Erste Bürgerpflicht: Wählen.

Da ich nicht japanische Staatsbürgerin bin, kann ich in Japan nicht wählen. In Deutschland kann ich das jedoch, auch wenn ich dort nicht mehr gemeldet bin. Bisher habe ich um ehrlich zu sein von meinem Wahlrecht nicht allzu viel Gebrauch gemacht, doch dieses Jahr finde ich es wichtig, dass jeder wählen geht.

Wenn man aus dem Ausland aus wählen will, muss man einige Vorraussetzungen erfüllen, vor allem muss man innerhalb der letzten 25 Jahre mindestens drei Monate am Stück nach dem 14. Geburtstag in Deutschland gelebt haben, oder direkt von der deutschen Politik betroffen sein und etwas davon verstehen. Bis ich 46 bin kann ich also noch ohne Probleme wählen. 😉

Allerdings muss man sich vor jeder Wahl ins Wählerregister eintragen lassen. Das macht man im letzten Ort, in dem man gewohnt hat. In meinem Fall ist das Berlin. Einige Orte tragen einen wohl auch ins Wählerregister ein, wenn man ihnen eine E-Mail schickt, aber eigentlich muss man die Unterlagen per Post einreichen. Ein wenig nervig finde ich das Prozedere, aber wenn man einfach jedem Unterlagen an die letzte bekannte Adresse zuschicken würde, könnten eventuell Leute ohne Wahlrecht wählen und so ganz billig wäre die Aktion auch nicht.

briefwahl

Wenn sie es dann bis drei Wochen vor der Wahl zum heimischen Bürgeramt geschafft haben, bekommt man die Briefwahlunterlagen zugesendet. Der Wahlzettel kommt dann in den blauen Umschlag, dieser und eine eidesstattliche Erklärung in den roten Umschlag, und die ganze Chose geht zurück nach Deutschland.

Wie ich wählen werde, verrate ich euch nicht, schließlich gilt das Wahlgeheimnis, aber dennoch habe ich vor kurzem den Wahl-O-Mat-Test* gemacht, der zumindest eine Richtung vorgibt. Ganz oben waren bei mir Die Linke, die Piraten und natürlich Die Partei. Mit der AfD hatte ich übrigens eine Übereinstimmung von 31%, mit einem einfachen Ja-Neutral-Nein-Schema kann man eben keine komplexen Antworten erfassen.

* Es gibt Alternativen wie z.B. DeinWal, den Sozial-O-Mat und den Science-O-Mat

Also: Überlegen, was einem wichtig ist, Wahlprogramme lesen und vor allem wählen gehen! Beim ersten Schritt würde ich euch auch alle bitten, einmal darüber nachzudenken, ob es so schlau ist, eine Spaßpartei zu wählen. 😉

5 Gedanken zu „Erste Bürgerpflicht: Wählen.

  1. Holger Drechsler sagt:

    Man wird mit jeder noch so kruden Partei eine gewisse Übereinstimmung nicht nur beim Wahlomat haben, es sind ja Organisationen von Menschen, die sich aus ihrer jeweiligen Sicht für die Verbesserung menschlichen Lebens einsetzen. Auch wenn es bei der derzeitigen Parteienlandschaft nicht so aussieht, als ob sich viele über das Überleben der Menschheit besonders viele Sorgen machen, denn fast alle predigen Wachstum, Wachstum, Wachstum. Außer eine – und die habe ich gewählt. Biriefwahl, da am Wahsonntag von einem Ausflug eventuell nicht rechtzeitig wieder zu Hause.
    Faszinierend natürlich die sprichwörtliche deutsche Perfektion und Präzision bei der Erstellung der Briefwahlunterlagen. Der Umschlag für den Stimmzettel ist, wie könnte man es auch anders machen, zu klein für den dazugehörigen Umschlag. Man muß den gefalteten Zettel noch mal Quer falten. Fünf Zentimeter breiter, und der Umschlag hätte zum Stimmzettel gepaßt. Dieser Umschlag muß dann mit dem Wahlschein zusammen in einen weiteren Umschlag zum Verschicken gesteckt werden. Dieser ist, man könnte es sich selbst nicht so schön ausdenlken, wieder zu schmal, sodaß man auch den Wahlschein noch mal querfalten muß. Immerhin, der Umschlag mit dem Stimmzettel passte. Hätte man ganz normale handelsüblich DIN-Briefumschläge (neudeutsch Versandtaschen) benutzt wäre alles viel zu einfach gewesen. Möglicherweise war die Intention, dass man sich rein haptisch als Briefwähler mit dem Vorgang der Wahl etwas länger befaßt, denn der Normalwähler muß ja auch ein wenig mehr Zeit aufbringen, um seine Stimme ABZUGEBEN und in eine URNE zu stecken. Aber wie schon der Kabaretist Hagen Räther sagt. „Wählen gehen muß man. Wählen ist wie Zähneputzen. Wenn man´s nicht macht wird´s braun.“

  2. Mona sagt:

    Hallo Claudia,
    da hast du mir mal wieder aus der Seele gesprochen!
    Ich komme aus NRW und hätte an der dortigen LAndtagswahl per Briefwahl teilnehmen können. Das habe ich verpennt und im Endeffekt war es mir auch egal. Die Bundestagswahl hingegen ist ein ganz anderes Kaliber und in Zeiten von AfD und Trump ist jede Stimme wichtig und nötig!
    Ich habe mich letzte Woche daher per Mail beim zuständigen Wahlamt gemeldet und hoffe, die Briefwahlunterlagen rechtzeitig zu erhalten… Was bzw. wen ich wähle steht fest, ich kann die Unterlagen also postwendent zurück nach DE schicken. An mir soll es diesmal nicht liegen. 😉
    Ich hoffe alle Auslands-Deutschen denken wie wir und lassen sich ihre Stimme bei dieser Wahl nicht nehmen (oder entgehen, je nach Betrachtungswinkle). Wir haben in Amerika gesehen, welche fatalen Folgen eine geringe Wahlbeteiligung haben kann und können uns das in Europa nicht erlauben. Heute weniger als jemals zuvor…

  3. Saksalainen kokki sagt:

    Ich werde dieses Mal zum ersten Mal in meinem Leben nicht wähen, weil keine Partei, die ich gewählt habe, sich jemals an ihre Wahlprogramme, an ihre Parteiprogramme oder an ihre Wahlversprechen gehalten hat, auch dann nicht wenn sie gewählt wurde.

    Ich lese seit mehr als 40 Jahren die Wahlprogramme und die Parteiprogramme und bin seit mehr als 30 Jahre wahlberechtigt. Bisher hat sich noch nie eine Partei, die gewählt worden ist, an ihr Wahlprogramm, ihr Parteiprogramm oder ihre Wahlversprechen gehalten.

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