Shikoku, Teil 1: Shimanami Kaidō.

Am Samstag Morgen flogen wir sehr früh von Tokyo nach Matsuyam (松山) in der Präfektur Ehime (愛媛県). Dort angekommen, mieteten wir ein Auto, um die Shimanami Kaidō (しまなみ海道) zu besichtigen.

Die Shimanami Kaidō ist eine Straße, die über kleine Inseln zwischen den Hauptinseln Honshū (本州) und Shikoku (四国) verläuft. Die Straße führt über insgesamt sechs Inseln, von denen drei zu Ehime und drei zu Hiroshima (広島県) gehören. In Shikoku befindet sich die Auffahrt in Imabari (今治), welches für seine Handtücher berühmt ist, in Hiroshima ist sie in Onomichi (尾道), wo wir letzten Herbst waren.

Der Weg führt über viele Brücken, was durchaus Spaß macht. 🙂 Die Insel ist auch bei Radfahrern sehr beliebt, und es gibt wohl auch Fahrradverleihe. Die meisten Leute hatten aber ihre teuren Rennräder dabei.

Wir hatten uns vorgenommen bis zur letzten Insel auf der Ehime-Seite zu fahren. Auf Ōmishima (大三島) angekommen, besuchten wir einen alten Schrein. Also das Schreingebäude an sich ist nicht sonderlich alt, aber viele Schreine werden halt auch immer wieder erneuert und renoviert.

Um ganz ehrlich zu sein, ging es mir diesmal aber auch gar nicht um das Schreingebäude des Ōyamazumi-Schreins (大山祇神社), sondern um einen der großen Kampferbäume auf dem Schreingelände. Der ist wohl über 2600 Jahre alt, zumindest, wenn man den Legenden Glauben schenken darf.

Die Mitte des Baumes ist ausgehöhlt, aber dank einiger starker Wurzeln trägt er noch Blätter. Wenn man dreimal mit angehaltenem Atem um den Baum läuft, erfüllt sich wohl ein Wunsch. 🙂

Natürlich weiß ich nicht, ob der Baum wirklich so alt ist, und dass er Wünsche erfüllt, wage ich sogar ernsthaft zu bezweifeln, aber beeindruckend ist er mit seinen 20 Metern Umfang auf jeden Fall.

Auf jeder der Inseln gibt es auch mindestens einen Aussichtspunkt, auf dem auf Ômishima waren wir sogar. Von dort aus konnten wir Inseln auf der Hiroshima-Seite sehen.

Leider war das Wetter nicht besonders gut, weswegen man nicht weit, oder gar das Festland sehen konnte. Die Shimanami Kaidō würde ich gern noch einmal besuchen, wenn die Sonne scheint, bewölkt war es zwar auch nicht schlecht, aber ich denke, mit dem richtigen Wetter wäre es noch einen Ticken schöner.

Auf unserem Weg zurück aufs Festland bzw. die große Insel (Shikoku) machten wir einen Halt auf der Insel vor Ōmishima: Hakatajima (伯方島). Die ist besonders für ihr Meersalz bekannt, und man kann wohl auch eine Salzfabrik besuchen.

Wir hatten eher an etwas Süßes gedacht, und aßen im T’s Café Tamaya Kuchen. 🙂 Vom Café aus hat man eine schöne Sicht auf das Meer, der Kuchen selbst schmeckt wirklich gut und im Sommer bei gutem Wetter könnte man sicher Stunden dort verbringen.

In der Nähe des Cafés befindet sich ein kleiner Strand mit einem Machi no Eki (町の駅), das sind Orte, an denen man im Ort produzierte Waren etc. kaufen kann. Wir nahmen Aprikosen-Marmelade mit. 🙂 Und dann ging es auch schon wieder zurück nach Imabari.

