Japan und das Walfleisch.

Da dachte ich, ich könnte jetzt ein paar Tage einfach gar nichts machen, und dann tritt Japan aus der IWC (International Whaling Commission) aus. Ich persönlich finde es tragisch, andere sehen es anders.

Da die Entscheidung der japanischen Regierung einige sehr negative Kommentare in den sozialen Medien nach sich gezogen hat, dachte ich, dass ich hier mal ein wenig aufkläre. Oftmals hört es sich online so an, als würden die Leute erstens denken, dass es in Japan Walfleisch zum Frühstück gibt und zweitens, dass nur Japan nach Walen jagt. Dem ist nicht so.

Essen Japaner Wal?

Ja.

Tatsächlich essen Japaner seit über 2000 Jahren Wal, damals waren es gestrandete Tiere. Ab dem 12. Jahrhundert wurde dann auch mit Harpunen richtig gejagt.

Allerdings: Die wenigsten meiner Freunde und Bekannten unter 40 Jahren haben jemals Wal gegessen. In der Nachkriegszeit war Wal ein günstiges und nährstoffreiches Lebensmittel für ein armes Land. Mein Schwiegervater hatte oft Wal im Schulessen.

Mein Mann hat in 30 Jahren in Japan noch nie Wal gegessen und verspürt auch kein Bedürfnis danach. Wal ist auch auf den Menus der meisten Restaurants nicht zu finden. Es gibt sicher „Feinschmecker“, die Wal viel abgewinnen können, aber für die Generation meines Schwiegervaters ist es oft ein Arme-Leute-Essen, und der jüngeren Generation erschließt sich nicht, warum sie Wal essen sollte. Außerdem ist es inzwischen ziemlich teuer.

Wie viel Wal essen Japaner?

In den letzten Jahren waren es wohl pro Jahr drei- bis fünftausend Tonnen, das sind etwa 40g pro Japaner. Zur Hochzeit des Walverzehrs, als es noch kein Moratorium auf kommerziellen Walfang gab, waren es 2,4kg, also das 60-fache.

Natürlich besteht die Sorge, dass der Walfleischkonsum durch den Austritt aus der IWC angekurbelt wird. Derzeit gibt es aber keine Zeichen dafür, denn wie oben schon beschrieben ist die Nachfrage aus verschiedenen Gründen sehr gering. Die Supermarktkette Aeon bietet derzeit in einigen Läden Walfleisch an, sagt aber auch:

Da wir in nicht in all unseren Läden eine Nachfrage erkennen, denken wir nicht darüber nach das Angebot auszuweiten oder einen Sale durchzuführen.

Asahi Shimbun vom 27.12.2018

Ich hoffe, dass sich der Walfang einfach nicht lohnt und dadurch in Zukunft verringert oder komplett aufgegeben wird. Wenn der IWC etwas flexibler gewesen wäre, wäre dieser Punkt möglicherweise schon früher gekommen.

Ist Japan die einzige Walfangnation?

Bei weitem nicht. Die Norweger und die Isländer jagen schon lange kommerziell. Viel von diesem Fleisch geht in die Futtermittelindustrie.

In anderen Ländern wird aus kulturellen Gründen und zur Eigenversorgung gejagt, darunter sind Dänemark und die USA.

Allerdings muss man auch klar sagen, dass Japan gemessen an der Gesamtmenge der getöteten Tiere die größte Walfangnation ist, Kritik ist also gerechtfertigt. Genau wie in die Politik in Deutschland aber nicht immer den Willen des Volkes wiederspiegelt, ist die Allgemeinbevölkerung Japans oft sehr viel progressiver als die rosinengesichtigen Politiker in Ober- und Unterhaus.

Kritisiert Japan, protestiert vor der japanischen Botschaft, schreibt gerne böse Briefe an die Japanische Walfangorganisation. Aber wünscht nicht denen, die von dieser Entwicklung genau so überrumpelt wurden wie der Rest der Welt, den Tod. Dann lieber einen Blauwal adoptieren.

7 Gedanken zu „Japan und das Walfleisch.

    • Claudia sagt:

      Natürlich. Ich würde jetzt auch nicht die Leute, die Wal essen, verteufeln. Ist halt nicht mein Ding. Es wäre nur sehr schade, wenn die Walpopulationen, die sich gerade erst erholt haben, wieder stark dezimiert würden.

  1. Tara sagt:

    Ich war auch etwas erschrocken als ich gestern in den Nachrichten davon gehört hab. Mein Schwiegerpapa in Spe hat auch davon erzählt, dass sie früher oft Walfleisch als Schulessen hatten und er noch nie viel vom Geschmack gehalten hat. Irgendjemand aus der Familie hatte dann letztes Jahr tatsächlich mal eine kleine Packung als Omiyage mitgebracht. Wie du oben schon erwähnt hast quasi als „Delikatesse“. Ich konnte dem Geschmack nichts abgewinnen. Sehr tranig und es liegt schwer im Magen.
    Da kann man wirklich besseres essen und die Wale in Frieden lassen…
    Aber gut, das fällt dann vermutlich wieder unter andere Länder andere Sitten.

