Pocahontas vorm Fuji.

Mein Mann hatte zu seinem Geburtstag im Juni einen Gutscheinkatalog mit verschiedenen Aktivitäten geschenkt bekommen. Rechtzeitig zu meinem Geburtstag entschied er sich, den Gutschein endlich einzulösen, und so fanden wir uns am Sonntag Morgen im Zug in Richtung Yamanashi wieder.

Yamanashi ist eine der beiden Präfekturen, in denen der Fuji steht. Die ganzen Fotos vom Berg mit See im Vordergrund wurden dort aufgenommen. Auf der Shizuoka-Seite des Fuji befindet sich dafür ein Schrein.

Mehr:   Reise zum Fuji, Tag 1.

Da der Himmel bereits bei unserer Abreise wolkenverhangen war, machten wir uns keine großen Hoffnungen darauf, den Fuji sehen zu können, aber das war diesmal auch gar nicht unser Ziel. Wir wollten Kanu fahren. 😀

Am See Kawaguchiko gibt es verschiedene Firmen, die alle möglichen Outdoor-Aktivitäten anbieten, wir waren bei Country Lake Systems.  Außer uns nahm noch eine Gruppe von Studenten teil.

Nachdem wir alle mit Rettungswesten und Paddeln ausgestattet worden waren ging es auch schon los: Uns wurde erklärt wie man ins Kanu ein- und aussteigt, vorwärts und rückwärts rudert, das Kanu wendet und was man tun muss um bei Wellengang nicht aus dem Boot geschmissen zu werden. Natürlich kenterte trotz allem eines der Boote, aber nicht unseres.

Wir hatten riesigen Spaß dabei, über den See zu paddeln. Nur zum Ende hin war ich etwas erschöpft, aber dank Bugantrieb (meinem Mann) schafften wir es wieder an Land. Auf dem Rückweg nach Tokyo recherchierte mein Mann schon, wo man denn in Japan sonst noch so Kanu fahren kann.

Kurz bevor wir wieder an Land gingen, lösten sich die Wolken vor dem Fuji zumindest teilweise auf. Perfektes Timing für uns, denn wir wollten den Onsen Yurari mit Blick auf den Fuji besuchen. Yurari ist nicht ganz günstig, dafür sind die Handtücher im Preis inklusive und der Onsen ist ziemlich neu und schön. Einen Onsen-Besuch würde ich sowieso jedem Japanbesucher empfehlen (keine Sorge, die anderen sind auch alle nackt), nur eine Bitte an euch alle: Keine Fotos in den Umkleiden machen. Als ich mit meinem Bad fertig war, kamen zwei blonde Mädels herein und begannen erst einmal, Selfies von sich zu machen. Das ist eine Umkleide. In Umkleiden sind viele nackte Leute. Mir egal, ob wirklich drauf geachtet wird, dass keiner von denen im Foto ist. Es ist nicht erlaubt.

Da wir uns sowohl beim Kanufahren als auch im Onsen ziemlich viel Zeit genommen hatten, knurrte vor allem meinem Mann schon ziemlich der Magen. In der kalten Jahreszeit gibt es in Yamanashi nur ein Gericht, das da wirklich Abhilfe schaffen kann: Hōtō (ほうとう). Hōtō sind dicke Nudeln mit Gemüse, Tofu und oft auch Fleisch in einer Miso-Suppe. Zwar kochen wir das im Winter immer wieder einmal zuhause, aber im Restaurant hat man oft viel mehr verschiedenes Gemüse im Gericht – so viel würde ich privat nämlich einfach nicht schälen.

Hōtō kann man vor allem um die Seen Kawaguchiko und Yamanakako an wirklich jeder Ecke essen, und dass es Hausmannskost ist, bedeutet auch, dass es überall gut schmeckt. Es ist ziemlich schwer, schlechten Hōtō zu machen.

Nachdem wir letztes Jahr kaum etwas vom Herbst mitbekommen hatten, konnten wir diesmal die schöne Laubfärbung und die letzten warmen Sonnenstrahlen genießen. Einer der Momente, der mich mit kindlicher Freude füllte, war, als wir eine Straße mit hohen gelb-orange belaubten Bäumen entlangfuhren und es plötzlich Blätter über uns regnete. (Die japanische Version von „Colors of the Wind“ ist übrigens ziemlich schön.)

Es war auf jeden Fall ein rundum gelungener Tag, und dass wir mit der Bahn nach Yamanashi gefahren waren, bedeutete auch, dass wir auf dem Weg nach Hause nicht in einem 17km langen Stau gefangen waren.

5 Gedanken zu „Pocahontas vorm Fuji.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.