Film: Zombies im Regen.

Letzten Samstag waren wir in Shinjuku im Kino, um キツツキと雨 (Kitsutsuki to Ame) zu gucken. Obwohl die Kritiken sehr gut sind, lockte er scheinbar nicht genug Menschen in die Kinosäale und wird derzeit nur noch in drei Kinos in Tokyo gezeigt.

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©角川映画

キツツキと雨 Kitsutsuki to Ame (2011) (Trailer)

Regisseur: Okita Shûichi (auch: Nankyoku Ryôurinin)

Darsteller: Oguri Shun, Yakusho Kôji

Der junge und von Selbstzweifeln geplagte Regisseur Tanabe Kôichi kommt in ein kleines Dorf um einen Zombiefilm zu drehen, und trifft dabei auf den Waldarbeiter Katsuhiko, der seit dem Tod seiner Frau nur noch vor sich hin lebt. Katsuhiko hilft bei der Suche nach Schauplätzen und rekrutiert das gesamte Dorf als Zombies, und hilft so Kôichi und sich selbst, Selbstvertrauen zu fassen.

Persönliche Meinung: Auch wenn der Film nicht ganz so lustig wie der Trailer war, und sich mehr auf die beiden Hauptcharaktere und weniger auf den Zombiefilm konzentrierte, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Richtig lustig wurde der Film zwar nur in den Zombieszenen, und Kôichis Problem wurde etwas oberflächlich dargestellt, aber gut war’s trotzdem.

Filme, die ich dringend gucken muss: テルマエ・ロマエ (Thermae Romae; Trailer), mit Abe Hiroshi, der vom antiken Rom plötzlich nach Japan kommt.

Erdbebenvorbereitungen.

In letzter Zeit rumpelt es wieder mehr. Hauptsächlich im 三陸沖 (Sanriku-Meer, vor Aomori, Iwate und Miyagi) und in 千葉県東方沖 (Meer östlich von Chiba-ken). Letzte Woche gab es in letzterem sogar ein Beben mit Stärke M6.3. Während inzwischen gesagt wurde, dass das noch Nachbeben vom großen Erdbeben letztes Jahr wären, beunruhigt uns die Lage natürlich schon, denn wir leben in Chiba, wären von einem Beben in Tokyo also direkt betroffen.

Auf der Suche nach einem neuen Duschkopf stolperten wir auch über Notfallnahrung, und eigentlich wollte ich das zum Anlass nehmen um mal zu zeigen, was wir hier für den Notfall haben, aber ich habe die Tüte unglaublich heldenhaft auf der Gepäckablage in der Bahn vergessen und musste sie gestern erst einmal vom Chiba-Bahnhof abholen. Hier geht ja nichts verloren, und wenn die Bahnmitarbeiter die Bahn absuchen müssen – das machen die.

Wir haben einen großen Notfallrucksack. Die gibt es online schon fertig gepackt zu kaufen und haben so gut wie alles drin, was man brauchen könnte: Wärmepads, Regenmäntel, Wasser, Fertignahrung, Radio, Handschuhe, Pflaster, Desinfizierungsmittel, usw. Das habe ich nicht alles aus dem Rucksack genommen für das Foto, so schön wie es jetzt dort reingestapelt ist, würde das nie wieder passen. Unsere Pässe und Bankhefte sind auch dort drin, falls wir uns im Fall der Fälle doch absetzen müssten.

Frisch gekauft: Anko Mochi, und zwei Sorten Reis, die man auch ohne warmes Wasser zubereiten kann und ein handbetriebenes Radio mit Licht und Handyladegerät. Das Radio kommt in meine Arbeitstasche, zu der Notfallkarte von Tokyo (die natürlich nicht bis zu meinem Arbeitsplatz reicht) und dem Pfefferspray.

Außerdem durfte ich mir nach dem letzten großen Beben einen ewig langen Vortrag meines Mannes über Erdbebenverhalten anhören, weiß also, dass es im Untergrund gar nicht mal so gefährlich wie auf der Oberfläche ist, wo in der Nähe Zufluchtsorte sind (und welche schon so alt sind, dass man sie besser nicht betreten sollte) und dass eine geteilte Katastrophe nicht heißt, dass alle Menschen nett sind.

Wann das große Beben kommt, weiß keiner. Sich deswegen jeden Tag verrückt zu machen bringt absolut gar nichts. Aber vorbereitet sind wir, wie wahrscheinlich ein Großteil der tokyoter Haushalte, bei denen sich viele erst nach dem Beben in Tôhoku Gedanken darüber, was sie im Notfall tun würden, gemacht haben.

