Das Leben durch eine andere Linse sehen.

Nur wenige Tage nach unserem Urlaub in Deutschland buchten wir schon die nächste Reise. Das Reiseziel ist zwar noch ein Geheimnis, aber der größte Grund für die Wahl war, dass die Landschaft dort einfach wunderschön ist.

Mehr:   Wie mein Mann Deutschland gesehen hat.

Was braucht man, um Landschaft wirklich schön zu fotografieren? Ein Weitwinkelobjektiv. Weitwinkelobjektive sind näher am menschlichen Auge, weil sie einen größeren Bildausschnitt abbilden. Außerdem wirkt Szenerie plastischer, weil nahe Gegenstände überproportional groß und ferne Gegenstände überproportional klein werden. Ich liebe die beiden Objektive, die ich normalerweise verwende (Pentax DA 50mm F1.8 und Pentax DA 35mm F2.4), weil sie für den Preis wunderschöne Fotos liefern und sehr handlich sind, aber für Landschaften sind sie beide eben nicht perfekt.

Nach einer Beratung mit meinem Vater und meinem Schwiegervater (quasi dieselbe Person nur mit anderer Nationalität – und mein Vater trinkt nicht so viel) war ziemlich schnell klar, welches Weitwinkelobjektiv es werden sollte: Das Sigma 10-20mm F3.5 EX DC HSM. Ganz günstig ist es zwar nicht, aber ich bestellte es im September online für etwa 35,000¥ (ca. 270€) und wartete. Und wartete. Und wartete.

Als ich eine E-Mail an den Laden schickte, wurde mir gesagt, dass das Objektiv derzeit komplett ausverkauft sei. Objektive werden nicht ständig hergestellt. Ein- oder zweimal im Jahr werden auf einmal viele gleiche Objektive produziert, und wenn die weg sind, sind sie weg. Man stellte mir in Aussicht, dass das Objektiv im Dezember versendet werden würde. Ende Dezember brechen wir auf die Reise, für die ich dieses Weitwinkelobjektiv brauche, auf.

Also suchten wir online nach dem Objektiv, gebraucht oder neu. Leider ist Pentax nicht der große Platzhirsch auf dem Kamera-Markt, weswegen es zwar einen sekundären Markt gibt, der aber nicht so reichlich ist, wie z.B. für Canon oder Nikon. Außerdem sollte es eben genau dieses Objektiv sein. Ich war aber komplett darauf vorbereitet, dass ich mir drei Tage vor unserer Reise ein entweder viel teureres oder nicht so gutes Objektiv kaufen müsste.

Letzte Woche dann endlich die erhoffte E-Mail: Das Objektiv sei zum Versand bereit, ob ich noch einmal die Zahlungsmethode bestätigen könne, die Vollmacht vom September sei nicht mehr gültig. Einen Tag später kam dann die Nachricht vom Logistikunternehmen meines Vertrauens, das Paket sei auf dem Weg.

Und dann war es endlich da, das heißersehnte Objektiv. Viel größer, als meine normalen Objektive, aber trotzdem leicht zu bedienen. Der Preis hatte sich in der Zwischenzeit übrigens ziemlich gesteigert, im Moment kostet es um die 360€, also 90€ mehr. Das lange Warten hat mir scheinbar ordentlich Geld gespart. 😉

Am nächsten Tag war mein Mann mit Freunden unterwegs und ich fuhr nach Shinjuku, um das neue Obektiv dort auszuprobieren. Wie der Zufall es wollte, fand in einem Schrein dort ein Fest mit allerlei Essensbuden statt, die sich hervorragend für Fotos eigneten. Außerdem kann niemand auf leeren Magen fotografieren, weswegen ich mir zwischen den Fotos ein paar Oyaki (おやき), mit allerlei gefüllte Teigtaschen, kaufte. Perfektes Essen für draußen, da es keinen Dreck macht, man kein Besteck braucht und auch, außer einer Serviette, kein Müll überbleibt.

Was während dieses Fotoausflugs großen Eindruck auf mich machte, ist, wie viel ich plötzlich sehen konnte.  Normalerweise blende ich bei der Bildsuche alles in meiner direkten Nähe aus, weil es eh nicht ins Foto kommt. Mit dem neuen Objektiv hatte ich plötzlich mysteriöse Gegenstände im Blickfeld: Objekte in der Nähe, an die ich keinen Gedanken verschwendet hatte. Daran muss ich mich noch ein wenig gewöhnen. 🙂

Am Sonntag fuhren mein Schwiegervater, mein Mann und ich in den Mizumoto Park (水元公園) in der Nähe. Der Plan war, zu fotografieren, wie der Sonnenuntergang die Bäume zum Glühen bringt, doch leider zogen plötzlich Wolken auf. Schade, aber einige schöne Fotos sind trotzdem entstanden und ich bin mir absolut sicher, dass ich die richtige Kaufentscheidung getroffen habe.

Mein Schwiegervater schwärmte mir schon von anderen Sigma-Objektiven vor, aber bei den Preisen würde mir irgendwann mein Mann auf die Barrikaden steigen. 😀 Aber vielleicht, irgendwann, wenn er grad nicht hinguckt…

Veröffentlicht in: Tokyo

5 Gedanken zu „Das Leben durch eine andere Linse sehen.

  1. Naomi sagt:

    Oh wie toll! Vor allem die Wald Aufnahme hats mir ja total angetan. Hat ein bisschen was von Zauberwald bei dem Lichteinfall. Voll gut erwischt <3
    Wenn man diese Bilder sieht, tut der Preis fürs Objektiv doch auch gleich gar nicht mehr so doll weh oder? 😉

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