Elterngespräche.

Im Moment finden auf Arbeit Elterngespräche statt. Ich habe selbst keine Kinder und weiß nicht, ob es für die Eltern ganz wichtig ist, aber mir wäre es bei den meisten Kindern lieber, ich könnte ihnen einfach etwas Kleines ins Muttiheft kritzeln und nur die, wo wirklich mal mit den Eltern gesprochen werden sollte, einladen.

Meine jetzige Gruppe ist nämlich ziemlich toll. Natürlich super anstrengend, aber hey, welche 17-köpfige Gruppe von Zwei- bis Dreijährigen ist das nicht? Aber sie lernen schnell, benutzen Englisch tatsächlich auch von sich aus* und streiten kaum. Sehr entspannt, und die Kinder, die noch nicht ganz auf der Höhe sind, sind meist einfach noch zu jung und werden das Level in ein paar Monaten auch erreicht haben.

Solche Gespräche sind also nach fünf Minuten eigentlich vorbei, irgendwie versuchen wir aber mindestens 20 Minuten zu füllen, damit die Eltern nicht für nichts gekommen sind, und die Gespräche verlaufen im Kreis. Etwas nervig, zumal es bei den Kleinen dann hauptsächlich um ihr Toilettenverhalten geht.

Der Großteil der Gespräche ist jetzt aber vorbei. Am Mittwoch “durfte” ich bis 19 Uhr auf Arbeit sein, um vier Gespräche nach 17 Uhr abzuwickeln, aber auch das haben wir (meine japanische Mitlehrerin und ich) überlebt und nächsten Donnerstag sind dann endlich alle Termine abgearbeitet. Freiheit!

* Die Sätze, die zustande kommen, sind natürlich absolut unvollständig oder mit Japanisch versetzt, aber damit habe ich kein Problem. Das klingt dann so:

Claudia, yellow flowerがたくさんあるよ! (Claudia, da sind viele gelbe Blumen!)

Claudia, YuutoがPunchingしてる! (Claudia, Yuuto schlägt!)

Ich will aber nicht abgeholt werden!

Ich plane noch immer dieses Jahr nach Seoul zu fliegen. Mein Mann ist noch immer nicht allzu begeistert, er weiß nicht, was ich in Korea will. Die jetzige Abmachung ist, dass ich das Wochenende in Seoul bezahle, und er dafür nicht meckern darf.

Um von Japan aus einigermaßen günstig ins Ausland zu kommen, muss man eigentlich eine Pauschalreise buchen. Dass Flugtickets so teuer sind, hat unter anderem damit zu tun, dass die Flughäfen unglaublich viel Geld dafür verlangen, dass man landen darf. Bei einer B747-400 sind das in London Heathrow (LHR) ca. 1060€, in Tokyo Narita (NRT) 7200€. Für Tokyo Haneda (HND) sind sogar fast 9500€ fällig.

Ein Flug nach Korea kostet für eine Person 350€. Eine Pauschalreise mit Hotel und abgeholt werden gibt es ab 400€. Was mich daran so nervt abgeholt zu werden ist, dass man zwangsweise auf zumindest einem Weg (zum Hotel oder wieder zurück zum Flughafen) in einen Duty Free Shop gehen muss. Das hatten wir in Taipei auch, und es war nervig. Im Flughafen konnten wir auch nicht einfach selbst einchecken und abhauen, sondern das musste alles in der Gruppe erfolgen. Super anstrengend. Da habe ich nicht die Geduld für.

Es gibt aber nur selten Reisen, die einfach nur Flug und Hotel anbieten, und dabei günstig sind. Oder bei denen man nicht in einen Duty Free Shop muss (darüber rechnet sich da natürlich auch). Also werden wir da wahrscheinlich durch müssen. Augen zu und durch.

Einen Reiseführer habe ich schon gekauft, jetzt muss ich nur noch das Geld zusammenbekommen. Ach, und Urlaub muss mein Mann noch bekommen. Ahaha…

Verheiratet allein.

Die eher uninspirierten Beiträge der letzten Tage sind das Ergebnis meiner absoluten Energielosigkeit. Das ist nicht mehr nur einfach Natsu-Bate, sondern Erschöpfung.