Es ist einfach ein Risiko, mit dem man hier leben muss. So ein Risiko hat man an jedem Ort, an dem man lebt, und wenn es nicht von der Natur ausgeht, dann von den Mitmenschen. Ich meine dich, Berlin.*

* Was ich mir ganz dringend abgewöhnen muss: Den Tagesspiegel lesen, ohne in Berlin zu sein. Das macht ein wenig Angst.

Wie kleine Doktoren…

März ist das Ende des japanischen Schuljahres, und somit natürlich auch das Ende des Kindergartenjahres bei mir auf Arbeit. Die fünf Kinder aus der obersten Gruppe werden feierlich verabschiedet, mit Umhang, Hut, als wären sie schon mit der Uni fertig, und eigener Rede, damit die Eltern stolz sein können.

Ich weiß nicht, gab es sowas bei uns damals? Ich erinnere mich noch an die Schultüten, aber an eine richtige Abschlusfeier davor nicht. Von der bekomme ich diesmal auch nicht allzu viel mit, denn es wurde beschlossen, dass die kleinen Kinder zu sehr stören würden, weswegen sie in einem anderen Klassenraum bespaßt werden. Auch gut, mir eigentlich sogar lieber.

Irgendwann werden auch die kleinen Knirpse mal in die Grundschule gehen, aber davor haben sie noch viel Zeit, um von ihren Eltern verzogen zu werden. Das gilt natürlich nicht für alle Kinder, es sind wirklich auch tolle in meiner Klasse, aber es fällt immer auf, wenn einige Kinder zuhause offensichtlich gar nicht gefordert sind und von hinten bis vorne alles von Mama gemacht bekommen.

Aber dafür gibt es ja uns, wir bügeln das schon wieder aus, das mit der Sozialkompetenz.

Was anders war.

Wir sind wieder aus Deutschland zurück. Der Mann noch mit übelstem Jetlag, ich schon wieder ganz fit. Deutschland nach neun Monaten mal wieder zu sehen war ganz witzig. Einige Dinge ändern sich doch in der Wahrnehmung sehr.

War Berlin zum Beispiel schon immer so dreckig? Da sind all diese schönen Häuser und Straßen (viel schöner als Tokyo!), und dann werden sie mit Abfall überschwemmt, obwohl an jeder Ecke ein Mülleimer hängt. In Tokyo gibt es keine städtischen Mülleimer, trotzdem wirft hier kaum jemand seinen Müll einfach auf die Straße. Während in Tokyo auf vielen Straßen Rauchverbot herrscht (es in Restaurants aber oft immernoch erlaubt ist…), laufen in Berlin und Wien unglaublich viele Menschen mit dem Glimmstengel durch die Gegend und verpesten die Luft und vermüllen die Bürgersteige. Generell, der Respekt vor anderer Leute Eigentum ist offensichtlich nicht ganz so groß, wenn ich mir die zerkratzten Fensterscheiben in den Bahnen ansehe. Diese sind aber immerhin schön beheizt und nicht übermäßig voll. Die Tickets sind auch unglaublich günstig. 6,30€ für eine Tageskarte? Ich bezahle 1,500 Yen jeden Tag nur um zur Arbeit zu fahren.

Laut meinem Mann wirken die Leute entspannter. Weniger überarbeitet, mit mehr Zeit um Zeit zu haben. Als wir am frühen Abend zu meinen Eltern nach Hause fuhren, bemerkte er ganz neidisch, dass die Leute sicher alle von der Arbeit nach Hause kämen – um sieben. Die Berliner scheinen auch mehr Spaß zu haben als die Tokyoter, vielleicht liegt es nur an der japanischen Zurückhaltung.

In der Stadt selbst scheint sich aber wenig getan zu haben. Am Ostkreuz geht es ein wenig voran, ein paar neue Baustellen* haben sich aufgetan, ansonsten alles wie immer. Berlin ist auch 2012 nicht schöner oder freundlicher geworden, aber ganz schrecklich finden kann ich es natürlich nicht. Selbst wenn, würde ich mich doch damit herausreden, dass ich Berlin einfach auf dem falschen Fuß erwischt habe – im Sommer ist’s dort nämlich viel schöner!

* Kommentar Mann: “Die arbeiten ja gar nicht! Warum arbeiten die nicht? Es ist Montag! Bei uns wird notfalls auch am Sonntag durchgearbeitet!”