Über das Heimweh.

Ich habe kein Heimweh. Zumindest nichts, was man normalerweise darunter verbuchen würde. Während ich meine Berliner Heimat schätze, verspüre ich kein großes Bedürfnis, dort zu sein. Nicht einmal mehr zu Weihnachten. Wahrscheinlich würde es mich nicht einmal groß stören ein Jahrzehnt nicht nach Deutschland einzureisen. Wirklich.

Berlin ist lockerer als Tokyo, grüner und schöner. Auch wenn meine Eltern mit mir im Alter von acht Jahren in die grüne Vorstadt gezogen sind, ist Berlin doch die einzige Stadt, in der ich in Deutschland je gewohnt habe. Berliner Sommer ist für mich der schönste Sommer und ich verbinde unglaublich viel mit der Stadt. Natürlich. Wenn man bis im Alter von 18 Jahren dort lebt, ist Berlin der Standard, positiv und negativ. Die Stadt hat mich geprägt, und war vor allem als ich alle möglichen Stilrichtungen mal ausprobiert habe, ein großartiger Spielplatz. Berlin ist meine Heimat. Die Frage, ob es mich nach Berlin zieht, muss ich aber verneinen.

Nach dem ersten Jahr in Japan hat es mich aber auch nicht zurück nach Tokyo gezogen, als ich wieder in Deutschland war. Sondern zurück zu meinem Mann. Es ist also kein Berlin versus Tokyo-Problem, sondern einfach etwas, das mir komplett abgeht. Ich habe eher Fernweh, nach Orten an denen ich noch nie war. Aber zurück zum Heimweh:

Ich bin auch niemand, der seine Eltern einmal die Woche anruft, wahrscheinlich sehr zum Leidwesen ebendieser. Mit meinem Vater schreibe ich manchmal E-Mails, mit meiner Mutter kommuniziere ich eher selten. So schwer es mir tut das zuzugeben, mir reicht das so, wie es ist. Natürlich denke ich manchmal, dass ich keine besonders gute Tochter bin. Dann versuche ich es scherzhaft abzutun: Wer seine Tochter im Kleinstkindalter für eine Woche an die Großeltern abschiebt um nach Paris zu fahren* braucht sich nicht wundern, wenn sie unabhängig wird. Komplett selbst eingebrockt. Aber in Wirklichkeit fühle ich mich natürlich trotzdem zumindest ein wenig schlecht.

* Wo war ich eigentlich, als meine Eltern in Marokko waren? Oder gab es mich da noch gar nicht? Ich erinnere mich nur an dieses große Glas mit Wüstensand im Büro meines Vaters.

Letztens kam ich irgendwie bei YouTube beim Herumklicken auf Tomte. Um genau zu sein auf “Die Schönheit der Chance” vom Album “Hinter all diesen Fenstern”. Das Lied zwar keinen genauen Bezug zu der Entdeckung, die ich machte, aber es ist ein gutes Lied und ihr solltet es euch anhören.

Nach ein wenig Herumklicken sah ich, dass das Album 2003 veröffentlicht wurde. Zehn Jahre ist das her. Für jemanden wie mich ist das fast ein halbes Leben her. An die Zeit, als ich Tomte viel gehört habe, erinnere ich mich gut. An die Leute mit denen ich unterwegs war, an die (wenigen) Festivals und Konzerte auf denen ich war, an so viel, so genau.

Und dann trat es mich plötzlich in die Magengrube: Ich vermisse Deutschland nicht. Ich vermisse auch die Deutschen nicht. Aber es macht mich unglaublich traurig zu wissen, dass ich hier allein mit all diesen Erinnerungen bin. Allein mit meinen Erinnerungen an Pittiplatsch-Kasetten und Astérix-Comics. Allein mit meinen Erinnerungen an die Bravo und an das erste Ärzte-Konzert. Allein mit all meiner deutschen Popkultur und all diesen Erinnerungen und all diesem Wissen, das tief in mir verankert ist. All diese Erinnerungen sind wenig wert ohne jemanden, der sie teilt.

Egal ungern ich wieder nach Deutschland ziehen würde, meine Nostalgie ist deutsch.

Mein Mann wird nie dieselben nostalgischen Erinnerungen haben, wie ich. Wenn ich vom Radiosender Fritz erzähle muss das auf ihn so wirken, wie wenn er mir von Sazae-san erzählt: Schön zu wissen, aber ich habe keinen Bezug dazu. Irgendwie ein ziemlich trauriger Gedanke.

Ob das wirklich Heimweh ist, ist eine andere Frage. Denn wirklich im Sommer nach Deutschland fliegen möchte ich noch immer nicht. Auch wenn ich es mir, angesichts des bereits bezahlten Flugtickets, versuche schönzureden. 😉

(Schweres Atmen)

Irgendwie mangelt es etwas an der Motivation, aber damit ihr nicht auf dem Trockenen sitzt und mir glaubt, dass ich noch am Leben bin:

Morgen wird im Tokyo Disney Land die Attraktion “Star Tours” nach Umbauarbeiten wiedereröffnet. “Star Tours” ist ein 4D-Kino im Star Wars-Thema. Während das bei der alten Attraktion kaum zum Tragen kam, treten in der neuen Version wohl Darth Vader, C3PO und Konsorten auf und es gibt 50 verschiedene Versionen des Films – damit man sich nicht nach dem ersten Mal langweilt. Warum die Eröffnung am 7.5. und nicht am 4.5. (Star Wars Day) stattfindet, kann ich mir nicht erklären, aber nun gut.

