Japanische Dialekte mit der Eiskönigin.

Ich mag Dialekte sehr gern, auch wenn ich deutsche kaum verstehe. Bairisch ist und bleibt eine Fremdsprache, die ich mir nicht über die mir bekannten Sprachen ableiten kann.

Auf Japanisch heißt Dialekt 方言 (Hōgen) und für spezifische Dialekte wird 弁 (ben) als Suffix an Ortsnamen gehängt, wie bei 大阪弁 (Osaka-Dialekt). Als vor einigen Jahren „Frozen“ so unglaublich beliebt war, stellten YouTuber Versionen des Liedes „生まれて初めて リプライズ“ („Umarete Hajimete Reprise“/“For the First Time in Forever Reprise“) in ihrem Heimatdialekt ins Internet.

Für mich natürlich super spannend, weil man damit lokale Dialekte hervorragend vergleichen kann. 😀

Das Tokyoter Japanisch ist als Standardsprache (標準語) festgelegt, offiziell sprechen wir also keinen Dialekt. Inoffiziell ist das etwas anders, in etwa wie wenn ein Berliner … nicht berlinert. Die Betonung ist etwas anders, und ein paar besondere Worte haben wir. Letztendlich ist Tokyoter Japanisch aber super langweilig. 🙁

Ganz anders die folgenden Dialekte! Die Standard-Version des Liedes findet ihr hier.

Und als nächstes im wahrscheinlich bekanntesten Dialekt, dem oben erwähnten Osaka-Dialekt:

Den Dialekt kennen alle in Japan, er wird vor allem in Comedy viel verwendet, und manchmal benutzen Leute ihn, um cool zu wirken. Was neben offensichtlichen Unterschieden (や (ya) statt じゃ (ja) und よ (yo)) auffällt, ist, dass alle Laute gesprochen werden. Wenn Ana in Osaka-ben 残して (nokoshite; zurücklassen) singt, ist das „i“ betont. In Tokyo sind wir etwas mundfauler, es würde wie „nokoshte“ gesprochen werden.

Aber wir reden noch immer deutlicher als die Leute aus dem hohen Norden. 八戸弁 (Hachinohe-Dialekt) wird oft als Dialekt für Bauern und Leute vom Lande verwendet:

Aus harten Lauten werden weiche, aus 生まれて初めて (umarete hajimete) 生まれで初めで (umarede hajimede).

Aber immerhin versteht man diese Dialekte noch. Okinawa war eine Zeit lang sein eigenes Königreich und war auch sonst immer weit genug vom Rest Japans entfernt um einen absolut unverständlichen Dialekt zu entwickeln:

Über den Kanji stehen hier die Lesungen, weil man sonst überhaupt keinen Plan hätte. Im Dialekt liest man Kanji komplett anders… Allerdings weiß ich nicht, ob junge Menschen diesen Dialekt noch aktiv sprechen. Es wäre schade wenn nicht.

Der Teil des Landes, aus dem mein Lieblingsdialekt stammt, war auch lange sehr abgeschnitten vom Rest des Landes, auf einer Seite das Meer, auf der anderen Berge: 津軽弁 (Tsugaru-Dialekt) aus dem hohen Norden! Wenn ich jemals einen Dialekt aktiv lernen sollte, dann diesen. Leider gibt es nur „Let it Go“ (ありのままで ari no mama de) auf Tsugaru-ben, die normale Version findet ihr hier. Hier die… andere:

Glaubt mir, auch die meisten Japaner verstehen höchstens 10% von dem, was er da singt. 😉

Ich finde es um ehrlich zu sein etwas schade, dass wir hier keinen wirklichen Dialekt haben. Klar, es gibt Edo-Kotoba (江戸言葉), aber wer spricht das schon noch? Auf der Wikipedia-Liste von 首都圏方言 (Shutoken-Hōgen; Dialektwörtern aus Tokyo, Chiba, Saitama und Kanagawa), habe ich nur vier gefunden, die wir zuhause tatsächlich verwenden. Und die ersten drei davon kommen aus Hokkaido…

かったるい  kattarui → körperlich erschöpft sein
くっちゃべる kucchaberu → quatschen, höchstwahrscheinlich laut und nervig
青たん Aotan → blauer Fleck (sagen echt alle anderen 青あざ Aoaza?!)
かたす katasu → aufräumen (Standarsprache: 片づける katadsukeru)

Der bei Männern am beliebteste Dialekt ist übrigens wohl 京都弁 (Kyoto-Dialekt), dicht gefolgt von 博多弁 (Hakata-Dialekt). Welche Dialekte Frauen toll finden interessiert leider scheinbar niemanden, falls jemand eine Liste hat, immer her damit.