Apropos Imabari, das ist jetzt chronologisch etwas eigenartig, aber bevor wir auf die kleinen Inseln fuhren, aßen wir in Imabari zu Mittag. Das Restaurant hatte mein Mann nach einem ganz besonderen Gesichtspunkt ausgesucht: Wo waren die Leute von der Sendung おにぎりあたためますか (Onigiri atatamemasu ka), als sie in Imabari waren?

Bei Shigematsu Hanten (重松飯店), einem chinesischen Restaurant, in dem man Yakibutatamagohan (焼豚玉子飯), also Reis mit gegrillten Schweinefleischscheiben und Ei, essen kann. Das gesündeste Essen ist es sicher nicht, aber in seiner Ungesundheit ist es eine dieser Speisen, auf die man manchmal einfach einen Gieper bekommt. Super lecker! 🙂

Um für unsere Essenssünden Abbitte zu leisten, und weil er auf dem Weg lag, begaben wir uns zum Eifukuji (栄福寺), einem der 88 heligen Orte auf dem Shikoku-Pilgerweg (四国八十八箇所 Shikoku hachijūhachi-kasho). Insgesamt haben wir in Shikoku etwa vier der 88 Orte besucht, aber wir waren ja auch nicht zum Pilgern dort.

Tatsächlich sahen wir während unserer Reise immer wieder Pilgerer, von denen aber längst nicht alle ausschließlich zu Fuß unterwegs waren. Als wir beim Eifukuji waren, stieg neben uns ein älteres Ehepaar in Pilgerkleidung (weiße Kleidung und ein großer Seggenhut) aus seinem Auto. 🙂 Ist ja auch ziemlich viel zu laufen.

Nokogiriyama: In die Hölle gucken.

Gestern Morgen machten wir uns in aller Frühe auf den Weg zum Nokogiriyama (鋸山), dem Sägenberg. Er liegt in Chiba, an der Meeresbucht von Tokyo, und bietet einen fantastischen Ausblick. 🙂

Nach oben auf den Berg ging es mit dem Auto, mit dem kommt man fast bis zum Gipfel. Wir hatten um ehrlich zu sein einfach keine Lust, bis nach oben zu laufen. Wie das nach hinten losging, lest ihr weiter unten. 😀 Manchmal macht man sich mehr Arbeit, wenn man sie eigentlich vermeiden will.

Der Berg ist für verschiedene Dinge bekannt, unter anderem für den Blick in die Hölle (地獄のぞき). Der Aussichtspunkt für die Hölle befindet sich, wie viele der Sehenswürdigkeiten, auf dem Gelände des Nihon-Tempels (日本寺), für den man Eintritt bezahlt. Von der Aussichtsplattform, die ihr im Foto oben sehen könnt, guckt man gut 100 Meter in die Tiefe, was durchaus Angst bereitet, auch weil man weiß, dass man auf einer Klippe steht.

Die Berglandschaft sieht etwas speziell aus, weil früher die Steine von dort abgebaut und für den Bau verwendet wurden. Das Fundament des Schlosses von Tokyo besteht laut meinem Mann aus Steinen vom Nokogiriyama. Man hat also gerade Felswände, die viele Meter in die Höhe reichen, und durchaus befremdlich aussehen.

Wenn man viele Treppen nach unten steigt, erreicht man den großen Buddha (大仏 Daibutsu). Dieser hier wurde im 18. Jahrhundert von 27 Leuten drei Jahre lang aus dem Gestein gemeißelt. Er erreicht eine Höhe von etwa 31 Metern, und ist damit der größte Steinbuddha in Japan.

Er ist natürlich durchaus beeindruckend, aber ich finde den großen Buddha in Nara dann doch hübscher. 🙂 Hat eben jeder seine Vorlieben.

