Hiroshima, Teil 4: Friedenspark.

Am 6. August 1945 um 8:16 Uhr morgens explodierte die Atombombe „Little Boy“ 600 Meter über Hiroshima. Ihr eigentliches Ziel war die Aioi-Brücke (相生橋), stattdessen traf sie ein Krankenhaus. Bis zu 80.000 Menschen, die sich in der Innenstadt aufhielten, starben sofort, ihre Schattenrisse in die umliegenden Häuser eingebrannt.

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Heute befindet sich in der Nähe des Abwurfsortes der Friedenspark (平和記念公園). Er wurde vom Architekten Tange Kenzō (丹下健三) geplant, und führt von der Friedensstraße (平和通) zur Atombomben-Kuppel (原爆ドーム). In dem Park befindet sich auch das Friedensmuseum Hiroshima (広島平和記念資料館), in dem Ausstellungsstücke zu sehen sind, die an den Horror des Atombombenabwurfes erinnern. Da mir allein schon in dem Park Tränen aufstiegen, ließen wir es aus.

Unter dem Bogen, den ihr auf dem oberen Bild sehen könnt, befindet sich ein Kenotaph mit den Namen der Atombombenopfer. Ein Kenotaph ist ein leeres Grab, mit dem an die Toten erinnert werden soll, welches aber keine sterblichen Überreste enthält. Sieht man durch das Monument hindurch, kann man die Friedensflamme sehen. Diese Flamme wird erst erlöschen, wenn es auf der Welt keine Atombomben mehr gibt. Leider sah der „Tage seit dem letzten Atomtest“-Counter am Friedensmuseum nicht sehr vielversprechend aus. Schließlich hatte man gerade erst in Nordkorea getestet.

friedenspark-2Die Atombomben-Kinder-Statue (原爆の子の像) zeigt Sadako Sasaki, die als Kind an Leukämie in Folge der Atombombenstrahlung starb. Als die Atombombe explodierte, war sie zwei Jahre alt und etwa zwei Kilometer vom Abwurfsort entfernt. Mit zwölf Jahren starb sie.

Im Krankenhaus begann sie Origami-Kraniche zu falten. Wenn man 1000 Kraniche faltet, hat man einen Wunsch frei. Deswegen trägt auch ihre Statue einen Origami-Kranich.

In den Glasboxen hinter der Statue befinden sich Reihen über Reihen von Kranichen, die von verschiedenen Schulen gefaltet wurden.

Leider ist nicht gesichert, ob sie über 1000 Kraniche faltete oder bei 644 aufhören musste. Im Museum steht wohl das eine, ihre Familie sagte das andere.

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Nur wenige Meter vom Explosionsort des „Little Boy“ entfernt stand die Halle zur Förderung der Industrie der Präfektur Hiroshima (広島県産業奨励館), vom Tschechen Jan Letzel erbaut. Obwohl durch die Explosion alle sich im Gebäude befindlichen Menschen umkamen, blieb die charakteristische Kuppelkonstruktion erhalten. Deswegen heißt das Gebäude heute Atombomben-Kuppel. Als Mahnmal wird die Atombombenkuppel nicht instand gesetzt*, man verhindert lediglich den weiteren Zusammenbruch des Gebäudes.

* Anders als die Frauenkirche, die vor der kompletten Instandsetzung auf mich sehr viel eindrucksvoller wirkte.

Wenn man durch Hiroshima läuft, denkt man für gewöhnlich nicht an den Krieg. Natürlich, in Kure waren wir im Marine-Museum, und jeder verbindet Hiroshima irgendwie mit dem Krieg. Aber wenn man dort ist, und sich von der Schreininsel Miyajima oder dem Ort Onomichi hat verzaubern lassen, wirkt das alles unglaublich weit weg. Als ich dann im Friedenspark stand, fühlte ich mich, als hätte mir die Realität in die Magengrube geschlagen. Die Bitte nach 世界平和, Weltfrieden, auf den Wunschtafeln in den Schreinen wirkte plötzlich nicht mehr so abgedroschen.

Denn was könnte es Größeres geben als die Aussicht darauf, dass so etwas nie wieder geschieht?

0 Gedanken zu „Hiroshima, Teil 4: Friedenspark.

  1. Robin sagt:

    Krass, ihr habt das Museum ausgelassen? Für mich das vielleicht beste der Welt, da es so unglaublich eindrücklich ist und einen zutiefst berührt.

  2. Carade sagt:

    ich kann verstehen das du nicht in das museum wolltetst. ich brauche bloß an das ereigniss zu denken um beklemmung zu fühle, wie viel schwerer muß es dann sein, wenn man dort ist. wir haben in der 7 oder 8 klasse eine gesichte von einem mann gelesen der den abwurf überlebt hat, ich bekomme heute noch gänsehaut wenn ich daran denke

    • Claudia sagt:

      Danke für dein Verständnis. Ich glaube Menschen reagieren alle anders auf verschiedene Dinge, und ich hatte nicht vorgehabt, das gesamte sich in meinem Körper befindliche Wasser rauszuheulen.

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