Nur ein Nachname pro Familie, bitte.

Als ich vier Jahre alt war, änderte sich eines Nachmittags mein Nachname. Das Namensrecht wurde erweitert und fortan mussten nicht mehr beide Ehepartner denselben Nachnamen führen. Meine Mutter nahm also ihren Mädchennamen wieder an und ich entschied mich auch für ihn.

In Japan versucht man 26 Jahre später nachzuzügeln. Gar nicht so einfach.

Eines der Probleme, abgesehen von „aber die traditionelle Familie“ und „wer denkt an die Kinder?“, ist das Familienstammbuch-System.

Einerseits ist das Stammbuch oder Koseki (戸籍) unglaublich praktisch: In ihm sind Geburten, Todesfälle, Heiraten und Scheidungen aufgelistet, man muss also nicht wie in Deutschland verschiedene Dokumente von möglicherweise verschiedenen Behörden zusammentragen.

Andererseits kann auf einem Koseki nur ein Nachname stehen. Doppelnamen gibt es in Japan sowieso nicht, Japan ist patriarchal geprägt, und so nehmen in etwa 95% der Fälle die Frauen den Nachnamen ihrer Männer an. Auch, wenn sie ihren eigenen Nachnamen eigentlich viel schöner finden.

In meinem Umfeld gibt es mehrere Frauen, die entweder nur beruflich oder sowohl beruflich als auch privat ihren früheren Familiennamen verwenden. Dass das gar nicht so selten ist, wird auch dadurch bewiesen, dass man inzwischen beide Namen auch auf vielen offiziellen Dokumenten eintragen lassen kann. Leider heißt das noch lange nicht, dass man im täglichen Leben dann ausschließlich seinen früheren Familiennamen verwenden darf. Oft weigern sich Versicherungen, Banken oder auch Handy-Anbieter, diesen Namen zu akzeptieren. Es gibt wohl auch Arbeitsplätze, die darauf bestehen, dass der Name dem entspricht, was auf dem Koseki steht.

Auf diesem Führerschein ist der frühere volle Name oben links in Klammern aufgeführt (Bild via National Police Agency)

Die Lösung einfach beide Namen auf Ausweisdokumente zu drucken, ist also eher ein notdürftiges Pflaster, dank dem sich die Politiker auf die Schulter klopfen dürfen. Schließlich haben sie doch etwas gemacht, und solange man irgendetwas macht, muss man nicht das ganze System überdenken. Wäre ja auch anstrengend.

Dann lieber bei der Diskussion des Themas im Parlament einmal laut

だったら結婚しなくていい!

Dann sollen sie halt nicht heiraten!

Wahrscheinlich Mio Sugita von der LPD, der Regierungspartei

in den Saal rufen, dann löst sich das Problem sicher bald in Luft auf.

Heiraten ist auch in Japan nicht rein romantisch. Viele Steuer- oder Versicherungsvergünstigungen, vor allem wenn einer der Ehepartner nur wenig Geld verdient, gelten nur für Eheleute und ohne Heirat wird es mit dem Erben auch schwer. Heirat bedeutet in Japan vor allem für Frauen, von denen viele nicht unbefristet festangestellt sind, auch eine gewisse finanzielle Absicherung.

Ausländer sind von dieser Problematik übrigens nicht betroffen. Einerseits stehen wir im Koseki unserer Ehepartner sowieso nur als Anmerkung, weil das Koseki ein Nachweis über die Staatsbürgerschaft ist. Andererseits kann Japan keinen Staatsbürger eines anderen Landes zwingen, seinen Namen zu ändern.

Ich hoffe aber, dass auch Japaner sich bald aussuchen können, wie sie nach der Eheschließlung heißen wollen. Meinetwegen auch mit Doppelnamen: Hanako Tanaka-Suzuki. Oder man könnte Nachnamen verschmelzen: Hanako Suzunaka. Die Möglichkeiten sind gar unendlich. 🙂

4 Gedanken zu „Nur ein Nachname pro Familie, bitte.

  1. Anika sagt:

    Von wegen sie können Ausländer nicht zwingen ihren Namen zu ändern..
    Hier steht im Koseki ein Geb-Monster!
    Muss ich auch irgendwann angehen und versuchen zu ändern.. Jetzt mit neuem Pass und so..

    Und hoffe auch, dass sie irgendwann bald mal eine echte Lösung präsentieren!

    • Claudia sagt:

      Da das Koseki kein Nachweis über deinen Namen ist, wurde dein Namen nicht geändert – nur inkorrekt aufgenommen. Ist aber auch super ärgerlich. Vom Geb bin ich ja glücklicherweise wie von Zauberhand verschont worden.

      • Anika sagt:

        Auf meinem Führerschein steht immer noch ein Geb Monster und auf der Zairyu Karte bis letztes Jahr auch…
        Das sind leider Ausweisdokumente..
        Natürlich können wir jetzt aber Dank der Änderung des dt. Passes wieder unseren richtigen Namen annehmen 😉

  2. Alice sagt:

    Auch in Deutschland gibt es ein Stammbuch. Ich kann zwar nicht sagen ob das noch aktuell ist, da ich nicht verheiratet bin, aber meine Eltern und Großeltern besitzen noch eins. Dort sind ebenfalls Geburten, Todesfälle, Heiraten und Scheidungen aufgelistet. Alle Dokumente sind in einem DIN a5 Format eingeklebt. Oft reicht es das Stammbuch mitzubringen bei Behördengängen, bei anderen muss man direkt in der Behörde nachfragen und sich ein neues ausdrucken lassen.

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