Interessant-kurioses in den Zeiten von Corona.

In Japan sind derzeit über 15,000 Fälle von Covid-19 erfasst. Der Ausnahmezustand wurde vorerst bis Ende des Monats verlängert, wenn auch mit ersten Lockerungen. Drei verwandte Themen, die ich persönlich interessant fand, möchte ich hier kurz anschneiden.

Wer verkauft hier Masken?

Corona war in Japan früher ein Thema als im Westen. Als in Deutschland die ersten Fälle bekannt wurden, waren Gesichtsmasken hier schon ausverkauft. Die Produktion kam einfach nicht hinter der gesteigerten Nachfrage her, und vor den Drogerien bildeten sich teils bereits Stunden vor Ladenöffnung lange Schlagen – am liebsten mit älteren Herrschaften, die vielleicht zum eigenen Schutz besser zuhause geblieben wären. Nun ja.

In Drogerien und Conbinis findet man noch immer kaum Masken. Wir hatten letztens Glück, als wir wegen etwas anderem in einer Drogerie waren und genau zu dieser Zeit plötzlich Masken verfügbar waren. Zwar nur eine Packung pro Person, aber besser als nichts.

Da ist es umso überraschender, wo plötzlich überall Masken verkauft werden! In unserer Gegend fallen mir spontan der Insektenfachhandel und die Surfschule ein. Das sind beides keine Läden, in denen es jemals vorher Masken gegeben hätte, aber plötzlich Stapeln sich die Kartons. 50 Masken für 3,000 ¥ (ca. 25,80 €). Wenn man sich die Kartons etwas genauer ansieht, fällt auf: Made in China, und zwar für den chinesischen Markt.

Windige Händler importieren Masken aus China, wo scheinbar keine Knappheit herrscht und verkaufen sie hier über Geschäfte, die wahrscheinlich hoffen, sich mit den zusätzlichen Einnahmen noch etwas länger über Wasser halten zu können. An sich natürlich kein Problem, Angebot und Nachfrage, aber Japaner sind Masken und anderen Hygieneprodukten, die im asiatischen Ausland für das asiatische Ausland produziert wurden, gegenüber oft skeptisch. Wenig verwunderlich, wenn man mal eine Gruppe chinesischer Touristen gesehen hat, die sich in einer japanischen Drogerie eindeckt, weil sie ihren eigenen Produkten offenbar nicht trauen.

In der Not scheint das aber verständlicherweise keine Rolle mehr zu spielen.

Was sind diese blauen Anhänger?

Wenn man draußen herumläuft, kommen einem manchmal Leute, die ein kleines blaues oder silbernes Sachet um den Hals hängen haben, entgegen. Diese dienen einem einfachen Zweck: Man erkennt sofort, wer übermäßig leichtgläubig ist.

In den Sachets befindet sich hypochlorige Säure, die angeblich die Luft um einen desinfizieren und damit Viren (also auch dem Coronavirus) entgegenwirken soll. Tatsächlich wird hypochlorige Säure zum Desinfizieren von Oberflächen eingesetzt, aber der Effekt eines kleines Päckchens damit auf Brusthöhe um die Luft zu reinigen bevor man sie einatmet dürfte gegen Null gehen.

In verschiedenen asiatischen Ländern (Vietnam, Thailand) dürfen die Teile gar nicht mehr verkauft werden. Warum das in Japan noch geht weiß ich nicht. Immerhin schimmert in den Bewertungen auf Amazon durch, dass selbst die Käufer in Japan sich der Wirkung nicht ganz sicher sind:

効果はわかりませんが、
Ich weiß nicht, ob es wirkt, aber…

Wann beginnt das Schuljahr?

Die japanischen Schulen sind und bleiben vorerst geschlossen. Theoretisch soll Fernunterricht stattfinden, praktisch funktioniert das von Schule zu Schule unterschiedlich gut und zeigt den tiefen Graben zwischen öffentlichen und privaten Schulen auf. Die Illusion, dass in der Bildung eine echte Chancengleichheit herrscht, kommt einem beim japanischen System sowieso eher nicht, aber in Zeiten von Corona ist es besonders offensichtlich.

Eine Überlegung ist daher, das Schuljahr vorläufig zu beenden und den Beginn des Schuljahres auf September zu legen. Der Schulbeginn im April wird schon länger als Hindernis für Auslandsaufenthalte und die damit einhergehende Internationalisierung gesehen. Mich persönlich schockiert die Menge an Hausaufgaben, die die Schüler über die Sommerferien aufbekommen, aber natürlich sind die großen Ferien für sie nicht die Grenze zwischen altem und neuem Schuljahr. Das würde dann auch der Vergangenheit angehören.

