Somnus Interruptus.

Leider schlafe ich in letzter Zeit nicht allzu gut. Obwohl unsere teure Philips-Sonnenimitationsuhr bereits die Sonne untergehen lassen hat, wälze ich mich im Bett und suche nach einer angenehmen Schlafposition. Mein Körper wird schwerer, doch meine Gedanken schaffen es nicht abzuschweifen und mich über den gedanklichen Mittelstreifen ins Land der Träume zu bringen. Immer wieder schweifen meine ersten Gedanken leicht nach rechts oder links, doch dann korrigieren meine zweiten Gedanken* den Kurs, für sie geht es nur innerhalb der Linie geradeaus, denn über was für Quatsch denke ich da eigentlich nach. Nach zwei Stunden des Herumwälzens und des Versuchs zumindest in die Nähe des Mittelstreifens zu kommen, schaffe ich es dann meist und schlafe bis 5:40, da steht die Philips-Sonne schon tageshell auf dem Nachttisch und es ertönt Vogelgezwitscher aus den Lautsprechern, durch.

Am Mittwoch nahm ich mir vor, meinen Körper vernünftig auf den Schlaf vorzubereiten. Statt im Fitnessstudio also einfach zu laufen, ging ich zum Hot Thai Yoga. In einem abgedunkelten Raum mit Speziallampen, etwa 40°C Raumtemperatur und 55% Luftfeuchtigkeit (oder, wie wir in Tokyo sagen, „wie im Januar, unserem trockensten Monat, nur viel wärmer“) verbrachte ich eine Stunde damit, sämtliche Muskeln einmal zu entkrampfen. Weil man bei dem Thai Yoga, das in meinem Fitnessstudio angeboten wird, die meiste Zeit sitzt oder liegt, schrie auch mein Kreislauf nicht nach Gnade. So im wahrsten Sinne des Wortes entspannt und erwärmt ging ich nach Hause und schlüpfte ins Bett. Ganz ohne Kurskorrekturen konnte ich direkt einschlafen.

Um halb drei Uhr nachts erwachte ich, weil mein Mann eine Taschenlampe auf sein Bett gerichtet hatte. Er war fest davon überzeugt, dass ihm ein Insekt, womöglich eine Kakerlake, über die Hand gelaufen sei. Wenn ich ehrlich bin, war ich sehr skeptisch, was die Existenz des plötzlich nicht mehr aufzufindenden Tieres anging. Vor allem war ich nicht glücklich darüber, aufgeweckt worden zu sein. Nach entspannten viereinhalb Stunden Schlaf waren nämlich leider auch meine zweiten Gedanken wieder voller Energie, und ließen mich bis halb fünf nicht die Kontrolle über meinen Körper verlieren. Entsprechend gerädert begann ich den gestrigen Tag.

Glücklicherweise war es mir heute beschieden, endlich mal wieder acht Stunden zu schlafen. Wahrscheinlich haben auch die Temperaturen etwas damit zu tun gehabt, denn während die erste Hälfte der Woche sommerliche Temperaturen kurz vor den 30°C herrschten, beträgt die heutige Höchsttemperatur 17°C. Wenn ich dann noch so schlafen kann, dass ich nicht während einer Tiefschlafphase geweckt werde, wache ich sogar mit der Philips-Sonne gemeinsam auf, was noch immer fantastisch ist und weswegen es mich noch immer nicht stört, dass sie exhorbitant teuer war.

Mal schauen, was wir machen, wenn mich irgendwann in der Zukunft nicht nur die zweiten Gedanken, sondern auch ein Kleinstkind nicht schlafen lässt…

* Für alle, die die hervorragenden Tiffany Weh-Bücher von Terry Pratchett nicht kennen: Die zweiten Gedanken sind die, die darüber nachdenken, wie man nachdenkt. (Quelle)

11 Gedanken zu „Somnus Interruptus.

  1. Lio sagt:

    Oh, ich kann nachempfinden, wie du dich fühlst. Ich leide schon ganz lange unter Schlafstörungen. Vor ein paar Jahren hatte ich sogar Insomnia und konnte 3 Tage und Nächte nicht schlafen. Da half leider nur noch ein Medikament vom Arzt und eine kleine Arbeitspause.
    Deswegen hatte ich vor meinem Kind auch Bedenken, wie ich auf Dauer mit weniger Schlaf klar kommen würde.
    Zum einen helfen mir die Hormone, zum anderen bin ich so platt, daß ich trotz mehreren Malen pro Nacht geweckt werden immer sofort wieder einschlafe. So komisch es klingt, seit der Geburt habe ich tatsächlich keine Probleme mit dem Schlaf mehr.
    Hoffe, dir geht es bald wieder besser!

    • Claudia sagt:

      Ich schlafe sonst immer super gut, deswegen finde ich es auch so schrecklich, wenn ich mal zwei Stunden lang nicht einschlafen kann. ^^“ Dass du mit Kind gut schlafen kannst freut mich und wiegt mich ein wenig in Sicherheit. 🙂

  2. Anika sagt:

    Was das Kind angeht…
    Man gewöhnt sich dran ^_-
    Ich schlafe seit über einem Jahr nicht mehr durch.. Mal werde ich jede Stunde geweckt, mal alle zwei, mal alle vier..
    Aber bei dir kann dein Mann dann ja auch mal nachts übernehmen. Denn.. man lernt irgendwann auch während geheule einzuschlafen, zumindest wenn es einen gewissen Punkt an Lautstärke nicht übersteigt ^_-

      • Anika sagt:

        Mein Geheimtipp wenn dich doofe Gedanken und 2. Gedanken gefangen halten:
        Denke dir beim Einschlafen eine Geschichte aus. Das lenkt dich von den doofen Gedanken ab.
        Mit etwas Übung werden die Geschichten so langweilig, dass du innerhalb von kurzer Zeit einschläfst.

  3. Tara sagt:

    Oh nein, schlecht (oder wenig) zu schlafen kann echt den ganzen darauffolgenden Tag ruinieren 🙁

    Hoffe, es geht bald wieder besser. Vielleicht, wenn die Wärme des Sommers sich endgültig verabschiedet hat? Ich schlafe in den kühlen Jahreszeiten zum Beispiel immer viel besser.

    Liebe Grüße und ganbatteeee ❤️

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