Der doppelte Baymax

 Baymax (Originaltitel: Big Hero 6; dt. Titel: Baymax – Riesiges Robowabohu) fand ich bekanntermaßen absolut großartig. Eine wirklich tolle Story mit viel Herz, in einer faszinierenden Stadt.

Es war also klar, dass ich uns die DVD kaufen würde. Am Freitag war es dann endlich so weit, doch mal wieder macht mir der DVD-Handel Probleme. Irgendjemand hat sich nämlich ausgedacht, wie man Blu-Rays unter die Leute bringt: Man verkauft sie einfach im Set mit der DVD. So ist es bei Disney-Filmen inzwischen leider üblich. Die einzelne DVD kommt erst mit großer Verspätung in den Handel.

Aber kein Problem, die Schwiegereltern haben einen Blu-Ray-Player und wollten den Film eh haben, ich könnte also ganz einfach Pluspunkte sammeln. Also DVD und Blu-Ray gekauft, und eine Nachricht an meine Schwiegermutter geschrieben: “Bitte kauft nicht die Baymax DVD, ich gebe euch die Blu-Ray!”. Smooth! 😉

Später dann die Antwort: “Wir hatten das Set vorbestellt und wollten euch die DVD geben”. Ojee, zwei Dumme, ein Gedanke. 🙂 Naja, immerhin gab es als Extra Aufkleber. Und falls wir uns irgendwann mal einen Blu-Ray-Player anschaffen sollten, haben wir zumindest schon einen Film.

Kirschblüten im Shinjuku-Gyoen.

IMGP0497Als meine Eltern vor inzwischen drei Wochen hier waren, war das Wetter nicht so super. Kirschblüten kann man sich natürlich trotzdem immer ansehen, und so machten wir uns auf den Weg zum 新宿御苑 (Shinjuku-Gyoen; kaiserlicher Garten Shinjuku).

Der Eintrag ist zwar etwas spät dran, aber die Kirschblütenzeit kommt schließlich jedes Jahr wieder. Nach der Kirschblüte ist also vor der Kirschblüte! 😀

Mit etwas über 58 Hektar Größe, ist der Shinjuku-Gyoen die grüne Lunge Shinjukus, und bietet mit japanischem, englischem und französischem Garten, einem Teehaus und einem chinesischen Pavillon einiges fürs Auge.

IMGP0494Wir waren aber für die Kirschblüte dort, genau wie die ganzen anderen Touristen. Es war mächtig voll, und das an einem Wochentag. Über den ganzen Park verteilt sind verschiedene Zierkirschbaumarten gepflanzt. Man kann sich also an verschiedenen Blütenformen und -farben erfreuen, und da nicht alle Arten genau zur selben Zeit blühen, ist das Spektakel nicht nach einer Woche abrupt vorbei.

Meine Schwester und ich.

Meine Schwester und ich.

Man darf in diesem Park übrigens sogar picknicken, was bei kostenpflichtigen Parks* sonst nicht selbstverständlich ist. Nur Alkohol darf man nicht mitnehmen. Zur Mittagszeit sieht man also viele Büroangestellte auf Planen sitzen und Mittagessen. 🙂

* Mit 200Yen (ca. 1,55€) ist man dabei.

Wie fast alle Parks in Tokyo hat auch der Shinjuku-Gyoen übrigens Öffnungszeiten. Bis 16 Uhr muss man im Park sein, um 16:30 wird man herausgescheucht. Japaner verstehen da irgendwie keinen Spaß, wie wir feststellen mussten, als wir um Punkt 16 Uhr in den Kaisergarten am Bahnhof Tokyo gehen wollten. Selbst dreistes Lügen (“Es ist unser letzter Tag in Tokyo!”) half gar nichts.

Falls ihr euch also einmal an einem grauen Tag Anfang April in Tokyo finden solltet: Verzagt nicht, Kirschblüten sind auch bei bewölktem Himmel wunderschön. 🙂

Der Park ist von folgenden Stationen erreichbar:

新宿 (Shinjuku), 代々木 (Yoyogi), 新宿御苑前 (Shinjuku-Gyoenmae), 千駄ヶ谷 (Sendagaya)

Meine neue Arbeit.

