Kyoto: Der lange Weg zum Kiyomizu-Tempel.

Ich liebe es, zu verreisen. Mit Kind nicht immer ganz einfach, aber mein Mann hatte mir versprochen, dass er sich für zwei Tage alleine um unseren Sohn kümmern würde. Kaum hatte er das Versprechen ausgesprochen, war ich auch schon auf der Suche nach einem geeigneten Reiseziel.

Schnell kam ich auf Kyoto: Leicht mit dem Shinkansen zu erreichen, ohne Auto erkundbar, mein Mann wollte sowieso nicht hin und dank Corona würde ich mich nicht mit gefühlten fünf Millionen anderen Touristen um die besten Plätze kloppen müssen. Die anderen Touristen waren bisher nämlich der Grund gewesen, warum ich Kyoto seit zehn Jahren nicht mehr besucht hatte.

Mehr: Warum ich nicht nach Kyoto fahre.

Doch nun: Zwei Tage freie Bahn!

Nachdem ich mein Gepäck im Hotel abgegeben hatte, stieg ich auf dem Weg in Richtung zum Kiyomizu-Tempel (清水寺 Kiyomizudera) erst einmal in den falschen Bus. Das führte dazu, dass ich mich dem Tempel anders näherte und auf dem Weg so viel abgelenkt wurde, dass es über drei Stunden dauerte, bis ich endlich ankam. Das ist nämlich das eigentliche Problem mit Kyoto: Es gibt einfach viel zu viel zu sehen!

Den Yasaka-Schrein (八坂神社 Yasakajinja) im Vergnügungsviertel Gion gibt es seit dem Jahr 656 und er ist der Ursprung des bekannten Gion-Matsuri. Direkt hinter ihm liegt der Maruyama-Park, in dem es unter anderem ein kleines Café gibt. Kyoto ist unter anderem für seinen Tofu bekannt, also aß ich ein Sojabohnen-basiertes Frühstück: Toastbrot mit Tofu-Anteil, Kinako (gemahlene geröstete Sojabohnen), Mitarashi (süße Sauce, die unter anderem Sojasauce enthält) und natürlich Sojamilch.

一休庵 Ikkyūan
Im Maruyama-Park (円山公園)
Google Maps
Täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet

So gestärkt machte ich mich wieder auf den Weg zum Kiyomizu-Tempel nur um wieder abgelenkt zu werden: Der Weg zum Kōdai-Tempel (高台寺 Kōdaiji) war aber auch einfach zu verführerisch.

Der Zen-Tempel wurde von Nene (oder Kōdai-in oder Toyotomi Yoshiko oder…), der Witwe eines der bekanntesten Daimyō, Toyotomi Hideyoshi, erbaut, damit dort für ihren verstorbenen Ehemann gebetet werden konnte. Sie war nach seinem Tod zur Nonne geworden und lebte den Rest ihres Lebens in dem Tempel, in dem auch Toyotomi Hideyoshi und andere Familienmitglieder beigesetzt wurden.

Der Tempel ist weitläufig und bietet eine wunderschöne Aussicht über Kyoto. An so einem Ort würde ich meinen Lebensabend auch gern verbringen. 😉 Man darf mich nach meinem Tod dann auch gern, wie Nene, “Engel des Lichts” (光の天使 Hikari no Tenshi) nennen.

Zum Kōdai-Tempel gehört auch der Entoku-Tempel (圓徳院 Entokuin). Dort ist genug Platz, um sich einfach hinzusetzen und die Gebäude und Gärten auf einen wirken zu lassen. Schreine und vor allem Tempel sind ein hervorragender Ort zum Innehalten und auf einer Reise muss man auch einfach mal abschalten.

Und dann, endlich Kiyomizu-Tempel? Nein. Natürlich nicht.

Davor zog der Tempel Yasaka Kōshindō (八坂庚申堂) meinen Blick auf sich – Vor allem, weil sich dort viele junge Frauen im Kimono eingefunden hatten. Wegen der farbenfrohen Stoffbälle, die im ganzen Tempel aufgehangen sind, ist er ein sehr beliebter Ort für Instagram-Schnappschüsse. Die Stoffbälle stellen in Wirklichkeit Affen dar, deren Arme und Beine zusammengebunden sind. Affen stehen für die menschliche Begierde, die zusammengeschnürten Gliedmaßen dafür, sie unter Kontrolle zu bekommen. Man kann einen der Affen kaufen, seinen Wunsch darauf schreiben und ihn im Schrein aufhängen.

Auf dem weiteren Weg zum Kiyomizu-Tempel wurde es dann auch das einzige Mal auf meiner ganzen Reise ein wenig voll: Sangenzaka, die Straße, die zum Kiyomizu-Tempel führt, war voller Schulklassen. Herbst ist in Japan Klassenfahrtszeit. Ansonsten waren übrigens viele jüngere Freundesgruppen und Pärchen unterwegs.

Und dann: Kiyomizu-Tempel! Einer der berühmtesten Tempel Kyotos und Weltkulturerbe. Im gesamten Tempelgebäude wurde kein einziger Nagel verwendet und trotzdem wackelt nichts. Bei der Höhe des Tempels wäre ein Wackeln auch wirklich Grund zur Sorge. 🙂 Auf dem Gelände befinden sich übrigens auch Schreine. Geschichtlich gesehen waren Buddhismus und Shintoismus viel länger vereint, als man annehmen könnte, deswegen findet man in Schreinen Symbole des Shintoismus und umgekehrt.

Ich mag Schreine und Tempel gleichermaßen gern, aber zu meinem absoluten Lieblingstempel nehme ich euch im nächsten Artikel mit – der hier ist nämlich schon ziemlich lang geworden. 😉

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