Nachdem wir den Steinbuddha gesichtet hatten, wollte mein Mann weiter nach unten, zu einem Teich. Zu diesem Zeitpunkt taten mir die Beine schon ziemlich weh, aber ich ließ mich dennoch breitschlagen. Der Teich ist schon fast am Fuß des Berges, weit entfernt von unserem Leihwagen. Dementsprechend mussten wir den ganzen Berg wieder hochkraxeln, also zumindest gefühlt eine Ewigkeit Treppen hochsteigen. Heute habe ich Muskelkater. 😉 Ich würde jedem empfehlen, einfach mit der Seilbahn hochzufahren und dann runterzulaufen. Das ist weniger anstrengend.

Auch wenn wir danach ziemlich fertig waren, der Nokogiriyama hat sich gelohnt. Mit sauberer, kühler Luft, Vogelgezwitscher und Bewegung fühlt man sich gleich besser. Heute ruhen wir uns einen Tag aus, bevor es wieder an die Arbeit geht. 🙂

Euch allen wünsche ich einen guten Montag!

Dieses Frühjahr geht es nach…

Unsere letzte Reise, nach Hiroshima (広島), liegt schon wieder fast ein halbes Jahr zurück. Zwar kommen meine Eltern und meine Schwester Ende April nach Japan, zu welchem Anlass wir wieder eine kleine Reise gebucht haben (nach Kanazawa (金沢)!), aber bis dahin in Tokyo bleiben?! Niemals.

Wir hatten uns eigentlich überlegt, dass wir nach Kyoto (京都) fahren könnten. Dort waren wir zwar schon zweimal, aber ich habe kaum Fotos aus der Zeit und würde gern noch einmal hinfahren. Meinen Mann kann man mit Kyoto allerdings nicht hinter dem Ofen hervorlocken.Er findet die Stadt jetzt einfach nicht schrecklich interessant.

Mir zuliebe hatte er sich dennoch darauf eingestellt, dass es dorthin gehen würde – Zumindest bis er auf die Idee kam, dass man ja auch einmal schauen könnte, wie teuer die Reise nach Ehime (愛媛*) wäre. Dort waren wir beide noch nie. Wir schauten uns also auf den Internetseiten der üblichen Verdächtigen um – und mussten feststellen, dass es absolut bezahlbar ist.

* 愛媛 bedeutet “liebliche Prinzessin”. 🙂

Schnell unternahmen wir einen Ausflug zum Buchladen um die Ecke, um einmal in den Reiseführern zu gucken, ob in Ehime überhaupt genug zum Angucken ist. Urlaub hat man in Japan wenig, deswegen muss der immer zum Bersten gefüllt werden. 😀

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Reiseeinträge zu anderen Städten auf der Karte: Beppu, Ôita (obwohl wir da nicht viel gesehen haben), Hiroshima, Kurashiki, Kôbe!

Ehime befindet sich auf der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln, Shikoku (四国). Shikoku heißt wörtlich vier Länder und auf der Insel befinden sich vier der 47 Präfekturen Japans . Bei Kyûshû (九州; wörtl.: Neun Provinzen) haut das nicht mehr so hin. 😉 Positionstechnisch liegt Shikoku, durch das Meer von der Haupt-Hauptinsel getrennt, zwischen Hiroshima und Osaka (大阪).

Wir werden also am 25.3. (in nur zwei Wochen!) morgens in den Flieger nach Matsuyama (松山) in Ehime steigen. In Matsuyama selbst gibt es einiges zu sehen, z.B. eine Burg und einer der Onsen, von dem das Badehaus in “Chihiros Reise ins Zauberland” inspiriert wurde. Die erste Nacht übernachten wir in Matsuyama, und am nächsten Morgen werden wir noch ein wenig durch Ehime kurven, um dann weiter in den Süden der Insel zu fahren: Nach Kôchi (高知), was eine weitere Präfektur ist. Dort gibt es, wie auch in Ehime, tolle Natur zu bestaunen. Die zweite Nacht werden wir in Kôchi verbringen, bevor wir am Montag vom dortigen Flughafen aus wieder nach Tokyo fliegen.

