Laubjagen in Tokyo und Umgebung.

Dieses Jahr war der tokyoter Herbst leider verhältnismäßig kalt, weswegen die Laubfärbung etwas früher als normalerweise begann. Wenn man dann, wie ich, erst recht spät auf den Trichter kommt, dass man Fotos schießen gehen sollte, sind recht viele Bäume leider schon ziemlich kahl. Trotzdem zeige ich euch heute zwei Orte in Tokyo, die sich fürs Laubgucken hervorragend eignen, und einen außerhalb von Tokyo für die Pointe des Artikels. 😉

Die Gingko-Straße in Aoyama

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Wenn man aus der Bahn in Gaienmae (外苑前) steigt, ist der Weg zu den Gingko-Bäumen schon ausgeschildert – leider nur auf Japanisch. Die ganze Straße, von der Nähe des Bahnhofs bis zum Baseballfeld in der Nähe, ist vom tokyoter Stadtbaum gesäumt und ein beliebtes Ausflugsziel für Anwohner und Touristen. Dementsprechend ist es auch ein wenig voll, aber nicht so sehr, dass man nicht mehr laufen könnte.

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Beim Gingko besonders schön ist, dass die gefallenen Blätter erst einmal gelb bleiben und einen gelben Teppich bilden. 🙂 Besonders gefallen hat mir die Strecke auf dem Rückweg, als es schon ziemlich dunkel war. Die Kontraste sind einfach schöner.

Der Shinjuku Gyoen

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Letzten Samstag war ich mit verschiedenen deutschsprachigen Bloggern (Hanna (Daydream Tokyo), Susanne (hallo.hello.moshimoshi), Anika (Gingkoleafs), Tessa (Wanderweib) und Matthias (Tabibito)) und einer Nichtbloggerin im Shinjuku Gyoen (新宿御苑) verabredet. Der liegt, wie der Name schon vermuten lässt, in der Nähe des geschäftigsten Bahnhofs der Welt und auch hier wird es, besonders am Wochenende ein wenig voller. Zum Glück ist der Park riesig, so dass man sich trotz allem entspannen kann. 🙂

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Hier waren leider schon recht viele Bäume kahl, oder hatten die Farbe gar nicht erst gewechselt, aber schön war es trotzdem. Für 200¥ (ca. 1,50€) kann man sich außerdem ein Gewächshaus, ein Teehaus und allerlei Gärten ansehen. Zur Zeit blüht sogar ein Kirschblütenbaum.

Der Park um die Ecke

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Letztendlich muss man aber gar nicht in einen Park voller Menschen gehen um eine schöne Laubfärbung zu sehen. Vorletzte Woche nahmen mich meine Schwiegereltern mit in einen Park in der Nachbarschaft, und die Bäume dort waren kein bisschen weniger hübsch als an den bekannten Orten. Außerdem gab es streunende Katzen, und mit Katzen ist sowieso immer alles besser. 😉

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Letztendlich gibt es in Tokyo nicht nur drei Parks und 20 Bäume. Natürlich hat es meist einen Grund, warum beliebte Orte so beliebt sind, aber die schönsten Bilder der Herbstfarben habe ich dieses Jahr wirklich in diesem kleinen unbekannten Park geschossen. 🙂 Beim Reisen versteifen sich viele Leute, ich eingeschlossen, manchmal zu sehr darauf, alle bekannten Orte abzuhaken. Dabei sind die weniger bekannten Orte genau so schön, oder gar schöner – und man muss sie nicht einmal mit haufenweise anderen Leuten teilen.

 

Frisch vom Fischmarkt: Austern.

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit lassen Büros noch einmal das Jahr Revue passieren und unternehmen etwas zusammen. In Japan ist es die Zeit der Bōnenkais (忘年会), was ich immer ganz lapidar als Jahres-End-Feier übersetze, aber eigentlich „das Jahr vergessen-Treffen“ heißt. Man trinkt Alkohol.

Zwar habe ich auf Arbeit eigentlich kein Team, dem ich angehöre (ich bin direkt unterm Chef, genau wie die drei Team-Manager), aber trotzdem lädt mich eines der Teams jedes Jahr ein. 🙂 Dieses Jahr fuhren wir zuerst gemeinsam zur Ginkgo-Straße, darüber werde ich ein andernmal schreiben, und dann zum Fischmarkt Tsukiji (築地).

