Filmzeit: Die Insel der Hunde.

Auf meinem Flug nach Helsinki vor inzwischen über einem Monat hatte ich fast neuneinhalb Stunden Zeit. Was macht man mit dieser ganzen Zeit, länger als ein ganzer Arbeitstag? Man schaut Filme, ist ja klar.
Ein Film, den Finnair im Angebot hatte, und den ich sowieso auf DVD hatte sehen wollen, war Wes Andersons “Isle of Dogs”.
Das ist natürlich kein japanischer Film, aber ein Film der in Japan spielt und in dem Japanisch gesprochen wird. Es wird hier also nicht um den Film an sich gehen, sondern um die Aspekte, die mir besonders aufgefallen sind.

©︎ Fox Searchlight Pictures

Isle of Dogs (2018) (japanischer Titel: 犬ヶ島 Inugashima)

Regisseur: Wes Anderson
Stimmen: Bryan Cranston, Edward Norton, Jeff Goldblum

In der nahen Zukunft hat ein Ausbruch des Schnauzenfiebers die Hunde der Stadt Megasaki ereilt, und sämtliche Hunde werden auf die Insel Trash Island verbannt. Eines Tages landet ein Junge mit seinem Flugzeug auf der Insel, um seinen Hund Spots zu suchen und erhält dabei Hilfe von den anderen Hunden auf der Inseln, die zwar abgemagert sind, aber so gar nicht unter Schnauzenfieber zu leiden scheinen.

Meinung zur Darstellung Japans im Film: Die erste Frage die sich mir stellte: Warum ist hier so viel Englisch? Auf echten japanischen Schildern steht immer zuerst Japanisch, dann Englisch, in Megasaki fehlt Japanisch meist ganz – dabei ist es noch immer die Amtsprache. Natürlich spielt “Isle of Dogs” 20 Jahre in der Zukunft, aber ich fand es trotzdem sehr eigenartig, wie viel auf Englisch beschriftet war. Wenn etwas übersetzt wurde, wurde das mit Klammern gekennzeichnet, aber auch außerhalb der Klammern: So viel Englisch. Die Hundenamen auch! Klar, Lebensmittelnamen (Peppermint, Nutmeg) werden überall gern genommen, aber Chief (usw.) sind keine Namen, die sich ein japanischer Hundebesitzer ausdenkt. In Japan sind Hunde übrigens meist Tarō (太郎) und Katzen Maru (まる).

Sowieso, die Hunde: Japanische Wohnungen sind klein. Die Hunde, die gezeigt wurden, waren allesamt groß. Zwergpudel, Spitze und natürlich Chihuahuas sieht man in Tokyo wirklich oft, größere Hunderassen sind selten. Außerdem: Warum kein Shiba? Was hat Wes Anderson gegen Shibas?!

Um wieder zurück zum Englisch zu kommen: Für mein Empfinden wurde zu viel Englisch gesprochen bzw. dem japanischen Text kaum Zeit eingeräumt, bevor er nur noch ganz leise im Hintergrund zu hören war, während er laut übersetzt wurde. Der Sprecher des Bürgermeister Kobayashi, Nomura Kun’ichi, ist ein bekannter Radio-Moderator, der eine meiner liebsten Sendungen macht, ich hätte ihn gern mehr gehört.

Das Japanisch, das man hörte, war dafür dann aber wirklich gut. Keine Nicht-Japaner, der einen Japaner mimt und keine eigenartigen japanischen Schilder weit und breit.

An anderer Stelle war es mir dann wieder etwas zu stereotypisch Japanisch. Das Leben in Japan spielt sich nicht auf Geta (Holzsandalen) ab, wir haben schon Sneaker. Auch wenn sich es viele nicht vorstellen können, aber in Japan kann man auch andere Dinge als Reis, Sushi und Takoyaki essen (auch wenn eine Großmutter, die Chili kocht, wahrscheinlich eher selten ist). Und natürlich gibt es auch in Japan Fotos, wir müssen nicht mit Holzschnitten hantieren. 😉

Eigentlich möchte ich den Film nicht nur dissen, deswegen hier noch ein paar Dinge, die ich wirklich gut fand:

Er sah wirklich gut aus. Die Perspektiven sind hervorragend und erinnern an japanische Holzschnitte. Man merkt eindeutig, dass Wes Anderson Japan liebt und sich viel Mühe gegeben hat.

Außerdem fand ich zwar, dass es etwas zu viel Englisch war, aber wie die Synchronisation bewerkstelligt wurde, fand ich schon wieder gut: Im Film selbst erscheinen dann, je nach Situation, Simultanübersetzer oder auch einfach Japaner, die ein wenig Englisch können. Übrigens wird vieles auch nicht übersetzt, man hat also schon einen kleinen Bonus, wenn man Japanisch spricht.

Der Film ist ja inzwischen schon etwas älter, deswegen würde mich interessieren, ob ihr ihn gesehen habt und wie ihr ihn fandet. 🙂

3 Gedanken zu „Filmzeit: Die Insel der Hunde.

  1. Lydia sagt:

    Hi Claudia, erst mal danke für Dein tolles Blog. Sehr spannend, Japan quasi von innen kennenzulernen. Ich habe eine Frage an Dich: Gestern habe ich von dem Konzept des „Wa“ erfahren, aber nur recht oberflächlich. Könntest Du darüber mal was schreiben? Wie wirkt sich das im Alltag aus? Oder hast Du Tipps, wo ich mehr dazu finde? Gleiches gilt für „Ikigai“. Danke und ein schönes Wochenende, Lydia

    • Claudia sagt:

      Hallo Lydia, „ikigai“ ist ein Modebegriff, letztendlich ist das nichts Anderes als „das, wofür es sich lohnt zu leben“. Das wird im Internet sehr mystifiziert, dabei ist es wirklich nichts Großartiges. Das große „wa“ bekommt man hier auch nicht mit. Aber vielleicht schreibe ich wirklich mal über diese ganzen Begrifflichkeiten.

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