Habt ihr einen Lieblingsdialekt, im Deutschen oder einer anderen Sprache? Sprecht ihr mit Dialekt? Und was ist ein Wort, dass „Außenseiter“ nicht verstehen?

(Ich weiß, ihr wolltet diese Lieder alle vergessen. Man kann halt nicht alles haben. ;))

16 Gedanken zu „Japanische Dialekte mit der Eiskönigin.

  1. Sidonie sagt:

    Kein Tossa-ben (Kochi) dabei? Den mag ich sehr gerne! 😀
    Ich spreche natürlich Kansai Dialekt, aber der Kyoto Dialekt findet auch langsam Einfluss bei mir.
    Ich bin mal gespannt, wie das denn auf Ishigaki sein wird und ob mein Cousin jetzt Dialekt spricht (er ist ja in Tokyo aufgewachsen, lebt aber jetzt auf Ishigaki)

  2. D. sagt:

    Spannendes Thema! In Taiwan wird die Standardsprache (國語; Hochchinesisch, Mandarin) vor allem durch Min Nan (閩南語) beeinflusst – letzteres wird von rund 70% der Taiwaner als Erst- oder Zweitsprache gesprochen und daher auch gerne als Taiwanisch* (臺語) bezeichnet.

    *Was bei den anderen Bevölkerungsgruppen in Taiwan nicht unbedingt offene Türen einrennt.

    Ein paar Ausdrücke, die Eingang ins Mandarin-Alltagsvokabular gefunden haben und mir spontan einfallen:

    *礤冰 tshuah1 ping1 = Süßspeise aus geschabtem Eis (Mandarin: 刨冰 bao4 bing1)
    *烏青 oo1 tshenn1 = blauer Fleck (國: 瘀血 yu1 xie3)
    *掠狂 liah8 kong5 = verrückt werden, durchdrehen (國: 發瘋 fa1 feng1)
    *媠 sui2 = hübsch, schön (國: 漂亮 piao4 liang5)
    *歐吉桑ou1 ji2 sang1 / 歐巴桑 ou1 ba5 sang1 = via Min Nan aus dem Japanischen übernommen
    *宮本美代子 klingt wie 根本無代誌 = Min Nan für „nichts zu tun haben; auf der faulen Haut liegen“
    *酒矸倘賣嘸 = „Haben Sie leere Alkoholflaschen für mich, die ich verkaufen kann?“**

    **Zugegeben, das ist im Alltag vielleicht nicht unbedingt nützlich, war aber immerhin der Titel eines Pop-Hits von蘇芮 aus dem Jahr 1988 (der Rest der Lyrics ist in Mandarin).

    Ah, zu dem Thema könnte ein Sprachwissenschaftler nicht nur Blogkommentare, sondern wohl auch (was mit Sicherheit jemand bereits getan hat) ganze Bücher füllen! Gleich mal googlen… 🙂

  3. Carade sagt:

    also hier in deutschland mag ich echt gerne die echte berliner schnautze, die hat schon was und dann mag ich unseren einheimischen dialekt total gerne, klar kann ich alles verstehen aber leider spreche ichihn nicht, war halt so in der ddr das kinder keine dialekte lernen sollten 🙁 wir hier sprechen so eine mischung aus fränkisch und thüringisch. klingen also nicht typisch ostdeutsch

    auch wenn ich hier jetzt keine großen beispiel schreiben kann, weil ich einfach nicht weiß wie ich die dialektsprache schreiben soll. das einzige was ich vielleicht schreiben kann ist milich statt milch, das sag ich auch ganz oft

    • Claudia sagt:

