Golden Week-Rückblick

Seit der Golden Week ist schon wieder über eine Woche vergangen, aber ich wollte dennoch einen kleinen Rückblick hinterlassen.

Was ist die Golden Week?

Von Ende April bis Anfang Mai reihen sich in Japan verschiedene Feiertage aneinander. Wer diese mit bezahlten Urlaubstagen verbindet, kann sich über einen längeren Zeitraum freinehmen ohne zu viele Urlaubstage zu aufzubrauchen.

Ich hatte dieses Jahr vom 29. April (Shōwa-Tag, der Geburtstag des vorletzten Kaisers) bis zum 6. Mai (Verfassungsgedenktag) frei. Der Plan war, mich einfach mal zu erholen.

29. April – Shōwa-Gedenktag

Für den ersten Tag der Golden Week hatten wir einen einfachen Plan: Unser Sohn sollte ein neues Fahrrad bekommen. Aus dem Alten ist er inzwischen einfach herausgewachsen.

Wir fuhren also ins Einkaufszentrum, wo er direkt auf den Indoor-Spielplatz wollte und plötzlich auch gar kein Interesse mehr an Fahrrädern hatte. Das ist im Moment sowieso das Anstrengendste: Die Meinung ändert sich ständig und meist hat er dann plötzlich auf gar nichts mehr Lust. Absolute Totalverweigerung.

Er besteht auch darauf, dass er nächstes Jahr ganz sicher nicht Erstklässler wird und deswegen keinen japanischen Ranzen (ランドセル Randoseru) benötigt. Ich habe mir trotzdem einige angeguckt. Wenn er sich dann endlich seinem Schicksal ergeben hat, werde ich noch einmal getrennt darüber schreiben.

30. April – 1. Urlaubstag

Ich hatte mir vorgenommen, während der Golden Week möglichst viele alte Kleidung von meinem Sohn online zu verscherbeln. Entsprechend verbrachte ich den Vormittag damit, alles zu fotografieren und ins Internet zu stellen.

Nachmittags habe ich mich nach Monaten mal wieder mit einer japanischen Freundin von mir getroffen. Wenn alle erwachsen und berufstätig sind, ist es gar nicht so einfach, sich einfach mal schnell zu verabreden. Zumal ich auch keine Freunde habe, die in meiner Nähe wohnen.

Einfach ein paar Stunden über Internet-Drama und Manga reden zu können hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. 🙂

Nachts konnte ich dann nicht schlafen, weil ich mir eine Harnwegsinfektion zugezogen hatte und mein Körper die ganze Zeit dachte, ich würde mir einnässen. Hervorragend. Genau das, was man im Urlaub braucht.

1. Mai – 2. Urlaubstag

Meinen zweiten Urlaubstag verbrachte ich also hauptsächlich damit, mich ein wenig auszuruhen. Abends war ich mit Bekannten verabredet. Einer davon hilft immer mal in einer sehr kleinen Bar in Ikebukuro aus, wo wir uns dann treffen und einfach quatschen, Karaoke singen und dämliche Trinkspiele spielen.

Weil ich so erschöpft war, ging ich aber nach zwei Stunden wieder. Nur um dann wieder nicht schlafen zu können.

2. Mai – Samstag

Meine Schwiegereltern nahmen sich unserem Sohn an, ich hatte aber trotz absoluter Übermüdung gar keine Lust, zuhause zu bleiben und fuhr kurzentschlossen nach Harajuku. Hinter dem adidas Originals Flagship Store dort hatte der Samba Mart geöffnet: Ein kleiner Laden, der einem japanischen 24-Stunden-Conbini nachempfunden war. Wenn man dort mit adidas bekleidet vorbeikam, konnte man sich ein Produkt aussuchen, wer Mitglieder-Punkte hatte (habe ich natürlich zuhauf), auch noch mehr.

Hinterher lief ich an einem sehr gut aussehenden Pfannkuchenladen vorbei – und musste im Geschäft feststellen, dass die Preise offenbar komplett auf die Portmonees von ausländischen Touristen zugeschnitten waren. 2 600 ¥ sind vielleicht nur 14 €, fühlen sich aber an wie 26 €. Und ganz ehrlich: 26 € waren diese Pfannkuchen ganz sicher nicht wert.