Darth Vader am Strand

© Lucasfilm 2013

Um die frohe Kunde von der neueröffenten Attraktion zu verbreiten, lädt der offizielle Tokyo Disney Channel derzeit eine Reihe von kurzen Filmchen hoch, die den Einmarsch von Darth Vader und zwei Storm Troopern in verschiedenen japanischen Städten dokumentieren.

Das ist durchaus unterhaltsam, aber leider nicht einbettbar, weswegen ihr einmal auf diesen Link klicken müsst, wenn ihr die Videos sehen wollt. 🙂

Bis demnächst, und möge die Macht mit euch sein!

Der farblose Frühlingsbaum.

Wenn Haruki Murakami nach Jahren wieder ein Buch veröffentlicht, muss sich der Verlag keine Sorgen machen, ob es sich verkauft. Murakami verkauft sich wie warme Semmeln und geschnitten Brot zusammen.

IMGP6412Am 12. April erschien 色彩を持たない多崎づくると、彼の巡礼の年 (shikisai wo motanai Tazaki Tsukuru to, kare no junren no toshi; Der farblose Tsukuru Tazaki und seine Pilgerjahre), schon im Vorfeld stand es beim japanischen Amazon auf Platz 1. Die Buchläden in der Nähe hatten das Buch am Abend des ersten Verkaufstages nicht mehr, und mein Buch, eine Woche später gekauft, ist schon die dritte Auflage.

Aber worum geht es überhaupt? Tsukuru Tazaki ist Ingenieur für Bahnhöfe und lebt in Tokyo. Er hat nur ein Problem: Vor 16 Jahren wurde er von seinen Freunden in seiner Heimatstadt Nagoya plötzlich und scheinbar grundlos verstoßen. Während er selbst glaubt, die Ereignisse vergessen zu können, drängt ihn eine Freundin seine alten Freunde zu treffen und zu versuchen, das Rätsel zu lösen.

Und davor und danach passiert natürlich auch ganz viel, aber versucht mal ein Murakami-Buch zusammenzufassen…

Während ich Murakami wirklich mag und seinen vorherigen Roman (1Q84) geradezu verschlunge habe, schwingt beim Lesen seiner Bücher immer ein wenig Frustration mit. Rätsel werden nie vollkommen aufgelöst und das Ende ist beinahe immer offen. Charaktere tauchen auf und verschwinden wieder, ohne dass die mysteriösen Geschehnisse um sie herum jemals aufgeklärt werden würden. Dieses Buch, für das man sich irgendeinen knackigen Titel einfallen lassen müssen wird, ist da keine Ausnahme.

Nachdem ich dieses Jahr noch kaum Japanisch gelesen hatte*, war es am Anfang eine sehr langsame und mühsame Angelegenheit, zum Schluss hin ging es immer besser. Mal schauen, was ich mir als nächstes vornehme. Vielleicht mal Koreanisch lernen…

* Das Buch, auf dem しあわせのパン (Shiawase no Pan) basiert liegt noch immer halb gelesen herum.

Ein deutscher Erscheiungstermin steht noch nicht fest.

Eisen gegen Mandarine!

Ich will ja nicht angeben, aber wir haben gestern “Iron Man 3” geguckt. Vier Tage, bevor er in Deutschland überhaupt erscheint. Warum ist das ein Grund für einen Eintrag, obwohl es sich nicht um einen japanischen Film handelt?

20130428_205518Weil es eben kein japanischer Film ist. Ausländische Filme werden in Japan meist hauptsächlich untertitelt gezeigt, selbst wenn es eine Version mit japanischen Sprechern gibt.* Man sollte also meinen, dass nicht zu viel Zeit zwischen der Veröffentlichung z.B. in Amerika und der in Japan liegen sollte – falsch gedacht. “The Avengers” kam vier Monate nach der Veröffentlichung in den USA in die japanischen Kinos. Da war der Hype im westlichen Internet schon vorbei.

* Japanische Synchronfassungen sind schrecklich. Wenn man bedenkt, wie viel Animation die jedes Jahr vertonen könnte man meinen, dass die Qualität höher sei, aber es ist leider wirklich grausig.

Es gibt verschiedene Theorien warum das so ist, die wahrscheinlichste ist, dass die japanischen Verleihe erst einmal abwarten, wie sich ein Film woanders schlägt, bevor sie ihn letztendlich einkaufen. Vielleicht ist das der Grund, warum “Iron Man 3” nun fast zeitgleich mit dem Rest der Welt zu sehen ist – die Japaner wissen schon, dass sich damit Geld machen lässt, weil die beiden anderen Filme erfolgreich waren. Warum “Thor: The Dark World”, ein Superheldenfilm aus selbem Hause, aber schon wieder mit über vier Monaten Verspätung erscheinen wird ist mir ein Rätsel.

Vielleicht, weil sie können. Es gibt in Japan im Vergleich zu Deutschland nicht so viele Leute, die englische Filme ohne Untertitel sehen können. Sonst würde sich nämlich jeder einfach schon die DVD aus dem Ausland importieren oder zu weniger legalen Mitteln greifen, bevor der Film hier erscheint.

Ach ja, der Film war übrigens natürlich wirklich gut. Ein paar Dinge machen mir vor allem auf Hinsicht auf Fortsetzungen ein wenig Sorgen**, aber die Geschichte war spannend, die Gegner waren interessant und Tony wird mit jedem Film ein wenig menschlicher. Obwohl es eine 3D-Version gibt, habe ich im Film keine komplett offensichtlichen “Schaut her, wir haben 3D!”-Sequenzen gesehen, oder vielleicht war ich viel zu sehr in die Geschichte involviert, als dass es mir aufgefallen wäre.

** Ich werde nicht spoilern, aber ich denke jeder der den Film sieht wird sehen was ich meine.