aufsuchen, um dort zu beten, hat dennoch ein kleines Geschmäckle.

Es ist ein wenig, als wenn in Deutschland den Opfern des Krieges am selben Ort wie Goebbels gedacht würde und Olaf Scholz dort jedes Jahr einen Kranz niederläge. Verständlich, dass das nicht alle super toll finden.

Dazu muss man sagen: Kaiser Hirohito, der Kaiser während des zweiten Weltkriegs, besuchte den Schrein aus Protest gegen die Verehrung der Kriegsverbrecher später nicht mehr und seine Nachfolger haben den Schrein nie besucht. Dabei liegt er, wie gesagt, direkt am Kaiserpalast.

Zugegebenermaßen kenne ich mich in der Materie nicht gut aus, aber da die Seelen der verstorbenen Kriegsverbrecher nun im Schrein hausen, können sie wohl nicht mehr entfernt werden. Ursprünglich kamen die verurteilten Kriegsverbrecher erst Jahre nach den anderen Opfern des Kriegs in den Yasukuni-Schrein, aber jetzt kann man sie angeblich nicht mehr umsiedeln.


Der Schrein selbst ist groß, aber nicht besonders schön.

Das riesige Torii-Tor, durch das man zuerst geht, ist aus Stahl. Dieser erste Eindruck gibt dann auch weiterhin den Ton an: Das Gelände ist weitläufig, wirkte auf mich jedoch sehr steril und kalt. Im Frühling sollen die Kirschblüten aber sehr schön sein.

Im ganzen Schrein sind verschiedene Abbildungen der Chrysantheme, dem Symbol der japanischen kaiserlichen Familie, verteilt.

An vielen Ecken stehen Hinweisschilder, die man in anderen Schreinen nicht begegnet: Presse solle sich doch an die Schreinverwaltung wenden, Flyer zu verteilen ist verboten, Flaggen zu schwenken auch. Nach den verschiedenen Kontroversen, in denen der Schrein über die Jahre eine Rolle spielte, kein Wunder.

Eigentlich fände ich diese Einstellung sogar begrüßenswert. Scheinbar möchte man ja nicht, dass eine Seite den Schrein für sich beansprucht. Wenn da nicht das Yūshūkan (遊就館) wäre. Dabei handelt es sich um ein Kriegsmuseum, das vom Schrein betrieben wird.

Wir haben davon abgesehen, uns die Ausstellung anzusehen. Erstens waren wir mit einem Kind da, das langsam keine Lust mehr hatte, und zweitens habe ich keine Lust auf ein Museum, dass von “gefallenen Helden” spricht und vor dem eine Statue eines “Kamikaze-Helden” steht. Wenn junge Männer dazu gezwungen werden, für ihr Land Selbstmordattentate zu verüben, erkenne ich darin keinen Funken Heldentum.

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Ich weiß nicht, mit welchem Gefühl die Besucher an diesem Tag im Schrein waren. Vielleicht wird dort auch ihren Vorfahren gedacht, vielleicht ist der Schrein einfach in ihrer Nähe und vielleicht wünschen sie sich die gute alte Zeit des militärisch mächtigen Japans zurück. Keine Ahnung. Letztendlich kann jeder beten, wo er möchte.

Persönlich werde ich das aber weiterhin anderswo tun.

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