Ich lief noch weiter bis nach Shibuya, sah mir den adidas-Laden dort an, und fuhr dann wieder nach Hause. Abends aßen wir bei meinen Schwiegereltern.

3. Mai – Sonntag

In Deutschland wir die Sportart Padel (ein simplifiziertes Tennis) wohl immer populärer, wir müssen immer ganz schön in die Pampa fahren, um es spielen zu können. Da unser Sohn es aber liebt und tatsächlich immer besser wird, nehmen wir den Weg natürlich trotzdem auf uns.

Den Rest des Tages verbrachten wir zuhause, sahen Filme und telefonierten mit meinen Eltern.

4. Mai – Grüntag

Das Edo-Tokyo Museum in Ryōgoku war mehrere Jahre geschlossen gewesen, um wichtige Renovierungsarbeiten am Gebäude durchzuführen. Seit April ist es wieder geöffnet. Es ist von uns aus sehr gut zu erreichen, unser Sohn mag Museen, warum also nicht?

Zuerst hätte mich die lange Schlange vor dem Museum fast zum Umdrehen bewegt, wir haben dann aber einfach online Tickets gekauft und konnten an den Menschenmassen vorbeiziehen. Das Museum selbst ist sehr weiträumig und es kam uns nie unangenehm voll vor.

Im Museum geht es um die Geschichte der Stadt Tokyo, mit großen Modellen der Stadt, nachgebauten Häusern und vielen anderen Sachen, die auch Kindern Spaß machen. Die Ausstellung wurde kaum erneuert, die einzigen Ergänzungen sind einige neue Videoanimationen. Ich finde trotzdem, dass sie sich sehr lohnt.

Auch hier verbrachten wir den Nachmittag wieder zuhause, guckten Filme und spielten mit Lego.

5. Mai – Kindertag

Am Kindertag war unser Sohn wieder bei den Schwiegereltern und mein Mann und ich besuchten den neusten Bahnhof der Yamanote-Linie in Tokyo: Takanawa Gateway. Entworfen vom bekannten japanischen Architekten Kuma Kengo ist der relativ kleine Bahnhof sehr hell und nuzt viel Holz (oder Material, das wie Holz aussieht).

Direkt vor dem Bahnhof befindet sich ein Einkaufszentrum. In den letzten Jahren versucht man Einkaufszentren – neu sind z.B. Miyashita Park in Shibuya, Harakado in Harajuku oder Azabudai Hills in Roppongi – individueller und vor allem grüner zu gestalten, aber ich bin noch nicht ganz überzeugt. Takanawa Gateway City empfand ich vor allem als unübersichtlich.

Den Nachmittag verbrachten wir bei den Schwiegereltern zuhause damit, Lego zusammenzubauen und uns den Bauch vollzuschlagen. Alles wie immer.

6. Mai – Verfassungsgedenktag (letzter Tag)

Den letzten Tag unserer Golden Week verbrachten wir an einem Ort, den unser Sohn inzwischen wie seine Westentasche kennt: Im städtischen Aquarium in Kasai. Auf dem Gelände neben dem Aquarium wird derzeit ein neues Aquarium errichtet, in das die Tiere 2028 umziehen werden. Einerseits bin ich gespannt darauf, wie das neue Aquarium aussehen wird, andererseits liebe ich, dass man im jetzigen Aquarium an einigen Stellen hinter die Kulissen sehen kann.

Da sich das Aquarium direkt am Meer befindet, frönten wir einer alten japanischen Tradition: Im Watt spielen (干潟遊び Higata-asobi). Während der Ebbe findet man im Watt so einiges, mein Mann und Sohn entdeckten unter Steinen kleine Krebse. 🙂


Golden Week ist eine große Reisewoche in Japan, doch dieses Jahr sind nur etwa die Hälfte der Japaner verreist. Als Gründe dafür nennen sie Inflation und den schwachen Yen. Tatsächlich ist es im Moment utopisch, nach Amerika oder Europa zu reisen.

Innerhalb Japans haben sich die Hotelpreise in den Touristenhochburgen an die Geldbeutel der ausländischen Besucher angepasst und sind deswegen für Japaner kaum noch erschwinglich.

Wir reisen sowieso lieber in für ausländische Touristen eher uninteressante Gebiete, weswegen es uns nicht so sehr wehtut, aber diese Golden Week hatten wir einfach keine Lust. Ausgeruhter ist man meist sowieso zuhause. 😀

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