Nach einigen Bewerbungsgesprächen hat es letzte Woche endlich geklappt: Ich habe einen neuen Job. Der klingt an sich wenig spektakulär, ich bin Gruppen-Assistentin in der IT-Abteilung eines großen Unternehmens, aber es gibt viel zu lernen. Und lernen ist immer gut. 🙂

Aber noch einmal zurück. Vor einigen Monaten habe ich mich bei einer 派遣会社 (Hakengaisha; Zeitarbeitsfirma) angemeldet. “Zeitarbeit” klingt in Deutschland immer etwas nach Hilfsarbeiten auf Mindestlohnbasis, das ist hier etwas anders. Viele große Firmen setzen Zeitarbeiter zu einem anständigen Stundenlohn ein. Dennoch bin ich natürlich bei der Zeitarbeitsfirma angestellt und nicht direkt bei meinem neuen Job. Heißt, ich bin recht leicht ersetzbar.

Andererseits habe ich von meiner Zeitarbeitsfirma immer wieder Jobangebote bekommen, und wurde immer zu Bewerbungsgesprächen begleitet, was sehr geholfen hat. Außerdem gibt es viele Positionen in Unternehmen, die nicht öffentlich ausgeschrieben werden – meinen jetzigen Job hätte ich anders gar nicht gefunden. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ich irgendwann übernommen werde. 😉

IMG_1719Mein neues Büro ist in 六本木 (Roppongi), einem Teil Tokyos, den ich eigentlich nicht so mag. In Roppongi leben die, die viel Geld haben oder ihre Wohnung von der Firma gestellt bekommen, und alles ist sehr international und teuer. Ich mag mein japanisches Japan sehr gern. 😉

In der Firma sprechen die meisten auch Englisch, die Anträge laufen auf Englisch, weil es eine internationale Firma ist, aber untereinander wird lieber Japanisch verwendet. Muttersprache eben.

Die Kleidungsrichtlinien sind nicht übermäßig straff. Keine kurzen Hosen oder Miniröcke, keine Schlappen, keine Kleidung mit großen Logos von Mitbewerbern, keine freien Schultern. Das ist für ein japanisches Büro regelrecht lax.

Meine Mitarbeiter sind allesamt sehr nett und vor allem verständnisvoll wenn es darum geht, dass ich eben noch nicht alles kann. Dafür habe ich dann einen recht vollen Schulungskalender. Zum Glück hat meine Vorgängerin recht umfangreiche Dokumentation zurückgelassen, mit Beispielanträgen und worauf man achten muss. Ich habe die Dame zwar nicht kennengelernt, aber ich bin sehr dankbar. 🙂

Die Arbeitszeiten sind natürlich etwas anders als im Kindergarten, mein täglicher Arbeitsweg ist auch viel länger. Wenn es im Blog also etwas ruhiger werden sollte, wisst ihr warum. 🙂 Aber dafür kann ich demnächst endlich einen qualifizierten Eintrag über die Hölle Tokyoter Rush Hour schreiben. Yay!

Japanische Eigenheiten in sozialen Netzwerken.

(Inspiriert von diesem Artikel von Sandra Häfelin, die auch ein Comic Essay über Halbjapaner geschrieben hat. Wenn ich von “die Japaner” rede, meine ich immer “die Japaner, die ich kenne”.)

Japaner lieben ihre sozialen Netzwerke (in Japan “SNS”, von Social Networking Service). Als ich zuerst nach Japan gekommen bin, 2008, waren viele ausschließlich auf rein japanischen Plattformen anzufinden, besonders: Mixi. Für die Registrierung brauchte man eine japanische Handynummer, was im Ausland lebende komplett ausschloss. Wie Japan selbst war auch Mixi eine kleine Insel. 😉

Inzwischen sieht es etwas anders aus. Mixi verliert seit Jahren stetig an Usern, aber nicht, weil die Japaner generell weniger Lust auf soziale Netzwerke haben: Sie gehen einfach zu Facebook. 😀 Wichtiger als Facebook ist eigentlich nur noch Line. Auch Twitter ist sehr beliebt und hat nach dem Erdbeben vom 11.3.2011 eine sehr große Rolle gespielt. Informationen über Stromausfälle gab es dort immer zuerst. Außerdem kann man auf Japanisch in 140 Zeichen einfach mehr sagen als auf Englisch oder Deutsch.

