Crossaint-Gyôza.

Meine Schwiegermutter hatte über’s Internet 餃子 (Gyôza) bestellt, die im Fernsehen vorgestellt wurden.

Gyôza sind Teigtaschen mit Fleisch- und Gemüsefüllung. Man bekommt sie in vielen Läden mit japanischen Speisen, manchmal aus Haupt-, meist als Nebengericht. Mal gebraten, mal gedämpft, mal gekocht. So gut wie immer lecker. Meine Freundin Anna und ich waren, als sie hier war, auch im 王将 (Ôshô), einer Restaurant-Kette, die auf Gyôza spezialisiert ist.

Sehen nicht so lecker aus, wie sie sind. 😉

Aber zurück zu den im Internet bestellten Gyôza. Erst wurde gesagt, bis zur Lieferung würde es zwei Monate dauern. Dann sechs. Dann kam vor einigen Wochen die E-Mail, dass die Gyôza endlich ankommen würden – nach eineinhalb Jahren.

Das besondere an diesen Gyôza ist wohl unter anderem der Teig, der ihnen den Namen Croissant-Gyôza eingebracht hat. Wenn man sie zubereitet ist die eine Seite ganz knusprig (wie Croissants außen) und die andere noch weich (wie Crossaints innen). So soll’s sein, so ist’s lecker.

Zehn Stück hat mir meine Schwiegermutter noch zum Mitnehmen gebraten, und wenn mein Ehemann nicht rechtzeitig zuhause ist, wird er wohl keine mehr abbekommen. 😉

Eineinhalb Jahre würde ich aber nicht drauf warten…

Sommerzeit ist Feuerwerkszeit!

Während in Deutschland zu Neujahr alle Feuerwerk in die Luft schießen, finden in Japan Feuerwerke im Sommer statt. Letztes Jahr wäre es unangebracht gewesen nach der großen Katastrophe in Ost-Japan groß zu feiern, weswegen so gut wie alle Feuerwerke abgesagt wurden. Dieses Jahr dann aber wieder!

Als eine meiner Freundinnen aus Berlin für eine Woche hier war, machten wir uns eines Samstagabends auf, um vom Fluss ein Feuerwerk im tokyoter Bezirk Sumida (墨田区) zu sehen. Das war zwar leider etwas weit weg und nur vom Fußgängerweg aus zu sehen, aber trotzdem schön. Zu dem Anlass hatte ich mich sogar in meinen Yukata geworfen, der aber nur in der Nähe des Flusses mit Wind erträglich war – ansonsten war es viel zu heiß dafür.

Letzten Samstag war das große Feuerwerk in  Ichikawa (市川市), dem besucherreichsten Feuerwerk Japans. Jedes Jahr reservieren sich viele Leute schon am Vortag einen guten Platz. Als wir am Morgen des Feuerwerks woanders hinfuhren, sahen wir am Bahnhof so einige Menschen in Yukata, und es war viel voller als normalerweise. Auf dem Rückweg zu meinen Schwiegereltern hatten schon einige ansässige Läden ihre Stände aufgebaut und versuchten Essen und alkoholische Getränke an den Mann zu bringen. Zum Glück können wir den größten Teil aber vom Balkon der Schwiegereltern verfolgen, nur ein Dach stört ein wenig und aus dem zweiten Stock (erstes Obergeschoss*) hat man natürlich nicht die Bombenaussicht. Trotzdem auf jeden Fall besser als sich zwischen schwitzende Menschen zu drängeln.

* Es gibt in Japan die Bezeichnung “Erdgeschoss” nicht. Was im Deutschen das Erdgeschoss wäre, ist hier schon der erste Stock.

Also standen mein Schwiegervater und ich auf dem Balkon und machten Fotos vom Feuerwerk. Die ersten dreißig Minuten zumindest, danach war es ziemlich eintönig, und wir haben uns wieder ins Haus bewegt. Aus mir unerfindlichen Gründen dauern die Feuerwerke hier alle mindestens eine Stunde, in der sich der Aaaah!- und Ooooh!-Effekt dann doch etwas abnutzt.

Deswegen haben wir dann leider auch das herzförmige Feuerwerk komplett verpasst, das wären sicher auch schöne Fotos geworden.

Wenn man Japan im Sommer besucht, und somit in der absolut schrecklichsten Jahreszeit ins Land kommt, sollte man sich zumindest mit einem schönen Feuerwerk trösten. Feuerwerke finden typischerweise im Juli und August statt, nähere Informationen gibt es bei Walkerplus (Japanisch).

Für nächstes Jahr kaufe ich meinem Mann auch einen Yukata, an Männern sehen die nämlich gar nicht schlecht aus. Wann auch immer er den dann tragen wird…

Deutschland in Japan: Deutschlandtag.