      Meine Mutter kann zwar berlinern, aber das hat sie mit uns nie gemacht – ich kann also nicht berlinern. Und ich finde die berliner Schnauze als Attitüde zwar manchmal ganz charmant, aber der Dialekt klingt doch eher… naja. 😉

  4. Viola sagt:

    Hi!
    Ich komme aus dem Raum Hannover, von dem behauptet wird, dass man dort ein sehr reines hochdeutsch spricht.
    Ob das allerdings so stimmt, kann ich leider nicht sagen, da ich nur wenige „Vergleichswerte“ habe.
    Es existiert hier allerdings das „Hannöversch“, eine in der Stadt Hannover gesprochene, historische Umgangssprache mit Einfärbungen u.a. aus dem Plattdeutschen (also eigentlich weder Hochsprache noch Dialekt). Leider wird wohl heute kaum noch in dieser Mundart gesprochen, obwohl es wirklich schöne Begriffe gibt:
    So z.B. „Hickerchen“ für Milchzähne 🙂
    oder „Krökeln“ (kommt von: kökelig = schwächlich od. spielerisch): Ein Hannoveraner Ausdruck für Tischfußball spielen.

    LG,
    Viola

  5. zoomingjapan sagt:

    Ich liebe japanische Dialekte.
    In der Region, in der ich zuerst lebte, gab es nur einen sehr schwachen Dialekt (das war natürlich gut, wenn man noch am Japanischlernen ist). Danach bin ich nach Kansai gezogen und „Kansai-ben“ ist bis heute mein Lieblingsdialekt. Natürlich gibt es auch hier sehr viele Abstufungen. Wie du schon erwähnt hast, ist Kyoto-ben ganz anders als Osaka-ben. ^__^

    Ich mag auch so manche Dialekte in Kyushu sehr gerne.

    Okinawa und Hokkaido Dialekte sind sehr interessant, aber wie du schon sagst, extrem schwierig. T_T …..

    In Deutschland gefällt mir Bayrisch am besten. ;P

  6. Aurwen sagt:

    Mir ist dazu mal was wirklich lustiges passiert. Ich komme ursprünglich aus dem Ruhe Pott, bin aber wg. meinem Freund nach BaWü gezogen. Dort habe ich ein Praktikum im Blumenladen gemacht. Die Dame die den Laden geführt hat, sagte immer „gib mir das ma Hanne*“. Ich hab immer nich gescheckt was die mit HANNE meinte… ich dachte sie denkt das ich so heiße… hab sie nicht drauf angesprochen weil ich es peinlich fand ihr meinen Namen noch einmal zu sagen… habe dann aber mit der Kollegin darüber geredet und mich ausgekotzt das die Chefin meinen Namen wohl nicht kennt und mich die ganze Zeit HANNE nennt…. da fängt sie an zu lachen und meinte: „Nee!!! Hanne heißt „dort drüben“. Also sagte die Chefin ja immer nur: „Gib mir das dort drüben mal“… ich komm da heute noch nicht drauf klar. Dabei is das jetzt nu 9 Jahre her… xD

    *Ich weiss nich ob Hanne so richtig geschrieben ist oder sogar Hone oder so geschrieben wird!

  7. Anika sagt:

    Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung was in meinem Umfeld Dialekt ist und was nicht xD
    Mein erster Kollege, mit dem ich viel zusammen gearbeitet habe, kommt aus Aomori und niemand versteht ihn..
    mein Mann kommt aus Shizuoka und mein Chef aus Osaka.
    Ich glaube, ich spreche einen guten Mic aus allem xD
    Aber was mir aufgefallen ist, die Fachbegriffe in Saitama und Kanagawa sind unterschiedlich…
    Niemand bei meiner neuen Arbeit wusste was ich mit „Neko“ meinte… (Schubkarre).
    Und niemand kannte Dorobo… Aber die habe ich jetzt zumindest auf Instagram wiedergefunden! (Nein, nicht Dieb).

    • Claudia sagt:

      Bei mir auf Arbeit gilt Standardjapanisch, aber wir haben ja auch keine Werkzeuge usw., die schon seit Generationen verwendet werden und deswegen lustige Namen bekommen. Was ist denn ein Dorobo nun? 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.