Zwischen Deutschen und Japanern gibt es einige Unterschiede in der Nutzung dieser Plattformen, durchaus auch Dinge, gegen die ich immer mal pralle. 😉

Persönliche Informationen machen dich angreifbar

Ich habe das Gefühl, dass in Japan viel mehr drauf geachtet wird, wie leicht man identifiziert werden kann. Auf Twitter hat kaum jemand ein Foto von sich als Profilbild. Selbst auf Facebook, wo Japaner eher Klarnamen verwenden, haben viele Fotos ihrer Haustiere oder Kinder eingesetzt, oder sind anders nicht eindeutig zu erkennen. Arbeitgeber werden auch eher selten angegeben. Bloß nicht zu viel preisgeben. Wenn man sieht, was im Internet immer mal an Shitstorms losgetreten wird, ist das vielleicht gar nicht blöd. 🙂

“Ich teile das!” “Ich folge dir!”

Manchmal lassen Japaner einen wissen, wenn sie dir auf Twitter oder Instagram folgen oder auf Facebook etwas teilen werden. Dabei sagen mir die Plattformen das doch selbst? Egal. 「シェアさせて下さい!」 (Share sasete kudasai!; Lass mich das bitte teilen!), 「フォローさせて頂きます!」 (Follow sasete itadakimasu!; Ich lasse mich dir folgen!*). Eine Antwort brauchen beide Kommentare übrigens nicht.

* Japanische Höflichkeitsformen sind blöd zu übersetzen.

Öffentliches Bedanken

Etwas, was mir vor Lesen des Artikels von Sandra Häfelin gar nicht so bewusst war, aber absolut stimmt: Wenn ich etwas von jemandem bekomme, poste ich meist entweder auf Facebook oder Instagram ein Foto und bedanke mich dort noch einmal. 🙂 Das freut den Beschenker noch einmal und ich kann ein bisschen angeben. 😉

Nicht einfach Fotos posten

Es geht Hand in Hand mit dem ersten Punkt, aber ich frage vor allem bei Japanern (und sonst aber auch) nach, bevor ich irgendjemandes Foto im Internet poste. Vielleicht macht ihr in Deutschland das alle auch, aber ich hatte das damals nicht immer im Hinterkopf – hatte aber auch keinen öffentlichen Blog. Bei meinen Schwiegereltern und der weiteren japanischen Familie habe ich noch nicht einmal angefragt, sie würden ablehnen. Meinen Mann darf ich posten, aber auch das hat Zeit gebraucht. 🙂

Schaut: Kein Make Up!

Japanerinnen haben oft sehr viel Make Up im Gesicht. Viele Japanerinnen sind auch viel besser mit Make Up als ich, und können sich sogar in der schaukelnden Bahn schminken. Ich habe Geschichten gehört von jungen Frauen, die eine Stunde vor ihrem Freund aufstehen, damit er sie bloß nie ohne Make Up sehen muss. Mein Mann hat einmal ein Mädchen aus seiner Unigruppe nicht erkannt, weil sie nicht geschminkt war. Sein Gesicht ohne Make Up (すっぴん suppin) zu zeigen und zu taggen, ist etwas, was wahrscheinlich in Japan viel öfter vorkommt als in Deutschland – einfach weil es viel ungewöhnlicher ist sein Gegenüber ungeschminkt zu sehen.

Verlinkung? Welche Verlinkung?

Das ist etwas, was mich persönlich etwas nervt, aber wahrscheinlich aus der Mixi-Zeit stammt: Wenn man bei Facebook den Namen eines Freundes eingibt, erscheint eine Liste. Wenn man den Freund dort auswählt, findet im Text eine Verlinkung auf sein Profil statt und er wird benachrichtigt. Japaner machen das ganz oft nicht, und dann muss man jeden Kommentar durchlesen um zu sehen, ob geantwortet wurde. Im japanischen Text muss man ein @ vor den Namen setzen, sonst erscheint die Liste nicht, aber ein Zeichen mehr oder weniger…