Berlin, dunkel und grau.

Vorweg: Ich mag Berlin. Berlin ist, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Aber als Berlinerin darf ich Berlin gleichzeitig auch doof finden. Vor allem im Winter.

Wer kam eigentlich auf die glorreiche Idee ausgerechnet im Winter nach Berlin zu reisen?

Ich, natürlich.

Irgendwo in meinem Spatzenhirn hatte ich mir ausgemalt, dass die Vorweihnachtszeit und ein Weihnachten in Berlin doch sicher total schön wären. So heimelig kuschlig. Kerzenschein und Schokolade oder so.

Die Realität ist natürlich, dass die beinahe absolute Abwesenheit der Sonne nur mit Kerzenschein, Schokolade und Glühwein erträglich ist. Mein Mann findet es immer absolut mysteriös, wie ich so viel Schokolade in mich schaufeln kann, aber jetzt weiß ich, dass das ein jahrelang antrainierter Schutzmechanismus ist.

Kurzum: Berlin hat mich im Winter nicht verzaubert. Ganz und gar nicht. Das lag einerseits sicher am Corona-bedingten Lockdown, andererseits hatte es schon einen Grund, warum ich sonst immer im Sommer in der Stadt war. Das Experiment “Berlin im Winter” müsste also für gescheitert zu erklärt werden…

Wäre da nicht die Tatsache, dass es natürlich trotzdem unglaublich entspannt und schön war, sechs Wochen am Stück mit meinen Eltern zu verbringen. Vor allem jetzt, wo Bocchan da ist. Meine Schwiegereltern sehen Bocchan mindestens jedes Wochenende und können mit ihm spielen, meine Eltern sind dafür ein wenig weit weg. Urgroßeltern hat Bocchan in Japan leider gar nicht mehr, dafür drei in Deutschland, die er natürlich auch alle getroffen hat.

Mit Kind finde ich es richtig schön, in Deutschland eine relativ große Familie zu haben. Die Familie in Japan besteht aus neun Personen, von denen wir zu dreien keinen Kontakt haben. Fünf der restlichen sechs Personen leben im gleichen Haus.

So habe ich in den sechs Wochen zwar nicht viel unternommen, tatsächlich war ich wahrscheinlich zu 80% der Zeit in meinem kleinen Vorort, aber das gab uns allen die Möglichkeit mal ohne das Abreisedatum ständig auf dem Schirm zu haben einfach ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen.

Und ich muss zugeben, dass ich in den letzten Tagen in Berlin doch auch ein wenig wehmütig geworden bin. Die Stadt hat einfach ein ganz anderes Feeling als Tokyo, eines, das auch nach zehn Jahren noch immer tief in mir steckt. Manchmal kam es mir in Berlin vor, als wäre ich ein Fisch, der endlich wieder ins Wasser zurück durfte – andere Male merkte ich doch, dass die Zeit in Japan nicht ganz spurlos an mir vorbeigezogen ist.

So ist das leider manchmal und da Berlin und Tokyo sich in näherer Zukunft wahrscheinlich nicht näher als 8900 km kommen werden, muss ich wohl auch weiterhin einfach immer mal reisen.

Nächstes Mal dann aber in einer wärmeren Zeit.

3 Gedanken zu „Berlin, dunkel und grau.

  1. Pati sagt:

    Ein schöner Beitrag.
    Ich fand, dass dieses Jahr, vor allem durch das Fehlen der Weihnachtsmärkte, die Stimmung leicht verloren ging. Aber es war auch sehr entspannend in kleiner Runde 🙂

  2. Stefanie Gruber sagt:

    Das genau ist es, was passiert, wenn man ausgewandert ist, und nach einer Weile feststellt, dass man von nun an zwei Vaterländer sein Eigen nennen darf. Man ist hin- und hergerissen und doch, ich empfinde es als eine große Bereicherung! Ich habe fast 30 Jahre in Italien gelebt, einen Italiener geheiratet, und wir sind vor 9 Jahren nach Berlin “ausgewandert” ( ich selbst bin in Süddeutschland aufgewachsen) und jetzt habe ich das “Fisch im Wasser” Gefühl, wenn wir in Italien Ferien machen!

  3. Manufacta sagt:

    Das genau ist es, was passiert, wenn man ausgewandert ist, und nach einer Weile feststellt, dass man von nun an zwei Vaterländer sein Eigen nennen darf. Man ist hin- und hergerissen und doch, ich empfinde es als eine große Bereicherung! Ich habe fast 30 Jahre in Italien gelebt, einen Italiener geheiratet, und wir sind vor 9 Jahren nach Berlin “ausgewandert” ( ich selbst bin in Süddeutschland aufgewachsen) und jetzt habe ich das “Fisch im Wasser” Gefühl, wenn wir in Italien Ferien machen!

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