Mein Mann ist in letzter Zeit nicht mehr viel zuhause. Auf der Baustelle, die er beaufsichtigt, läuft seit Monaten so alles schief, was schiefgehen kann, und jetzt versucht man das in den letzten Zügen auszubügeln. Das heißt, dass mein Mann bis spät abends auf Arbeit ist, kurz vor Mitternacht nach Hause kommt und um sechs Uhr wieder aufsteht um zur Arbeit zu gehen. In seiner derzeitigen Position muss er nämlich der erste auf der Baustelle sein. Er ist am Tag also nur circa sechs Stunden zuhause, in denen schläft er. Dieses Wochenende ist das zweite, dass er durcharbeitet. Freie Samstag gibt es auch sonst nur spärlich.

Es ist also im Moment, als würde ich alleine hier wohnen und jemandes Wäsche mitwaschen. Nach fast zwei Jahren Fernbeziehung klingt das vielleicht etwas doof, aber ich will meine Wochenenden nicht allein verbringen müssen. Ohne meinen Mann machen Wochenenden keinen Spaß, ich kann mich nicht wirklich erholen und fühle mich eher, als wäre ich krank und müsste unter der Woche einen Tag zuhause bleiben.

Das wird demnächst hoffentlich wieder besser, aber solang man meinen Mann mit Absicht* auf schwere Baustellen schickt, wird es immer eine Zeit geben, die so ist wie jetzt. Doof.

* Man hält ihn wohl für einen sehr guten Mitarbeiter und versucht das auszunutzen.

Dazu kommt natürlich, dass ich im Moment tatsächlich etwas kränkele, die Kinder auf Arbeit sich entschieden haben total durchzudrehen und ich ab Dienstag Elterngespräche halten darf. Bin ich froh, wenn ich da wieder raus bin.

Käfer-Attacke.

Nur eine kurze Beobachtung, ich bin nämlich sehr beschäftigt müde.

In meiner aus 16 Kindern bestehenden Gruppe gibt es keinen Konsens und keine mir verständliche Logik darüber, was ein gruseliges Insekt ist und was nicht. Zum Sommeranfang gab es im Kindergarten-Garten Rollasseln und anderes Geviech, die waren total super und nach ihnen wurde sogar gesucht, um sie einzufangen. Ameisen kann man auch super beobachten und ihr Haus zerstören, bevor Claudia ihnen das verbietet*. Tote Zikaden (monströse Viecher!) kann man mir auch mal als Geschenk vorbeibringen.

Sobald man aber drinnen ist, und sich eine kleine Fliege durchs Zimmer stiehlt, geht das Geschrei los. “虫!虫!” (“Mushi! Mushi!” “Insekt! Insekt!”**) aus allen Mündern und es ist kein vernünftiger Unterricht mehr zu machen, außer man lenkt die Kinder  geschickt ab und die Fliege zieht von dannen.

Seit einiger Zeit haben wir kleine Schmetterlinge im Garten, die ich mit den Kindern anschaue. Regel Nummer 1: Nicht anfassen, sonst fliegen sie weg. Da halten sich überraschenderweise auch alle dran. Wenn der Schmetterling aber gelangweilt ist und trotzdem weiterfliegt gibt es eine Aufregung, als würde er Blut saugen und sich auf der Suche nach einem Opfer befinden.

Merke: Viecher, die man aus dem Boden ausbuddeln muss sind okay. Riesige Ekelviecher eignen sich super für Geschenke. Fliegen und Schmetterlinge sind der fliegende Tod.

Und dann habe ich natürlich noch das eine Mädchen, das anfängt panisch zu schreien, sobald ein Insekt sie berührt, oder sie glaubt, berührt worden zu sein.

*Respekt vor Lebewesen usw. War natürlich als Kleinkind selbst nicht besser.

** An dieser Stelle möchte ich kurz darauf hinweisen, dass Japaner sich am Telefon nicht mit “Muschi Muschi” melden. War, als ich Teenager war, ein gängiger Irrglaube. Es heißt richtig “Moshimoshi”. “Mushi” wird auch nicht wie “Muschi” gesprochen. Damit wir das mal durchhaben.