Allerdings ist es praktisch gar nicht so einfach, den Jahresbeginn um fünf Monate zu verlegen. Das gesamte Jahr ist in Japan wie die Schulen getaktet: Kindergarten-, Schul-, Uni- und Berufsanfang sind allesamt im April. Das Geschäftsjahr der meisten japanischen Firmen und aller Behörden beginnt im April und endet im März. Dieses ganze System zu verändern wäre ein riesiger Kraftakt. Andererseits: Wann, wenn nicht jetzt?

8 Gedanken zu „Interessant-kurioses in den Zeiten von Corona.

  1. Petra Mettler sagt:

    Ja, es wird wieder Geschäfte mit Ängste gemacht, viele Japaner habe Angst, wenn sie keine Maske tragen und mit den blauen Anhänger scheint es genauso sein.
    In Deutschland fing das Schuljahr bis 1965 auch im Frühjahr an, es gabt damals den berühmten “Kurzjahrgang”. Wenn die Japaner jetzt 印鑑 abschaffen, dann schaffen sie auch, die anderen Traditionen zu ändern.
    Sowieso erinnert mich die Coronakrise an Schweinegrippe 2009.

    • Claudia sagt:

      Dass es in Deutschland einen Kurzjahrgang gab, wusste ich gar nicht. Hier ist die Überlegung, das Schuljahr dauerhaft zu verschieben.
      In Japan geht viel auch über die Signalwirkung, vielleicht bringen die Anhänger nichts, aber sie zeigen der Außenwelt, dass man sich zumindest Gedanken macht.

  2. zoomingjapan sagt:

    Ich hab hier noch einige Masken aus meiner Zeit in Japan rumliegen und die sind alle „Made in China“ 😉 😉 – das waren die meisten auch schon vor der Krise.

    Ansonsten bin ich immer noch erstaunt über die extrem niedrigen Zahlen in Japan, wenn ich dann wieder sehe wie voll bepackt die Pendlerzüge nach wie vor sind.

    Hier in Deutschland folgt gerade eine Lockerung der anderen. Bin nicht begeistert davon. Die 2. Welle wird auf jeden Fall kommen, ich hoffe aber erst nach dem Sommer. 🙁 ….

    • Claudia sagt:

      Ich habe auch gerade nochmal nachgesehen, und zumindest ein Hersteller (von vieren, von denen ich hier Masken rumliegen habe) produziert in China. Werde das im Text anpassen, die Qualität der für China produzierten Masken liegt nämlich meist unter der derer, die nach Japan exportiert werden.
      Hier wird auch langsam gelockert, ich hoffe, dass das sowohl in Deutschland als auch in Japan keine schlimmen Folgen haben wird.

  3. Karen sagt:

    Finnland hat kürzlich zwei Flugzeugladungen Masken aus China bestellt – und die sind allesamt durch die zum Glück vorher nochmal durchgeführten Tests gefallen. (Seitdem sind auch einige Köpfe gerollt.)

  4. D. sagt:

    Wir haben im Jänner eine Packung Masken beim 7-11 am Bahnhof in Kyoto gekauft, also noch bevor die ganze Krise so richtig losging. Die waren damals „Made in Taiwan“, was uns zwar verwundert, aber nicht weiter gestört hat (wohnen ja selbst dort). Ein paar Tage später hat die taiwanische Regierung den Export von Masken ins Ausland untersagt und den Verkauf auf Apotheken beschränkt und rationiert. Im Moment bekommt man hier bei Vorzeigen der Krankenversicherungskarte alle 14 Tage neun Masken, für Kinder sind es zehn Masken/14 Tage.

    Ein bisschen unwirklich fühlt es sich schon an, weil das Leben hier ziemlich ohne Einschränkungen weiterläuft: Restaurants und Geschäfte haben geöffnet, die Leute gehen ganz normal zur Schule und zur Arbeit – nur halt alles mit Maske, Fiebermessen und Händedesinfizieren. Drück euch die Daumen, dass ihr in Japan auch bald wieder zur Normalität zurückkehren könnt! Bleibt gesund! 🙂

    • Claudia sagt:

      Das taiwanesische System finde ich da total super, dann können die Leute keine Hamsterkäufe tätigen. Hier haben die Leute ja wie die Verrückten Masken eingekauft, was dann zu dieser Knappheit geführt hat. Inzwischen wird es zum Glück langsam etwas besser.
      Ich glaube nicht, dass der Notstand über Ende Mai hinaus verlängert werden wird. Mal schauen, wie es danach wird.

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