四万十川

Klingt nach einem Plan, oder? 😀

Ich freue mich natürlich auf die Reise, mein Mann freut sich noch mehr – schließlich muss er nicht nach Kyoto. 😉 Wahrscheinlich werde ich die Kyoto-Reise aber nachholen, notfalls halt ohne ihn.

Habt ihr schon einmal eure Reisepläne drastisch geändert? 🙂

 

Hiroshima, Teil 5: Miyajima. Noch einmal.

An unserem letzten Tag in Hiroshima wollten wir noch einmal Miyajima besuchen. Die Insel hatte uns von all den besuchten Orten am besten gefallen, und wir hatten noch nicht alles gesehen. Also checkten wir aus, ließen unser Gepäck aber an der Rezeption, und fuhren mit der Bahn und der Fähre nach Miyajima. Dort angekommen ging es schnurstracks zur Seilbahn um auf einen Berg der Insel, den Misen (弥山), zu kommen.

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Die war etwas weiter weg vom Schuss als wir dachten. Eigentlich hätte uns allein die Existenz eines Busses zwischen Dorf und Seilbahn eigenartig vorkommen müssen, aber so liefen wir eben bergauf durch bewaldetes Gebiet. Der erste Teil der Strecke wurde in kleinen Gondeln bewältigt, wir fuhren also zu zweit nach oben. Schon von den Gondeln aus hatte meinen einen relativ guten Ausblick, nur leider war das Wetter nicht mehr so schön wie bei unserem ersten Besuch.

Nach einem kurzen Zwischenstopp wurden wir in eine große Gondel umgeladen, die etwas weniger angenehm war. Man versuchte so viele Menschen wie möglich hineinzustopfen, und wir fühlten uns etwas wie Sardinen.

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Oben auf dem Berg angekommen, konnten wir zwar die Inseln in der Ferne ausmachen, aber so richtig gut war das Wetter nicht. In weiser Vorraussicht fuhren wir dann auch wieder nach unten, statt uns die umliegenden Tempel anzusehen. Bei schönem Wetter lohnt sich eine Fahrt auf den Misen sicher wirklich, wir hatten einfach nur Pech. Aber schließlich hatten wir schon zwei Tage fantastisches Wetter erlebt, wenn es dann am dritten Tag nicht mehr so läuft, ist das auch nicht weiter tragisch.

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Unten angekommen war gerade Ebbe. Wir konnten also zu Fuß bis zum großen Torii laufen, was durchaus ganz witzig war. Schöner sieht es trotzdem bei Flut aus. 🙂 Vor dem Torii steht übrigens ein Schild, das es Besuchern untersagt, Muscheln vom Torii abzunehmen. Scheint ein großes Problem gewesen zu sein.

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Wir bewegten uns, an Momiji-Manjū (もみじ饅頭) knabbernd, zurück zum Hafen. Statt wieder auf dem selben Weg zurück zu fahren, wollten wir nach 45 Minuten mit der Fähre am Friedenspark ankommen. Da diese Fähre nicht so oft fährt, warteten wir eine ganze Weile. Während des Wartens sahen wir das Reh im oberen Bild. Scheinbar hatte es sich in den Kopf gesetzt, ins Restaurant zu kommen. Was ein Reh mit Austern und Seeaal will, ist mir aber auch im Nachhinein nicht ganz ersichtlich. 😉 Die Besitzer des Restaurants hatten das Problem scheinbar nicht zum ersten Mal, sie deaktivierten einfach die automatische  Tür.

Kurz bevor wir die Fähre bestiegen, fing es plötzlich an zu regnen, und zurück in Hiroshima schüttete es aus Eimern. Also kauften wir Mitbringsel für unsere Mitarbeiter, suchten uns Ekiben (駅弁) aus, und stiegen in den wartenden Shinkansen zurück nach Tokyo.

Hiroshima war wirklich ein toller Urlaub, einen Besuch der Präfektur würde ich jedem empfehlen. Es war viel schöner und auch viel weniger überrannt, als wir dachten. 🙂