    • Claudia sagt:

      Ich glaube wirklich nicht, dass der Wal ein Revival in der japanischen Küche erleben wird. Einerseits wünsche ich mir natürlich, dass Wale bald nicht mehr gejagt werden, andererseits gibt es in jedem Land Gerichte, die Menschen aus anderen Ländern abstoßend finden. Topfwurst/Tote Oma fällt mir da z.B. für Deutschland ein.

  2. Dommie sagt:

    Ich esse gerne Wal und gehe desshalb auch mit meiner Freundin hin und wieder in Shibuya in ein Wal-Restaurant im 109.
    Da gibt’s wirklich tolle Gerichte.

  3. Maja sagt:

    Traditionen hin oder her, es bleibt eben Kopfsache nicht nur in Japan!
    Wir brauchen keine Felle mehr, um uns zu wärmen und gleichfalls kein Fleisch oder andere Körperteile/Trophäen bedrohter Tierarten, um zu überleben! Die Erholung einzelner Populationen mit dem Startschuss für neue Gemetzel zu beantworten ist kurzsichtig und riecht förmlich nach bedenklichen Verflechtungen.
    Ob Nationen mit ihrem Genuss-/Konsum-/Schönheitsbedarf den eigenen Regierungen/ Wirtschaftsverbänden/ Illegalen Beschaffungsorganisationen zeigen werden, dass dies unumkehrbare Fehlentscheidungen sind, mehr zu wollen, bleibt abzuwarten!

    Was machen Menschen eigentlich mit ausgestorbenen Traditionen?

    Sie schaffen sich Alternativen (Danke Friedrich für die Kartoffel)! Besser jetzt ethisch vertretbare Alternativen angehen als später den eigenen Nachkommen eingestehen zu müssen, dass man Mitverantwortung für die Verlängerung der Liste der ausgestorbenen Tierarten trägt, das Paket Atommüll sollte eigentlich schon ausreichend Last sein, die vererbt wird, nicht nur von Japanern!
    Da kann sich schon Mal jeder Gedanken machen zu seinen ganz persönlichen Vorsätzen in den kommenden Jahren!
    Am besten gleich noch das sinnlose Silvester-/Partygeknalle reduzieren bzw. besser auf Null fahren (bei unserer Familie gleich Null), denn das ist in den letzten Jahren in Deutschland nicht mehr feierlich und es ist heuchlerisch nach Lärmschutz und besserer Luft zu schreien und gleichfalls ständig privates Geknalle salonfein zu machen (in Berlin kaum ein Wochenende, Fussballspiel ohne Feuerwerk und/oder Knaller)!

    Ich wünsche allen einen besinnlichen Rutsch ins Jahr 2019 und denkt an eure Haustiere, die ihr angeblich so abgöttisch liebt und investiert in Ökostrom! Vielleicht reduziert ihr gleich noch den Fleischkonsum und kocht dafür abwechslungsreich!
    Wir sind alle nicht perfekt, aber Schritt für Schritt können wir die Welt ein wenig besser machen und unsere Kinder nicht zu Konsummonstern erziehen!
    … und Dommie, es gibt wirklich tolle Kartoffel-/Reisgerichte mit/ohne Fleisch/Fisch!

  4. Lennart sagt:

    Hervorragender Kommentar von Maja, den ich so unterschreibe.

    Die Süddeutsche Zeitung hat geschrieben, dass die Japaner in den letzten 150 Jahren bis zur Öffnung durch die Amerikaner vegetarisch gelebt hätten 0_o Oder sogar noch länger (Bezug zum alten Buddhismus) – hast du davon gehört? Das ist doch mittlerweile viel eher in Mode als (Wal-) Fleisch.

    Ich glaube nicht, dass Dänemark Walfang betreibt, sondern Grönland, was bis vor einigen Jahren von Dänemark aus verwaltet wurde und noch immer zum Königreich gehört. Da gibt es mehr Wale als Menschen und keine kommerzielle Infrastruktur, den kann man das gern erlauben.

    Nun frage ich mich natürlich umso mehr: warum hat die Regierung dann diese Vereinbarung aufgekündigt? Aus Prinzip? Um von innenpolitischen Problemen abzulenken? Das Ganze schadet Japans Glaubwürdigkeit. Gäbe es große Nachfrage nach Walfleisch, wäre meine Sorge um die Tiere umso größer, aber dann wäre der Austritt wenigstens nachvollziehbar gewesen.

    Schönes Zitat:
    „Genau wie in die Politik in Deutschland aber nicht immer den Willen des Volkes wiederspiegelt, ist die Allgemeinbevölkerung Japans oft sehr viel progressiver als die rosinengesichtigen Politiker in Ober- und Unterhaus.“
    Darüber könnte man einen eigenen Eintrag verfassen 😀
    Die Kluft in Japan scheint größer als woanders zu sein. Bringt mich oft ins Grübeln. Z.B. die Haltung gegenüber China: ich kann es verstehen. Bin aber überrascht, wie eng die Freundschaften auf persönlicher Ebene zwischen dem japanischen und chinesischen Volk sind.
    Das Festhalten an der Atomenergie ebenfalls, was aut Umfragen kein Echo in der Bevölkerung findet (wohl aber Achselzucken).

    Meinen Protest zeige ich, indem ich schweren Herzens Japan von meiner Reisezielliste für 2019 wieder herunternehme.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.