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Der Fischmarkt an sich hat nur bis zum frühen Nachmittag geöffnet, weswegen die Gegend auf den ersten Blick sehr ausgestorben aussieht. Wenn man aber in eine der Seitenstraßen abbiegt, sieht man beleuchtete Schilder von Sushi-Restaurants und auch das des Kakikoya (カキ小屋), unserem Ziel für den Abend.

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Der Grund, warum man sich für dieses Restaurant entschieden hatte, war das Ganganyaki (ガンガン焼き), welches ihr im mittleren Bild sehen könnt. Allerlei Meeresfrüchte werden dafür in einer metallenen Kiste gekocht, bis sie gar sind. Weil das Getier natürlich heiß ist, bekamen wir alle einen Handschuh und einen Plastikhandschuh. Mit der behandschuhten Hand nimmt man dann z.B. eine Auster aus dem Behältnis und öffnet sie. Wirklich lecker! 🙂

Neben Meeresgetier gab es auch noch Salat und zum Schluss Eintopf mit Gemüse, Pilzen und Nudeln. Wir waren auf jeden Fall pappsatt. Pro Person hat uns der Spaß etwa 5400¥ (ca. 40,40€) gekostet, was für die Menge und Qualität absolut in Ordnung war.

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Vor allem am Freitag und am Wochenende sollte man sich aber sowohl hier, als auch bei den umliegenden Sushi-Restaurants, einen Tisch reservieren, denn es wird voll.

カキ小屋 東京都中央区築地 4-10-14
Kakikoya Tsukiji 4-10-14, Chuo-ku, Tokyo

Lieblingsrestaurant: Beer & Spice.

Früher sind wir recht oft auswärts essen gegangen. Das ist natürlich nicht ganz so günstig, aber immerhin hat man in Tokyo wirklich nur sehr selten das Gefühl, nicht genug für sein Geld zu bekommen. Weil wir uns in der Hinsicht aber etwas einschränken, und vielleicht auch mal ein wenig Geld ansparen wollten, hörten wir irgendwann auf fast jede Woche essen zu gehen.

Diesen Mittwoch entschieden wir uns dennoch, nach der Arbeit mal wieder in eines unserer liebsten Restaurants einzukehren. Das Beer & Spice im Kaufhaus Kitte am Bahnhof Tokyo. Das Kitte selbst ist schon ein wenig speziell. Neben Geschäften für allerlei Zeugs, ich kaufe dort sehr gern Weihnachtsgeschenke ein, gibt es auch ein kleines Museum (die Intermediatheque der tokyoter Universität) und einen Dachgarten, von dem aus man den Bahnhof Tokyo, wirklich der schönste Bahnhof der ganzen Stadt, sehen kann. Im Erdgeschoss des Kitte ist auf jeden Fall das Beer & Spice. 🙂

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Das Konzept des Restaurants ist an sich ganz einfach: Speisen, die gut zum Bier passen, und die mit Gewürzen aufwarten können. Die japanische Küche ist, was Gewürze angeht, recht eingeschränkt, was vielleicht erklärt, warum man ein Restaurant eröffnet, in dem man einfach mal so richtig viele Gewürze serviert. 😉 Die Karte kreuzt wild durch die Weltgeschichte, das Essen ist aber immer wirklich gut. Auf dem Foto seht ihr Hummus (in Japan noch nicht ganz so beliebt wie anderswo), Falafel und Bruschetta. Außerdem lassen sich Gerichte mit Inspiration aus Mexiko, Peru, China, Malaysien, Südafrika, Korea, usw. usf. auf der Karte finden. Currywurst gibt es auch.

Natürlich ist das nicht immer 100% authentisch, aber dafür lecker. Leider muss man sagen, dass es bei uns zwar ganz viele chinesische, thailändische, indische und malaysische Restaurants gibt, dafür aber z.B. Afrika und der nahe und mittlere Osten zu kurz kommen. Wo es nicht viel Konkurrenz gibt, hinkt leider oft die Qualität auch hinterher. Da ist das Beer & Spice eine gute Alternative.

