Die Romanisierung des Landes der aufgehenden Sonne.

Japanisch kennt drei Schriften: Hiragana, Katakana und Kanji. Das lateinische Schriftsystem, wie es z.B. Deutsch in erweiteter Form verwendet, gehört nicht dazu.

Um die Sprache auch für Leute, die nicht masochistisch veranlagt sind, lesbar zu machen, muss sie also in das lateinische Schriftsystem transkribiert werden. Wie das geht, wie ich das persönlich handhabe und was die Limitierungen sind – Jetzt. 😀

Hepburn-Romanisierung

Die gebräuchlichste Art der Romanisierung, also des Transkribierens in das lateinische bzw. römische Schriftsystem, gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Ein amerikanischer Missionar schrieb das erste japanisch-englische Wörterbuch und erfand dafür ein System, das es vor allem Englischsprachigen ermöglichen sollte, Japanisch zu lesen.

Und das funktioniert ziemlich gut.

Das japanische Silbensystem der 50 Laute (五十音 Gojūon) ist in Reihen aufgebaut. Nach romanisierter Denkweise würde man sagen: Jede Reihe besteht aus einem Konsonanten (z.B. K) plus den fünf Vokalen in japanischer Reihenfolge (a, i, u, e, o). Die Ka-Reihe ist also か KaKiKuKeKo.

In einigen Fällen funktioniert das aber nicht: Die u-Silbe in der Ha-Reihe ふ wird z.B. „fu“ gesprochen, und auch in anderen Reihen gibt es Irregularitäten. In der Hepburn-Romanisierung wird das berücksichtigt und entsprechend transkribiert.

Die Aussprache einiger Silben ändert sich, wenn sie als Partikel, die die grammatikalische Position eines Wortes anzeigen, verwendet werden: は ha wird zu „wa“, を wo zu „o“ und へ he zu „e“. Auch hier hilft Hepburn, indem die Silben entsprechend umgeschrieben werden.

Hepburn sieht man auch in Japan am häufigsten: Ortsnamen werden so umgeschrieben und auch japanische Namen auf Pässen werden mit Hepburn geschrieben.

Eben weil es so viel verwendet wird, gibt es verschiedene Versionen von Hepburn. Das ist besonders bei langen Vokalen bemerkbar. Hier sind verschiedene valide Transkribierungen für 東京, die Hauptstadt Japans:

Hier im Blog verwende ich seit einigen Jahren die Version mit Macron (ō), einfach weil ich sie hübscher zu lesen finde. Allerdings lässt sich von allen Versionen, mit Ausnahme von „Toukyou“, nicht darauf schließen, wie die Stadt in Silbenschrift geschrieben wird, da der Laut „O“ auch mit einem お o verlängert werden kann.

Aber auch in anderen Bereichen ist Hepburn nicht perfekt. Es unterscheidet z.B. nicht zwischen じ und ぢ (in Hepburn beide ji) oder ず und づ (in Hepburn beide zu). Das beschreibt zwar die Laute, aber es ist nicht möglich vom Hepburn eindeutig auf die Hiragana oder Katakana zu schließen.

Kunrei-shiki-Romanisierung

Schüler in Japan lernen nicht Hepburn, sondern Kunrei-shiki. Die ist zwar regelmäßiger als Hepburn, dafür aber auch für Nichtjapaner komplizierter. Oder wie würdet ihr „Sya“ ausprechen?

Kunrei-shiki basiert auf Nihon-shiki, einer Art der Romanisierung, die sich einige Japaner selbst ausdachten in einem Vorhaben, Japanisch komplett mit lateinischen Buchstaben zu schreiben. Daher war es zweitrangig, ob Nichtjapaner sie intuitiv lesen können würden. Japaner würden wissen, dass つ „tu“ wie „tsu“ gesprochen wird.

Ein Problem tut sich aber auf, wenn ち chi „ti“ geschrieben wird – Es gibt eine Möglichkeit, ein richtiges „Ti“ zu schreiben. Die Kombination ティ (te + kleines i) wird häufig verwendet, von mir sogar ganz besonders: ディ (de + kleines i = di) kommt in meinem Namen vor.


Es zeigt sich also: Keine Romanisierung ist perfekt.

Tatsächlich gibt es sogar mindestens zwei coole Sachen, die man mit japanischer Schrift machen kann, die mit lateinischen Buchstaben so glaube ich nicht gehen.

Das kleine っ tsu wird normalerweise verwendet um eine Konsonantenverdoppelung anzuzeigen. Aber was passiert, wenn einfach kein Konsonant angezeigt ist?

Der Vokal wird verkürzt und endet mit einem geschlossenen Hals. Solche Laute macht man im Alltag ständig: Ah! Oh! Im Japanischen kann man dieses „Abbrechen“ explizit schreiben, während mir dafür im Deutschen nur „Ack!“ einfällt. 😀

Die zweite Sache sieht man eigentlich nur in Manga: Dort werden ゛ an Silben gehangen, für die es sie eigentlich nicht gibt. Diese zwei kleinen Striche, 濁点 Dakuten genannt, machen Laute stimmhaft. Das heißt, sie machen aus einem H-Laut einen B-Laut (は haba), aus einem S-Laut einen Z-laut (す suzu), aus einem T-Laut einen D-Laut (と todo) und aus einem K-Laut einen G-Laut (け kege).

Was passiert, wenn man sie an ein あ a hängt? あ゛ ist ein gepresstes A. Das gibt es im normalen Japanisch nicht, ist aber ein Laut, den man z.B. bei Überraschung oder Ärger schon einmal von sich geben kann. Die Ausgangsposition ist einfach weiter hinten im Mund.


Wieder ein Grund mehr, Hiragana, Katakana und Kanji zu lernen, wenn man sich schon ans Japanischlernen gemacht hat. 🙂

3 Gedanken zu „Die Romanisierung des Landes der aufgehenden Sonne.

  1. Anika sagt:

    Ich hasse kunrei!
    Kommt immer noch ab und zu vor dass ich deshalb den Namen meiner Firma falsch ausspreche..
    Aber hübscher sieht es in dem Fall aus..
    Zum Glück sieht man kunrei inzwischen weniger auf Wegweisern und Ortsschildern in Tokyo..

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