Nach einiger Zeit Pause, melde ich mich wieder zurück. Es ist schon August! Wie konnte das passieren? In zehn Tagen sind wir schon in Taipei!

Mit meinem Besuch aus Deutschland habe ich eigentlich nur Orte besucht, über die ich schonmal geschrieben habe, von daher gibt es keinen großen neuen Erkenntnisgewinn, es hat aber trotzdem Spaß gemacht. Am ersten Tag auf Arbeit nach meinem Urlaub habe ich mich dabei ertappt zwischendurch Deutsch zu sprechen.

Bei uns in der Nähe war ドイツ・デイ (Doitsu Day, Deutschlandtag), und ich bin mit den Schwiegereltern hingefahren. Es gab einen Ampelmann-Stand (es gibt inzwischen zwei Läden in Tokyo, die Ampelmann-Sachen verkaufen), einen Stand mit Bier und einen mit Würstchen. Dazu noch ein paar Informationen über (Süd)-Deutschland, und das war’s. Etwas schade, ich hätte gedacht, dass ich zumindest noch eine deutsche Bäckerei einfindet, so war das etwas wenig.

Auf einer Bühne spielten erst Japaner Alpenlieder, bis dann “echte Deutsche” aus der Partnerstadt Rosenheim in Tracht Heimatmusik spielten. Das waren auch die einzigen Deutschen auf dem ganzen Deutschlandtag, alle Stände wurden von Japanern betrieben. Damals, als ich kurzzeitig in einem deutschen Restaurant arbeitete, waren zumindest die Kellner deutsch oder sprachen Deutsch, während in der Küche alles auf Japanisch ablief. 😉

Die Präfektur Chiba (in der wir wohnen) ist Partner der Stadt Düsseldorf, wo jedes Jahr der Japantag veranstaltet wird. Den kenne ich zwar nur von Fotos und Erzählungen, aber unser kleiner Deutschlandtag, von den Organisatoren direkt in Zusammenhang mit dem Japantag gebracht, konnte da absolut nicht mithalten. Nicht, dass ich das erwartet hätte, wir haben hier einfach auch keine deutsche Community, aber mehr als einen deutschen Essens- und einen Getränkestand hätte man schon hinstellen können.

Alles in allem eine schöne Idee, zu der auch viele Deutschlandinteressierte gekommen sind, die aber vom Angebot her absolut ausbaufähig ist.

Wir machen Fernsehen.

Pünktlich zum Wochenende sind die Temperaturen von über 30°C auf 20°C gefallen. Jetzt am Montag haben wir wieder Höchsttemperaturen von 29°C. Na vielen Dank!

IMGP1529Da wir aber nicht gut darin sind einfach zu Hause zu hocken, suchten wir nach irgendetwas, wo wir im Warmen sein könnten. Und fanden das NHK Broadcasting Museum (放送博物館) in der Nähe des Tokyo Towers, wo man sich durch die Geschichte des Rundfunks in Japan vorführen lassen kann. Das ist kostenlos und ganz interessant.

Unter anderem gibt es ein TV-Studio, mit vielen Kameras, mit denen man herumspielen darf, und einem Nachrichten-Tisch. Große Kameras mag ich ja, aber sonst war das eher eine Spielerei für Leute, denen der Rest zu trocken ist und die auch kaum erläutert wurde.IMGP1538Ich fand aber den Rest des Museums gar nicht fad, weil viele alte Radio- und Fernsehgeräte ausgestellt sind und man sich alte Tonstücke anhören kann – u.A. den Ausruf des Kriegsendes und Radio-Englischunterricht aus vor vielen Jahren. Das ist schon faszinierend aus Zeiten zu hören, in denen das Radio noch um einiges wichtiger war als jetzt, wo wir alle ständig vernetzt sind und uns informieren können.

Ohne Japanischkenntnisse bringt das Museum einem nicht viel, weil die Ausstellungsstücke meist nicht auf Englisch erklärt werden, aber ansonsten war es superspannend. Falls es doch zu langweilig sein sollte kann man auch einfach zum Tokyo Tower laufen, der im Vergleich zum Skytree ganz winzig aussieht, aber natürlich noch immer jeden Schönheitswettbewerb gewinnen würde.

Wir waren hinterher in Akasaka und haben Kuchen gegessen, um den Sonntag entspannt auslaufen zu lassen. 🙂

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

P.S. Ab Mittwoch ist eine liebe Freundin bei mir, und weil wir weniger Zeit damit verbringen wollen im Internet zu hängen, und mehr damit, Dinge zu erleben, gibt es eine kleine Pause bis zum 3. August (Freitag). Bis dann!