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Übrigens hat man direkt nachdem Halloween vorbei war, die Weihnachtsdekoration angebracht. Im Kitte ist das auch dieses Jahr wieder dieser riesige Weihnachtsbaum. Eigentlich müsste ich mich an dieser Stelle darüber aufregen, aber erstens ist es schon Ende November und zweitens saß ich gestern mit meiner Packung Spekulatius auf der Couch und drittens hatten wir schon vor Wochen das Weihnachtsalbum von Frank Sinatra laufen.

Seid ihr eigentlich schon in Weihnachtsstimmung? 🙂 Der erste Advent ist ja schon bald.

Gegen das Heimweh anessen im Schmatz.

Vor inzwischen ziemlich langer Zeit traf ich Denny von Tokyo, der Moloch und Ich (mal wieder ein fantastischer Name!), und er erzählte mir von der Firma, bei der er arbeitet: Schmatz.

Schmatz ist die Antithese zu dem deutschen Restaurant neben meinem Büro, und auch zu dem, in dem ich während meines Working Holiday-Jahres gearbeitet habe. Hier wird keine Schunkelmusik gespielt, der Laden erinnert nicht an Großmutters Stube und die Gerichte sind kein schlechter Abklatsch von echtem deutschen Essen. Das liegt möglicherweise daran, dass hier niemand den Laden leitet, der vor dreißig Jahren mal für zwei Jahre in Nürnberg gelebt hat. 😉

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Seitdem Denny mir von diesem Wunderland der deutschen Küche erzählt hatte, wollten mein Mann und ich unbedingt mal hingehen, aber irgendwie klappte es nie – Bis letztes Wochenende! Am Sonntag fuhren wir mittags nach Kanda (神田) um den Schmatz-Laden dort zu besuchen. In Tokyo gibt es noch weitere Läden, eine Übersicht findet ihr hier, und so, wie da expandiert wird, würde es mich nicht wundern, wenn demnächst auch in anderen Städten Läden zu finden sind.

Der Laden ist hübsch eingerichtet, besonders angetan haben es mir die Kreideillustrationen auf den Tafeln und das „Mauerwerk“. 😀 Obwohl es von außen ziemlich klein aussieht, hat das Restaurant im Hinterraum versteckt recht viele Plätze. Das Menü ist auf Englisch und Japanisch, Deutsch findet man tatsächlich nur selten, und eigentlich nur in Getränk- oder Speisenamen – was okay ist, schließlich wollen wir ein modernes deutsches Restaurant. Statt Schlagern läuft hier englischsprachige Musik.

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Neben deutschem Bier bietet Schmatz auch selbstgebrautes Bier nach deutschen Rezepturen an. Die Biere haben so schöne Namen wie Wunderbier und Fernweh, und schmecken wirklich gut. Bei 680¥ (ca. 5,15€) pro Glas kann man auch nicht meckern. 🙂 Die Speisen sind teils recht klassisch (Currywurst), teils nicht so wirklich deutsch (Oktopus-Pesto-Salat) und teils ziemlich japanisch (Knoblauch-Käse-Edamame), aber es gibt keine Gerichte, die versuchen das klassische deutsche Gericht zu sein und es einfach nicht schaffen. So ist es Fusion Cuisine und stört mich kein bisschen.

Wir bestellten ein Schnitzel Parmigiana und eine Currywurst. Das Schnitzel war wirklich lecker, und die Currywurst war laut meinem Mann

„Die beste Currywurst, die ich bisher in Japan gegessen habe.“

Und mein Mann liebt seine Currywurst. 😉 Die Portionen sind nicht übermäßig groß, aber deutsche Kost ist eh recht reichhaltig. Ein Dessert auf der Karte hatte das Interesse meines Mannes entfacht, und so baten wir um Vanilleeis mit Schwarzbiersauce.

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Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass es nicht mein Lieblingsdessert wird, mir war die Sauce zu bitter, aber mein Mann fand es fantastisch.

Insgesamt war das Schmatz das netteste Erlebnis, das ich bisher in einem deutschen Restaurant in Japan hatte. Falls ihr also mal länger in Japan seid und Heimweh bekommen solltet, oder ihr einfach Lust auf gute Currywurst habt: Zu Schmatz. 😀